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Spielplan für November 2018

„Woher hast du die wahnsinnigen Rechte genommen, denen du dein Leben verschrieben hast?“, fragt George Sand den Legendären. Gottfried Benn vertraut er beiläufig an: „Mir träumte einmal, eine junge Birke schenkte mir einen Sohn.“ Keine andere Kunstfigur der Neuzeit hat mehr publizistische Aufmerksamkeit erfahren als Don Juan, jener „Verführer von Sevilla“, der 1613 aus der Feder eines spanischen Mönchs floh. Nur sieben Jahre jünger als sein Landsmann Don Quijote bahnt er sich seither seinen Weg durch Dramen, Epen, Romane und Opern, geistert über Kinoleinwände und Plasmabildschirme. Vor wechselnden moralischen Hintergründen prahlt er – Mahnmal und Ikone – mit seiner berühmten Liste, angelegt gegen den Tod, den er als steinernen Schatten wirft. „Mein soll die Hölle sein!“, hörte ihn Lord Byron sagen. Ein schneidender Akkord eröffnet am 29. Oktober 1787 im Gräflich Nostizschen Nationaltheater in Prag unter der Leitung des Komponisten die Ouvertüre zu einem Dramma giocoso über den Todeslauf von DON GIOVANNI. In der Geschichte des Musiktheaters ist dieser Augenblick nachträglich mit dem Urknall zu vergleichen. Um sich in die Figur des zügellosen Wüstlings und Gotteslästerers versetzen zu können, musste sich Textdichter Lorenzo da Ponte immer wieder durch Flirts mit der Tochter seiner Wirtin in Stimmung bringen. Mozart selbst, im Jahr zuvor mit seinem FIGARO erfolgreich, komponiert für 1000 Gulden Gage unter großem Zeitdruck. Die Ouvertüre wird erst am Tag der Uraufführung um 7 Uhr abends fertig. Einen „Blitz“ sieht Søren Kierkegaard, der „aus dem Dunkel der Wetterwolke sich löst, unsteter als dieser und doch ebenso taktfest. Höre der Leidenschaft zügelloses Begehren, höre das Rauschen der Liebe, höre das Raunen der Versuchung, höre den Wirbel der Verführung, höre des Augenblicks Stille – höre, höre, höre Mozarts Don Juan!“ Die Höllenfahrt, zu der der Archetyp sittlicher Verwerflichkeit bislang verurteilt war, fährt ihm diesmal als Seele ein. Für sein Ende wird zwar die ganze abendländische Metaphysik bemüht, doch bestätigt es nicht mehr allein die Gerechten in ihrer Entrüstung, sondern stiftet Betroffenheit. Die Freiheit, die der Libertin wider die verordnete Demut preist, macht ihn an der Schwelle zur Französischen Revolution zum anarchischen Prototyp. In seiner Zügellosigkeit, als Lebensentwurf aus dem Diktat der Hormone geschält, können sich triebhafte Sehnsüchte und Selbstverwirklichungsphantasien nachfolgender Generationen spiegeln. Das 19. Jahrhundert wird ihn mit Faust verschwägern, um ihn dann sinnbeschwert der Psychoanalyse zu überlassen. Julia Kristeva ortet in ihm den „Sohn einer Mutter, die bei ihrem Gatten zur Träumerin wird und an ihren Kleinen weitergibt, er möge alle Frauen so erobern, wie keiner sie selbst je erobert hat“. Dass er traurig sein könnte, hält Albert Camus für unwahrscheinlich. Wie das „Lachen, die sieghafte Frechheit, das Sprunghafte“, das zutiefst Irdische, das der französische Philosoph an ihm diagnostiziert, doch täuschen kann! – Mit D.H. Lawrence sinniert der Ruhelose: „Wo gibt es Frieden für mich? Das Mysterium muss in mich verliebt sein …“ Was treibt den Verführer durch die Schlafzimmer der Jahrhunderte? Was jagt den Jäger? Wer ist dieser Mann, der immer nur bedeutet, wirklich? * * * DIE HANDLUNG (Roland Schwab, Christian Baier) Erster Teil – DIE OHNMACHT DER FREIHEIT Aus dem Dunkel kommend – Don Giovanni. Viele Gesichter hat der „Verführer aller Verführer“ mit den Jahren bekommen! Wer aber ist er wirklich? 7. Das Donna-Anna-Syndrom So will es die Story: Don Giovanni tötet den Vater seiner Geliebten Donna Anna. Wie oft hat er das schon getan! Neben der Leiche lässt er eine rätselhafte Karte zurück. Der Countdown läuft … Donna Anna verschweigt ihrem Bräutigam, Don Ottavio, ihr Verhältnis mit Don Giovanni. An der Leiche ihres Vaters schwört sie Vergeltung. Rache heißt fortan das Mantra ihres schlechten Gewissens. 6. Der Donna-Elvira-Komplex So sieht es das Libretto vor: Donna Elvira, eine „abgelegte“ Geliebte, stellt Don Giovanni zur Rede. Leporello, sein Diener, führt ihr vor Augen, wie unbedeutend ihr persönlicher Schmerz ist, gemessen an der Unzahl gebrochener Herzen, die Don Giovannis Lebensweg pflastern. Eine geheimnisvolle Karte ist auch für Donna Elvira bestimmt … 5. Die Zerlina-Situation So bestimmt es die Dramaturgie: Hochzeit von Zerlina und Masetto. Vor Augen Donna Elviras und des Bräutigams verführt Don Giovanni – sein Image verlangt es – die Braut. Und spielt eine weitere seiner merkwürdigen Karten aus … In Donna Elvira und Masetto finden Donna Anna und Don Ottavio Verbündete für ihre Rache an Don Giovanni. Zerlina soll der Lockvogel sein. Die Freiheit feiert ihr Fest. In Verkleidung verschaffen sich die Rächer Zutritt und stellen Don Giovanni. Bereitwillig beugt er sein Haupt unter das Schwert, das Don Ottavio gegen ihn erhebt. Nun ist alles zu Ende! Lange hat er auf diesen Augenblick gewartet. Doch Hoffnung ist ein Witz ohne Pointe. Das Chaos, sein Weggefährte seit Jahrhunderten, schlägt über ihm zusammen. Zweiter Teil – DIE LETZTE VERSUCHUNG 4. Innocentia Der Morgen danach. Ein Mädchen. Tote Menschen wiegen schwerer als gebrochene Herzen. Drei Karten sind noch übrig … 3. Stunde der Komödianten So braucht es das „Dramma giocoso“: Als Don Giovanni verkleidet soll Leporello Donna Elvira ablenken. Die Verwechslungskomödie nimmt ihren Lauf. Don Giovanni lockt Masetto in eine Falle. – Zwei Karten bleiben noch … Leporello fliegt auf. Knapp entkommt er den Rächern. 2. Master of Horror Auf dem Friedhof. Die Stimme des toten Komturs. Don Giovanni bittet den Toten zu einem Abendmahl. Zum finalen, wie er hofft. Die Weichen für das Jüngste Gericht sind gestellt … Auf den Trümmern ihrer Beziehung fügen sich Donna Anna, verbissen in ihre Lebenslüge, und Don Ottavio, einen unausgesprochenen Verdacht in sich, in die sanften Schrecken, die ihre kalte Ehe für sie bereithält. Eine Karte hält Don Giovanni noch in der Hand. – Der letzte Trumpf … 1. Das Don-Giovanni-Prinzip Don Giovanni erwartet seinen wahren Richter. Vergeblich beschwört ihn Donna Elvira, von seinem Vorhaben abzulassen. Zu viel aber ist schon gesagt, gedichtet, geschrieben über ihn. Jahrhunderte der Deutungen lassen keinen Spielraum. Auf dem Schienenstrang der Interpretationen treibt Don Giovanni seinem vorbestimmten Ende entgegen. Schon ruft ihn das Strafgericht auf die Anklagebank. Himmel und Hölle werfen den Motor des Untergangs an. Die letzte Karte ist gezückt. Wem gilt sie? Der Countdown ist zu Ende. – Und wieder ist nichts geschehen. Die wahre Hölle ist die Wiederholung. Ins Dunkel gehend, der nächsten Deutung zu – Don Giovanni …


Kategorie: Oper

Zum nunmehr 25. Mal findet in der Deutschen Oper Berlin die Festliche Operngala für die AIDS-Stiftung statt. Mittlerweile einer der wichtigsten Charity-Events der Bundeshauptstadt, ist sie künstlerisch wie gesellschaftlich aus dem Berliner Kulturleben nicht mehr wegzudenken. Zusammen mit Chor und Orchester der Deutschen Oper Berlin werden hochkarätige Interpreten – Künstler von internationaler Bedeutung ebenso wie junge Talente von morgen – vielseitige und bewegende Einblicke in die Welt der Oper bieten. Das verspricht Operngenuss pur, glanzvolle Geselligkeit – und die Gewissheit, einer Sache zu dienen, die uns alle nach wie vor angeht.


Kategorie: Klassik

Mit WOZZECK begann auf der Opernbühne das 20. Jahrhundert: Kein anderes Werk sollte bis heute so prägend für die Entwicklung des Musiktheaters werden wie Alban Bergs 1925 uraufgeführte Vertonung von Büchners Drama. Berg erzählt die Geschichte von Wozzecks Mord an seiner Gefährtin Marie und seinem Selbstmord nicht als großes Gefühlsdrama, sondern zeigt die Figuren durch das Kaleidoskop einer verfremdenden Musiksprache. Im Zentrum steht eine geschundene Kreatur, in deren Handeln sich lediglich die Behandlung spiegelt, die sie selbst täglich erleidet. Bergs Wozzeck ist in diesem Sinne weniger ein Schuldiger als ein Kranker, der durch Elend und Erniedrigung in den Wahn getrieben wird. Mit dieser Neuproduktion kehrt WOZZECK endlich an die Deutsche Oper Berlin zurück, wo in den sechziger Jahren die Maßstab setzende Einspielung mit Dietrich Fischer-Dieskau in der Titelpartie entstand. Für die Neuproduktion konnte mit dem Norweger Ole Anders Tandberg einer der profiliertesten Regisseure Skandinaviens gewonnen werden, der an der Deutschen Oper Berlin bereits Schostakowitschs LADY MACBETH VON MZENSK und Bizets CARMEN inszenierte. Die Titelpartie verkörpert der charismatische dänische Heldenbariton Johan Reuter, der an der Deutschen Oper Berlin bereits in zentralen Partien seines Fachs wie Verdis Nabucco und Barak in Strauss’ DIE FRAU OHNE SCHATTEN zu erleben war.


Kategorie: Oper

Giuseppe Verdi bezeichnete den Tod einmal als »die größte Katastrophe des menschlichen Lebens«. Wie in seinen Opernwerken stellt er auch in seiner MESSA DA REQUIEM den Menschen und seine innere Wirklichkeit in den Mittelpunkt. Seine Totenmesse ist nicht für den Kirchenraum bestimmt, sondern für die Welt – Verdi gibt dem Text der lateinischen Liturgie eine menschliche Antwort. Mit jener musikalischen Dramatik, die man aus seinen Opern kennt, beschwört er die Schreckensbilder von Tod, Endzeit und Verdammnis durch ein gigantisches Tableau intensiver Gefühle: Angst, Zorn, Schmerz, Trauer und Sehnsucht nach Erlösung. Verdi rührt an Geheimnisse unserer Existenz. Seine Musik lässt uns ahnen, dass es für Trost keine Gewissheit, für Hoffnung keinen anderen Grund gibt als uns selbst. Achim Freyer, der poetische Theatermacher, ist dieser musikalischen Dramatik begegnet mit einem großartigen Entwurf epischen Musiktheaters. Das bedeutet für den Zuschauer parallel zum Erleben von Verdis emotional aufgeladener und in der Klangstruktur zugleich beinahe karger Musik die Beobachtung eines Reigens der Lebenden und der Toten, eines „Totentanzes des Lebens“, wie er es formuliert. Wie in einem mobilen Fries ziehen die fantastisch kostümierten Spieler seines Freyer-Ensembles wieder und wieder über die Bühne, wie in einer Unendlichkeit, in der die Zeit abläuft. Was macht – gestern wie heute – die Faszination dieses Werkes aus? Vielleicht ist es der Dramatiker Verdi, der mit greifbarem Realismus das verborgene Szenische dieser Texte erfasst und sich dem größten Geheimnis des menschlichen Daseins annähert: dem Tod. Der Umfang, den das Dies irae und das Totengebet Libera me einnehmen, zeigt, welche Teile der Totenmesse Verdi am stärksten beschäftigt haben. Im Zentrum steht der Schrecken des Todes – ein Schrecken für die Lebenden, der keine Vision eines gnädigen Gottes verspricht. Auch Freyer nähert sich von dieser Seite dem Werk. »Ich würde die Inszenierung gern allen Opfern ideologischer Gewalttaten aller Jahrhunderte widmen«, sagt er und fragt: „Was können wir als Künstler für die jetzigen, für die künftigen Opfer tun?“ Eine Antwort ist die Abkehr vom Sentimentalen, denn in unreflektierter Sentimentalität sieht er die Gefahr eines Abgleitens ins Ideologische. Freyer will keine Illusionen verbreiten, sondern den Menschen die Möglichkeit produktiven Umgangs zeigen mit dem, „was ist“. Und da gibt es ein großes Potenzial: eine eigene Utopie, „die wir nicht ererbt, nicht durch Erziehung übernommen haben, sondern die explizit im Menschen existiert, in seiner Seele: eine Utopie, die mit der Fähigkeit zu denken beginnt.“ „Ein Trauriger weiß, dass so eine Art Theater stärker ist, als etwa auf diesen Krieg einzugehen“, hatte Achim Freyer bereits vor zehn Jahren erklärt, als die Gewalt den Balkan erreichte. Freyers Bilder sind stark und eindrucksvoll, er selbst ein Mann, der zwischen Sentimentalität und Empfindsamkeit zu unterscheiden weiß. Der die Sensibilität von Kraft kennt und Gewalt als etwas Furchtbares verabscheut. „Wie schon mit Händels Messias und Bachs h-Moll-Messe hat der Szenenmaler Achim Freyer das Wagnis unternommen, entlang der Musik auf drei Ebenen (Unterwelt, Erde, Himmel) eine Prozession von Liedern und Tänzen des Todes anzuordnen, die jedes Kinderherz angenehm erschauern lassen. Von Breughel bis Picabia und de Chiricos „beunruhigenden Musen“ reicht der figurale Zitatenschatz für dieses Bilderbuch-Oratorium vom Jüngsten Gericht. Es ist die perfekte szenische Illustration einer kirchenfernen, musikalisch machtvoll aufbegehrenden Gesangbuch-Liturgie – ein phantasievoll kostümierter Danse macabre …“ (Günter Engelhard, Rheinischer Merkur()


Kategorie: Oper

Aus dem Hinterhalt – das ist die Late Night-Reihe, die in den vergangenen Jahren Gäste wie Black Cracker, Andrei Koroliov, Matthew Herbert, Lydia Lunch, Peaches oder N.U. Unruh in die Tischlerei einlud. Gemeinsam mit Ensemblemitgliedern des Hauses kommentierten sie fünf Premieren der Großen Bühne. Die erfolgreiche Serie dieser immer nur einmal stattfindenden Performance-Abende wird 2018/2019 mit weiteren Special Guests aus Pop, Rock, Avantgarde oder Bildender Kunst fortgesetzt.


Kategorie: Neue Musik

Unsere Führungen durch das Zuschauerhaus und über die Bühnen sowie durch die Probenräume und das Bühnenbildmagazin der Deutschen Oper Berlin vermitteln Ihnen spannende Eindrücke und Wissenswertes über die Deutsche Oper Berlin und den Alltag hinter den Kulissen. Welches architektonische Konzept verbirgt sich hinter der langen Waschbeton-Fassade an der Bismarckstraße? Wie entsteht ein Bühnenbild? Wie laufen Proben ab? Erfahren Sie außerdem Details zur bewegten Geschichte des Hauses, das heute mit seinen modernen Neuinszenierungen und den frühen Repertoireschätzen einen Querschnitt durch über 40 Jahre Inszenierungs- und Aufführungspraxis zu bieten hat.


Kategorie: Führung

In seiner vorletzten Oper widmete sich Leos Janácek der menschlichen Sehnsucht nach Unsterblichkeit: Magisch anziehend und abstoßend kalt zugleich ist die berühmte Sängerin Emilia Marty, die einem bereits seit einem Jahrhundert schwelenden Erbstreit mit unerhörtem Faktenwissen eine neue Wendung gibt. Ihre unwiderstehliche erotische Anziehungskraft nutzt sie mit kalter Präzision, da ihr Interesse nicht der Wahrheitsfindung im Prozess, sondern einem eigenen Ziel gilt: Sie muss an die Niederschrift eines alten Rezepts gelangen. Ein an ihr durchgeführtes Menschenexperiment vor über 300 Jahren schenkte ihr ein unnatürlich langes Leben – nun benötigt sie den Trank erneut. „Ich mache sie wärmer, damit die Leute mit ihr Mitleid haben. Ich werde mich noch in sie verlieben.“ schrieb der Komponist über seine Hauptfigur und verlagerte den Schwerpunkt von der komödiantisch-dialektischen Auseinandersetzung über das Für und Wider eines künstlich verlängerten Lebens, die die literarische Vorlage Karel Capeks prägt, hin zu der persönlichen, ergreifenden Klage über die ewige Leere und stete Wiederholung des immer Gleichen im Leben eines so singulären Wesens. Nach ihren aufsehenerregenden Inszenierungen von Lachenmanns DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHWEFELHÖLZERN und Xenakis’ ORESTEIA führen Regisseur David Hermann und Ausstatter Christof Hetzer nun gemeinsam mit Donald Runnicles den Janácek-Schwerpunkt an der Deutschen Oper Berlin fort.


Kategorie: Oper

Wahlkampf in Brabant - Kasper Holten inszeniert Wagners LOHENGRIN als zeitloses politisches Machtspiel: Putin beim Armdrücken und beim Ausgraben einer antiken Amphore, Putin als Pilot eines Löschflugzeugs, nicht zu vergessen das Bild mit dem sibirischen Tiger! Putin beim Tauchen, Klettern, Rennwagen fahren und beim Versuch, eine Bratpfanne zusammenzudrücken. Ob ihm Letzteres gelungen ist, ist nicht dokumentiert, aber darum geht es ja auch nicht. Was zählt ist die Pose, die Inszenierung des Helden. Die damit verbundene Botschaft lautet freilich: Willst Du den strahlenden Sieger an der Spitze des Staates, frage nicht, woher er kam oder wie er die Macht errang, denn er will Dich ins Heil führen. Einige Politiker, die hierzulande am hellsten, am selbstsichersten in die Kameras gestrahlt hatten, sind nicht mehr im Amt, weil wir nach deren Vergangenheit gefragt und unangenehme Wahrheiten ans Licht gezerrt haben. „Erkennt Ihr ihn, so muss er von Euch ziehn“. Wenn man sich Lohengrin als einen dieser Politiker vorstellt, der die mediale Geste beherrscht und die stärksten Bilder und Legenden bemüht, um einen Heilsmythos um sich aufzubauen, kann man ihn leicht als machtpolitischen Blender begreifen, der seine Chance wittert, in zerrütteten Deutschen Landen einen neuen Staat, ein neues System, eine neue Ideologie zu etablieren. Man kann erstaunlich viele Stellen in Wagners Text und Musik aufspüren, die eine solche Lesart belegen und tragen würden. Nehmen wir beispielsweise das Frageverbot: Elsa schwebt in Lebensgefahr, wird des Mordes an ihrem Bruder Gottfried angeklagt. Lohengrin bietet ihr zwar seine Hilfe an, aber keinesfalls bedingungslos. Bevor er für sie kämpft, schlägt er ihr einen Deal vor: Sie soll ihn heiraten, aber niemals fragen, wer er sei. Selbstverständlich stimmt sie zu, was bleibt ihr anderes übrig? Ein wahrer Held hätte wohl eine andere Reihenfolge gewählt. Auch an anderer Stelle erweist sich Lohengrin als nicht ganz fairer Partner Elsas: Ihre Panik, er könnte sie wieder verlassen, beschwichtigt er: Sie müsse sich keine Sorgen machen, wenn sie sich nur an sein Gebot halte. Wenig später offenbart er, dass er vorhatte, nur ein Jahr zu bleiben, um dann in seine Heimat zurückzukehren. Es ging ihm nicht um die Frau, sondern um die Position, die sie ihm verschaffen konnte. Sein Ziel war das politische Spiel. Elsa war die Bühne, auf der er seinen großen Auftritt hatte. Es war ganz einfach Wahlkampf in Brabant. Natürlich macht der Hang zum politischen Kalkül Lohengrin nicht per se zum Intriganten vom Schlage eines Jago, diese Rolle kommt eher Ortrud zu, die als Widersacherin des jungen Ehrgeizlings um den Erhalt der alten Ordnung im Staate kämpft – mit ihrem Gatten Telramund an dessen Spitze. Den Schwanenritter als Vollblut-Politiker zu sehen, den man trotz seiner offenkundigen Tricks vergöttert, veranschaulicht aber, dass strategische politische Manipulation oft als notwendige Methode in der Staatskunst wahrgenommen wird. Selbst unverhohlen geheuchelte Demonstration von Standhaftigkeit, Vitalität und Stärke können dem leicht beeinflussbaren Angstbürger weit mehr gelten, als Rechtschaffenheit und utopisches Gutmenschentum. Man könnte den Medienhelden Lohengrin sympathisch finden und den Machtkampf sportlich, drohte da nicht ein Krieg, ertönten da nicht bereits die verheerenden Schlachtrufe. Angesichts der blutrünstigen Kriegslust, die in Wagners Werk laut wird, und in Anbetracht der Tatsache, dass der Wahlsieger – wer auch immer es nun sein wird – Tausende von Männern in den Krieg führen und Frauen zu Witwen machen wird, angesichts der Verblendung, dass Krieg ein ehrenhaftes Unterfangen, ein würdiges Abenteuer für junge Männer sein könnte, erlahmt sofort jede verharmlosende Geste gegenüber öffentlichkeitswirksamer Irreführung. Wenn nach dem Motto „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“ ein Krieg angezettelt und zum Kampf auf Leben und auf Tod aufgerufen wird, werden Prinzipien vernünftiger politischer Einsicht auf die Probe gestellt, ob es sich nun um einen demokratischen Staat handelt, oder um einen Obrigkeitsstaat, der vorgibt, um das soziale Wohl seiner Bürger besorgt zu sein. Elsa hat das verstanden. Sie durchschaut Lohengrin, sie hinterfragt ihn, entblößt sein selbstverliebtes Machtstreben, auch wenn sie für ihr Land keine Alternative sieht, auch wenn es Angesichts des Verschwindens Gottfrieds keinen Nachfolger für den Herrscher von Brabant gibt. Will der überführte Held an der Macht bleiben, muss er ernsthafte Absichten entwickeln und sich als selbsternannter Schützer des Volkes oder in anderen Fällen als „lupenreiner Demokrat“ beweisen, denn von nun an steht er unter Beobachtung. Er muss sich ohne den Panzer des Mythos behaupten und dem Charisma des von der fremden Macht Geleiteten entsagen. Und dann schauen wir mal.


Kategorie: Oper

Mit WOZZECK begann auf der Opernbühne das 20. Jahrhundert: Kein anderes Werk sollte bis heute so prägend für die Entwicklung des Musiktheaters werden wie Alban Bergs 1925 uraufgeführte Vertonung von Büchners Drama. Berg erzählt die Geschichte von Wozzecks Mord an seiner Gefährtin Marie und seinem Selbstmord nicht als großes Gefühlsdrama, sondern zeigt die Figuren durch das Kaleidoskop einer verfremdenden Musiksprache. Im Zentrum steht eine geschundene Kreatur, in deren Handeln sich lediglich die Behandlung spiegelt, die sie selbst täglich erleidet. Bergs Wozzeck ist in diesem Sinne weniger ein Schuldiger als ein Kranker, der durch Elend und Erniedrigung in den Wahn getrieben wird. Mit dieser Neuproduktion kehrt WOZZECK endlich an die Deutsche Oper Berlin zurück, wo in den sechziger Jahren die Maßstab setzende Einspielung mit Dietrich Fischer-Dieskau in der Titelpartie entstand. Für die Neuproduktion konnte mit dem Norweger Ole Anders Tandberg einer der profiliertesten Regisseure Skandinaviens gewonnen werden, der an der Deutschen Oper Berlin bereits Schostakowitschs LADY MACBETH VON MZENSK und Bizets CARMEN inszenierte. Die Titelpartie verkörpert der charismatische dänische Heldenbariton Johan Reuter, der an der Deutschen Oper Berlin bereits in zentralen Partien seines Fachs wie Verdis Nabucco und Barak in Strauss’ DIE FRAU OHNE SCHATTEN zu erleben war.


Kategorie: Oper

Zwei Fährmänner bringen ihre Passagiere an zwei unterschiedliche Orte. Der eine lebt an der Lagune von Bandar-e Anzali an der Südwestküste des Kaspischen Meeres, der andere am Wattenmeer der Nordsee. „Erzählungen aus der Lagune“ ist ein mehrsprachiges, interkulturelles und ortsspezifisches Musiktheater-Projekt, entwickelt für die Aufführungsorte Teheran und Berlin.


Kategorie: Neue Musik

In seiner vorletzten Oper widmete sich Leos Janácek der menschlichen Sehnsucht nach Unsterblichkeit: Magisch anziehend und abstoßend kalt zugleich ist die berühmte Sängerin Emilia Marty, die einem bereits seit einem Jahrhundert schwelenden Erbstreit mit unerhörtem Faktenwissen eine neue Wendung gibt. Ihre unwiderstehliche erotische Anziehungskraft nutzt sie mit kalter Präzision, da ihr Interesse nicht der Wahrheitsfindung im Prozess, sondern einem eigenen Ziel gilt: Sie muss an die Niederschrift eines alten Rezepts gelangen. Ein an ihr durchgeführtes Menschenexperiment vor über 300 Jahren schenkte ihr ein unnatürlich langes Leben – nun benötigt sie den Trank erneut. „Ich mache sie wärmer, damit die Leute mit ihr Mitleid haben. Ich werde mich noch in sie verlieben.“ schrieb der Komponist über seine Hauptfigur und verlagerte den Schwerpunkt von der komödiantisch-dialektischen Auseinandersetzung über das Für und Wider eines künstlich verlängerten Lebens, die die literarische Vorlage Karel Capeks prägt, hin zu der persönlichen, ergreifenden Klage über die ewige Leere und stete Wiederholung des immer Gleichen im Leben eines so singulären Wesens. Nach ihren aufsehenerregenden Inszenierungen von Lachenmanns DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHWEFELHÖLZERN und Xenakis’ ORESTEIA führen Regisseur David Hermann und Ausstatter Christof Hetzer nun gemeinsam mit Donald Runnicles den Janácek-Schwerpunkt an der Deutschen Oper Berlin fort.


Kategorie: Oper

Zwei Fährmänner bringen ihre Passagiere an zwei unterschiedliche Orte. Der eine lebt an der Lagune von Bandar-e Anzali an der Südwestküste des Kaspischen Meeres, der andere am Wattenmeer der Nordsee. „Erzählungen aus der Lagune“ ist ein mehrsprachiges, interkulturelles und ortsspezifisches Musiktheater-Projekt, entwickelt für die Aufführungsorte Teheran und Berlin.


Kategorie: Neue Musik

Junge Talente für die Bühne aufzuspüren und zu fördern ist das zentrale Anliegen des Bundeswettbewerbs Gesang Berlin. Die Teilnehmer am Juniorwettbewerb des größten nationalen Gesangswettbewerbs Europas – 2018 für Oper / Operette / Konzert ausgeschrieben – sind erst 17 bis 22 Jahre alt, doch präsentieren sich hier immer wieder junge Persönlichkeiten mit überraschender Bühnenpräsenz und musikalisch wie technisch frappierender Qualität. Zahlreiche ehemalige Preisträger wie Reinhard Hagen, Michaela Kaune, Nadja Michael, Christine Schäfer, Doris Soffel und Michael Volle sind der Deutschen Oper Berlin als Gäste verbunden. Nach bundesweiten Vorauswahlen reisen die besten Kandidaten des Juniorwettbewerbs zu Finalrunden nach Berlin, die am 14., 15. und 16. November 2018 im Foyer der Deutschen Oper Berlin stattfinden. Mit einem umfangreichen Repertoire aus Kunstliedern und Arien stellten sich die jungen Talente vor Jury und Publikum dem Wettbewerb. Diese Preisträgerinnen und Preisträger des Juniorwettbewerbs präsentieren sich am 17. November um 15 Uhr in einem Konzert – ebenfalls im Foyer der Deutschen Oper Berlin:


Kategorie: Klassik

Unsere Führungen durch das Zuschauerhaus und über die Bühnen sowie durch die Probenräume und das Bühnenbildmagazin der Deutschen Oper Berlin vermitteln Ihnen spannende Eindrücke und Wissenswertes über die Deutsche Oper Berlin und den Alltag hinter den Kulissen. Welches architektonische Konzept verbirgt sich hinter der langen Waschbeton-Fassade an der Bismarckstraße? Wie entsteht ein Bühnenbild? Wie laufen Proben ab? Erfahren Sie außerdem Details zur bewegten Geschichte des Hauses, das heute mit seinen modernen Neuinszenierungen und den frühen Repertoireschätzen einen Querschnitt durch über 40 Jahre Inszenierungs- und Aufführungspraxis zu bieten hat.


Kategorie: Führung

„Champagner hat’s verschuldet, tralalalala“ – darauf einigen sich nach einer durchzechten Nacht voller Verwechslungen und erotischer Ausrutscher am Ende die Protagonisten in Johann Strauß’ FLEDERMAUS. Schuld ist aber nicht nur der Alkohol, sondern Verwirrung stiftet vor allem die Intrige des gedemütigten Dr. Falke, der einst in einem Fledermauskostüm dem Spott der Kleinstadtgesellschaft ausgesetzt war und jetzt seine Chance nutzt, um sich an seinem ‚guten Freund‘, dem Lebemann Gabriel von Eisenstein, zu rächen. Und so werden die Kammerzofe als Schauspielerin, die Gattin als ungarische Gräfin und Eisenstein selbst als französischer Marquis maskiert und auf den Ball des Prinzen Orlofsky geschickt. Dass darauf nur Katzenjammer am frühen Morgen im Gefängnis folgt, liegt dann auch weniger am Champagner als in der Natur der Dinge. Johann Strauß gelang mit seiner FLEDERMAUS der Prototyp der Wiener Operette – walzergeschwängert, polkabesessen und dabei voller bitterböser Ironie. Inspiriert von den Offenbachschen Opéras bouffes aus Paris wurde dem bürgerlichen Salonpublikum schonungslos der Spiegel vorgehalten – und mancher Zuschauer erkannte sich im abstrusen Bäumchen-wechseldich-Spiel auf der Bühne wieder. Rolando Villazón kehrt nach seinem Erfolg mit Puccinis LA RONDINE als Regisseur an die Deutsche Oper Berlin zurück und wird sich dieser Operette annehmen, die irgendwie auch an jedes Opernhaus gehört …


Kategorie: Oper

„Da es sich beim Jazz um eine der faszinierendsten Sprachen handelt, liegt es nahe, ihn mit Text und Poesie zu verbinden.“ Die BigBand der Deutschen Oper Berlin präsentiert in ihrer Jazz-Reihe „Jazz & Lyrics“ in der Tischlerei fünf thematische Jazz-Konzerte mit Mitgliedern der BigBand und Gästen in kleineren Formationen. Die Konzerte widmen sich einem bestimmten Thema oder einem bestimmten Komponisten und fusionieren Musik mit Lyrik. Texte, Biografisches und Poesie sowie Hintergrund-Informationen zum jeweiligen Thema machen diese Konzerte zu einem besonderen Erlebnis. Das künstlerische Programm stellen Rüdiger Ruppert und Sebastian Krol zusammen.


Kategorie: Klassik

Rund 550 festangestellte Mitarbeiter und viele Gastkünstler sorgen täglich auf, vor und hinter der Bühne dafür, dass an der Deutschen Oper Berlin „der Lappen hochgeht“ und das Publikum das Haus um unvergessliche Eindrücke reicher wieder verlässt. Alle können wir Ihnen in der Veranstaltungsreihe OPERNWERKSTATT nicht auf einmal vorstellen. Doch wer die OPERNWERKSTATT regelmäßig besucht, wird sie allmählich kennenlernen: die klugen Köpfe, die hinter dem Gesamtkunstwerk Oper stecken, die Träume, Gedanken, Gefühle und Ambitionen, die sich mit ihm verbinden. Die OPERNWERKSTATT bringt Sie ins Gespräch mit Regisseuren, Dirigenten, Sängern, mit der Studienleiterin, Dramaturgen, Theatermachern. Jeder Termin beginnt mit dem Besuch einer szenischen oder musikalischen Probe. Nach dem Blick in die Werkstatt stellen wir Ihnen das entstehende Projekt vor und beantworten Ihre Fragen. Damit Sie sehen, was uns bewegt.


Kategorie: Workshop

Mit ihrer Kammermusik-Reihe haben sich die Musiker und Musikerinnen des Orchesters der Deutschen Oper Berlin einen Wunsch erfüllt: Inspiriert von zentralen Produktionen des Opernspielplans, stellen sie Konzertprogramme mit Werken zusammen, die ihnen persönlich am Herzen liegen. Dabei werden sie von Sängern aus dem Ensemble des Hauses, aber auch von Gästen unterstützt. Die Konzerte finden in den Bühnenbildern der jeweils aktuellen Tischlerei-Produktion statt, die immer wieder für neue, unkonventionelle Raumlösungen sorgen.


Kategorie: Klassik

In seiner vorletzten Oper widmete sich Leos Janácek der menschlichen Sehnsucht nach Unsterblichkeit: Magisch anziehend und abstoßend kalt zugleich ist die berühmte Sängerin Emilia Marty, die einem bereits seit einem Jahrhundert schwelenden Erbstreit mit unerhörtem Faktenwissen eine neue Wendung gibt. Ihre unwiderstehliche erotische Anziehungskraft nutzt sie mit kalter Präzision, da ihr Interesse nicht der Wahrheitsfindung im Prozess, sondern einem eigenen Ziel gilt: Sie muss an die Niederschrift eines alten Rezepts gelangen. Ein an ihr durchgeführtes Menschenexperiment vor über 300 Jahren schenkte ihr ein unnatürlich langes Leben – nun benötigt sie den Trank erneut. „Ich mache sie wärmer, damit die Leute mit ihr Mitleid haben. Ich werde mich noch in sie verlieben.“ schrieb der Komponist über seine Hauptfigur und verlagerte den Schwerpunkt von der komödiantisch-dialektischen Auseinandersetzung über das Für und Wider eines künstlich verlängerten Lebens, die die literarische Vorlage Karel Capeks prägt, hin zu der persönlichen, ergreifenden Klage über die ewige Leere und stete Wiederholung des immer Gleichen im Leben eines so singulären Wesens. Nach ihren aufsehenerregenden Inszenierungen von Lachenmanns DAS MÄDCHEN MIT DEN SCHWEFELHÖLZERN und Xenakis’ ORESTEIA führen Regisseur David Hermann und Ausstatter Christof Hetzer nun gemeinsam mit Donald Runnicles den Janácek-Schwerpunkt an der Deutschen Oper Berlin fort.


Kategorie: Oper

Prinz Tamino wird von einem wilden Drachen bedroht. In letzter Minute retten ihn drei geheimnisvolle Frauen, Abgesandte der Königin der Nacht. Als der Vogelfänger Papageno auftaucht und sich mit der Heldentat brüstet, bestrafen sie ihn. Dem Prinzen überreichen sie ein Bild von Pamina, der Tochter der Königin, die vom Herrscher des Sonnentempels, Sarastro, gefangen gehalten wird. Tamino verliebt sich in sie. Da erscheint die Königin selbst und befiehlt ihm, zusammen mit Papageno Pamina zu retten. Eine Zauberflöte soll ihn vor Gefahren schützen, der widerstrebende Papageno erhält ein magisches Glockenspiel. Von drei Knaben geführt, machen sich die beiden auf den Weg zu Sarastros Burg. Während Tamino von den Burgwächtern zweimal zurückgewiesen und beim dritten Mal darüber belehrt wird, dass Sarastro nicht der grausame Despot sei, als den ihn die Königin hingestellt hat, findet Papageno Pamina und versucht mit ihr zu fliehen. Ihren Bewacher Monostatos kann er zwar mit Hilfe des Glockenspiels in Schach halten, aber das Erscheinen Sarastros macht alle Anstrengung zunichte. Papageno, Pamina und Tamino müssen in Sarastros Tempel bleiben. Sie werden aufgefordert, sich lebensgefährlichen Prüfungen zu unterziehen. Als erstes müssen sie schweigen lernen, ein vor allem für Papageno schwieriges Unterfangen. Als ein altes Weiblein daherkommt, hält er es nicht mehr aus und fragt sie nach ihrem Namen. Mit einem Donnerschlag verschwindet sie wieder. Papageno tröstet sich mit Speis und Trank, die den beiden auf wundersame Weise serviert werden, nur Tamino schweigt und spielt auf seiner Flöte. Pamina kommt und ist verzweifelt, weil Tamino nicht mehr mit ihr spricht. Ihre Mutter hat zuvor vergeblich versucht, sie zum Mord an Sarastro zu überreden. Als sie ihrem Leben ein Ende machen will, entreißen ihr die drei Knaben den Dolch und führen sie zu Tamino. Beide durchschreiten, von der Flöte geschützt, Feuer und Wasser, und haben damit alle Prüfungen bestanden. Unterdessen wünscht Papageno in seiner Einsamkeit das alte Weib wieder herbei und verspricht ihr, »solange sich nichts Besseres findet«, sie zur Frau zu nehmen. Da verwandelt sie sich plötzlich in ein junges, hübsches Mädchen, aber die Zeit ist noch nicht gekommen, sie wird ihm wieder entrissen. Vor Verzweiflung will er sich das Leben nehmen, doch die drei Knaben erinnern ihn an das Glockenspiel. Sein Klang ruft Papagena herbei, und beide träumen von einer glücklichen Zukunft. Auch das andere Paar ist glücklich: Tamino und Pamina werden in die Gemeinschaft der Eingeweihten aufgenommen und verherrlichen die Ideale von Natur, Weisheit, Vernunft. Nur die Königin der Nacht nimmt ein böses Ende: Als sie versucht, mit ihrem Gefolge in den Tempel einzudringen, wird sie von den Mächten der Finsternis verschlungen. Mozarts ZAUBERFLÖTE, die meistgespielte Oper im deutschen Sprachraum, das vielschichtige Meisterwerk in der ungewöhnlichen Mischung aus Wiener Volkstheater und Freimaurermysterium, Märchen und Mythen, gibt uns bis heute Rätsel auf: Haben Mozart und sein Textdichter Schikaneder mitten im Werk die Fronten gewechselt zwischen der Königin der Nacht und Sarastro? Ist nicht Misstrauen angezeigt gegenüber der allzu heilen Priesterwelt und ihrer Ideologie, die die Welt einteilt in Gut und Böse? Gibt es nicht sogar Spuren einer Distanz zwischen Text und Musik, wie von manchen Mozart-Spezialisten vermutet wird? Gleichwohl ist es gerade die Musik, die die Widersprüche der Handlung ins Welthafte erhebt. Sie denunziert ihre Figuren nicht, sondern verleiht ihren Konflikten eine existentielle Dimension. Ohne sie würde die Oper wie ein irrationales Märchen klingen.


Kategorie: Oper

Unsere Führungen durch das Zuschauerhaus und über die Bühnen sowie durch die Probenräume und das Bühnenbildmagazin der Deutschen Oper Berlin vermitteln Ihnen spannende Eindrücke und Wissenswertes über die Deutsche Oper Berlin und den Alltag hinter den Kulissen. Welches architektonische Konzept verbirgt sich hinter der langen Waschbeton-Fassade an der Bismarckstraße? Wie entsteht ein Bühnenbild? Wie laufen Proben ab? Erfahren Sie außerdem Details zur bewegten Geschichte des Hauses, das heute mit seinen modernen Neuinszenierungen und den frühen Repertoireschätzen einen Querschnitt durch über 40 Jahre Inszenierungs- und Aufführungspraxis zu bieten hat.


Kategorie: Führung

„Champagner hat’s verschuldet, tralalalala“ – darauf einigen sich nach einer durchzechten Nacht voller Verwechslungen und erotischer Ausrutscher am Ende die Protagonisten in Johann Strauß’ FLEDERMAUS. Schuld ist aber nicht nur der Alkohol, sondern Verwirrung stiftet vor allem die Intrige des gedemütigten Dr. Falke, der einst in einem Fledermauskostüm dem Spott der Kleinstadtgesellschaft ausgesetzt war und jetzt seine Chance nutzt, um sich an seinem ‚guten Freund‘, dem Lebemann Gabriel von Eisenstein, zu rächen. Und so werden die Kammerzofe als Schauspielerin, die Gattin als ungarische Gräfin und Eisenstein selbst als französischer Marquis maskiert und auf den Ball des Prinzen Orlofsky geschickt. Dass darauf nur Katzenjammer am frühen Morgen im Gefängnis folgt, liegt dann auch weniger am Champagner als in der Natur der Dinge. Johann Strauß gelang mit seiner FLEDERMAUS der Prototyp der Wiener Operette – walzergeschwängert, polkabesessen und dabei voller bitterböser Ironie. Inspiriert von den Offenbachschen Opéras bouffes aus Paris wurde dem bürgerlichen Salonpublikum schonungslos der Spiegel vorgehalten – und mancher Zuschauer erkannte sich im abstrusen Bäumchen-wechseldich-Spiel auf der Bühne wieder. Rolando Villazón kehrt nach seinem Erfolg mit Puccinis LA RONDINE als Regisseur an die Deutsche Oper Berlin zurück und wird sich dieser Operette annehmen, die irgendwie auch an jedes Opernhaus gehört …


Kategorie: Oper

In Zusammenarbeit mit dem Leiter des Ensembles und Komponisten Mischa Tangian entwickeln die Komponist*innen Bushra El-Turk [GB], Maias Alyamani [SYR/QAT], Alican Püskülcü [TÜR/USA] und Osama Abdulrasol [IRQ/BE] einen Abend, der von ungewöhnlichen Begegnungen zwischen unterschiedlichen Kulturen erzählt.


Kategorie: Neue Musik

Als Vorbereitung auf den Vorstellungsbesuch bieten wir Workshops für Kinder mit einem Eltern- oder Großelternteil an. Dabei ist Mitmachen gefragt: Mit Stimme, Theaterspiel und einfachen Instrumenten entdeckt Ihr das Stück und die Inszenierung.


Kategorie: Workshop

„Da es sich beim Jazz um eine der faszinierendsten Sprachen handelt, liegt es nahe, ihn mit Text und Poesie zu verbinden.“ Die BigBand der Deutschen Oper Berlin präsentiert in ihrer Jazz-Reihe „Jazz & Lyrics“ in der Tischlerei fünf thematische Jazz-Konzerte mit Mitgliedern der BigBand und Gästen in kleineren Formationen. Die Konzerte widmen sich einem bestimmten Thema oder einem bestimmten Komponisten und fusionieren Musik mit Lyrik. Texte, Biografisches und Poesie sowie Hintergrund-Informationen zum jeweiligen Thema machen diese Konzerte zu einem besonderen Erlebnis. Das künstlerische Programm stellen Rüdiger Ruppert und Sebastian Krol zusammen.


Kategorie: Klassik

Sommer 1789. Im Schloss der Gräfin de Coigny wird ein Fest vorbereitet. Charles Gérard, Diener im Hause der Gräfin, schreit seinen Hass auf die Dekadenz der französischen Aristokratie heraus. Sein alter Vater muss von früh bis spät schuften, er selbst, der mit der Tochter des Hauses, Madeleine de Coigny, aufgewachsen ist und sie heimlich, aber aussichtslos liebt, führt ein würdeloses Dasein als Lakai. Die politische Lage ist angespannt. Doch als die Ballgesellschaft schließlich eintrifft, versucht man sich mit Schäferspielen von den beunruhigenden Nachrichten aus Paris abzulenken. Unter den Gästen befindet sich auch der junge Dichter André Chénier. Madeleine fordert ihn auf, eines seiner Gedichte vorzutragen. Er singt von der Liebe und beklagt die Ungerechtigkeit der herrschenden Zustände so eindringlich, dass sie tief betroffen den Saal verlässt. Da öffnen sich plötzlich die Türen und eine aufgewühlte Menschenmenge, angeführt von Gérard, schockiert die Ballgäste. Doch der Gräfin gelingt es, die Menschen zurückzuweisen. Der Tanz geht weiter. Fünf Jahre später tanzt niemand mehr. Paris zittert unter dem Regime Robespierres. Gérard ist Ankläger beim Revolutionstribunal geworden.- Madeleine lebt verarmt in Paris, nur unterstützt von ihrer ehemaligen Zofe Bersi, die sich als Kurtisane durchschlägt. Chénier wird wegen seiner Gedichte gegen die Schreckensherrschaft Robespierres verfolgt. Obwohl ihn sein Freund Roucher eindringlich bittet, Paris zu verlassen, weigert er sich, denn er hat sich in eine Unbekannte verliebt, die ihm heimlich Briefe schreibt. Die Unbekannte ist Madeleine. Als sich die beiden bei einem nächtlichen Treffen ihre Liebe gestehen, werden sie von Gérard überrascht, der Madeleine seit einiger Zeit durch seine Spitzel suchen ließ. Es kommt zum Kampf, bei dem Gérard verwundet wird. Gérard bittet seinen Rivalen, mit Madeleine zu fliehen und für ihre Sicherheit zu sorgen. Auf einer Sitzung des Revolutionstribunals einige Zeit später unterzeichnet er dennoch die Anklageschrift gegen Chénier, den er ohnehin für verloren hält. Um ihren Geliebten zu retten, bietet Madeleine Gérard ihren Körper an. Gerührt von ihrer Liebe, schwört Gérard, den Dichter vor dem Tribunal zu verteidigen, doch vergebens. Chénier wird zum Tode verurteilt. Am Abend vor seiner Hinrichtung verschafft sich Madeleine mit Gérards Hilfe Zugang zum Gefängnis und besticht einen der Schließer, sie an Stelle einer anderen Verurteilten in Haft zu nehmen. Die beiden Liebenden erwarten gemeinsam den Tod. Wenngleich selten aufgeführt, gehört Umberto Giordanos ANDREA CHENIER zu den eindrucksvollsten Werken aus dem Umkreis des sogenannten »verismo«, einer Stilrichtung der italienischen Oper, die naturalistische Elemente nicht nur in der Wahl des Sujets, sondern auch in der musikalischen Durchführung in den Vordergrund stellte. Wortführer der neuen Bewegung wurde Pietro Mascagni, dessen Einakter CAVALLERIA RUSTICANA als Sieger aus einem vom Verleger Edoardo Sonzogno ausgeschriebenen Opernwettbewerb hervorgegangen war und seinen Schöpfer auf einen Schlag berühmt machte. Wichtige Merkmale des »verismo« finden sich auch in Giordanos Revolutionsoper, so etwa die musikalische Verarbeitung historischer Tänze und Märsche aus der Zeit vor der Französischen Revolution und bekannte Revolutions-Klänge wie das »Ça ira«, die Carmagnole oder die Marseillaise, die entweder nur angedeutet oder an zentralen Stellen des Werkes auch direkt zitiert werden. Die Hauptfigur, der Dichter André Chénier, ist nach historischem Vorbild gestaltet, das Klima der Französischen Revolution in seinem Wechsel von Schrecken und Pathos sehr theaterwirksam ausgearbeitet. Die Dreiecksgeschichte zwischen dem Dichter, Gérard und der jungen Madeleine wird vor diesem Hintergrund um so anrührender. »Die innere Aktualität des Stücks darzustellen, gelingt dem Regisseur John Dew ohne gewaltsame äußere Aktualisierung auf verblüffende Weise.« [Nürnberger Zeitung]


Kategorie: Oper


Änderungen vorbehalten! - Angaben ohne Gewähr! - Stand:10.09.18
© Fotos der Vorstellungen: [+][-]
Don Giovanni(2015 Bettina Stöß/2015 Bettina Stöß) 25. Festliche Operngala für die Deutsche AIDS-Stiftung(2015 Bettina Stöß/2015 Bettina Stöß) Wozzeck(Bernd Uhlig/Bernd Uhlig) Messa da Requiem(2013 Bettina Stöß/2013 Bettina Stöß) Aus dem Hinterhalt: Wozzeck(/) Familienführung(Bettina Stöß/Bettina Stöß) Die Sache Makropulos(2016 Bernd Uhlig/2016 Bernd Uhlig) Lohengrin(2012 Marcus Lieberenz/2012 Marcus Lieberenz) Erzählungen aus der Lagune(/) Bundeswettbewerb Gesang: Konzert der Preisträger Juniorwettbewerb(Matthias Heyde/Matthias Heyde) Die Fledermaus(Ruth Tromboukis/Ruth Tromboukis) Jazz & Lyrics(Eike Walkenhorst/Eike Walkenhorst) Opernwerkstatt(2010 Bettina Stöß/2010 Bettina Stöß) 2. Tischlereikonzert: Spotlights(/) Die Zauberflöte(2008 Bettina Stöß / stage picture/2008 Bettina Stöß / stage picture) Lieder zwischen Euphrat und Elbe(/) Familien-Workshop(Dorothea Tuch/Dorothea Tuch) Andrea Chenier(Bettina Stöß/Bettina Stöß)

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