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Spielplan für September 2018

Das Musikfest eröffnet mit der Hommage an einen der Großen in der Musik auf ihrem Weg durch die zweite Hälfte des 20. hinüber ins 21. Jahrhundert. Das Berliner Musikleben verdankt dem Komponisten und Dirigenten Pierre Boulez viel. Seine Werke von den frühen Klaviersonaten über den Marteau sans maître und Pli selon pli bis zu Répons und den späten Ausarbeitungen früher Entwürfe wie den Notations wirkten in den Konzerten des Musikfest Berlin oft wie Kristallisationskerne der Programmgestaltung. Mit dem von ihm gegründeten Ensemble intercontemporain und als Gast am Pult der Berliner Orchester dirigierte er Programme, die von der Gegenwartsmusik her in die Geschichte leuchteten. Sein Gedenkstück Rituel für den Freund und Mitstreiter Bruno Maderna, der 1973 in Darmstadt starb, nannte Boulez eine »Zeremonie des Erinnerns, in der es zahlreiche Wiederholungen der gleichen Formeln in ständig wechselnden Profilen und Perspektiven gibt«. Das Orchester ist in acht Gruppen geteilt. Die Gruppen eins bis sieben bestehen aus ein bis sieben Streichern oder Holzbläsern, denen je ein Schlagzeuger zugeordnet ist, die achte Gruppe aus 14 Blechbläsern und zwei Schlagzeugern. Für eine Aufführung in der Berliner Philharmonie entwarf Boulez eine spezielle Aufstellung, die alle Gruppen von allen Plätzen hör- und sichtbar macht. Daniel Barenboim übernimmt diese Einrichtung für das Eröffnungskonzert. Die streng sachliche Art, in der Boulez Strawinskys Sacre dirigierte, verdeutlichte das emotional und kulturell Aufwühlende in dieser Pionierpartitur. Sie blieb für den Dirigenten wie für den Komponisten Boulez ein Referenzwerk, das er immer wieder in neue Werkkonstellationen stellte. Pierre Boulez und Daniel Barenboim gaben gemeinsam ihr Debüt bei den Berliner Philharmonikern, Boulez als Dirigent, Barenboim als Pianist. Das war im Jahre 1964, Boulez war damals 39, Barenboim knappe 21 Jahre jung. Seitdem verband die beiden Künstler eine immer engere Freundschaft. Deren architektonisches Dokument ist der Pierre Boulez Saal in der Barenboim-Said Akademie, ein Raum der Konzentration und des Experiments. Berliner Festspiele/Musikfest Berlin, der Staatskapelle Berlin und der Philharmonie de Paris. Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele/ Musikfest Berlin in Kooperation mit der Staatskapelle Berlin


Kategorie: Klassik

Zum Musikfest 2014 interpretierte Isabel Faust alle sechs Sonaten und Partiten, die Johann Sebastian Bach für Violine allein komponierte. Nicolas Altstaedt setzt die Reihe in diesem Jahr mit dem Pendant fort: mit der Aufführung der sechs Suiten für Violoncello solo. Mit ihnen schuf Bach für das tiefe Streichinstrument ein exemplarisches Kompendium, das den Sonaten und Partiten für Geigen, wie dem Wohltemperierten Klavier nicht nachsteht. Neben dem bis heute gebräuchlichen Instrument verlangt er für die fünfte Suite eine sogenannte Scordatur: Die obere Saite wird um einen Ton von a nach g heruntergestimmt, der Grundklang dadurch gedeckter. Bach entspricht dem mit der Wahl der Tonart c-Moll, der dunkelsten in der ganzen Gruppe. Die sechste Suite in der Festtonart D-Dur sah er für ein Violoncello piccolo vor, ein fünfsaitiges Instrument, das über der a-Saite noch eine e-Saite besitzt und damit hellere Regionen ansteuern kann, die Bach auch bevorzugt. Jede Suite beginnt mit einem Preludio.- die musikalische Spanne reicht dabei vom fantasieartigen, improvisationsnahen Virtuosenstück bis zum Typus der französischen Ouvertüre mit integrierter Fuge. Bei den nachfolgenden Tanzsätzen wählte Bach die Standardfolge von (mäßig schneller) Allemande, (rascher) Courante, (langsamer) Sarabande und (meist sehr schneller) Gigue. Jede Suite stilisiert den jeweiligen Typus auf besondere Art. In alle fügte er vor der abschließenden Gigue einen weiteren Satz ein: ein Menuett, eine Bourrée oder eine Gavotte. Bis weit ins 20. Jahrhundert blieben diese Werke kompositorisch und in ihren Anforderungen an die Interpreten das Maß aller Dinge: das Zentrum im Kosmos Cello.


Kategorie: Klassik

Inspiriert durch die Komposition Clocks and Clouds von György Ligeti wird hier untersucht, warum Uhren so exakt rhythmisch laufen und die Zeit trotzdem rennen und schleichen kann.- wie sich Wolken anhören und ob man aus einer Uhr eine Wolke machen kann. Um diese philosophischen Gedanken greifbar zu machen, gestalten die Teilnehmenden im Laufe dieses Workshops zusammen mit der Fotografin Sibylle Baier sogenannte »Sunprints«, mit deren Hilfe aus den abstrakten Ideen eine sichtbare Collage wird. Empfohlen ab 16 Jahren


Kategorie: Klassik

Das Rotterdam Philharmonic Orchestra, geleitet von Yannick Nézet-Séguin nimmt sich in seinem Gastspiel in Berlin Bernd Alois Zimmermanns Sinfonie in einem Satz an, die seit 65 Jahren nicht mehr in dieser Version (mit Orgel) gespielt worden ist, obwohl der Komponist nach der Uraufführung durchaus mit ihr zufrieden war. Dennoch revidierte er sie, straffte hier und da, instrumentierte neu, nahm die Orgel heraus. Diese aber verleiht der Ursprungsversion nicht nur eine charakteristische Klangfarbe, sondern auch eine besondere Raumwirkung. Das Musikfest Berlin erinnert zu Zimmermanns 100. Geburtstag an diese erste, experimentellere Form des Werkes. Es war für den Komponisten ein Versuch von grundsätzlicher Bedeutung, die ungewisse Antwort auf die Frage, ob sich die Entwicklung aus einer Grundgestalt mit dem symphonischen Denken vereinbaren ließe. Womit Anton Bruckner seine Symphonien begann – die Erschaffung eines Themas, eines musikalischen Gedankens aus seinem Elementarteilchen – wurde für Zimmermann zum Prinzip des gesamten musikalischen Prozesses. Die Symphonie wurde vom diskursiven Medium zur Form einer Metamorphose, die sich auf ein Ziel richtet, ohne vorab zu wissen, wo es zu finden ist und wie es aussieht. Bruckner, der Meister, der seine Symphonien teilweise mehrfach revidierte, diente dem großräumigen Komponieren auf ein Ziel hin als Bezugsgröße, auch wenn er selbst musikalisch ganz andere Wege einschlug. Es gibt nicht nur eine Form-, sondern auch eine Ideengeschichte der Symphonie. Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele/Musikfest Berlin


Kategorie: Klassik

Kritiker und Künstler sind keineswegs natürliche Feinde, auch wenn das gerne karikaturenhalber behauptet wird. Immerhin gab es Zeiten, da spielten sie, wie Hanslick und Brahms, vierhändig miteinander Klavier. Es gibt jedoch keinen Anlass anzunehmen, diese guten alten Zeiten seien vorüber. Auch wenn die alten Zeiten in Wahrheit niemals so gut waren, wie ihnen später nachgesagt wird. Deshalb ist es wichtig, dass all diejenigen, denen die Kunst eine Herzensangelegenheit ist und die ihre Sachwalter sind, an einem Strang ziehen, gemeinsam und für die Kunst und – durchaus kritisch.Freilich hat im Fall der Musikkritik das allfällige Geschäft der Public Relation (Porträts, Homestory, Interview) den kritischen Diskurs über die Werke und deren Interpretation (Rezension) in vielen Zeitungen und Zeitschriften schon aufs Briefmarkenformat zurückgedrängt. Die Werbung ersetzt Argumente. In den Klassikforen im Internet wird zwar von vielen sehr viel argumentiert, aber auch viel gefaselt. Und so ist eine kritische »Institution wie die Bestenlisten, die der Preis der deutschen Schallplattenkritik (PdSK) vierteljährlich veröffentlicht, wichtiger denn je.Eine Handvoll Musikkritiker hatte sich vor rund 50 Jahren zusammengetan, um diesen Preis zu gründen mit dem Ziel, für den von PR überfluteten Schallplattenmarkt eine zuverlässige Qualitätskontrolle zu installieren, klare Empfehlungen zu geben und die Interpretationskunst zu fordern. Heute gehören rund 140 Musikkritiker aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu diesem Verein, sie arbeiten alle ehrenamtlich und unentgeltlich in 29 Fach-Jurys und küren, neben den Bestenlisten, in jedem Herbst Jahres- und Ehrenpreisträger. Vier von ihnen setzen sich jeweils zusammen zu einem »Quartett der Kritiker«, um ein bestimmtes Werk zu diskutieren, das live auf der Bühne zur Aufführung kommt.Eleonore Büning Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele/Musikfest Berlin in Zusammenarbeit mit Deutschlandfunk Kultur und dem Preis der deutschen Schallplattenkritik e. V.


Kategorie: Klassik

Manchmal muss es wohl still werden um Kunst, damit man sie wieder in ihrer Unmittelbarkeit erlebt. Die Werke Anton Weberns waren im Konzertleben der letzten Jahrzehnte sparsam, ja immer sparsamer vertreten, nachdem sie dreißig, vierzig Jahre zuvor noch als Referenzgröße des modernen Bewusstseins galten. Enno Poppe ist selbst Komponist, und als solcher darauf aus, Überliefertes neu zu lesen, besonders das, was zur Geschichte wurde, ohne dabei das Befremdende, sprich: Erneuernde, abgelegt zu haben. Die Passage durch Weberns Œuvre beginnt und endet mit Variationen, mit Werken, an denen der Disput über die Ästhetik des Komponisten beispielhaft ausgetragen wurde. Sie führt zu Liedern, zum Gesang, der sich verströmen will, auch wenn er sich kurz fasst.- zu den dichten Instrumentalstücken, die auf den erfüllten ästhetischen Augenblick aus sind. Was diese Werke verbindet, was sie trennt, was den Schritt vom einen zum nächsten motiviert, ist Sache der hörenden Erfahrung – vergleichbar mit der Haltung des Flaneurs, der wachen Sinnes durch die (Kunst-)Welt geht. Den zweiten Teil bildet ein Werk, das als großes Kontinuum erfahren werden will, und doch in dem Bewusstsein komponiert wurde, dass das Kontinuum, das ständige Weitergehen, die Veränderung, also die Diskontinuität verlangt, um wahrgenommen werden und wirken zu können. »Passage heißt Durchgang, alles ist Durchgang, Wahrheit ist nur im und als Übergang zu haben«, meinte Mathias Spahlinger, der Stück und Titel mit einem doppelten Vergleich umriss: mit dem Bild von Schaufenstern in einer Ladenpassage, an denen man immer wieder vorbeikommt, und mit dem Bild einer Landschaft, durch die man wie in Spiralen hindurchgleitet. Für Komponisten wie Enno Poppe repräsentiert passage/paysage ein Jahrhundertwerk, das vergleichbar mit dem Sacre von Igor Strawinsky Bisheriges außer Kraft setzte. Eine Produktion des Ensemble Modern, Berliner Festspiele/Musikfest Berlin und der musica viva des Bayerischen Rundfunks, gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes. Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele/Musikfest Berlin


Kategorie: Klassik


Kategorie: Klassik

Zwei Arten musikalischer (Raum-)Erfahrung werden im Konzertprogramm des Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam unter der Leitung von Manfred Honeck durchgespielt, die extensive und die intensive. Die extensive drängt in die Weite, und zwar in allen Bereichen des komponierten Werkes: in Klang, Form, Zeit, Gedankenschichtung und Gestaltmetamorphosen. Bruckners Symphonien führen das expansive Erschließen eines musikalischen Raumes mustergültig vor, jede auf ihre Weise. Die Dritte, die »Wagner-Symphonie«, holt dabei in ihrer ersten Fassung am weitesten aus. Sie beschränkt sich nicht auf ihr angestammtes Gebiet. Bruckner widmete sie dem verehrten Musikdramatiker, und er unterstrich dies durch eine Reihe von Zitaten vor allem aus Tannhäuser, seiner ersten, überwältigenden Begegnung mit »dem Meister«, wie er ihn nannte, und dessen Tonsprache. Theatralisch Erfundenes holte Bruckner in die reine Instrumentalform, den dramatischen Fingerzeig des Bühnenwerkes verwandelt er in den Stoff einer orchestralen Erörterung. In der späteren Fassung tilgte der Komponist die ausdrücklichen Hinweise auf Wagners Opern, eine »Wagner-Symphonie« blieb die Dritte dennoch. Die frühe Version bietet den Vorzug kühner Unmittelbarkeit und unverstellter Deutlichkeit, sie gewährt einen Einblick in das Laboratorium Bruckners. In ihren Dimensionen und mit ihrer Kombination von erfundenem mit vorgefundenem Material wirkt sie wie ein Manifest jener »neuen Symphonie«, die Gustav Mahler und sein früh verstorbener Freund Hans Rott auf ihre Fahnen schrieben. Die intensive Erfahrung sucht dagegen nach Mitteln und Wegen, die Vision des großen Raumes in eine Art Magnetkern zu bannen. Weberns kurze Streicherstücke sind Meisterwerke solcher Verdichtung, bei der eine Geste einen ganzen Gedankenkomplex vertritt. Alban Berg durchkreuzt mit seinem Altenberg-Liedern das Pathos des Erhabenen, ohne vom Kunstanspruch etwas zurückzunehmen. Alban Bergs Altenberg-Lieder bannen die Passionen und Ekstasen von Wagners Musikdramen in epigrammatische Kürze, in eine Romantik unter Hochdruck. Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele/Musikfest Berlin


Kategorie: Klassik

Nach der Bruckner’schen Wagner-Symphonie am 4. September nun Wagner selbst, der Schlussakt des vorletzten Abends aus dem Ring des Nibelungen, der letzte steile Höhepunkt, ehe es mit der Götterdämmerung ins Untergangsfinale geht – präsentiert von dem Orchester der Deutschen Oper mit dem ausgewiesenen Wagner-Spezialisten Donald Runnicles am Pult Von Wotans Ratlosigkeit steigert sich der dritte Siegfried-Aufzug über Zwist und Kampf, gemeine Intrige und heroische Kraft zur großen Liebesfeier von Brünnhilde und Siegfried, den kein Firewall an seiner erotischen Eroberung hindern konnte. Anton Bruckner war dabei, als die Nibelungen-Tetralogie im Sommer 1876 in Bayreuth uraufgeführt wurde, er erlebte die Begeisterung der Wagnergemeinde und sah sich durch mehrere Einladungen in die Villa Wahnfried geehrt. So fügt sich dieser konzertante Opernabend bruchlos in die Brucknerreihe des Musikfest Berlin ein. Er wird, wie zwei der großen Kompositionen des Symphonikers aus Linz, durch Werke von Bernd Alois Zimmermann kontrapunktiert: Stille und Umkehr ist im Gegensatz zu Wagners Siegfried-Finale ein Stück der Zurücknahme, leise, eine Farbenfantasie über und um einen Ton, nicht auf Ekstase, sondern auf Verinnerlichung gerichtet. Photoptosis bedeutet im Griechischen Lichteinfall. In Zimmermanns Komposition bezieht sich dies auf die Veränderung von Farbflächen, auf eine »innere Dramaturgie der zartesten Klangfarbenschattierungen, beginnende quasi mit einem Minimum von Lichteinfall bis zum Maximum am Schluss des Werkes« (B. A. Zimmermann). Eine Veranstaltung der Deutschen Oper Berlin in Kooperation mit Berliner Festspiele/Musikfest Berlin


Kategorie: Klassik

Mit Gustav Mahler begann die gemeinsame Geschichte des Boston Symphony Orchestra und Andris Nelsons. Kurzfristig übernahm er 2011 die Leitung der Neunten Symphonie und überzeugte das Orchester so eindrucksvoll, dass es ihn rasch zu weiteren Dirigaten einlud und ihn 2013 zum neuen Music Director nominierte. Bereits nach der ersten Saison wurde sein Vertrag auf Wunsch des Orchesters verlängert. Mit Mahler gastiert nun Nelsons zum zweiten Mal nach 2015 mit »seinen« Bostonern beim Musikfest Berlin. Damals dirigierte er Mahlers Sechste, jetzt wählte er die andere d-Moll-Symphonie, die Dritte, die große. Zu ihr äußerte Mahler seinen wohl berühmtesten Satz: »Symphonie heißt mir eben: mit allen Mitteln der vorhandenen Technik eine Welt aufbauen.« Er tat es. Die Dritte entwirft einen musikalischen Kosmos, der vom riesigen Symphoniesatz bis zur leicht sentimentalen und Kind nahen Volkstümlichkeit alles durchläuft, die Dramatisches, Groteskes, Liebliches, Erhabenes und Humoriges, und am Ende ganz viel Gesang enthält, erst mit, dann ohne Worte. Und wie die profane Welt, ist sie nicht einfach zusammenzuhalten. Allerdings stellt das ruhige Finale alles vorher Gewesene in einen virtuell grenzenlosen Zeit- und Klangraum.- rückt dadurch auch Drama, Groteske, Tiefsinn und Volkston ins milde Licht utopischer Schönheit.Mahler hat in den USA eine eigene Tradition, anfangs auch bei den Bostonern. Dort wurde sie in der Ära von Erich Leinsdorf und der Gastdirigentenzeit von Bernard Haitink erneut aufgenommen und weitergeführt. Sie fand in Andris Nelsons eine werkbewusste, eigenwillige Fortsetzung. Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele/Musikfest Berlin


Kategorie: Klassik

Hier treffen sie noch einmal aufeinander, die beiden großen Katholiken, mit ihren letzten Werken. Anton Bruckner konnte seine Neunte, die er »dem lieben Gott« widmete, nicht vollenden. Bernd Alois Zimmermann ging nach Abschluss der Ekklesiastischen Aktion Ich wandte mich und sah an alles Unrecht, das geschah unter der Sonne aus dem Leben. Bruckner wird ein naiver Glaube nachgesagt.- Zimmermann war dagegen ein Zweifelnder, Suchender, das zutiefst skeptische Buch der Bibel, den Prediger Salomo, las er besonders gern und zog es nicht nur einmal für seine Kompositionen heran. Hört man die Musik der beiden Künstler, die fast ein Jahrhundert trennt, dann verschiebt sich zumindest die Einstellung zu Bruckner. Seine Symphonien, vor allem seine letzte, sind alles andere als naiv. Der harte Siebenklang, den der langsame Satz mit gnadenloser Konsequenz ansteuert, ohne ihn aufzulösen, kann als jener Notschrei der Menschheit gehört werden, in dem Schönberg den Ursprung aller Kunst und allen Kunstbedürfnisses erblickte. Er hallt verstärkt in Mahlers Zehnter Symphonie und in Alban Bergs Violinkonzert nach. Dort führt er zum Zitat eines Bach-Chorals, eben jenes Chorals, mit dem Zimmermann seine Ekklesiastische Aktion beschließt: »Es ist genug! Herr, wenn es dir gefällt, so spanne mich doch aus.« In der Ekklesiastischen Aktion, die nach der Absicht des Komponisten auch stilisierte theatralische Elemente enthalten sollte, ist die Idee des Gesamtkunstwerks auf ihre knappste Ausdrucksform gebracht. Zwei Sprecher sind beteiligt, sie rezitieren nicht nur Biblisches, sondern auch einen Auszug aus Dostojewkis »Großinquisitor«, und zwar jene Stelle, an welcher der Titel-»held« mit dem auf die Erde zurückgekehrten Christus zusammentrifft. Ihr Disput bringt keine Versöhnung, keinen Ausgleich. Der Verfolger und der, der einst selbst verfolgt wurde, kommen nicht überein.- das Göttliche und das Menschliche vertragen sich am Ende nicht und können doch ohne einander nicht sein. Was treibt einen zu Gott, an den man glaubt, weil es ihn nicht gibt? Mit den Münchner Philharmonikern und Valery Gergiev gehen Künstler dieser ewigen Seinsfrage nach, deren gemeinsame Stärke die bedingungslose Intensität ist. Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele/Musikfest Berlin


Kategorie: Klassik

Vom Klavierspiel ist Cédric Tiberghien nach eigenem Bekunden seit frühester Kindheit »geradezu besessen«. Als 14-Jähriger begann er am Pariser Conservatoire zu studieren, wo ihm bereits drei Jahre später der Premier Prix verliehen wurde. Seine Erfolge bei internationalen Wettbewerben gipfelten 1998 beim Concours Long-Thibaud-Crespin in Paris, wo Cédric Tiber­ghien den Ersten Preis gewann – sowie nicht weniger als fünf Sonderpreise! Es folgte eine steile internationale Karriere, die den französischen Pianisten in die bedeutendsten Konzertsäle in aller Welt führte. Für sein Solistendebüt bei den Berliner Philharmonikern hat Cédric Tiberghien Maurice Ravels Klavierkonzert für die linke Hand ausgewählt, ein technisch immens anspruchsvolles Werk, in dem sich dramatische Ausbrüche, klangvolle Lyrismen und mitreißende Jazz-Effekte die Waage halten.Eingeleitet wird der von Sir George Benjamin dirigierte Abend von Pierre Boulez’ Komposition Cummings ist der Dichter, dessen Titel auf einem Missverständnis beruht: Als Boulez von einem Konzertveranstalter gefragt wurde, wie das Stück heißen solle, schrieb er in einem nicht sehr guten Deutsch sinngemäß zurück: »›Ich habe noch keinen Titel, und ich kann Ihnen nur sagen, dass Cummings der Dichter ist, den ich gewählt habe.‹ Die Antwort einer Sekretärin, die meinen Brief sicher schlecht verstanden hatte, lautete: Quant à votre œuvre ›Cummings est le Poète‹, en allemand: ›Cummings ist der Dichter‹. Ich fand, dass es gar keinen besseren Titel geben könne, als den, der hier durch Zufall entstanden war.« Den Vokalpart übernimmt das Ensemble ChorWerk Ruhr, das zu den bedeutendsten Kammerchören Deutschlands zählt.Anschließend steht mit György Ligetis Clocks and Clouds eine nicht minder komplexe Komposition auf dem Programm, die eine durch Mikrointervalle eingefärbte diatonische Melodik und Harmonik verwendet: »Periodische, polyrhythmische Klangkomplexe verschmelzen zu diffusen, flüssigen Zuständen und umgekehrt. Der abstrakte ›Text‹ des Stückes ist im Internationalen Phonetischen Alphabet notiert und dient der rhythmischen Artikulation und Klangfarbentransformation« (Ligeti). Abgerundet wird der Abend mit George Benjamins Orchesterwerk Palimpsests, dessen erster Teil zu Boulez’ 75. Geburtstag entstand. Der Titel bezieht sich auf ein antikes bzw. mittelalterliches Schriftstück, von dem der ursprüngliche Text abgeschabt und das danach neu beschrieben wurde – so, dass die verschiedenen Ebenen des Schreibens erkennbar bleiben und geheimnisvolle Einblicke in die Vergangenheit ermöglichen. Auch Benjamins zweiteiliges Werk spielt »mit diesen verschiedenen Perspektiven einander überlagernder musikalischer Schichten«, erläuterte der Komponist. Dieses Konzert ist Teil einer dem Komponisten und Dirigenten Sir George Benjamin gewidmeten Residency der Stiftung Berliner Philharmoniker in Kooperation mit Berliner Festspiele/Musikfest Berlin.


Kategorie: Klassik

Elf Jahre lang war Florent Boffard einer der Klaviersolisten des Ensemble intercontemporain. Neue und neueste Musik ist dem Künstler, der als Zwölfjähriger in die Klavierklasse von Yvonne Loriod aufgenommen wurde, seit seiner Jugend vertraut. In Konzerten und Einspielungen bringt er sie in immer neue Konstellation zu tradierten Werken, um einerseits den lebendigen geschichtlichen Resonanzboden aktuellen Komponierens, andererseits aktuelle, vielleicht sogar unerhörte Aspekte in überlieferten Kompositionen zum Vorschein zu bringen. Seine Solo-Matinee ist der Idee der Virtuosität gewidmet, bei der vollendete Technik zum Mittel intensiven Ausdrucks, fordernder Kommunikation und visionärer Suggestion wird. Virtuos in diesem Sinne arbeiten Komponisten und Interpreten. Im Zentrum stehen George Benjamins Shadowlines, sechs Klavierstücke, die zusammen einen großen Bogen bilden. Technisch sind sie als strenge Kanons mit Eskalation auf das vierte und das fünfte, längste Stück hin komponiert. In der Wirkung durchmessen sie einen Horizont der Charaktere.- die subtile Technik dient ihrer Verdeutlichung. Den Titel darf man doppelt verstehen: als Beschreibung des Kanons, bei dem eine Stimme immer das genaue, leicht verrückte Schattenbild einer anderen ist.- aber auch als Schattenwurf der Geschichte, der grandiosen Kanonkompositionen von Josquin des Préz über Johann Sebastian Bach bis zu Anton Webern. Den historischen Perspektiven geht Boffard jedoch nicht von der kompositionstechnischen Seite her nach, sondern vom Zusammenspiel pianistischer Brillanz und Intensität bei der Erschaffung musikalischer Charaktere. Scarlattis »Anreißer« durchsetzen seine geläufige Sonaten mit dissonantem Clusterspiel wie von spanischen Gitarren, Kurtág nahm die Miniaturen seiner Jatékok (Spiele) oft als Kerne zu größeren Kompositionen, hier sind sie in Konstellation zu anderen Werken versetzt.- Debussys Images sind Meisterstücke pianistischer Suggestion ebenso wie die Stücke von Chopin und Messiaen in diesem Programm. Alexander Skrjabin begleitete seine Fis-Dur-Sonate mit einem Gedicht über den (Seelen-)Flug ins kosmische Lichtmeer. Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele/Musikfest Berlin in Kooperation mit der Stiftung Berliner Philharmoniker


Kategorie: Klassik

Eine Künstlerfreundschaft, die auf hohem gegenseitigem Respekt beruht, verband Daniel Barenboim und Pierre Boulez. Boulez gehört zu den Exponenten neuer Musik, die Barenboim bevorzugt in seine Programme nimmt. Der zentrale Saal der Barenboim-Said-Akademie, die auf Initiative des Dirigenten aus dem ehemaligen Kulissenlager der Staatsoper entstand, trägt ebenso den Namen des Komponisten wie das – in seiner Besetzung flexible – Ensemble, das dort seine Konzerte gibt. Künstler der Staatskapelle, des West-Eastern Divan Orchestra und Dozenten der Akademie spielen darin zusammen in Programmen, die klassisch-romantisches Repertoire, Musik aus der klassischen Moderne des 20. Jahrhunderts und zeitgenössische Kompositionen aufeinander und auf das Publikum wirken lassen. sur Incises gibt ein Beispiel für das Offene, prinzipiell Unabgeschlossene des kreativen Prozesses und für den ungemein differenzierten Klangsinn Boulez‘. Der Komponist unternahm dabei eine doppelte Inspektion: Das virtuose Klavierstücks Incises wuchs nun labyrinthisch auf die vielfache Länge seiner ersten Version.- der Klavierklang wurde in drei Dreiergruppen aufgefächert: Harfen verstärken das Impulsive und Rauschende des Saiteninstruments, Schlagwerke die Resonanzeigenschaften der Klaviere. In Schumanns Quintett wirkt der Klavierklang im realen wie im strukturellen Sinn als Impulsgeber. Sein Verhältnis zu den Streichinstrumenten beschreibt eine eigene Geschichte in Tönen. In ihr sprechen sich sehr persönliche, aber auch weitgreifend symphonische Gedanken in starken Kontrasten aus. Das Finale gerät mit seiner überbordenden Kompositionskunst für Interpreten und Hörer zum labyrinthischen Vergnügen.


Kategorie: Klassik

Vom Klavierspiel ist Cédric Tiberghien nach eigenem Bekunden seit frühester Kindheit »geradezu besessen«. Als 14-Jähriger begann er am Pariser Conservatoire zu studieren, wo ihm bereits drei Jahre später der Premier Prix verliehen wurde. Seine Erfolge bei internationalen Wettbewerben gipfelten 1998 beim Concours Long-Thibaud-Crespin in Paris, wo Cédric Tiber­ghien den Ersten Preis gewann – sowie nicht weniger als fünf Sonderpreise! Es folgte eine steile internationale Karriere, die den französischen Pianisten in die bedeutendsten Konzertsäle in aller Welt führte. Für sein Solistendebüt bei den Berliner Philharmonikern hat Cédric Tiberghien Maurice Ravels Klavierkonzert für die linke Hand ausgewählt, ein technisch immens anspruchsvolles Werk, in dem sich dramatische Ausbrüche, klangvolle Lyrismen und mitreißende Jazz-Effekte die Waage halten.Eingeleitet wird der von Sir George Benjamin dirigierte Abend von Pierre Boulez’ Komposition Cummings ist der Dichter, dessen Titel auf einem Missverständnis beruht: Als Boulez von einem Konzertveranstalter gefragt wurde, wie das Stück heißen solle, schrieb er in einem nicht sehr guten Deutsch sinngemäß zurück: »›Ich habe noch keinen Titel, und ich kann Ihnen nur sagen, dass Cummings der Dichter ist, den ich gewählt habe.‹ Die Antwort einer Sekretärin, die meinen Brief sicher schlecht verstanden hatte, lautete: Quant à votre œuvre ›Cummings est le Poète‹, en allemand: ›Cummings ist der Dichter‹. Ich fand, dass es gar keinen besseren Titel geben könne, als den, der hier durch Zufall entstanden war.« Den Vokalpart übernimmt das Ensemble ChorWerk Ruhr, das zu den bedeutendsten Kammerchören Deutschlands zählt.Anschließend steht mit György Ligetis Clocks and Clouds eine nicht minder komplexe Komposition auf dem Programm, die eine durch Mikrointervalle eingefärbte diatonische Melodik und Harmonik verwendet: »Periodische, polyrhythmische Klangkomplexe verschmelzen zu diffusen, flüssigen Zuständen und umgekehrt. Der abstrakte ›Text‹ des Stückes ist im Internationalen Phonetischen Alphabet notiert und dient der rhythmischen Artikulation und Klangfarbentransformation« (Ligeti). Abgerundet wird der Abend mit George Benjamins Orchesterwerk Palimpsests, dessen erster Teil zu Boulez’ 75. Geburtstag entstand. Der Titel bezieht sich auf ein antikes bzw. mittelalterliches Schriftstück, von dem der ursprüngliche Text abgeschabt und das danach neu beschrieben wurde – so, dass die verschiedenen Ebenen des Schreibens erkennbar bleiben und geheimnisvolle Einblicke in die Vergangenheit ermöglichen. Auch Benjamins zweiteiliges Werk spielt »mit diesen verschiedenen Perspektiven einander überlagernder musikalischer Schichten«, erläuterte der Komponist. Dieses Konzert ist Teil einer dem Komponisten und Dirigenten Sir George Benjamin gewidmeten Residency der Stiftung Berliner Philharmoniker in Kooperation mit Berliner Festspiele/Musikfest Berlin.


Kategorie: Klassik

Zwei Institutionen initiierte Pierre Boulez in der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre, zwei Institutionen, ohne die das Musikleben in Kompositions- und Interpretationskultur erheblich ärmer aussähe: 1976 nahm das Ensemble intercontemporain, Anfang 1977 das IRCAM, das »Institute de recherche et de coordination acoustique/musique« seine Arbeit auf. Das Ensemble, das sich aus jungen, auf neue Erfahrung und Vermittlung orientierten Musikern von Solistenqualität bildete, leitete er zwei Jahre selbst, dann gab er die künstlerische Verantwortung an andere weiter.- die meisten waren wie er Komponisten und Dirigenten – auch Matthias Pintscher, der das Ensemble seit 2013 dirigiert. Das IRCAM, zu dessen Ehrenpräsident Boulez 1992 ernannt wurde, entwickelte sich sehr schnell zum Forschungs- und Kommunikationszentrum zwischen elektronischen Pionierarbeiten und akustischen Instrumenten. Im Centre Pompidou, wo das IRCAM beheimatet ist, standen die ersten Computer, die Klangtransformationen in Echtzeit leisteten. Ohne das IRCAM hätte der Gebrauch der Live-Elektronik nicht so selbstverständlich durchgesetzt, hätte die ästhetische Richtung der Spektralisten weniger historisch-technischen Rückenwind erhalten. Ihre Kompositionsweise setzt die analytischen Kapazitäten moderner Rechner voraus. Mit ihrem Programm erinnern das Ensemble intercontemporain und Matthias Pintscher an die Ursprünge der Moderne im Expressionismus, der die Weite seines Denkens und Empfindens in die denkbar knappsten Formen fasste.- sie erinnern an Gérard Grisey, den jung verstorbenen Exponenten des Spektralismus, der in Vortex temporum (Zeitenwirbel) zusätzlich mit verschiedenen Zeitschichtungen arbeitet und damit auch Messiaensches Erbe aktualisiert. Boulez‘ Marteau sans maître zählt neben Schönbergs Pierrot lunaire zu den Klassikern der Moderne.- Ausdruck und Struktur kommen darin wie bei Alban Berg, wenn auch mit gänzlich anderem Klangresultat, zusammen.


Kategorie: Klassik


Kategorie: Klassik

Von der historisch informierten Aufführungspraxis Alter Musik aus hat sich Philippe Herreweghe längst auch das Repertoire des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, die Musik von Beethoven bis Mahler, Schönberg und Kurt Weill erschlossen. Er tat dies zum Teil mit Ensembles, die er wie das Collegium Vocale Gent selbst gründete und leitet, zum Teil mit etablierten Konzertorchestern und -chören der oberen Kategorie. In einer Mischung von beidem bringt er nun Antonín Dvoráks Requiem ins Berliner Konzerthaus: Das Kollegium Vocale Gent übernimmt den Chorpart, das Konzerthausorchester den instrumentalen, mit den Solisten des Abends hat Herreweghe wiederholt zusammengearbeitet. Dvorák schrieb sein Opus 89 von vornherein für Konzertaufführungen, nicht für den gottesdienstlichen Gebrauch. Die gut eineinhalb Stunden Dauer würden jeden liturgischen Rahmen überschreiten.- und dass die Musik hier Dienerin des Wortes bleibe, wie es kirchlich gefordert wurde, ließe sich auch mit der verwegensten Gedankenakrobatik nicht begründen. Komponiert für ein großes Chorfestival, die Triennale in Birmingham, hat das Requiem Teil an der europäischen Oratorientradition, die in England besonders intensiv gepflegt wurde. Mit der Achten Symphonie leitet es die produktive Ära ein, in der sich Dvorák in Etappen, aber zielstrebig auf die musikdramatischen Gattungen zubewegt, auf die Oper und die Symphonische Dichtung. In den vokalen Gattungen stellte es die Weichen. Denn Dvorák komponierte die alten, teilweise umstrittenen Texte der lateinischen Totenmesse als imaginäres, visionäres Welttheater mit hohen Schreckes-, Trost- und Meditationsanteilen. Ein Motiv, aus traditionellen Trauer- und Leidensformeln montiert, durchzieht das ganze Werk, als solle es daran erinnern: Hier handelt es sich um eine Menschheitspassion mit ihren schmerzlichen und katastrophischen Seiten, aber auch mit ihren Glücksversprechen. Eine Veranstaltung des Konzerthaus Berlin im Rahmen der Berliner Festspiele/Musikfest Berlin


Kategorie: Klassik

Ein Liebesgedicht von Richard Dehmel regte Arnold Schönberg zu seinem Streichsextett op. 4 an. Ein Paar geht durch die Nacht, sie ist aus einer früheren (Kurz-)Liaison schwanger, er adoptiert das zu erwartende Kind pränatal. Doch bei dieser Lyrik entscheidet nicht der rohe Inhalt, sondern die psychologisch-philosophische Aura, die Verwandlung, Dehmel nannte die mythische (Liebes-)Kraft Verklärung. Schönberg hielt sich in Gliederung und Ausdruck an die Stationen des Gedichts. Den eigentlichen, psychologischen und quasi spirituellen Verlauf aber kann Musik viel wirkungsvoller suggerieren als der Text. Er tritt ihr gegenüber auch dann in den Hintergrund, wenn man ihn kennt. So erging es selbst dem Dichter, als er Schönbergs Sextett zum ersten Mal hörte. Anders liegen die Verhältnisse in George Benjamins Into the Little Hill. Lange wartete der britische Komponist, eher er sich an das Musiktheater wagte. Als er es dann tat, wählte er den Zugang über kammermusikalische Formen. Alle Rollen in diesem Stück, dem die Sage über den Rattenfänger von Hameln zugrunde liegt, werden von zwei Sängerinnen übernommen. Damit »lassen wir keinen Zweifel an der künstlichen Natur des gesungenen Dramas, ermöglichen aber zugleich Dialoge und Charakterisierungen«, erläutert der Komponist. »Martin Climps Libretto hält sich an die überlieferte Sage, weckt aber auch verstörend aktuellen Widerhall. Es reflektiert über die Kraft der Musik und ihre Ausbeutung in der Welt von heute […] Im Orchester verlange ich einige ungewöhnliche Klangfarben – von der Bassflöte und dem Cimbalom bis zum Banjo und den Bassetthörnern. Dadurch entsteht oft ein verhaltenes, transparentes Klangbild, das den Gesangsstimmen immer den Vortritt lässt. Vor allem aber wollte ich deren Linien so klar wie möglich in ihre harmonische Umgebung einbetten. In diesem Zusammenspiel liegt meiner Meinung nach eine wesentliche Quelle des Ausdrucks für ein lyrisches Bühnenwerk.« Dieses Konzert ist Teil einer dem Komponisten und Dirigenten George Benjamin gewidmeten Residency der Stiftung Berliner Philharmoniker in Kooperation mit Berliner Festspiele/Musikfest Berlin und dem Mahler Chamber Orchestra. Mit freundlicher Unterstützung der Aventis Foundation.


Kategorie: Klassik

Das Finale des Musikfest Berlin steht im Zeichen von Karlheinz Stockhausen. Es beginnt nicht mit elektronischen Kompositionen, nicht mit dem Pioniermedium der 1950er- und 1960er-Jahre, sondern mit Stücken für Klavier, das klassische Pionierinstrument der Kompositionsgeschichte von Bach bis Schönberg. Auch bei Stockhausen behielt es diese Funktion. Sie verlagerte sich vom exemplarischen satztechnischen Experiment auf die Bedeutung als Instanz der Reflexion, der Überprüfung ästhetischer Konzepte und als Härtetest geistiger Innovation. Stockhausen verfolgte mit seinen Stücken die Absicht, den Klavierklang neu zu erforschen, neu zu durchdenken und damit letztlich neu zu erschaffen. Als Gesamtwerk aber entwickeln sie durch ihre Verschiedenheit, die vom Detail der Tongebung bis zum Zeitverständnis reicht, einen enormen Sog.- er zieht das konzentrierte Hören in die Mitte eines imaginären Raumes, von dem aus der Kosmos Klavier sehr spezifisch erfahren werden kann – ein Kosmos, der sich suggestiv öffnet zu anderen Klangwelten, zu theatralischen, psychischen und spirituellen Dimensionen, die der Komponist erst viele Jahre später größer und genauer ausarbeitete. Die Interpretation der Klavierstücke I-XI durch den französischen Pianisten Pierre-Laurent Aimard hat Maßstäbe gesetzt.


Kategorie: Klassik

Dass er Dirigent wurde, verdankt François-Xavier Roth seinem Vater, der damals Titularorganist an der Pariser Kirche Sacré-Cœur de Montmartre war: »Ich habe ihn sehr oft dort spielen gehört. Alles von alter Musik, Buxtehude, Pachelbel und Monteverdi bis zu Olivier Messiaen und unseren Zeitgenossen. Er hat mir alles gegeben.« Als 9-Jähriger begann Roth ein Querflötenstudium, noch als Jugendlicher wurde er Mitglied des Orchestre Symphonique de Paris: »Das war [...] eine Traumstelle für einen jungen Flötisten. Ich habe dort das ganze symphonische Repertoire kennengelernt, eine besondere Zeit für mich.« Der vielfarbige Orchesterklang sollte den Musiker nicht mehr loslassen, weshalb er schon während seiner Instrumentalistenzeit ans Dirigieren dachte. Die Gelegenheit ergab sich, als der Dirigent seines Orchesters die Klangbalance vom Saal aus überprüfen wollte und fragte, wer für ihn dirigieren könne: »Da wusste ich: Das ist meins.« Seit September 2015 ist François-Xavier Roth Gürzenich-Kapellmeister und Generalmusikdirektor der Stadt Köln. Bei den Berliner Philharmonikern widmet er sich Claude Debussys irisierenden Images pour orchestre, einem vielfarbig schillernden Triptychon. Gerade der dreiteilige Ibéria-Satz, in dem polytonale und modale Verläufe die Harmonik bereichern, entfaltet äußerst raffinierten Klangzauber: Als Melodieinstrumente werden fast ausschließlich Holz- und Blechbläser gefordert, wobei deren neuartige Behandlung mit leichtfüßigen Farbtupfern, kurzen Vorschlägen und scharf akzentuierten Rhythmen dazu führt, dass die Schwere spätromantischer Symphonik nie aufkommen kann. Ähnliches ließe sich über Igor Strawinskys Symphonies d’instruments à vent sagen, die im Gedenken an Claude Debussy entstanden. Ebenfalls auf dem vielseitigen Programm vertreten: György Ligetis sphärische Klangraumkomposition Atmosphères, die in abgedunkelter Instrumentation die Gesetze der Gravitation außer Kraft zu setzen scheint und sich dabei in Regionen bewegt, die kaum einmal das Piano überschreiten. Mit Lontano steht ein weiterer Klassiker der Moderne auf dem Programm: ein Werk Ligetis, in dem sich die Musik zum zustandhaften Klanggebilde weitet, welches sich dem Zuhörer zunächst anzunähern scheint, um schließlich in weitester Ferne zu verklingen.Bernd Alois Zimmermann, dessen Geburtstag sich 2018 zum 100. Mal jährt, erprobte in seinem in den Jahren 1949/1950 entstandenen Violinkonzert unter ganz anderen Gesichtspunkten die vielfältigen Möglichkeiten eines großen Orchesterapparats. So lässt zum Beispiel das wirkungsvolle zweite Thema im Kopfsatz an Schostakowitschs Scherzo-Grotesken denken. Das Violinkonzert ist aber auch das Werk in Zimmermanns Œuvre, in dem sich der Komponist erstmals der Zwölftontechnik annähert. Den ebenso virtuosen wie expressiven Solopart übernimmt an diesen drei Abenden Carolin Widmann. In Kooperation mit Berliner Festspiele/Musikfest Berlin


Kategorie: Klassik

Dass er Dirigent wurde, verdankt François-Xavier Roth seinem Vater, der damals Titularorganist an der Pariser Kirche Sacré-Cœur de Montmartre war: »Ich habe ihn sehr oft dort spielen gehört. Alles von alter Musik, Buxtehude, Pachelbel und Monteverdi bis zu Olivier Messiaen und unseren Zeitgenossen. Er hat mir alles gegeben.« Als 9-Jähriger begann Roth ein Querflötenstudium, noch als Jugendlicher wurde er Mitglied des Orchestre Symphonique de Paris: »Das war [...] eine Traumstelle für einen jungen Flötisten. Ich habe dort das ganze symphonische Repertoire kennengelernt, eine besondere Zeit für mich.« Der vielfarbige Orchesterklang sollte den Musiker nicht mehr loslassen, weshalb er schon während seiner Instrumentalistenzeit ans Dirigieren dachte. Die Gelegenheit ergab sich, als der Dirigent seines Orchesters die Klangbalance vom Saal aus überprüfen wollte und fragte, wer für ihn dirigieren könne: »Da wusste ich: Das ist meins.« Seit September 2015 ist François-Xavier Roth Gürzenich-Kapellmeister und Generalmusikdirektor der Stadt Köln. Bei den Berliner Philharmonikern widmet er sich Claude Debussys irisierenden Images pour orchestre, einem vielfarbig schillernden Triptychon. Gerade der dreiteilige Ibéria-Satz, in dem polytonale und modale Verläufe die Harmonik bereichern, entfaltet äußerst raffinierten Klangzauber: Als Melodieinstrumente werden fast ausschließlich Holz- und Blechbläser gefordert, wobei deren neuartige Behandlung mit leichtfüßigen Farbtupfern, kurzen Vorschlägen und scharf akzentuierten Rhythmen dazu führt, dass die Schwere spätromantischer Symphonik nie aufkommen kann. Ähnliches ließe sich über Igor Strawinskys Symphonies d’instruments à vent sagen, die im Gedenken an Claude Debussy entstanden. Ebenfalls auf dem vielseitigen Programm vertreten: György Ligetis sphärische Klangraumkomposition Atmosphères, die in abgedunkelter Instrumentation die Gesetze der Gravitation außer Kraft zu setzen scheint und sich dabei in Regionen bewegt, die kaum einmal das Piano überschreiten. Mit Lontano steht ein weiterer Klassiker der Moderne auf dem Programm: ein Werk Ligetis, in dem sich die Musik zum zustandhaften Klanggebilde weitet, welches sich dem Zuhörer zunächst anzunähern scheint, um schließlich in weitester Ferne zu verklingen.Bernd Alois Zimmermann, dessen Geburtstag sich 2018 zum 100. Mal jährt, erprobte in seinem in den Jahren 1949/1950 entstandenen Violinkonzert unter ganz anderen Gesichtspunkten die vielfältigen Möglichkeiten eines großen Orchesterapparats. So lässt zum Beispiel das wirkungsvolle zweite Thema im Kopfsatz an Schostakowitschs Scherzo-Grotesken denken. Das Violinkonzert ist aber auch das Werk in Zimmermanns Œuvre, in dem sich der Komponist erstmals der Zwölftontechnik annähert. Den ebenso virtuosen wie expressiven Solopart übernimmt an diesen drei Abenden Carolin Widmann. In Kooperation mit Berliner Festspiele/Musikfest Berlin


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In seinem öffentlichen Brief J’accuse…! („Ich klage an…!“), der in der Dreyfus-Affäre zu einer entscheidenden Wendung führte, klagte Emile Zola 1898 die ungerechte Verfolgung des jüdischen Offiziers Dreyfus an. Als Abel Gance 20 Jahre später seinen gleichnamigen Film J’accuse drehte, war der Ausspruch längst zu einem geflügelten Wort für eine kritische Stellungnahme geworden. Noch während der erste Weltkrieg andauerte, in dem Abel Gance aufgrund einer Tuberkuloseerkrankung nur kurzzeitig diente, begann der junge Regisseur mit den Dreharbeiten zu seinem pazifistischen Werk. Basierend auf dem Theaterstück Miracle à Verdun von Hans Chlumberg erzählt Gance von einer Dreiecksbeziehung in den Wirren des Krieges, wobei er das Melodram mit dokumentarischen Sequenzen von den Schlachtfeldern nahe Verdun verbindet. Die wohl berühmteste Szene des Films – die Vision der Auferstehung der Toten – drehte Gance mit 2000 französischen Soldaten. Diese standen kurz vor ihrem Einsatz in Verdun, der für die meisten der jungen Männer den Tod bedeutete, wodurch eine gleichermaßen intensive wie erschreckende Verquickung der filmischen Ebene mit dem realen Kriegsszenario entsteht. Die rekonstruierte und restaurierte Fassung des Stummfilms, die 2007 von Lobster Films Paris in Zusammenarbeit mit dem Eye Film Museum Amsterdam umgesetzt wurde, feierte 2014 im Pariser Salle Pleyel Premiere. Eigens dazu komponierte Philippe Schoeller eine neue Filmmusik, mit der er sich auf die Suche nach einer emotionalen Synthese zwischen Auge und Ohr begibt. Die Musik für großes Orchester und virtuellen Chor gibt dem bildgewaltigen Film, der so kunstvoll mit Kameratechnik, Kadrierung und Licht spielt, eine weitere, expressive Ebene und lässt das Orchester in unerwarteten Klangfarben ertönen. Deutsche Erstaufführung der rekonstruierten und restaurierten Fassung (2007)


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Dass er Dirigent wurde, verdankt François-Xavier Roth seinem Vater, der damals Titularorganist an der Pariser Kirche Sacré-Cœur de Montmartre war: »Ich habe ihn sehr oft dort spielen gehört. Alles von alter Musik, Buxtehude, Pachelbel und Monteverdi bis zu Olivier Messiaen und unseren Zeitgenossen. Er hat mir alles gegeben.« Als 9-Jähriger begann Roth ein Querflötenstudium, noch als Jugendlicher wurde er Mitglied des Orchestre Symphonique de Paris: »Das war [...] eine Traumstelle für einen jungen Flötisten. Ich habe dort das ganze symphonische Repertoire kennengelernt, eine besondere Zeit für mich.« Der vielfarbige Orchesterklang sollte den Musiker nicht mehr loslassen, weshalb er schon während seiner Instrumentalistenzeit ans Dirigieren dachte. Die Gelegenheit ergab sich, als der Dirigent seines Orchesters die Klangbalance vom Saal aus überprüfen wollte und fragte, wer für ihn dirigieren könne: »Da wusste ich: Das ist meins.« Seit September 2015 ist François-Xavier Roth Gürzenich-Kapellmeister und Generalmusikdirektor der Stadt Köln. Bei den Berliner Philharmonikern widmet er sich Claude Debussys irisierenden Images pour orchestre, einem vielfarbig schillernden Triptychon. Gerade der dreiteilige Ibéria-Satz, in dem polytonale und modale Verläufe die Harmonik bereichern, entfaltet äußerst raffinierten Klangzauber: Als Melodieinstrumente werden fast ausschließlich Holz- und Blechbläser gefordert, wobei deren neuartige Behandlung mit leichtfüßigen Farbtupfern, kurzen Vorschlägen und scharf akzentuierten Rhythmen dazu führt, dass die Schwere spätromantischer Symphonik nie aufkommen kann. Ähnliches ließe sich über Igor Strawinskys Symphonies d’instruments à vent sagen, die im Gedenken an Claude Debussy entstanden. Ebenfalls auf dem vielseitigen Programm vertreten: György Ligetis sphärische Klangraumkomposition Atmosphères, die in abgedunkelter Instrumentation die Gesetze der Gravitation außer Kraft zu setzen scheint und sich dabei in Regionen bewegt, die kaum einmal das Piano überschreiten. Mit Lontano steht ein weiterer Klassiker der Moderne auf dem Programm: ein Werk Ligetis, in dem sich die Musik zum zustandhaften Klanggebilde weitet, welches sich dem Zuhörer zunächst anzunähern scheint, um schließlich in weitester Ferne zu verklingen.Bernd Alois Zimmermann, dessen Geburtstag sich 2018 zum 100. Mal jährt, erprobte in seinem in den Jahren 1949/1950 entstandenen Violinkonzert unter ganz anderen Gesichtspunkten die vielfältigen Möglichkeiten eines großen Orchesterapparats. So lässt zum Beispiel das wirkungsvolle zweite Thema im Kopfsatz an Schostakowitschs Scherzo-Grotesken denken. Das Violinkonzert ist aber auch das Werk in Zimmermanns Œuvre, in dem sich der Komponist erstmals der Zwölftontechnik annähert. Den ebenso virtuosen wie expressiven Solopart übernimmt an diesen drei Abenden Carolin Widmann. In Kooperation mit Berliner Festspiele/Musikfest Berlin


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Der Ort ist treffend gewählt. 1959 wurde der Große Sendesaal im Berliner Haus des Rundfunks nach umfangreicher Renovierung wieder in Betrieb genommen. Seitdem wird dort in vielfältigen Formen zeitgenössische Musik vorgestellt. Lange war der Rundfunk ein Laboratorium gewagter Tonkunst. Die Werke Stockhausens, die seit den späten 1950er-Jahren entstanden, sind mit der Institution Rundfunk auf dreifache Weise verbunden: Er fand dort Studios, die elektronisches Komponieren ermöglichten, Räume, an denen neue Werke zur Diskussion gestellt werden konnten, und ein Medium der Ausstrahlung.Telemusik entstand in einem solchen Studio, in Japan, als eine universelle Musik. Ihr Material bilden Tonaufnahmen aus China, dem vietnamesischen Bergland, von der Insel Bali, aus dem Amazonasgebiet, aus Spanien, Ungarn und der südlichen Sahara. Das Material ist nicht einfach collagiert, sondern durchgeführt. Die Materialschichten durchdringen sich. Der Rhythmus der einen wurde mit der Lautstärkekurve des anderen, der dynamische Verlauf des einen mit der Harmonik und den Klangfarben des anderen moduliert. Die Stile und Charaktere durchwirken und verwandeln sich gegenseitig. Symbolisch ist die Welt präsent, zusammengehalten wird sie durch den Schöpfer, den Komponisten, der ihre innere Mechanik kennt.Die Kontakte bieten in gewisser Weise das Spiegelbild zur Telemusik. Wird in letzterer vokal und instrumental erzeugte Musik elektronisch verwandelt und in einen neuen Seinszustand versetzt, so greifen in den „Kontakten” live agierende Musiker in eine elektronische Komposition ein. Diese entstand aus Verwandlungen der Zeit: Einzelne Impulse ordnen sich zu Rhythmen, Rhythmen schlagen durch fortgesetzte Beschleunigung in Tonhöhen und Klangfarben um. Durch die Überlagerung mehrerer Transformationen und ihrer verschiedenen Stadien entstanden synthetische Klänge „im Niemandsland zwischen Fell und Metall“.- in sie tragen Klavier (Pierre-Laurent Aimard) und Schlagzeug (Dirk Rothbrust) die menschliche Interaktion und verleihen dadurch dem elektronisch vorproduzierten ein immer neues Gesicht. Das Widerspiel von Idee und Gestalt, von Material und Werk, von Existenz und Verwandlung wirkt auch im Hintergrund von Zyklus und Refrain. In beiden wird das vom Komponisten Vorgegebene zum Material, das unterschiedliche Realisationen ermöglicht.


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Rothko Chapel ist ein Ort des Rückzugs, ein interkonfessioneller Andachtsraum in Houston (Texas). Er wurde um Bilder des abstrakten Expressionisten Mark Rothko gebaut, die in einem unregelmäßigen Achteck angeordnet, die Innenwände bilden. Morton Feldman, ein Freund Rothkos, wurde von den Initiatoren und Mäzenen, John und Dominique de Menil, um eine Musik für diesen Raum gebeten. Feldman benannte seine Komposition nach dem Gebäude, denn er wollte mit ihr die Raumwirkung der großen Gemälde musikalisch fortsetzen und verstärken. Die Soloviola führt durch das Klangwerk, der Chor singt wie in anderen Stücken Feldmans keinen Text, sondern Vokalisen, die sich auf erstaunliche Weise mit dem Sound der Vibraphone verbinden, als wären beide gleichen Ursprungs. Die gesungenen Verläufe erzeugen das, was Feldmans Lehrer Stefan Wolpe einmal „Stehende Musik“ nannte – eine Musik, die sich zugleich aus dem Zwangsfortschritt der Zeit befreien will.Igor Strawinskys einziges Viola-Werk führt auf Feldmans Viola-geleitetes Oratorium der Zeitlosigkeit hin: die Elegie, in der ein Trauerhymnus einen fugierten Mittelteil rahmt wie in einer barocken Gedenkmusik. Rothko Chapel mündet in eines der späten Werke von John Cage, ein Stück, das ganz und gar Klangbewegung ist.


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Die Benefizkonzerte zugunsten von IPPNW (Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkriegs) gehören seit Jahren zum Musikfest Berlin. Das Anliegen der Ärztevereinigung, die 1985 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde, gewann leider in den letzten Jahren drastisch an Aktualität und Brisanz. 2007 gründete IPPNW mit anderen Nichtregierungsorganisationen ICAN, die Kampagne zu Ächtung und Verbot von Atomwaffen, die 2017 den Friedensnobelpreis erhielt. Für das diesjährige Konzert wurde das Ensemble Metamorphosen Berlin gewonnen. In ihm schlossen sich 2010 auf Initiative des Cellisten Wolfgang Emanuel Schmidt junge, begeisterte Kammermusiker zusammen, die im Konzerthaus Berlin eine eigene Konzertreihe veranstalten und unlängst eine hochgelobte Debüt CD vorlegten. Leoš Janá?eks Erstlingswerk für Orchester, das noch deutlich die Vorbilder verrät, aus denen sich der junge Künstler herauskomponierte, lassen sie das Erste Cellokonzert von Joseph Haydn folgen. Es galt lange als verschollen, eine Abschrift wurde jedoch 1961 wieder entdeckt, das Werk fand danach rasch den Weg ins Standardrepertoire. Der Solopart ist höchst anspruchsvoll, der Freund Joseph Franz Weigl, für den Haydn das Werk schrieb, war ein glänzender Meister seines Fachs. Kammermusikalisch besetzt und vom Solisten geleitet, entfaltet es seine frische Vitalität besonders überzeugend. Rudolf Barschai war mit Dmitri Schostakowitsch eng befreundet. Er wusste, dass dieser mit der Komposition von Streichquartetten in Zeiten harter politischer Verfolgung begann und dem kammermusikalischen Genre manches anvertraute, wofür er sonst das größere Forum der Symphonie gesucht hätte. Mit dem Einverständnis des Komponisten bearbeitete er daher einige der 15 Quartette für Kammerorchester, darunter auch das Zentralstück, das Achte Quartett. Mit ihm schrieb Schostakowitsch eine Autobiographie, denn er komponierte es aus seinem Namensanagramm, der Tonfolge D-Es-C-H, und aus Themen, die in seiner Entwicklung als Künstler und in seiner Auseinandersetzung mit der Staatsmacht eine wesentliche Rolle spielten. So entstand nahe Dresden 1960 eine Passion im doppelten Sinn von Leidenszeugnis und Leidenschaft. Eine gemeinsame Veranstaltung von IPPNW-Concerts, Berliner Festspiele/Musikfest Berlin und der Stiftung Berliner Philharmoniker


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Als junger Künstler verehrte er Richard Wagner und seine Musik. Das konnte kaum anders sein bei einem, der regelmäßig zu den legendären Dienstagabenden im Hause des Dichters Stéphane Mallarmé eingeladen wurde. Der war, wenn nicht der Wortführer, so doch ein gewichtiger Exponent des Wagnérisme in Frankreich. Claude Debussy reiste nach Bayreuth, und wie so mancher Pilger kehrte er verändert von seiner Wallfahrt zurück. Er wandte sich vom deutschen Musikdramatiker ab, polemisierte in seinen Feuilletons mit scharfer Feder gegen ihn. Nur den Parsifal ließ er gelten. Doch wie jede heftige Ablehnung blieb auch Debussys Anti-Wagnérisme an das Objekt seiner Polemik gebunden. Mit Pelléas et Mélisande schrieb er seinen Tristan mit Le Martyre de Saint Sebastien seinen Parsifal. »Mich interessiert«, so Robin Ticciati, »einerseits das verwandte Klangdenken beider Komponisten – bei aller Distanz, die Debussy zu Wagner bezog. Mit Amfortas und dem Heiligen Sebastian spielen in beiden Werken christusähnliche Personen eine wichtige Rolle, Amfortas mit seiner Wunde, Sebastian, der gekreuzigt wurde. Beide suchen den Schmerz, das Leiden, beim einen ist dies stark nach innen gerichtet, beim anderen wird es öffentlich. In beiden Werken geht es um eine Art Transposition des Religiösen in das Theater, das Medium, in dem diese Umschmelzung stattfindet, ist die Musik.«Gespielt werden nicht die Symphonischen Fragmente, eine rein orchestrale Kurzfassung, die nicht vom Komponisten stammt, sondern die gesamte Musik Debussys – mit dem Gesang der Solisten und des Chors, mit der Sprechrolle des Heiligen – also die Version, in der Debussy seine Vorstellung von einem Musiktheater der Zukunft angedeutet sah. Eine Veranstaltung des Deutschen Symphonie-Orchesters Berlin in Zusammenarbeit mit dem Rundfunkchor Berlin und in Kooperation mit Berliner Festspiele/Musikfest Berlin


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Eine Autofahrt in den Neuenglandstaaten der USA brachte die Idee zu Mantra hervor. »Ich summte vor mich hin«, berichtet Stockhausen, »und hörte diese Melodie – es kam alles ganz schnell zusammen. Ich hatte die Idee einer einigen musikalischen Figur oder Formel, die über eine sehr lange Zeitperiode ausgedehnt werden sollte. Und diese Noten waren die Zentren, um die ich fortlaufend dieselbe Formel in einer kleineren Form darstellen wollte.« Die Formel – das ist einerseits eine Pendelbewegung, andererseits eine Melodie, deren Töne durch charakteristische Bewegungen angesteuert werden. Diese Doppelformel wird wiederholt, gespreizt, gedehnt, gestaucht. Sie organisiert die verschiedenen Zeitebenen des Werkes: die Gesamtform, ihre Teile, deren Abschnitte und Phrasen. Mikro- und Makrokosmos dieser Musik sind vielfach miteinander vermittelt wie in einem idealen Schöpfungswerk. Die Formel wirkt organisierend im Hintergrund, bestimmt mit ihren Elementen aber auch die Ereignisse im Vordergrund. Repetitionen und Permutationen machen alles, was geschieht, nachvollziehbar. Die Ringmodulatoren, mit denen die Klaviere verbunden sind, deuten sphärische Ver- und Entrückungen des Klangs an. Antike Zimbeln setzen rituelle Signale und zeigen damit die Formgliederung, die dreizehn Akte des Abends an. Stockhausen bezeichnete die Urformel nicht als Thema, nicht als Reihe, sondern als Mantra, und nannte auch die ganze Komposition so. Das abendfüllende Werk zelebriert die Enthüllung und Entfaltung seines Wesens, das in der Urformel beschlossen ist. Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele/Musikfest Berlin, gefördert aus Mitteln, des Hauptstadtkulturfonds und mit freundlicher Unterstützung der Ernst von Siemens Musikstiftung


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Ein Ritual entfesselte die musikalische Moderne: Igor Strawinskys Le Sacre du printemps. Ein Ritual brachte sie zur spirituellen Besinnung: Karlheinz Stockhausens INORI. Wie in einem tiefinnigen Gebet kommt alles aus einer Formel und strebt alles auf eine Formel hin. Ihr Geheimnis und der Zugang zu ihr liegt in der Musik. Die Gebetsgesten, die zwei Tänzerinnen ausführen, stellte der Komponist aus der Praxis verschiedener Religionen zusammen und ordnete sie als eine chromatische Skala an. So sind sie Teil der musikalischen Partitur und ihr nicht äußerlich hinzugefügt. Klang und Gebärde, hörbare und sichtbare Geste kommen aus einer Quelle und vollziehen einen gemeinsamen Prozess. Stockhausen schrieb keine religiöse Musik in dem Sinne, dass sie eine Glaubenslehre hinterlegte oder wiedergäbe. Religiös ist sie aus dem transzendierenden Anliegen, das die Kunst, die Wissenschaft und die Metaphysik teilen. Für John Cage war das »if you celebrate it« ein entscheidendes Kunstkriterium. Mit diesem Abend geht das Musikfest 2018 zu Ende. In Streif- und Schlaglichtern beleuchtete es ein Panorama der Musik und Kunst im 20. Jahrhundert. Karlheinz Stockhausen nimmt darin mit seinem scharfen Verstand, seinem überschreitenden Denken und mit seinem Willen zur Transzendenz einen wichtigen Platz ein. In ihm fanden unterschiedliche Tendenzen zusammen, von ihm gingen vielerlei Impulse aus. Provokationen gehören dazu. »Das Essenzielle meiner Musik ist immer religiös und spirituell, das Technische ist nur Erläuterung.« (Stockhausen) Eine Produktion der Lucerne Festival Academy. Eine Veranstaltung der Berliner Festspiele/Musikfest Berlin, gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds und mit freundlicher Unterstützung der Ernst von Siemens Musikstiftung


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Das Konzert unter dem Motto Mediterraneo – Italian Night in der Reihe Jazz at Berlin Philharmonic im Juni 2017 war nicht nur ein großer Erfolg beim Publikum, sondern auch künstlerisch so ertragreich, dass sich Kurator Siggi Loch entschlossen hat, eine zweite, diesmal den ganzen Mittelmeerraum ins Auge fassende Ausgabe folgen zu lassen. Wieder bilden der italienische Pianist Stefano Bollani und sein dänisches Trio mit dem Bassisten Jesper Bodilson und dem Schlagzeuger Morten Lund das Rückgrat des Jazz-Streifzugs von der Algarve über die Cote d’Azur und dem Magreb bis nach Kleinasien. Und wieder stößt der Akkordeonist Vincent Peirani als perfekte Ergänzung dazu, verbinden sich im Spiel des aus Nizza stammenden Virtuosen doch seit jeher die starke gesangliche und melodiöse Präferenz des Mittelmeerraums mit Improvisation und moderner Rhythmik.Anstelle eines Orchesters geben diesmal ganz unterschiedliche Gäste einen kammermusikalischen Rahmen vor. Allen voran zwei Cellisten, die auch singen: die in Spanien lebende Nesrine Belmokh, die in Genf studierte und von der Klassik über den Jazz bis zur Theatermusik beim Cirque de Soleil in allen Genres zu Hause ist – genau wie der hochdekorierte, ebenfalls in Valencia lebende Franzose Matthieu Saglio. Im Trio NES mit dem Perkussionisten David Gadea überführten sie zuletzt erfolgreich arabische und spanische Musik in Ethno-Jazz. Last but not least wird Julian Wasserfuhr, einer der herausragenden jungen deutschen Trompeter, mit seinem alle großen Vorgänger von Chet Baker bis Miles Davis verinnerlichten Spiel das klassische Jazzelement beisteuern. Kuratiert von Siggi Loch


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Was für eine Entdeckung! 1904 stieß ein pensionierter Beamter des k.k. Eisenbahnministeriums im Nachlass seines kürzlich zuvor verstorbenen Schwiegervaters auf eine handschriftliche Partitur aus der Feder von Anton ­Bruckner. Die Sensation bestand keineswegs darin, dass dieses Werk bislang unentdeckt geblieben wäre, handelte es sich bei dem Fund doch um Bruckners Fünfte Symphonie, die unter der Leitung von Franz Schalk am 8. April 1894 in Graz uraufgeführt worden war. Für Furore sorgte vielmehr die Tatsache, dass diese Handschrift eine Zueignung aufwies. Ihr war zu entnehmen, dass Bruckner seine Fünfte drei Jahre nach ihrer Vollendung »in tiefster Ehrfurcht« Dr. Karl Ritter von Stremayr gewidmet hatte. In seiner Funktion als Minister für Kultus und Unterricht hatte Stremayr 1875 Bruckners Ruf als Lektor für Harmonielehre und Kontrapunkt an die Wiener Universität bestätigt. Der Komponist dankte es ihm, indem er eine säuberliche, auf den 4. November 1878 – den Namenstag Stremayrs – datierte Abschrift seiner Fünften Symphonie nebst Widmung anfertigte, die dann bis zum Tod Stremayrs in dessen Privatbesitz verblieb.Erstmals erklungen war Bruckner Fünfte am ­­20.April 1887 in einer Transkription für zwei Klaviere im Wiener Bösendorfersaal. Die erste Orchesteraufführung fand dann in Abwesenheit des Komponisten sieben Jahre später in einer Bruckners Intentionen vielfach verfälschenden Fassung statt: Der Dirigent hatte das groß dimensionierte Werk um rund 15 Minuten gekürzt, die Partitur zugleich aber in bester Opernmanier um ein Fernorchester bereichert. Da Schalk seine Version 1896 auch im Druck herausgab, war sie für die weitere Rezeption der Fünften richtungsweisend. Erst durch den spektakulären Fund der Stremayr zugeeigneten Partiturabschrift Bruckners wurde das Interesse an der Originalgestalt des Werks neu erweckt. Unbestreitbar scheint seitdem, dass sich die Fünfte wie eine Vorahnung von Bruckners Ruf an die Wiener Universität ausnimmt: Das Werk, das Bruckner selbst einmal als sein »kontrapunktisches Meisterwerk« bezeichnet haben soll, ist trotz seiner groß angelegten formalen Strukturen ein Musterbeispiel für kompositorische Ökonomie und Satzstrenge.Bei Daniel Harding, der u.?a. bei Claudio Abbado und Sir Simon Rattle sein Dirigierhandwerk als deren Assistent erlernte und 1996 im Alter von nur 21 Jahren sein philharmonisches Debüt gab, liegt dieses exzeptionelle Werk Bruckners in den denkbar besten Händen.


Kategorie: Klassik

Was für eine Entdeckung! 1904 stieß ein pensionierter Beamter des k.k. Eisenbahnministeriums im Nachlass seines kürzlich zuvor verstorbenen Schwiegervaters auf eine handschriftliche Partitur aus der Feder von Anton ­Bruckner. Die Sensation bestand keineswegs darin, dass dieses Werk bislang unentdeckt geblieben wäre, handelte es sich bei dem Fund doch um Bruckners Fünfte Symphonie, die unter der Leitung von Franz Schalk am 8. April 1894 in Graz uraufgeführt worden war. Für Furore sorgte vielmehr die Tatsache, dass diese Handschrift eine Zueignung aufwies. Ihr war zu entnehmen, dass Bruckner seine Fünfte drei Jahre nach ihrer Vollendung »in tiefster Ehrfurcht« Dr. Karl Ritter von Stremayr gewidmet hatte. In seiner Funktion als Minister für Kultus und Unterricht hatte Stremayr 1875 Bruckners Ruf als Lektor für Harmonielehre und Kontrapunkt an die Wiener Universität bestätigt. Der Komponist dankte es ihm, indem er eine säuberliche, auf den 4. November 1878 – den Namenstag Stremayrs – datierte Abschrift seiner Fünften Symphonie nebst Widmung anfertigte, die dann bis zum Tod Stremayrs in dessen Privatbesitz verblieb.Erstmals erklungen war Bruckner Fünfte am ­­20.April 1887 in einer Transkription für zwei Klaviere im Wiener Bösendorfersaal. Die erste Orchesteraufführung fand dann in Abwesenheit des Komponisten sieben Jahre später in einer Bruckners Intentionen vielfach verfälschenden Fassung statt: Der Dirigent hatte das groß dimensionierte Werk um rund 15 Minuten gekürzt, die Partitur zugleich aber in bester Opernmanier um ein Fernorchester bereichert. Da Schalk seine Version 1896 auch im Druck herausgab, war sie für die weitere Rezeption der Fünften richtungsweisend. Erst durch den spektakulären Fund der Stremayr zugeeigneten Partiturabschrift Bruckners wurde das Interesse an der Originalgestalt des Werks neu erweckt. Unbestreitbar scheint seitdem, dass sich die Fünfte wie eine Vorahnung von Bruckners Ruf an die Wiener Universität ausnimmt: Das Werk, das Bruckner selbst einmal als sein »kontrapunktisches Meisterwerk« bezeichnet haben soll, ist trotz seiner groß angelegten formalen Strukturen ein Musterbeispiel für kompositorische Ökonomie und Satzstrenge.Bei Daniel Harding, der u.?a. bei Claudio Abbado und Sir Simon Rattle sein Dirigierhandwerk als deren Assistent erlernte und 1996 im Alter von nur 21 Jahren sein philharmonisches Debüt gab, liegt dieses exzeptionelle Werk Bruckners in den denkbar besten Händen.


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Was für eine Entdeckung! 1904 stieß ein pensionierter Beamter des k.k. Eisenbahnministeriums im Nachlass seines kürzlich zuvor verstorbenen Schwiegervaters auf eine handschriftliche Partitur aus der Feder von Anton ­Bruckner. Die Sensation bestand keineswegs darin, dass dieses Werk bislang unentdeckt geblieben wäre, handelte es sich bei dem Fund doch um Bruckners Fünfte Symphonie, die unter der Leitung von Franz Schalk am 8. April 1894 in Graz uraufgeführt worden war. Für Furore sorgte vielmehr die Tatsache, dass diese Handschrift eine Zueignung aufwies. Ihr war zu entnehmen, dass Bruckner seine Fünfte drei Jahre nach ihrer Vollendung »in tiefster Ehrfurcht« Dr. Karl Ritter von Stremayr gewidmet hatte. In seiner Funktion als Minister für Kultus und Unterricht hatte Stremayr 1875 Bruckners Ruf als Lektor für Harmonielehre und Kontrapunkt an die Wiener Universität bestätigt. Der Komponist dankte es ihm, indem er eine säuberliche, auf den 4. November 1878 – den Namenstag Stremayrs – datierte Abschrift seiner Fünften Symphonie nebst Widmung anfertigte, die dann bis zum Tod Stremayrs in dessen Privatbesitz verblieb.Erstmals erklungen war Bruckner Fünfte am ­­20.April 1887 in einer Transkription für zwei Klaviere im Wiener Bösendorfersaal. Die erste Orchesteraufführung fand dann in Abwesenheit des Komponisten sieben Jahre später in einer Bruckners Intentionen vielfach verfälschenden Fassung statt: Der Dirigent hatte das groß dimensionierte Werk um rund 15 Minuten gekürzt, die Partitur zugleich aber in bester Opernmanier um ein Fernorchester bereichert. Da Schalk seine Version 1896 auch im Druck herausgab, war sie für die weitere Rezeption der Fünften richtungsweisend. Erst durch den spektakulären Fund der Stremayr zugeeigneten Partiturabschrift Bruckners wurde das Interesse an der Originalgestalt des Werks neu erweckt. Unbestreitbar scheint seitdem, dass sich die Fünfte wie eine Vorahnung von Bruckners Ruf an die Wiener Universität ausnimmt: Das Werk, das Bruckner selbst einmal als sein »kontrapunktisches Meisterwerk« bezeichnet haben soll, ist trotz seiner groß angelegten formalen Strukturen ein Musterbeispiel für kompositorische Ökonomie und Satzstrenge.Bei Daniel Harding, der u.?a. bei Claudio Abbado und Sir Simon Rattle sein Dirigierhandwerk als deren Assistent erlernte und 1996 im Alter von nur 21 Jahren sein philharmonisches Debüt gab, liegt dieses exzeptionelle Werk Bruckners in den denkbar besten Händen.


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Kinderkonzerte 3-2-1-LOS! eignen sich für Kinder von 2 bis 5 Jahren, die überschaubare Räume zum Wohlfühlen und ganz besondere Musik brauchen. Fesselnd, aber nicht zu kompliziert. Fantasievoll, aber nicht erschreckend. Kurzweilig, aber nicht simpel. Zum Mitsingen und Mitmachen, aber auch zum Stillwerden und Zuhören. 45 abwechslungsreiche Minuten, in denen Musik, die Musiker und ihre Instrumente ganz nah erlebt werden können.Gemeinsam mit den Kindern erkunden die Mitglieder der Berliner Philharmoniker und Stipendiaten der Orchester-Akademie verschiedene Musikstile und Instrumente, teils ergänzt durch Schauspieler oder Puppenspiel. Der eigens für die Kinderkonzerte mit Teppich und Kissen eingerichtete Hermann-Wolff-Saal lädt ein, es sich gemütlich zu machen oder aber auch zu tanzen. So kann jedes Kind seine eigene Form des Zuhörens und Musikgenießens finden.


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Kinderkonzerte 3-2-1-LOS! eignen sich für Kinder von 2 bis 5 Jahren, die überschaubare Räume zum Wohlfühlen und ganz besondere Musik brauchen. Fesselnd, aber nicht zu kompliziert. Fantasievoll, aber nicht erschreckend. Kurzweilig, aber nicht simpel. Zum Mitsingen und Mitmachen, aber auch zum Stillwerden und Zuhören. 45 abwechslungsreiche Minuten, in denen Musik, die Musiker und ihre Instrumente ganz nah erlebt werden können.Gemeinsam mit den Kindern erkunden die Mitglieder der Berliner Philharmoniker und Stipendiaten der Orchester-Akademie verschiedene Musikstile und Instrumente, teils ergänzt durch Schauspieler oder Puppenspiel. Der eigens für die Kinderkonzerte mit Teppich und Kissen eingerichtete Hermann-Wolff-Saal lädt ein, es sich gemütlich zu machen oder aber auch zu tanzen. So kann jedes Kind seine eigene Form des Zuhörens und Musikgenießens finden.


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Marielle Labèque


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Marielle Labèque


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Kategorie: Klassik


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Daniil Trifonov, der Artist in Residence der Berliner Philharmoniker in der Saison 2018/2019, ist in diesem ersten von insgesamt sieben Konzerten der Karajan-Akademie als Solist in drei konzertanten Werken zu erleben. Den Auftakt des knapp 250 Jahre überspannenden Programms bildet Johann Sebastian Bachs Anfang der 1730er-Jahre entstandenes d-Moll-Klavierkonzert. Wurden in der Vergangenheit aus verschiedenen Gründen hin und wieder Zweifel an der Echtheit der Komposition angemeldet, so entkräftete einst Albert Schweitzer diese mit der Frage: »Wer außer Bach hätte denn ein solches Werk schreiben können?« Neuland dürfte Daniil Trifonov mit der Interpretation des Soloparts in Alfred Schnittkes Konzert für Klavier und Streicher aus dem Jahr 1979 betreten. Die hoch emotionale Musik dieser rund 20-minütigen Komposition gleicht einem nächtlichen Spuk und lässt wie in einem Zerrspiegel stilistische Erinnerungen an die Zeit der Wiener Klassik aufblitzen. Zwischen diesen beiden höchst unterschiedlichen Werken vermittelt eine Komposition von Igor Strawinsky: das 1938 uraufgeführte Concerto in Es Dumbarton Oaks, ein spielfreudiges Werk für Kammerorchester, das der Komponist als musikalische Hommage an Bachs Brandenburgische Konzerte verstanden wissen wollte. Wer Daniil Trifonov und die Stipendiaten der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker gleich zu Saisonbeginn aus nächster Nähe erleben möchte, ist mit diesem ebenso spannenden wie abwechslungsreichen Konzert bestens beraten.


Kategorie: Klassik


Änderungen vorbehalten! - Angaben ohne Gewähr! - Stand:04.09.18
© Fotos der Vorstellungen: [+][-]
Konzert mit Daniel Barenboim(Musikfest Berlin/Musikfest Berlin) Konzert mit Nicolas Altstaedt(Musikfest Berlin/Musikfest Berlin) 1. Musiklabor: Über Wolken und Uhren(Dorothea Huber/Dorothea Huber) Konzert mit Yannick Nézet-Séguin(Musikfest Berlin/Musikfest Berlin) Quartett der Kritiker(Promo/) Konzert mit Ueli Wiget, Enno Poppe, Caroline Melzer(Musikfest Berlin/Musikfest Berlin) Konzert mit Richard Polle, Neela de Hetzel de Fonseka, Alejandro Regueira Caumel, Gernot Adrion, Georg Boge, Peter Albrecht, Axel Buschmann, Ingo Klinkhammer, Felix Hetzel de Fonseka(/) Konzert mit Manfred Honeck, Anett Fritsch(Musikfest Berlin/Musikfest Berlin) Konzert mit Donald Runnicles, Simon O'Neill, Michael Volle, Judit Kutasi, Allison Oakes(Musikfest Berlin/Musikfest Berlin) Konzert mit Andris Nelsons, Susan Graham, GewandhausKinderchor, Frank-Steffen Elster, Gregor Meyer(Musikfest Berlin/Musikfest Berlin) Konzert mit Valery Gergiev, Georg Nigl, Michael Rotschopf, Josef Bierbichler(Musikfest Berlin/Musikfest Berlin) Sir George Benjamin dirigiert die Berliner Philharmoniker(Musikfest Berlin/Musikfest Berlin) Konzert mit Florent Boffard(Musikfest Berlin/Musikfest Berlin) Konzert mit Dimitri Vassilakis, Matthias Pintscher, Salomé Haller(Musikfest Berlin/Musikfest Berlin) Konzert mit Avigail Bushakevitz, Ernst-Martin Schmidt, Constance Ricard(/) Konzert mit Philippe Herreweghe, Julia Kleiter, Sophie Harmsen, Maximilian Schmitt, Krešimir Stražanac, Collegium Vocale Gent, Benjamin Bayl(Musikfest Berlin/Musikfest Berlin) George Benjamin III(Musikfest Berlin/Musikfest Berlin) Konzert mit Pierre-Laurent Aimard(Musikfest Berlin/Musikfest Berlin) François-Xavier Roth und Carolin Widmann(Musikfest Berlin/Musikfest Berlin) Konzert mit Frank Strobel(Musikfest Berlin/Musikfest Berlin) Konzert mit Marco Stroppa, Dirk Rothbrust, Pierre-Laurent Aimard, Benjamin Kobler(Musikfest Berlin/Musikfest Berlin) Konzert mit Tabea Zimmermann, Irmela Roelcke, Michael Weilacher, Karen Rettinghaus, Roksolana Chraniuk, Mitglieder des Rundfunkchors Berlin, Schola des Rundfunkchors Berlin, Benjamin Goodson(Musikfest Berlin/Musikfest Berlin) IPPNW-Benefizkonzert(Musikfest Berlin/Musikfest Berlin) Konzert mit Robin Ticciati, Rundfunkchor Berlin, Michael Alber, Erin Morely, Anna Stéphany, Katharina Magiera, Dame Felicity Lott(Musikfest Berlin/Musikfest Berlin) Konzert mit Pierre-Laurent Aimard, Tamara Stefanovich, Marco Stroppa(Musikfest Berlin/Musikfest Berlin) Lunchkonzert(/) Carte blanche(Peter Adamik/Peter Adamik) Konzert mit Peter Eötvös, Winnie Huang, Diego Vásquez, Paul Jeukendrup(Musikfest Berlin/Musikfest Berlin) »Mediterraneo II«(Valentina Cenni/Valentina Cenni) Jubiläumskonzert: 100 Jahre Konzert-Direktion Hans Adler(/) Konzert mit Gabriel Adorján, Haiou Zhang(/) Daniel Harding dirigiert Bruckners Fünfte(Stephan Rabold/Stephan Rabold) Konzert mit Künstler der Leo Kestenberg Musikschule, Claudia-Maria Mokri(/) Konzert mit Stanley Dodds, Wenzel Fuchs, Noah Bendix-Balgley, Svatopluk Czech, Sinfonischer Chor Berlin, Ulrich Paetzholdt(/) Konzert mit Robin Ticciati, Leonidas Kavakos(/) Kitakonzert 3-2-1-LOS!(Dorothea Huber/Dorothea Huber) 2. Internationaler Berliner Musikwettbewerb - Preisträgerkonzert(Promo/) BELCANTO GEORGIA ? Opera Gala made by Characters(Promo/) Semyon Bychkov und Katia &(http://www.berlin-buehnen.de/media/productions/semyon-bychkov-katia-amp-marielle-labeque/gallery/201806070101040681.jpg) Konzert mit Marc Piollet, Julia Okruashvili(/) Konzert mit Gabriel Adorján, Etta Scollo(/) Konzert mit Andreas Wittmann, Silver Garburg Piano Duo, Sivan Silver, Gil Garburg(/) Artist in Residence: Daniil Trifonov(Dario Acosta/Dario Acosta)

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