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Spielplan für Mai 2019

Der Hollnder ist ein Verfluchter, ein Getriebener, ein Auenseiter. Die Figur dieses Heimatlosen lernte Richard Wagner bei Heinrich Heine kennen, der den romantischen Stoff jedoch mit der ihm typischen Ironie erzhlte. Wagner hingegen interessierte sich nicht fr Heines Rahmenhandlung, die den Hollnder-Stoff in Distanz rckte. Wagner versenkte sich in die Geschichte des mysterisen Seefahrers und schuf seine erste Oper ber die Suche des Mannes nach der ihn erlsenden Frau. Hollnder, der rastlose Wanderer zwischen Leben und Tod, trifft auf eine Frau Senta , die ebenfalls fremd und heimatlos scheint und sich nach einer mnnlichen Figur sehnt, die sie aus ihren eigenen Fantasien geboren hat: den Hollnder. Es ist eine Welt der Traumbilder und des Fantastischen, der Obsessionen und der Projektionen eine Welt, die lngst den Bezug zur Wirklichkeit verloren hat. Dies trifft vor allem den Jger Erik, der als der vielleicht einzig wahre und real Liebende erscheint. Doch er erreicht die anderen, die sich in ihren Trumen auflsen, nicht mehr. Wagners Oper, 1841 entstanden und 1843 in Dresden uraufgefhrt, ist nach dem vorangehenden RIENZI, der stilistisch der Grand Opra folgte, eine Hinwendung zur Tradition der deutschen romantischen Oper von Weber oder Marschner. Trotz dieser Orientierung am Zeitgeist weist das Werk auf Wagners weitere Entwicklung als Musikdramatiker voraus. Und erstmals steht im Zentrum Wagners Lebensthema der Erlsung durch Liebe im Tod. Der Regisseur und Choreograf Christian Spuck, der an der Deutschen Oper Berlin bereits 2014 mit seiner Inszenierung von Hector Berlioz FAUSTS VERDAMMNIS begeisterte, arbeitete bereits zum zweiten Mal an der Deutschen Oper Berlin, wiederum im Team mit Generalmusikdirektor Donald Runnicles.


Kategorie: Oper

Ein genrebergreifendes Konzert


Kategorie: Klassik

Die Figur der fremden Frau vom Meer, die vergeblich versucht, ihren Platz in der menschlichen Gesellschaft zu finden, hat das gesamte 19. Jahrhundert ber Schriftsteller, Komponisten und Bildende Knstler inspiriert. Auch Theodor Fontane beschftigte dieses Thema: Das 1887 entstandene Novellenfragment Oceane von Parceval ist nur einer seiner Versuche, in der Gestalt der Melusine die Mischung aus den Gefhlen von Bedrohung und Faszination zu fassen, der sich eine mnnlich dominierte brgerliche Gesellschaft angesichts der Verbindung von Weiblichkeit mit archaischer, erotisch freizgiger Natrlichkeit gegenbersah. Bei Fontane wird die Fremdheit Oceanes noch zustzlich durch ihr Unvermgen akzentuiert, angesichts menschlicher Schicksale Mitleid zu empfinden. Dem Tod und der Liebe steht sie gleichmtig gegenber und auch ihr Versuch, eine Beziehung mit dem jungen Gutsbesitzer Martin von Diercksen einzugehen, ist so zum Scheitern verurteilt. Fr das Fontane-Jahr 2019 haben Detlev Glanert und Hans-Ulrich Treichel nun eine Oper auf der Grundlage dieses Fragments geschrieben und setzen damit ihre 2006 mit CALIGULA begonnene erfolgreiche Zusammenarbeit fort. Fr die Urauffhrung von OCEANE kehrt zugleich einer der erfolgreichsten Opernregisseure der Gegenwart an die Deutsche Oper Berlin zurck. Der Kanadier Robert Carsen inszeniert seit ber dreiig Jahren an den groen Opernhusern der Welt. An der Deutschen Oper Berlin waren von ihm bislang Verdis MACBETH, Strauss ARIADNE AUF NAXOS und zuletzt Prokofjews DIE LIEBE ZU DEN DREI ORANGEN zu sehen.


Kategorie: Oper

Der Hollnder ist ein Verfluchter, ein Getriebener, ein Auenseiter. Die Figur dieses Heimatlosen lernte Richard Wagner bei Heinrich Heine kennen, der den romantischen Stoff jedoch mit der ihm typischen Ironie erzhlte. Wagner hingegen interessierte sich nicht fr Heines Rahmenhandlung, die den Hollnder-Stoff in Distanz rckte. Wagner versenkte sich in die Geschichte des mysterisen Seefahrers und schuf seine erste Oper ber die Suche des Mannes nach der ihn erlsenden Frau. Hollnder, der rastlose Wanderer zwischen Leben und Tod, trifft auf eine Frau Senta , die ebenfalls fremd und heimatlos scheint und sich nach einer mnnlichen Figur sehnt, die sie aus ihren eigenen Fantasien geboren hat: den Hollnder. Es ist eine Welt der Traumbilder und des Fantastischen, der Obsessionen und der Projektionen eine Welt, die lngst den Bezug zur Wirklichkeit verloren hat. Dies trifft vor allem den Jger Erik, der als der vielleicht einzig wahre und real Liebende erscheint. Doch er erreicht die anderen, die sich in ihren Trumen auflsen, nicht mehr. Wagners Oper, 1841 entstanden und 1843 in Dresden uraufgefhrt, ist nach dem vorangehenden RIENZI, der stilistisch der Grand Opra folgte, eine Hinwendung zur Tradition der deutschen romantischen Oper von Weber oder Marschner. Trotz dieser Orientierung am Zeitgeist weist das Werk auf Wagners weitere Entwicklung als Musikdramatiker voraus. Und erstmals steht im Zentrum Wagners Lebensthema der Erlsung durch Liebe im Tod. Der Regisseur und Choreograf Christian Spuck, der an der Deutschen Oper Berlin bereits 2014 mit seiner Inszenierung von Hector Berlioz FAUSTS VERDAMMNIS begeisterte, arbeitete bereits zum zweiten Mal an der Deutschen Oper Berlin, wiederum im Team mit Generalmusikdirektor Donald Runnicles.


Kategorie: Oper

Tannhuser sehnt sich aus dem Reich der Venus in sein irdisches Leben zurck. Erst mit dem Anruf der Jungfrau Maria gelingt es ihm, der Gttin zu entkommen. Hermann von Thringen und seine ritterliche Jagdgesellschaft heien den lang Verschollenen willkommen. Die Aussicht auf die Begegnung mit der geliebten Elisabeth bewegt ihn zur Heimkehr. In einem Sngerwettstreit auf der Wartburg soll das Wesen der Liebe ergrndet werden. Die geladenen Snger singen von der Reinheit des Gefhls, Tannhuser jedoch preist die Leidenschaft der Venus. Das offene Bekenntnis zur Lust bringt die Gesellschaft in Aufruhr.- man will mit Waffen gegen Tannhuser vorgehen, doch Elisabeth, obgleich selbst verletzt, schtzt sein Leben. Der Landgraf erlegt Tannhuser eine Bufahrt nach Rom auf. Die Pilger jedoch kehren ohne Tannhuser zurck.- nur er allein hat nicht die ppstliche Vergebung erlangt. Ihm droht ewige Verdammnis, der er durch die Rckkehr zu Venus zu entgehen hofft. Die Anrufung von Elisabeths Namen lsst ihn wieder zur Besinnung kommen im Angesicht ihres Todes findet seine zerrissene Seele nunmehr auch Erlsung. Das Theater als Traumort: Ausgehend von der berlegung, dass Venus und Elisabeth lediglich zwei Mglichkeiten darstellen, die eine Person in sich zu vereinen vermag, ist Wagners Oper Ausgangspunkt fr ein Bhnen-Spiel mit den Facetten und Mglichkeiten im zwischenmenschlichen Miteinander. Nicht nur der mittelalterliche Moralkodex, dem das Personal des Stckes vordergrndig unterworfen, ist dabei eine der bestimmenden Ebenen, sondern auch die Wandlungen des Blickwinkels, die durch die entgegenstehenden dispositionellen Ausprgungen in einer Person mglich sind. Nicht mehr der Hin- und Hergerissene steht im Zentrum der Beachtung, sondern viel strker als allgemein blich die Hin- und Herreiende: Venus / Elisabeth. TANNHUSER aus der Sicht der einen Frau, die viel mehr ist als lediglich Hure oder Heilige. Mehr als dieses Entweder-Oder interessiert uns, in diesem Werk der Kunst der Liebe nachzuspren. Da Ludwig der Milde, Landgraf von Thringen, auf einem Kreuzzug im Morgenlande gestorben war, verlie er keine Kinder, und das Land fiel an seinen Bruder Hermann. Zu dessen Zeiten blhte in deutschen Landen der Minnesang und ward gebt und geliebt von Frsten und Edeln, und Frst Hermann versammelte viele Snger zu seinem glnzenden Hofhalt auf der Wartburg. Eine Zeit nach ihm lebte auch ein Minnesnger im Frankenlande, der fhrte wie die meisten seiner Sanggenossen ein Wanderleben. Da habe ihn, als er am Hrseelenberge vorberzog, die Erscheinung eines wunderholden Frauenbildes aufgehalten, das sei niemand anders als eben Frau Venus selbst gewesen, und ihm gewinkt, ihr in den Berg hineinzufolgen, und obschon auch ihn der treue Eckart gewarnt, habe der Ritter doch nicht zu widerstehen vermocht, und sei hineingegangen, und habe sich von Frau Venus umstricken lassen, und habe ein ganzes Jahr im Berge verweilt. Viele alte Lieder singen und sagen, wie nun die Reue ber den Tannhuser gekommen, da er sich besonnen und in sich gegangen, und habe wieder aus dem Berge herausbegehrt. Als er solches nun uerte, erinnerte Frau Venus ihn an seinen Eid, den er ihr geschworen, allein Tannhuser leugnete ihr solches in ihr schnes Gesicht hinein. Darauf erbot sie sich, ihm eine andere Gespielin statt ihrer zu geben, aber er sprach, so er solches tte, msse er ewig ob solcher Vielweiberei in der Glut der Hlle brennen. Da lachte Frau Venus hell auf und fragte ihn, was er doch von der Hlle Glut schwatze. Ob er diese je bei ihr empfunden habe? Ob nicht ihr roter Mund zu allen Stunden ihm freundlich zugelacht? So ging der Streit noch eine Weile fort, bis Tannhuser in seiner Undankbarkeit fr alles Liebe und Gute, was Frau Venus an ihm getan, sie eine Teufelin schimpfte. Das nahm Frau Venus endlich bel und drohte, es ihm entgelten zu lassen. Da schrie der Tannhuser die Jungfrau Maria an, ihm von dem Weibe zu helfen, und da sprach Frau Venus mit Stolz: Nun knne er hingehn, er mge sich nur bei dem Greise beurlauben er werde dennoch ihr Lob noch preisen. Nun ging der Tannhuser reuevoll aus dem Venusberge und wallete gen Rom zum Papst Urban, dem klagte und beichtete er seine Snden und bekannte, da er bei einer Frau mit Namen Venus ein Jahr lang gewesen. Der Papst hielt in seiner Hand den hohen Stab mit dem rmischen Doppelkreuze und sprach zu dem reuigen Snger: So wenig der drre Stab hier grnet, kommst du, der du bei des Teufels Hulde warst, zu Gottes Hulde! Vergebens flehte der Tannhuser, ihm eine jahrelange Bue aufzuerlegen, dann zog er wie der aus dem ewigen Rom voll Leid und Jammer und klagte bitterlich, da des Papstes hartes Wort ihn auf ewig von Maria, der himmlischen Huldin, scheide, da Gott ihn nicht annehme, und verwnschete sich wieder zu Frau Venus in den Hrseelenberg. Die stand schon da und lachte hell und spottete ihm entgegen recht teufelisch: Seid gottwillkommen, Tannhuser, mein lieber Herr, ich hab Euer recht lang entbehrt, mein auserkorener Buhle!, und lachte noch einmal und ri ihn durch die Hhlenpforte mit sich hinab. Aber am dritten Tage danach, da hub des Papstes Stab an zu grnen, und nun sandte der Papst Boten aus in alle Lande, wo der Tannhuser hingekommen wre der war aber wieder in dem Berg bei seinem schlimmen Lieb (Ludwig Bechstein)


Kategorie: Oper


Kategorie: Klassik

Der Hollnder ist ein Verfluchter, ein Getriebener, ein Auenseiter. Die Figur dieses Heimatlosen lernte Richard Wagner bei Heinrich Heine kennen, der den romantischen Stoff jedoch mit der ihm typischen Ironie erzhlte. Wagner hingegen interessierte sich nicht fr Heines Rahmenhandlung, die den Hollnder-Stoff in Distanz rckte. Wagner versenkte sich in die Geschichte des mysterisen Seefahrers und schuf seine erste Oper ber die Suche des Mannes nach der ihn erlsenden Frau. Hollnder, der rastlose Wanderer zwischen Leben und Tod, trifft auf eine Frau Senta , die ebenfalls fremd und heimatlos scheint und sich nach einer mnnlichen Figur sehnt, die sie aus ihren eigenen Fantasien geboren hat: den Hollnder. Es ist eine Welt der Traumbilder und des Fantastischen, der Obsessionen und der Projektionen eine Welt, die lngst den Bezug zur Wirklichkeit verloren hat. Dies trifft vor allem den Jger Erik, der als der vielleicht einzig wahre und real Liebende erscheint. Doch er erreicht die anderen, die sich in ihren Trumen auflsen, nicht mehr. Wagners Oper, 1841 entstanden und 1843 in Dresden uraufgefhrt, ist nach dem vorangehenden RIENZI, der stilistisch der Grand Opra folgte, eine Hinwendung zur Tradition der deutschen romantischen Oper von Weber oder Marschner. Trotz dieser Orientierung am Zeitgeist weist das Werk auf Wagners weitere Entwicklung als Musikdramatiker voraus. Und erstmals steht im Zentrum Wagners Lebensthema der Erlsung durch Liebe im Tod. Der Regisseur und Choreograf Christian Spuck, der an der Deutschen Oper Berlin bereits 2014 mit seiner Inszenierung von Hector Berlioz FAUSTS VERDAMMNIS begeisterte, arbeitete bereits zum zweiten Mal an der Deutschen Oper Berlin, wiederum im Team mit Generalmusikdirektor Donald Runnicles.


Kategorie: Oper

Rom wird beherrscht von den Partikularinteressen und Clan-Kmpfen verfeindeter Adelsfamilien. An der Spitze der Brgerpartei kmpft der charismatische Idealist Rienzi fr Freiheit und Gerechtigkeit, Gre und Frieden. Er geniet das Vertrauen der Kirche und des Volkes. Die Knigswrde lehnt er zwar ab, bernimmt aber mit groen Gedanken im Kopf und im Herzen (Wagner) das Amt des Volkstribuns. Rom, das er liebt wie eine Braut, will er den inneren Frieden und seine einstige Gre zurckgeben. Untersttzt und eingesetzt von der Heiligen Kirche verspricht er, an der Seite eines gesetzgebenden Senats die Rechte des Volkes zu schtzen. Doch der Adel hat sich dem neuen politischen System und seinem Vertreter nur zum Schein untergeordnet. Ein erster Attentatsversuch der Nobili scheitert, den Attenttern droht die Todesstrafe. Adriano, Sohn eines der Verschwrer und der Geliebte der Schwester Rienzis, gert zwischen die Fronten. Er bittet Rienzi um Gnade fr den Vater. Der wirbt schlielich beim Volk dafr, seine Entscheidung, die Attentter am Leben zu lassen, mitzutragen und wendet so die Todesstrafe ab. Doch der Frieden hlt nur kurz. Den Treueschwur, den Rienzi den begnadigten Nobili abverlangt, brechen sie und zetteln neue Unruhen an, die diesmal nur mit hohem Blutzoll auf beiden Seiten niedergeschlagen werden knnen. Die Loyalitt des Volkes zu seinem Tribun brckelt. Als Rienzi den Machtanspruch Roms ber die Grenzen der Stadt hinaus ausweiten will, wendet sich die Kirche von ihm ab. Damit ist der Damm gebrochen, der Retter wird zum Sndenbock. Das Volk ruft zur Steinigung und Verbrennung ihres einstigen Hoffnungstrgers auf. Vor seinem Tod verflucht Rienzi Rom und droht, es mit sich in den Untergang zu reien. Mit RIENZI, seiner vierten Oper, war Wagner der Durchbruch gelungen. Lange ein geradezu populres Werk, verschwand RIENZI nach dem Zweiten Weltkrieg beinahe vllig von den Spielplnen. Hitler selber hatte in der Gestalt des Titelhelden enge Bezge zu seiner eigenen bereits gelebten, aber auch der geplanten Biografie ausgemacht und eine von ihm 1906 (oder 1907) in Linz besuchte Auffhrung geradezu als Initialzndung fr knftiges Wirken gedeutet. Die Nachwelt distanzierte sich von diesem Werk, da auch sie nicht umhin konnte, diese Parallelen zu erkennen, die sich allerdings weniger in biografischen Details manifestieren als in gemeinsamen sprachlichen Topoi, einem umfangreichen Macht- und Erlsungsanspruch und einem Gewaltpotential, das schnell in einen grenzenlosen Zerstrungswillen umzuschlagen droht. Wagner, der seinen Stoff im Roman Edward Bulwer-Lyttons Rienzi, or The Last of the Tribunes, fand, fut mit RIENZI musikalisch und thematisch noch in der Tradition der franzsischen Grand opra, die er allerdings sowohl klanglich als auch inhaltlich bertreffen und berwinden mchte. Die romantische Vorstellung des einsamen, bermenschlichen Helden, der am Unverstndnis der Welt zugrunde geht, ist in RIENZI bereits angelegt. Sie bildet die Keimzelle fr den von Wagner in seinem spteren Werk entfalteten, am Menschen geschulten, dann mythisch berhhten Kosmos. Hte dich, ich beschwre dich, die herrliche Erscheinung deines Ruhms mit eigenen Hnden zu vernichten. Kein Mensch auer dir allein vermag die Fundamente deiner Taten einzureien.- du kannst vernichten, da du den Grund gelegt hast der Baumeister ist immer der beste Zerstrer der eigenen Werke. Du weit, auf welchen Wegen du zum Ruhm emporgestiegen bist.- auf denselben Wegen steigt man von dort wieder herab, und natrlicherweise geht der Abstieg leichter Daran denke, solange es Zeit ist, immer wieder, wie der Jngling bei Terenz sagt. Erwge bitte mit hchstem Eifer, was du tust, prfe dich selbst ganz genau, bedenke, und tusche dich nicht, wer du bist, wer du gewesen bist, woher du kommst, wohin du gehst, wie weit man gehen kann, ohne die Freiheit zu verletzen, welche Stellung und welches Amt du angenommen hast, welche Hoffnung man auf dich gesetzt hat und was du versprochen hast: dann wirst du dich nicht als Herrn der Republik, sondern als deren Diener sehen. (Petrarca an Rienzo, Genua 1347)


Kategorie: Oper

Unsere Fhrungen durch das Zuschauerhaus und ber die Bhnen sowie durch die Probenrume und das Bhnenbildmagazin der Deutschen Oper Berlin vermitteln Ihnen spannende Eindrcke und Wissenswertes ber die Deutsche Oper Berlin und den Alltag hinter den Kulissen. Welches architektonische Konzept verbirgt sich hinter der langen Waschbeton-Fassade an der Bismarckstrae? Wie entsteht ein Bhnenbild? Wie laufen Proben ab? Erfahren Sie auerdem Details zur bewegten Geschichte des Hauses, das heute mit seinen modernen Neuinszenierungen und den frhen Repertoireschtzen einen Querschnitt durch ber 40 Jahre Inszenierungs- und Auffhrungspraxis zu bieten hat.


Kategorie: Fhrung

Tannhuser sehnt sich aus dem Reich der Venus in sein irdisches Leben zurck. Erst mit dem Anruf der Jungfrau Maria gelingt es ihm, der Gttin zu entkommen. Hermann von Thringen und seine ritterliche Jagdgesellschaft heien den lang Verschollenen willkommen. Die Aussicht auf die Begegnung mit der geliebten Elisabeth bewegt ihn zur Heimkehr. In einem Sngerwettstreit auf der Wartburg soll das Wesen der Liebe ergrndet werden. Die geladenen Snger singen von der Reinheit des Gefhls, Tannhuser jedoch preist die Leidenschaft der Venus. Das offene Bekenntnis zur Lust bringt die Gesellschaft in Aufruhr.- man will mit Waffen gegen Tannhuser vorgehen, doch Elisabeth, obgleich selbst verletzt, schtzt sein Leben. Der Landgraf erlegt Tannhuser eine Bufahrt nach Rom auf. Die Pilger jedoch kehren ohne Tannhuser zurck.- nur er allein hat nicht die ppstliche Vergebung erlangt. Ihm droht ewige Verdammnis, der er durch die Rckkehr zu Venus zu entgehen hofft. Die Anrufung von Elisabeths Namen lsst ihn wieder zur Besinnung kommen im Angesicht ihres Todes findet seine zerrissene Seele nunmehr auch Erlsung. Das Theater als Traumort: Ausgehend von der berlegung, dass Venus und Elisabeth lediglich zwei Mglichkeiten darstellen, die eine Person in sich zu vereinen vermag, ist Wagners Oper Ausgangspunkt fr ein Bhnen-Spiel mit den Facetten und Mglichkeiten im zwischenmenschlichen Miteinander. Nicht nur der mittelalterliche Moralkodex, dem das Personal des Stckes vordergrndig unterworfen, ist dabei eine der bestimmenden Ebenen, sondern auch die Wandlungen des Blickwinkels, die durch die entgegenstehenden dispositionellen Ausprgungen in einer Person mglich sind. Nicht mehr der Hin- und Hergerissene steht im Zentrum der Beachtung, sondern viel strker als allgemein blich die Hin- und Herreiende: Venus / Elisabeth. TANNHUSER aus der Sicht der einen Frau, die viel mehr ist als lediglich Hure oder Heilige. Mehr als dieses Entweder-Oder interessiert uns, in diesem Werk der Kunst der Liebe nachzuspren. Da Ludwig der Milde, Landgraf von Thringen, auf einem Kreuzzug im Morgenlande gestorben war, verlie er keine Kinder, und das Land fiel an seinen Bruder Hermann. Zu dessen Zeiten blhte in deutschen Landen der Minnesang und ward gebt und geliebt von Frsten und Edeln, und Frst Hermann versammelte viele Snger zu seinem glnzenden Hofhalt auf der Wartburg. Eine Zeit nach ihm lebte auch ein Minnesnger im Frankenlande, der fhrte wie die meisten seiner Sanggenossen ein Wanderleben. Da habe ihn, als er am Hrseelenberge vorberzog, die Erscheinung eines wunderholden Frauenbildes aufgehalten, das sei niemand anders als eben Frau Venus selbst gewesen, und ihm gewinkt, ihr in den Berg hineinzufolgen, und obschon auch ihn der treue Eckart gewarnt, habe der Ritter doch nicht zu widerstehen vermocht, und sei hineingegangen, und habe sich von Frau Venus umstricken lassen, und habe ein ganzes Jahr im Berge verweilt. Viele alte Lieder singen und sagen, wie nun die Reue ber den Tannhuser gekommen, da er sich besonnen und in sich gegangen, und habe wieder aus dem Berge herausbegehrt. Als er solches nun uerte, erinnerte Frau Venus ihn an seinen Eid, den er ihr geschworen, allein Tannhuser leugnete ihr solches in ihr schnes Gesicht hinein. Darauf erbot sie sich, ihm eine andere Gespielin statt ihrer zu geben, aber er sprach, so er solches tte, msse er ewig ob solcher Vielweiberei in der Glut der Hlle brennen. Da lachte Frau Venus hell auf und fragte ihn, was er doch von der Hlle Glut schwatze. Ob er diese je bei ihr empfunden habe? Ob nicht ihr roter Mund zu allen Stunden ihm freundlich zugelacht? So ging der Streit noch eine Weile fort, bis Tannhuser in seiner Undankbarkeit fr alles Liebe und Gute, was Frau Venus an ihm getan, sie eine Teufelin schimpfte. Das nahm Frau Venus endlich bel und drohte, es ihm entgelten zu lassen. Da schrie der Tannhuser die Jungfrau Maria an, ihm von dem Weibe zu helfen, und da sprach Frau Venus mit Stolz: Nun knne er hingehn, er mge sich nur bei dem Greise beurlauben er werde dennoch ihr Lob noch preisen. Nun ging der Tannhuser reuevoll aus dem Venusberge und wallete gen Rom zum Papst Urban, dem klagte und beichtete er seine Snden und bekannte, da er bei einer Frau mit Namen Venus ein Jahr lang gewesen. Der Papst hielt in seiner Hand den hohen Stab mit dem rmischen Doppelkreuze und sprach zu dem reuigen Snger: So wenig der drre Stab hier grnet, kommst du, der du bei des Teufels Hulde warst, zu Gottes Hulde! Vergebens flehte der Tannhuser, ihm eine jahrelange Bue aufzuerlegen, dann zog er wie der aus dem ewigen Rom voll Leid und Jammer und klagte bitterlich, da des Papstes hartes Wort ihn auf ewig von Maria, der himmlischen Huldin, scheide, da Gott ihn nicht annehme, und verwnschete sich wieder zu Frau Venus in den Hrseelenberg. Die stand schon da und lachte hell und spottete ihm entgegen recht teufelisch: Seid gottwillkommen, Tannhuser, mein lieber Herr, ich hab Euer recht lang entbehrt, mein auserkorener Buhle!, und lachte noch einmal und ri ihn durch die Hhlenpforte mit sich hinab. Aber am dritten Tage danach, da hub des Papstes Stab an zu grnen, und nun sandte der Papst Boten aus in alle Lande, wo der Tannhuser hingekommen wre der war aber wieder in dem Berg bei seinem schlimmen Lieb (Ludwig Bechstein)


Kategorie: Oper

Wahlkampf in Brabant - Kasper Holten inszeniert Wagners LOHENGRIN als zeitloses politisches Machtspiel: Putin beim Armdrcken und beim Ausgraben einer antiken Amphore, Putin als Pilot eines Lschflugzeugs, nicht zu vergessen das Bild mit dem sibirischen Tiger! Putin beim Tauchen, Klettern, Rennwagen fahren und beim Versuch, eine Bratpfanne zusammenzudrcken. Ob ihm Letzteres gelungen ist, ist nicht dokumentiert, aber darum geht es ja auch nicht. Was zhlt ist die Pose, die Inszenierung des Helden. Die damit verbundene Botschaft lautet freilich: Willst Du den strahlenden Sieger an der Spitze des Staates, frage nicht, woher er kam oder wie er die Macht errang, denn er will Dich ins Heil fhren. Einige Politiker, die hierzulande am hellsten, am selbstsichersten in die Kameras gestrahlt hatten, sind nicht mehr im Amt, weil wir nach deren Vergangenheit gefragt und unangenehme Wahrheiten ans Licht gezerrt haben. Erkennt Ihr ihn, so muss er von Euch ziehn. Wenn man sich Lohengrin als einen dieser Politiker vorstellt, der die mediale Geste beherrscht und die strksten Bilder und Legenden bemht, um einen Heilsmythos um sich aufzubauen, kann man ihn leicht als machtpolitischen Blender begreifen, der seine Chance wittert, in zerrtteten Deutschen Landen einen neuen Staat, ein neues System, eine neue Ideologie zu etablieren. Man kann erstaunlich viele Stellen in Wagners Text und Musik aufspren, die eine solche Lesart belegen und tragen wrden. Nehmen wir beispielsweise das Frageverbot: Elsa schwebt in Lebensgefahr, wird des Mordes an ihrem Bruder Gottfried angeklagt. Lohengrin bietet ihr zwar seine Hilfe an, aber keinesfalls bedingungslos. Bevor er fr sie kmpft, schlgt er ihr einen Deal vor: Sie soll ihn heiraten, aber niemals fragen, wer er sei. Selbstverstndlich stimmt sie zu, was bleibt ihr anderes brig? Ein wahrer Held htte wohl eine andere Reihenfolge gewhlt. Auch an anderer Stelle erweist sich Lohengrin als nicht ganz fairer Partner Elsas: Ihre Panik, er knnte sie wieder verlassen, beschwichtigt er: Sie msse sich keine Sorgen machen, wenn sie sich nur an sein Gebot halte. Wenig spter offenbart er, dass er vorhatte, nur ein Jahr zu bleiben, um dann in seine Heimat zurckzukehren. Es ging ihm nicht um die Frau, sondern um die Position, die sie ihm verschaffen konnte. Sein Ziel war das politische Spiel. Elsa war die Bhne, auf der er seinen groen Auftritt hatte. Es war ganz einfach Wahlkampf in Brabant. Natrlich macht der Hang zum politischen Kalkl Lohengrin nicht per se zum Intriganten vom Schlage eines Jago, diese Rolle kommt eher Ortrud zu, die als Widersacherin des jungen Ehrgeizlings um den Erhalt der alten Ordnung im Staate kmpft mit ihrem Gatten Telramund an dessen Spitze. Den Schwanenritter als Vollblut-Politiker zu sehen, den man trotz seiner offenkundigen Tricks vergttert, veranschaulicht aber, dass strategische politische Manipulation oft als notwendige Methode in der Staatskunst wahrgenommen wird. Selbst unverhohlen geheuchelte Demonstration von Standhaftigkeit, Vitalitt und Strke knnen dem leicht beeinflussbaren Angstbrger weit mehr gelten, als Rechtschaffenheit und utopisches Gutmenschentum. Man knnte den Medienhelden Lohengrin sympathisch finden und den Machtkampf sportlich, drohte da nicht ein Krieg, ertnten da nicht bereits die verheerenden Schlachtrufe. Angesichts der blutrnstigen Kriegslust, die in Wagners Werk laut wird, und in Anbetracht der Tatsache, dass der Wahlsieger wer auch immer es nun sein wird Tausende von Mnnern in den Krieg fhren und Frauen zu Witwen machen wird, angesichts der Verblendung, dass Krieg ein ehrenhaftes Unterfangen, ein wrdiges Abenteuer fr junge Mnner sein knnte, erlahmt sofort jede verharmlosende Geste gegenber ffentlichkeitswirksamer Irrefhrung. Wenn nach dem Motto Wer nicht fr uns ist, ist gegen uns ein Krieg angezettelt und zum Kampf auf Leben und auf Tod aufgerufen wird, werden Prinzipien vernnftiger politischer Einsicht auf die Probe gestellt, ob es sich nun um einen demokratischen Staat handelt, oder um einen Obrigkeitsstaat, der vorgibt, um das soziale Wohl seiner Brger besorgt zu sein. Elsa hat das verstanden. Sie durchschaut Lohengrin, sie hinterfragt ihn, entblt sein selbstverliebtes Machtstreben, auch wenn sie fr ihr Land keine Alternative sieht, auch wenn es Angesichts des Verschwindens Gottfrieds keinen Nachfolger fr den Herrscher von Brabant gibt. Will der berfhrte Held an der Macht bleiben, muss er ernsthafte Absichten entwickeln und sich als selbsternannter Schtzer des Volkes oder in anderen Fllen als lupenreiner Demokrat beweisen, denn von nun an steht er unter Beobachtung. Er muss sich ohne den Panzer des Mythos behaupten und dem Charisma des von der fremden Macht Geleiteten entsagen. Und dann schauen wir mal.


Kategorie: Oper

Da es sich beim Jazz um eine der faszinierendsten Sprachen handelt, liegt es nahe, ihn mit Text und Poesie zu verbinden. Die BigBand der Deutschen Oper Berlin prsentiert in ihrer Jazz-Reihe Jazz & Lyrics in der Tischlerei fnf thematische Jazz-Konzerte mit Mitgliedern der BigBand und Gsten in kleineren Formationen. Die Konzerte widmen sich einem bestimmten Thema oder einem bestimmten Komponisten und fusionieren Musik mit Lyrik. Texte, Biografisches und Poesie sowie Hintergrund-Informationen zum jeweiligen Thema machen diese Konzerte zu einem besonderen Erlebnis. Das knstlerische Programm stellen Rdiger Ruppert und Sebastian Krol zusammen.


Kategorie: Klassik

Klassisches Kunstlied und moderne Lyrik: Die Veranstaltungsreihe in Zusammenarbeit mit dem Haus fr Poesie vereint Liederabend und Dichterlesung. An jedem der vier Abende im Foyer der Deutschen Oper wird ein Dichter eigene Werke vorstellen, die in inhaltlichem Bezug zu den Liedern des Programms stehen.


Kategorie: Klassik

Die Figur der fremden Frau vom Meer, die vergeblich versucht, ihren Platz in der menschlichen Gesellschaft zu finden, hat das gesamte 19. Jahrhundert ber Schriftsteller, Komponisten und Bildende Knstler inspiriert. Auch Theodor Fontane beschftigte dieses Thema: Das 1887 entstandene Novellenfragment Oceane von Parceval ist nur einer seiner Versuche, in der Gestalt der Melusine die Mischung aus den Gefhlen von Bedrohung und Faszination zu fassen, der sich eine mnnlich dominierte brgerliche Gesellschaft angesichts der Verbindung von Weiblichkeit mit archaischer, erotisch freizgiger Natrlichkeit gegenbersah. Bei Fontane wird die Fremdheit Oceanes noch zustzlich durch ihr Unvermgen akzentuiert, angesichts menschlicher Schicksale Mitleid zu empfinden. Dem Tod und der Liebe steht sie gleichmtig gegenber und auch ihr Versuch, eine Beziehung mit dem jungen Gutsbesitzer Martin von Diercksen einzugehen, ist so zum Scheitern verurteilt. Fr das Fontane-Jahr 2019 haben Detlev Glanert und Hans-Ulrich Treichel nun eine Oper auf der Grundlage dieses Fragments geschrieben und setzen damit ihre 2006 mit CALIGULA begonnene erfolgreiche Zusammenarbeit fort. Fr die Urauffhrung von OCEANE kehrt zugleich einer der erfolgreichsten Opernregisseure der Gegenwart an die Deutsche Oper Berlin zurck. Der Kanadier Robert Carsen inszeniert seit ber dreiig Jahren an den groen Opernhusern der Welt. An der Deutschen Oper Berlin waren von ihm bislang Verdis MACBETH, Strauss ARIADNE AUF NAXOS und zuletzt Prokofjews DIE LIEBE ZU DEN DREI ORANGEN zu sehen.


Kategorie: Oper

Prinz Tamino wird von einem wilden Drachen bedroht. In letzter Minute retten ihn drei geheimnisvolle Frauen, Abgesandte der Knigin der Nacht. Als der Vogelfnger Papageno auftaucht und sich mit der Heldentat brstet, bestrafen sie ihn. Dem Prinzen berreichen sie ein Bild von Pamina, der Tochter der Knigin, die vom Herrscher des Sonnentempels, Sarastro, gefangen gehalten wird. Tamino verliebt sich in sie. Da erscheint die Knigin selbst und befiehlt ihm, zusammen mit Papageno Pamina zu retten. Eine Zauberflte soll ihn vor Gefahren schtzen, der widerstrebende Papageno erhlt ein magisches Glockenspiel. Von drei Knaben gefhrt, machen sich die beiden auf den Weg zu Sarastros Burg. Whrend Tamino von den Burgwchtern zweimal zurckgewiesen und beim dritten Mal darber belehrt wird, dass Sarastro nicht der grausame Despot sei, als den ihn die Knigin hingestellt hat, findet Papageno Pamina und versucht mit ihr zu fliehen. Ihren Bewacher Monostatos kann er zwar mit Hilfe des Glockenspiels in Schach halten, aber das Erscheinen Sarastros macht alle Anstrengung zunichte. Papageno, Pamina und Tamino mssen in Sarastros Tempel bleiben. Sie werden aufgefordert, sich lebensgefhrlichen Prfungen zu unterziehen. Als erstes mssen sie schweigen lernen, ein vor allem fr Papageno schwieriges Unterfangen. Als ein altes Weiblein daherkommt, hlt er es nicht mehr aus und fragt sie nach ihrem Namen. Mit einem Donnerschlag verschwindet sie wieder. Papageno trstet sich mit Speis und Trank, die den beiden auf wundersame Weise serviert werden, nur Tamino schweigt und spielt auf seiner Flte. Pamina kommt und ist verzweifelt, weil Tamino nicht mehr mit ihr spricht. Ihre Mutter hat zuvor vergeblich versucht, sie zum Mord an Sarastro zu berreden. Als sie ihrem Leben ein Ende machen will, entreien ihr die drei Knaben den Dolch und fhren sie zu Tamino. Beide durchschreiten, von der Flte geschtzt, Feuer und Wasser, und haben damit alle Prfungen bestanden. Unterdessen wnscht Papageno in seiner Einsamkeit das alte Weib wieder herbei und verspricht ihr, solange sich nichts Besseres findet, sie zur Frau zu nehmen. Da verwandelt sie sich pltzlich in ein junges, hbsches Mdchen, aber die Zeit ist noch nicht gekommen, sie wird ihm wieder entrissen. Vor Verzweiflung will er sich das Leben nehmen, doch die drei Knaben erinnern ihn an das Glockenspiel. Sein Klang ruft Papagena herbei, und beide trumen von einer glcklichen Zukunft. Auch das andere Paar ist glcklich: Tamino und Pamina werden in die Gemeinschaft der Eingeweihten aufgenommen und verherrlichen die Ideale von Natur, Weisheit, Vernunft. Nur die Knigin der Nacht nimmt ein bses Ende: Als sie versucht, mit ihrem Gefolge in den Tempel einzudringen, wird sie von den Mchten der Finsternis verschlungen. Mozarts ZAUBERFLTE, die meistgespielte Oper im deutschen Sprachraum, das vielschichtige Meisterwerk in der ungewhnlichen Mischung aus Wiener Volkstheater und Freimaurermysterium, Mrchen und Mythen, gibt uns bis heute Rtsel auf: Haben Mozart und sein Textdichter Schikaneder mitten im Werk die Fronten gewechselt zwischen der Knigin der Nacht und Sarastro? Ist nicht Misstrauen angezeigt gegenber der allzu heilen Priesterwelt und ihrer Ideologie, die die Welt einteilt in Gut und Bse? Gibt es nicht sogar Spuren einer Distanz zwischen Text und Musik, wie von manchen Mozart-Spezialisten vermutet wird? Gleichwohl ist es gerade die Musik, die die Widersprche der Handlung ins Welthafte erhebt. Sie denunziert ihre Figuren nicht, sondern verleiht ihren Konflikten eine existentielle Dimension. Ohne sie wrde die Oper wie ein irrationales Mrchen klingen.


Kategorie: Oper

Die Figur der fremden Frau vom Meer, die vergeblich versucht, ihren Platz in der menschlichen Gesellschaft zu finden, hat das gesamte 19. Jahrhundert ber Schriftsteller, Komponisten und Bildende Knstler inspiriert. Auch Theodor Fontane beschftigte dieses Thema: Das 1887 entstandene Novellenfragment Oceane von Parceval ist nur einer seiner Versuche, in der Gestalt der Melusine die Mischung aus den Gefhlen von Bedrohung und Faszination zu fassen, der sich eine mnnlich dominierte brgerliche Gesellschaft angesichts der Verbindung von Weiblichkeit mit archaischer, erotisch freizgiger Natrlichkeit gegenbersah. Bei Fontane wird die Fremdheit Oceanes noch zustzlich durch ihr Unvermgen akzentuiert, angesichts menschlicher Schicksale Mitleid zu empfinden. Dem Tod und der Liebe steht sie gleichmtig gegenber und auch ihr Versuch, eine Beziehung mit dem jungen Gutsbesitzer Martin von Diercksen einzugehen, ist so zum Scheitern verurteilt. Fr das Fontane-Jahr 2019 haben Detlev Glanert und Hans-Ulrich Treichel nun eine Oper auf der Grundlage dieses Fragments geschrieben und setzen damit ihre 2006 mit CALIGULA begonnene erfolgreiche Zusammenarbeit fort. Fr die Urauffhrung von OCEANE kehrt zugleich einer der erfolgreichsten Opernregisseure der Gegenwart an die Deutsche Oper Berlin zurck. Der Kanadier Robert Carsen inszeniert seit ber dreiig Jahren an den groen Opernhusern der Welt. An der Deutschen Oper Berlin waren von ihm bislang Verdis MACBETH, Strauss ARIADNE AUF NAXOS und zuletzt Prokofjews DIE LIEBE ZU DEN DREI ORANGEN zu sehen.


Kategorie: Oper

Unsere Fhrungen durch das Zuschauerhaus und ber die Bhnen sowie durch die Probenrume und das Bhnenbildmagazin der Deutschen Oper Berlin vermitteln Ihnen spannende Eindrcke und Wissenswertes ber die Deutsche Oper Berlin und den Alltag hinter den Kulissen. Welches architektonische Konzept verbirgt sich hinter der langen Waschbeton-Fassade an der Bismarckstrae? Wie entsteht ein Bhnenbild? Wie laufen Proben ab? Erfahren Sie auerdem Details zur bewegten Geschichte des Hauses, das heute mit seinen modernen Neuinszenierungen und den frhen Repertoireschtzen einen Querschnitt durch ber 40 Jahre Inszenierungs- und Auffhrungspraxis zu bieten hat.


Kategorie: Fhrung

Qulende Zweifel und lhmende Depressionen begleiteten den Entstehungsprozess von Giacomo Puccinis letzter Oper TURANDOT. Aus der zunchst diffusen Angst, seine Oper nicht mehr abschlieen zu knnen, trieb Puccini sich selbst und sein Librettisten-Duo Giuseppe Adami und Renato Simoni zur Eile an. Ein Neuanfang sollte es werden, geboren aus einer kompositorischen Krise, in die ihn die musikalischen Entwicklungen, ja Umwlzungen der Gegenwart geworfen hatten, ein Befreiungsschlag, ein Aufbruch zu neuen Ufern. Schon der Stoff sollte die Abkehr von den Themen der Vergangenheit signalisieren. Puccini war auf der Suche nach dem reinen Mythos, der Essenz dessen, was er bislang in psychologisch-realistischer Kleinteiligkeit auf dem Theater erzhlt hatte. Ihm schwebte ein mrchenhaft-phantastisches Drama vor und er hatte es gefunden, als Simoni ihn im Frhjahr 1920 auf den Turandot-Stoff, in Form der Mrchenkomdie Carlo Gozzis (1762), aufmerksam machte. Von nervser Ungeduld getrieben begleitete er penibel wie immer die Konzeption und Ausfhrung des Librettos. Im Mittelpunkt der Oper steht die grausame Prinzessin Turandot, die ihr Volk terrorisiert. Ihre, einem Fluch gleichende, Gewaltherrschaft, unter der ein ganzes Land chzt, lsst sich nur durch die Verheiratung Turandots bannen. Potentielle Ehekandidaten mssen eine schwere Prfung ber sich ergehen lassen. Wer die drei Rtsel der Prinzessin nicht lsen kann, auf den wartet die Enthauptung. Obwohl schon unzhlige Prinzen den Tod gefunden haben, finden sich immer noch neue Kandidaten, die sich von der Schnheit Turandots hypnotisieren lassen und bereitwillig ihren Fragen stellen. Calaf, Sohn eines vertriebenen Machthabers aus fremdem Land, durchbricht wider alle Erwartung dieses Schema. Er beantwortet die Fragen und steigert seinen Triumph, indem er die Machtverhltnisse umkehrt, das grausame Rtselspiel verlngert, und der Prinzessin eine Gegenfrage stellt. Sollte sie in der Lage sein, diese zu beantworten, verspricht er, sie von ihrem Heiratsversprechen zu entbinden. Indem Puccini in den ursprnglich persischen Mrchenstoff eine neue Figur die Sklavin Li einfhrt, eine Frauengestalt, die an die Heldinnen seiner frheren Opern erinnert, beleuchtet er die bestialische Brutalitt Turandots nur noch deutlicher. Li zerbricht wie vor ihr diverse Puccini-Heroinen an der grausamen, ihr Fhlen missachtenden Wirklichkeit. Als ihr klar wird, dass sie Calaf, den sie liebt, nicht fr sich gewinnen kann, opfert sie fr den Geliebten ihr Leben. Nach den Vorstellungen Puccinis sollte in der Schlussszene die Liebe explodieren und die Menschlichkeit der Liebe alle Grausamkeit berstrahlen. Die eiskalte Prinzessin wrde in ihrem Wesen eine komplette Wandlung erfahren. Als Mitte 1924 bei Puccini Kehlkopfkrebs diagnostiziert wurde, war die Oper mit Ausnahme jener Schlussszene praktisch vollendet. Ob es die schwere Krankheit war oder Puccinis Unfhigkeit, sich glaubhaft aus der dramaturgischen Sackgasse zu befreien, in die ihn die wunderbare, mrchenhafte aber psychologisch kaum nachvollziehbare Verwandlung der Turandot gefhrt hatte, bleibt letztendlich Spekulation. Puccini starb an den Folgen einer Operation am 29. November 1924 in einem Brsseler Krankenhaus und hinterlie das unvollendete Werk, das sein Kollege Franco Alfano nach den Skizzen des Meisters abschloss. Toscanini brachte TURANDOT am 25. April 1925 an der Mailnder Scala zur Urauffhrung. Obwohl Puccini mit seiner TURANDOT zu einem bedingungslosen Neuanfang nicht in der Lage gewesen war, macht sich der Einfluss seiner Erfahrung mit Werken zeitgenssischer Komponisten doch bemerkbar. Zwar hat dies zu keiner radikalen nderung seiner Tonsprache gefhrt, aber seine Ausdrucksmittel sind ungewhnlicher, subtiler, aber auch hrter und dramatischer geworden. Mit der Partie der Turandot hat er einen vllig neuen Typ eines an Wagners schwere Heroinen erinnernden italienischen hochdramatischen Soprans geschaffen.


Kategorie: Oper

Amina, mittellose Waise, und Elvino, der reichste Bauer im Dorf, wollen heiraten. Doch als Amina nachts im Zimmer des nach langer Abwesenheit zurckgekehrten Grafen Rodolfo gefunden wird, zerbricht die trgerische Idylle in den Schweizer Alpen: Elvino lst die Verlobung auf und kehrt zurck zu seiner verflossenen Geliebten Lisa. Erst als Amina in Schwindel erregender Hhe wie ein Geist der Dorfgemeinschaft erscheint, wird ihre Unschuld offenbar: Schlafwandelnd war sie nicht Herrin ihrer Sinne aus der Trance erwacht, findet sie sich als Braut Elvinos wieder. Bellini und sein Librettist Romani whlten fr ihre fnfte Zusammenarbeit ein lyrisch-romantisches Sujet und begaben sich aufs Terrain der semi-seria, der halbernsten Oper mit glcklichem Ausgang. Ins Zentrum rcken sie das Seelenleben Aminas: In ihren beiden groen Schlafwandelszenen sprt die Musik der zwischen Liebe, Eifersucht und vermeintlicher Schuld zerrissenen jungen Frau nach. Diese Ausnahmemomente inspirierten den Komponisten zu einigen seiner berhrendsten melodie lunghe, lunghe, lunghe [Verdi]. Jossi Wieler und Sergio Morabito erarbeiten ihre 2012 fr die Staatsoper Stuttgart entstandene Inszenierung in der kongenialen Ausstattung von Anna Viebrock neu fr die Deutsche Oper Berlin. Die romantische Idylle des Schweizer Bergdorfes bersetzen sie in die biedere Enge eines Dorfgasthofes.


Kategorie: Oper

Die Geschichte ist turbulent: Ein alter Griesgram will sein Mndel heiraten, um an dessen betrchtliches Erbe zu gelangen, und trifft dabei jede erdenkliche Vorkehrung, um der hbschen Rosina den Weg in die Auenwelt und damit zu mglichen jungen Liebhabern zu versperren. Doch lngst hat der Graf Almaviva seine Liebe zu ihr entdeckt. Mit Hilfe des umtriebigen Barbiers Figaro will er dem Alten ein Schnippchen schlagen, Rosina fr sich gewinnen und berdies noch sicherstellen, dass nicht sein Titel oder Reichtum, sondern allein die Liebe die junge Frau in seine Arme fhrt. Keine leichte Aufgabe fr Figaro, denn auch die Gegner scheuen keine Mhe Am Ende siegt die Liebe, und es stellt sich heraus, dass alle Vorsicht nutzlos war! Dass diese Geschichte viel Potential zur Komik mit sich bringt, ist vllig klar. Aber am komischsten ist die Musik so Regisseurin Katharina Thalbach. Von der Artistik und dem Tempo Rossinis war ich wie vom Donner gerhrt. ... Bei den Proben merke ich immer wieder, wie mir die Musik in die Beine fhrt und ich unwillkrlich mittanze. Das flirrt, prickelt und macht einfach Spa. Und dieses Lebensgefhl soll bei unserer Produktion mglichst auch so rberkommen. Im farbenfrohen Ambiente eines sdlndischen Badeortes entfaltet Thalbach ein turbulentes Panoptikum um den umtriebigen Figaro, dessen Erfindungsreichtum am Ende alle Hindernisse berwindet. Pierre Augustin Caron de Beaumarchais (1732 1799) erfand die Figur des ebenso intriganten wie gewitzten Barbiers und widmete ihm eine ganze Komdien-Trilogie, von denen vor allem die ersten beiden Teile LE BARBIER DE SEVILLE OU LA PRECAUTION INUTILE (1775) und LA FOLLE JOURNEE OU LE MARIAGE DE FIGARO (1778) weltberhmt wurden. Der dritte Teil, LAUTRE TARTUFFE OU LA MERE COUPABLE, der 1792 erschien, trat hinter den Erfolg ihrer Vorgnger, vielleicht bedingt durch die Wirren der Franzsischen Revolution, eher zurck. Obwohl das revolutionre Potenzial vor allem des zweiten Teils der Komdie in der genialen Vertonung Mozarts DIE HOCHZEIT DES FIGARO am deutlichsten sprbar wird, besitzt auch der Barbier des ersten Teils viel respektloses Temperament, das ihn zur Hauptfigur einer komischen Oper geradezu prdestiniert. Giovanni Paisiello hatte 1782 mit seiner Vertonung des BARBIERE einen durchschlagenden Erfolg, so dass Rossini gegen ein scheinbar bermchtiges Vorbild antrat, als er beschloss, denselben Stoff erneut zum Gegenstand einer komischen Oper zu machen. Und doch gelang ihm 34 Jahre nach Paisiellos Triumph die vielleicht witzigste und temporeichste Opera buffa der Operngeschichte. Es war ganz Rossinische Weise, wie sie sich im BARBIER VON SEVILLA am lieblichsten offenbart. Die Verchter italienischer Musik, die auch dieser Gattung den Stab brechen, werden einst in der Hlle ihrer wohlverdienten Strafe nicht entgehen, und sind vielleicht verdammt, die lange Ewigkeit hindurch nichts anderes zu hren als Fugen von Sebastian Bach. (Heinrich Heine)


Kategorie: Oper

Rund 550 festangestellte Mitarbeiter und viele Gastknstler sorgen tglich auf, vor und hinter der Bhne dafr, dass an der Deutschen Oper Berlin der Lappen hochgeht und das Publikum das Haus um unvergessliche Eindrcke reicher wieder verlsst. Alle knnen wir Ihnen in der Veranstaltungsreihe OPERNWERKSTATT nicht auf einmal vorstellen. Doch wer die OPERNWERKSTATT regelmig besucht, wird sie allmhlich kennenlernen: die klugen Kpfe, die hinter dem Gesamtkunstwerk Oper stecken, die Trume, Gedanken, Gefhle und Ambitionen, die sich mit ihm verbinden. Die OPERNWERKSTATT bringt Sie ins Gesprch mit Regisseuren, Dirigenten, Sngern, mit der Studienleiterin, Dramaturgen, Theatermachern. Jeder Termin beginnt mit dem Besuch einer szenischen oder musikalischen Probe. Nach dem Blick in die Werkstatt stellen wir Ihnen das entstehende Projekt vor und beantworten Ihre Fragen. Damit Sie sehen, was uns bewegt.


Kategorie: Workshop

Mit ihrer Kammermusik-Reihe haben sich die Musiker und Musikerinnen des Orchesters der Deutschen Oper Berlin einen Wunsch erfllt: Inspiriert von zentralen Produktionen des Opernspielplans, stellen sie Konzertprogramme mit Werken zusammen, die ihnen persnlich am Herzen liegen. Dabei werden sie von Sngern aus dem Ensemble des Hauses, aber auch von Gsten untersttzt. Die Konzerte finden in den Bhnenbildern der jeweils aktuellen Tischlerei-Produktion statt, die immer wieder fr neue, unkonventionelle Raumlsungen sorgen.


Kategorie: Klassik

Qulende Zweifel und lhmende Depressionen begleiteten den Entstehungsprozess von Giacomo Puccinis letzter Oper TURANDOT. Aus der zunchst diffusen Angst, seine Oper nicht mehr abschlieen zu knnen, trieb Puccini sich selbst und sein Librettisten-Duo Giuseppe Adami und Renato Simoni zur Eile an. Ein Neuanfang sollte es werden, geboren aus einer kompositorischen Krise, in die ihn die musikalischen Entwicklungen, ja Umwlzungen der Gegenwart geworfen hatten, ein Befreiungsschlag, ein Aufbruch zu neuen Ufern. Schon der Stoff sollte die Abkehr von den Themen der Vergangenheit signalisieren. Puccini war auf der Suche nach dem reinen Mythos, der Essenz dessen, was er bislang in psychologisch-realistischer Kleinteiligkeit auf dem Theater erzhlt hatte. Ihm schwebte ein mrchenhaft-phantastisches Drama vor und er hatte es gefunden, als Simoni ihn im Frhjahr 1920 auf den Turandot-Stoff, in Form der Mrchenkomdie Carlo Gozzis (1762), aufmerksam machte. Von nervser Ungeduld getrieben begleitete er penibel wie immer die Konzeption und Ausfhrung des Librettos. Im Mittelpunkt der Oper steht die grausame Prinzessin Turandot, die ihr Volk terrorisiert. Ihre, einem Fluch gleichende, Gewaltherrschaft, unter der ein ganzes Land chzt, lsst sich nur durch die Verheiratung Turandots bannen. Potentielle Ehekandidaten mssen eine schwere Prfung ber sich ergehen lassen. Wer die drei Rtsel der Prinzessin nicht lsen kann, auf den wartet die Enthauptung. Obwohl schon unzhlige Prinzen den Tod gefunden haben, finden sich immer noch neue Kandidaten, die sich von der Schnheit Turandots hypnotisieren lassen und bereitwillig ihren Fragen stellen. Calaf, Sohn eines vertriebenen Machthabers aus fremdem Land, durchbricht wider alle Erwartung dieses Schema. Er beantwortet die Fragen und steigert seinen Triumph, indem er die Machtverhltnisse umkehrt, das grausame Rtselspiel verlngert, und der Prinzessin eine Gegenfrage stellt. Sollte sie in der Lage sein, diese zu beantworten, verspricht er, sie von ihrem Heiratsversprechen zu entbinden. Indem Puccini in den ursprnglich persischen Mrchenstoff eine neue Figur die Sklavin Li einfhrt, eine Frauengestalt, die an die Heldinnen seiner frheren Opern erinnert, beleuchtet er die bestialische Brutalitt Turandots nur noch deutlicher. Li zerbricht wie vor ihr diverse Puccini-Heroinen an der grausamen, ihr Fhlen missachtenden Wirklichkeit. Als ihr klar wird, dass sie Calaf, den sie liebt, nicht fr sich gewinnen kann, opfert sie fr den Geliebten ihr Leben. Nach den Vorstellungen Puccinis sollte in der Schlussszene die Liebe explodieren und die Menschlichkeit der Liebe alle Grausamkeit berstrahlen. Die eiskalte Prinzessin wrde in ihrem Wesen eine komplette Wandlung erfahren. Als Mitte 1924 bei Puccini Kehlkopfkrebs diagnostiziert wurde, war die Oper mit Ausnahme jener Schlussszene praktisch vollendet. Ob es die schwere Krankheit war oder Puccinis Unfhigkeit, sich glaubhaft aus der dramaturgischen Sackgasse zu befreien, in die ihn die wunderbare, mrchenhafte aber psychologisch kaum nachvollziehbare Verwandlung der Turandot gefhrt hatte, bleibt letztendlich Spekulation. Puccini starb an den Folgen einer Operation am 29. November 1924 in einem Brsseler Krankenhaus und hinterlie das unvollendete Werk, das sein Kollege Franco Alfano nach den Skizzen des Meisters abschloss. Toscanini brachte TURANDOT am 25. April 1925 an der Mailnder Scala zur Urauffhrung. Obwohl Puccini mit seiner TURANDOT zu einem bedingungslosen Neuanfang nicht in der Lage gewesen war, macht sich der Einfluss seiner Erfahrung mit Werken zeitgenssischer Komponisten doch bemerkbar. Zwar hat dies zu keiner radikalen nderung seiner Tonsprache gefhrt, aber seine Ausdrucksmittel sind ungewhnlicher, subtiler, aber auch hrter und dramatischer geworden. Mit der Partie der Turandot hat er einen vllig neuen Typ eines an Wagners schwere Heroinen erinnernden italienischen hochdramatischen Soprans geschaffen.


Kategorie: Oper

Die Figur der fremden Frau vom Meer, die vergeblich versucht, ihren Platz in der menschlichen Gesellschaft zu finden, hat das gesamte 19. Jahrhundert ber Schriftsteller, Komponisten und Bildende Knstler inspiriert. Auch Theodor Fontane beschftigte dieses Thema: Das 1887 entstandene Novellenfragment Oceane von Parceval ist nur einer seiner Versuche, in der Gestalt der Melusine die Mischung aus den Gefhlen von Bedrohung und Faszination zu fassen, der sich eine mnnlich dominierte brgerliche Gesellschaft angesichts der Verbindung von Weiblichkeit mit archaischer, erotisch freizgiger Natrlichkeit gegenbersah. Bei Fontane wird die Fremdheit Oceanes noch zustzlich durch ihr Unvermgen akzentuiert, angesichts menschlicher Schicksale Mitleid zu empfinden. Dem Tod und der Liebe steht sie gleichmtig gegenber und auch ihr Versuch, eine Beziehung mit dem jungen Gutsbesitzer Martin von Diercksen einzugehen, ist so zum Scheitern verurteilt. Fr das Fontane-Jahr 2019 haben Detlev Glanert und Hans-Ulrich Treichel nun eine Oper auf der Grundlage dieses Fragments geschrieben und setzen damit ihre 2006 mit CALIGULA begonnene erfolgreiche Zusammenarbeit fort. Fr die Urauffhrung von OCEANE kehrt zugleich einer der erfolgreichsten Opernregisseure der Gegenwart an die Deutsche Oper Berlin zurck. Der Kanadier Robert Carsen inszeniert seit ber dreiig Jahren an den groen Opernhusern der Welt. An der Deutschen Oper Berlin waren von ihm bislang Verdis MACBETH, Strauss ARIADNE AUF NAXOS und zuletzt Prokofjews DIE LIEBE ZU DEN DREI ORANGEN zu sehen.


Kategorie: Oper

Unsere Fhrungen durch das Zuschauerhaus und ber die Bhnen sowie durch die Probenrume und das Bhnenbildmagazin der Deutschen Oper Berlin vermitteln Ihnen spannende Eindrcke und Wissenswertes ber die Deutsche Oper Berlin und den Alltag hinter den Kulissen. Welches architektonische Konzept verbirgt sich hinter der langen Waschbeton-Fassade an der Bismarckstrae? Wie entsteht ein Bhnenbild? Wie laufen Proben ab? Erfahren Sie auerdem Details zur bewegten Geschichte des Hauses, das heute mit seinen modernen Neuinszenierungen und den frhen Repertoireschtzen einen Querschnitt durch ber 40 Jahre Inszenierungs- und Auffhrungspraxis zu bieten hat.


Kategorie: Fhrung

Amina, mittellose Waise, und Elvino, der reichste Bauer im Dorf, wollen heiraten. Doch als Amina nachts im Zimmer des nach langer Abwesenheit zurckgekehrten Grafen Rodolfo gefunden wird, zerbricht die trgerische Idylle in den Schweizer Alpen: Elvino lst die Verlobung auf und kehrt zurck zu seiner verflossenen Geliebten Lisa. Erst als Amina in Schwindel erregender Hhe wie ein Geist der Dorfgemeinschaft erscheint, wird ihre Unschuld offenbar: Schlafwandelnd war sie nicht Herrin ihrer Sinne aus der Trance erwacht, findet sie sich als Braut Elvinos wieder. Bellini und sein Librettist Romani whlten fr ihre fnfte Zusammenarbeit ein lyrisch-romantisches Sujet und begaben sich aufs Terrain der semi-seria, der halbernsten Oper mit glcklichem Ausgang. Ins Zentrum rcken sie das Seelenleben Aminas: In ihren beiden groen Schlafwandelszenen sprt die Musik der zwischen Liebe, Eifersucht und vermeintlicher Schuld zerrissenen jungen Frau nach. Diese Ausnahmemomente inspirierten den Komponisten zu einigen seiner berhrendsten melodie lunghe, lunghe, lunghe [Verdi]. Jossi Wieler und Sergio Morabito erarbeiten ihre 2012 fr die Staatsoper Stuttgart entstandene Inszenierung in der kongenialen Ausstattung von Anna Viebrock neu fr die Deutsche Oper Berlin. Die romantische Idylle des Schweizer Bergdorfes bersetzen sie in die biedere Enge eines Dorfgasthofes.


Kategorie: Oper

Jules Massenet hat mit DON QUICHOTTE einem Stoff der Weltliteratur auf der Opernbhne ein musikalisches Denkmal gesetzt. In der Welt des Titelhelden ist alles mglich, dort werden Windmhlenflgel zu Riesen, er nimmt es mit einer Horde Banditen auf und die schne Dulcinea erwidert seine Liebe. Doch der Ritter von der traurigen Gestalt muss erkennen, dass seine Trume in der Realitt der anderen keinen Platz finden. Die Comdie heroique DON QUICHOTTE, 1910 in Monte Carlo uraufgefhrt, ist Massenets vorletzter Beitrag zum Musiktheater und in mehrfacher Hinsicht ein Werk ber das Alter und den Tod: Der 68-jhrige Komponist war selbst von Krankheit gezeichnet und brachte im Bett liegend die Noten aufs Papier. Nicht nur mit dem an gebrochenem Herzen sterbenden Don Quichotte fragt Massenet am Ende des Lebens, wie es gelingen kann, die Trume vom eigenen Glck Realitt werden zu lassen. Auch mit der schillernden Figur der Dulcinea erzhlt er, wie sich hinter einer Fassade vermeintlich purer Lebenslust die Angst vor der Vergnglichkeit verbirgt. DON QUICHOTTE wird inszeniert von dem in Amsterdam lebenden Regisseur, Performer und Zauberer Jakop Ahlbom, der mit seiner ganz speziellen Form des Theaters europaweit gefeiert wird. Seine Produktionen verbinden in einzigartiger Weise Pantomime, Tanz, Musik und Illusion und leben von magischen, surrealistisch-albtraumhaften Bildern, so u. a. in den Stcken VIELFALT [2006], INNENSCHAU [2010], LEBENSRAUM [2012] oder jngst HORROR.


Kategorie: Oper


Änderungen vorbehalten! - Angaben ohne Gewähr! - Stand:30.08.18
© Fotos der Vorstellungen: [+][-]
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