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Spielplan für Juni 2019

Ob sich das Wasser mithilfe von bunten Kristallen an seinen ursprünglichen Zustand erinnern kann, ob Tapeten die Wände zusammenhalten, ob es »Flüchtlinge« oder »Geflüchtete« heißt, ob man mit einer Hochzeit die anderen ausgrenzt, ob man als Hundebesitzerin leichter schwanger wird, ob in einer offenen Beziehung immer einer leidet und es daneben ist, wenn man auf einer Party eine Jogginghose trägt, wo man Dinkel kauft und wo Lavendel, ob ein Sabbat-Dinner für Atheisten ein Erlebnis ist, ob die Trüffelsuppe mundet, der Wein im Abgang nach Stachelbeere schmeckt und das Fleisch zart ist, ob die alptraumhafte, kannibalische Filmszene wirklich schon wieder nacherzählt werden muss, ob man heute noch oder wieder »prima« sagen kann: Beim Abendessen von Bettina und Matthias wird mit den Freundinnen und Freunden jedes Thema, ob wichtig oder unwichtig, diskutiert, während im Nebenzimmer die kleine Tochter Pia und das Baby Gertrud friedlich wie Engel schlafen … Unter der glatten Oberfläche der sich immer wiederholenden Phrasen und Gesprächsklischees der aufgeklärt-gebildeten Mittelschicht entwirft »abgrund« das Szenario der größten anzunehmenden Tragödie und lässt den Schrecken aus der Angst in die Wirklichkeit treten. Die Reaktion ist Schockstarre, bodenloser Small Talk, Verdrängung und die Hoffnung, alles sei nur ein Gedankenspiel gewesen. »abgrund« ist nach »status quo« das zweite Stück von Maja Zade, das an der Schaubühne inszeniert wird. >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: Ein funkelnder Abgrund


Kategorie: Schauspiel

Saint-Florimond und Angèle, die Gattin des berühmten Malers Champignol, haben eine Affäre – oder vielmehr hätten beinahe eine solche gehabt. Doch Angèle ist der Spielereien mit St. Florimond überdrüssig. Sie will ihn loswerden und das gelänge auch, würde nicht überraschender Verwandtenbesuch St. Florimond zwingen, die Rolle des Ehemannes zu spielen. Auch als Gendarmen auftauchen, um den Maler zu einer Reservistenübung einzuziehen, gibt St. Florimond die Maskerade nicht auf, um den Seitensprung, der nie stattfand, nicht auffliegen zu lassen. Er tritt den Dienst an der Stelle Champignols an. Als kurz darauf der echte Champignol in derselben Kaserne auftaucht, ist die Verwirrung komplett ... Georges Feydeau, einer der erfolgreichsten Autoren des Vaudevilles und Meister der Tür-auf-Tür-zu-Verwechslungskomödie, hat mit »Champignol wider Willen«, 1892 in Paris uraufgeführt, eine federleichte, rasant schnelle Gesellschaftsfarce entworfen. In einem fein konstruierten Gebilde aus Lügen und Missverständnissen geraten die Figuren von einer fürchterlichen Verlegenheit in die andere, schraubt sich die Geschichte ins immer Absurdere empor. Eine Komödie wie gemacht für Herbert Fritsch, der nach »Zeppelin« und »NULL« nun zum dritten Mal an der Schaubühne inszeniert.  >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: Champignol in Farbe – oder: Komödie wider Willen


Kategorie: Schauspiel

Im letzten Streitraum der Spielzeit zu Fragen von Identität und Repräsentation soll es um den Osten gehen. Oder gibt es diesen gar nicht im Singular? Pegida, Chemnitz, Köthen – die neuen Bundesländer waren zuletzt vor allem als Landschaften des Ressentiments und Rassismus im Blickfeld. In manchen Medien wurde der Osten (und auch der Rassismus) exotisiert: als gäbe es diese Phänomene nicht auch im Westen. Wie lassen sich die besonderen Konflikte und Erfahrungen der Menschen im Osten verstehen und repräsentieren, ohne einerseits rechte Gefahren zu normalisieren und andererseits den Osten kategorial zu vereinheitlichen? Was haben Migrant_innen und Ostdeutsche gemeinsam? Wie lassen sich Gemeinsamkeiten und Differenzen darstellen – ohne die einen gegen die anderen auszuspielen? Christian Bangel (*1979, Frankfurt/Oder) ist seit 2019 Politischer Autor bei ZEIT ONLINE, zuvor seit 2012 Chef vom Dienst. Er gründete mehrere Online-Portale, u. a. das Netzmagazin »Zuender«, den Anti-Rechtsextremismus-Blog »Störungsmelder« sowie »Netz gegen Nazis«. Er war Leiter des ZEIT-Sonderressorts #D17/#D18 und entwickelte die Aktion »Deutschland spricht« mit, die Menschen unterschiedlicher politischer Ansichten miteinander ins Gespräch brachte. 2017 erschien sein erster Roman »Oder Florida« (PIPER Verlag). Robert Kusche (*1983, Berlin) ist Geschäftsführer der Regionalen Arbeitsstellen für Bildung, Integration und Demokratie Sachsen (RAA) e. V. und Leiter der Beratungsstelle »Support für Betroffene rechter Gewalt«. Sein Fokus liegt auf der Auseinandersetzung mit rechter Gewalt und deren gesellschaftlicher Auswirkung sowie auf der Beratung und Unterstützung Betroffener. Zudem ist er Vorstandsmitglied des Verbands der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt (VBRG), in dem er sich für die Fortentwicklung von Beratungs- und Unterstützungsangeboten im Bereich »Hate Crimes« auf europäischer und bundesweiter Ebene engagiert. Angelika Nguyen (*1961, Ost-Berlin) ist Filmjournalistin und freie Autorin, u. a. für DIE ZEIT. Sie studierte Filmwissenschaft an der Hochschule für Film und Fernsehen »Konrad Wolf«. 1992 veröffentlichte sie ihren Dokumentarfilm »Bruderland ist abgebrannt« über die Lage vietnamesischer Migrant_innen in Ost-Berlin. 2011 erschien ihr Essay »Mutter, wie weit ist Vietnam?« über Rassismus in ihrer Kindheit in dem Band »Kaltland. Eine Sammlung« (Rotbuch Verlag). Streitraum 2018/19: »Identität und Repräsentation«Wenn heute von Identitäten die Rede ist, ist nicht immer sicher, worauf man sich bezieht: auf kulturelle, religiöse, soziale Gemeinschaften? Auf Geschlecht, Herkunft, Nationalität? In welchen ambivalenten Identitäten lassen sich heute gesellschaftliche Formationen begreifen? Welche Zuschreibungen und Projektionen belasten, welche erleichtern die Zugehörigkeit zu einer sozialen oder religiösen Gruppe oder Lebensform? Welche Bilder, welche Begriffe dienen als Instrumente der Stigmatisierung? Warum bleibt die Kategorie der Klasse so tabuisiert als ob es das nicht gäbe: soziale Ausgrenzung oder soziale Distinktion, die sich vererbt von Generation zu Generation? Was braucht es, damit demokratische Gesellschaften wieder durchlässiger, hybrider, pluraler werden? Wie verhalten sich Identität und Repräsentation zueinander? Nicht nur parlamentarische und politische Repräsentationen sehen sich zunehmender Kritik ausgesetzt, auch die Formen medialer, künstlerischer Repräsentationen gehören hinterfragt. Welche Bilder, welche Erzählungen werden zitiert und wiederholt, welche werden verdrängt und vergessen, wie werden Stereotype erzeugt, in denen Vorstellungen von »echt« oder »unecht«, »wir« und dem »Anderen« sich verhärten? Wie frei, wie streitbar, wie bösartig dürfen Menschen oder Gruppen dargestellt und karikiert werden – und welche Kriterien gelten in der Kunst, in der Musik, im Film oder im Theater?


Kategorie: Schauspiel

Ob sich das Wasser mithilfe von bunten Kristallen an seinen ursprünglichen Zustand erinnern kann, ob Tapeten die Wände zusammenhalten, ob es »Flüchtlinge« oder »Geflüchtete« heißt, ob man mit einer Hochzeit die anderen ausgrenzt, ob man als Hundebesitzerin leichter schwanger wird, ob in einer offenen Beziehung immer einer leidet und es daneben ist, wenn man auf einer Party eine Jogginghose trägt, wo man Dinkel kauft und wo Lavendel, ob ein Sabbat-Dinner für Atheisten ein Erlebnis ist, ob die Trüffelsuppe mundet, der Wein im Abgang nach Stachelbeere schmeckt und das Fleisch zart ist, ob die alptraumhafte, kannibalische Filmszene wirklich schon wieder nacherzählt werden muss, ob man heute noch oder wieder »prima« sagen kann: Beim Abendessen von Bettina und Matthias wird mit den Freundinnen und Freunden jedes Thema, ob wichtig oder unwichtig, diskutiert, während im Nebenzimmer die kleine Tochter Pia und das Baby Gertrud friedlich wie Engel schlafen … Unter der glatten Oberfläche der sich immer wiederholenden Phrasen und Gesprächsklischees der aufgeklärt-gebildeten Mittelschicht entwirft »abgrund« das Szenario der größten anzunehmenden Tragödie und lässt den Schrecken aus der Angst in die Wirklichkeit treten. Die Reaktion ist Schockstarre, bodenloser Small Talk, Verdrängung und die Hoffnung, alles sei nur ein Gedankenspiel gewesen. »abgrund« ist nach »status quo« das zweite Stück von Maja Zade, das an der Schaubühne inszeniert wird. >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: Ein funkelnder Abgrund


Kategorie: Schauspiel

Alexander März lebt seit Jahren in einer psychiatrischen Klinik. Diagnose: Schizophrenie. Dem jungen Arzt Kofler gelingt es, in behutsamer Annäherung mit ihm in Kontakt zu kommen und ihn zum Schreiben zu ermuntern. März wird Dichter. Er verliebt sich in die Mitpatientin Hanna und beide wagen gemeinsam den Ausbruch. Hanna wird schwanger und stürzt in eine Krise. Das Paar kehrt in die Anstalt zurück. Die beiden werden getrennt, ihr gemeinsames Kind nimmt man ihnen weg. März beharrt auf seiner »Verrücktheit«, verweigert sich dem Funktionieren in Familie, Schule und Fabrik, der Anpassung an die »Wettbewerbsfolter«. Am Ende setzt er sich in Christuspose auf einem benzingetränkten Holunderbusch selbst in Flammen. Der Dramatiker Heinar Kipphardt wurde in den 1960er Jahren durch seinen Welterfolg »In der Sache J. Robert Oppenheimer« zu einem der Wegbereiter des Dokumentarischen Theaters. Angeregt vom Werk des schizophrenen Dichters Ernst Herbeck und von den Berichten des ihn betreuenden Psychiaters Leo Navratil beschäftigt sich Kipphardt in den 1970er Jahren intensiv mit dem Weltblick eines »Verrückten«, eines dichtenden Schizophrenen, aber auch mit der menschlichen Verelendung in psychiatrischen Einrichtungen. Es entstehen ein Fernsehfilm, ein Roman und ein Theaterstück. Mit der Figur des März entwirft Kipphardt, der selbst einige Jahre als Arzt in der psychiatrischen Abteilung der Berliner Charité gearbeitet hat, das Bild eines hoch sensiblen, verletzlichen Menschen, der unser Verständnis von gesellschaftlicher Normalität radikal in Frage stellt. Nach einem Regiestudium am Wiener Max Reinhardt Seminar hat David Stöhr in den letzten Jahren als Assistent und Co- Regisseur mit Thomas Ostermeier zusammengearbeitet. »März« ist seine erste Inszenierung an der Schaubühne.


Kategorie: Schauspiel

Saint-Florimond und Angèle, die Gattin des berühmten Malers Champignol, haben eine Affäre – oder vielmehr hätten beinahe eine solche gehabt. Doch Angèle ist der Spielereien mit St. Florimond überdrüssig. Sie will ihn loswerden und das gelänge auch, würde nicht überraschender Verwandtenbesuch St. Florimond zwingen, die Rolle des Ehemannes zu spielen. Auch als Gendarmen auftauchen, um den Maler zu einer Reservistenübung einzuziehen, gibt St. Florimond die Maskerade nicht auf, um den Seitensprung, der nie stattfand, nicht auffliegen zu lassen. Er tritt den Dienst an der Stelle Champignols an. Als kurz darauf der echte Champignol in derselben Kaserne auftaucht, ist die Verwirrung komplett ... Georges Feydeau, einer der erfolgreichsten Autoren des Vaudevilles und Meister der Tür-auf-Tür-zu-Verwechslungskomödie, hat mit »Champignol wider Willen«, 1892 in Paris uraufgeführt, eine federleichte, rasant schnelle Gesellschaftsfarce entworfen. In einem fein konstruierten Gebilde aus Lügen und Missverständnissen geraten die Figuren von einer fürchterlichen Verlegenheit in die andere, schraubt sich die Geschichte ins immer Absurdere empor. Eine Komödie wie gemacht für Herbert Fritsch, der nach »Zeppelin« und »NULL« nun zum dritten Mal an der Schaubühne inszeniert.  >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: Champignol in Farbe – oder: Komödie wider Willen


Kategorie: Schauspiel

Der junge, hübsche Flo steigt als Makler in ein Immobilienbüro ein. Der Verkauf der Wohnungen und der Kontakt mit den Kundinnen macht ihm Spaß, aber die Maklerkolleginnen sind ein eingespieltes Frauenteam, die es dem männlichen Neuankömmling nicht einfach machen, ganz zu schweigen von dem einzig anderen männlichen Angestellten, dem feschen Bürosekretär Manni, der Flo als Konkurrenz zu sehen scheint … Der junge, hübsche Flo bekommt eine Stelle als Drogeriefachkraft in der Ausbildung, aber seine anfängliche Freude darüber, dass er den Job ergattert hat, sowie sein Interesse am vielfältigen Produktsortiment werden bald getrübt vom Verhalten der übergewichtigen, selbstgefälligen Filialleiterin Daniela, die ihn zur »Chefinnensache« erklärt und keine Grenzen anerkennt … Der junge, hübsche Flo spricht halbnackt klassische Monologe an einem Theater vor und wird als Anfänger engagiert. Er ist fasziniert von der charismatisch-autoritären Intendantin Bettina, und zwischen den beiden entwickelt sich schnell eine überaus intensive Arbeitsbeziehung, in der künstlerisches Interesse nahtlos in sexuelles übergeht … Die drei jungen, hübschen Flos sind alle Berufsanfänger und alle heißen eigentlich Florian, doch in einer Gesellschaft, in der die Frauen das Sagen haben, wird jeder Florian zum Flo. »status quo« zeigt die Welt, wie sie ist, bloß spiegelverkehrt: Das Objekt der Begierde und der Diskriminierung – im Beruflichen wie im Häuslichen – ist der Mann. Die Umkehrung der realen Machtverhältnisse lässt die Mechanismen der Ungleichheit in einer ebenso bissigen wie komischen Satire in aller Schärfe hervortreten. Die Leidenswege der drei Flos machen die Absurdität eines Machtgefälles sichtbar, an das man sich so sehr gewöhnt hat, dass man es für normal hält. Maja Zade ist Autorin und Dramaturgin an der Schaubühne. Sie arbeitet auch als Übersetzerin, unter anderem von Marius von Mayenburgs Stücken ins Englische. »status quo« ist das erste Stück, das von ihr an der Schaubühne inszeniert wird, im April folgt »abgrund«. >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: »status quo« als Spiegel der Ungerechtigkeit (und des Patriarchats im Theater)


Kategorie: Schauspiel

Der junge, hübsche Flo steigt als Makler in ein Immobilienbüro ein. Der Verkauf der Wohnungen und der Kontakt mit den Kundinnen macht ihm Spaß, aber die Maklerkolleginnen sind ein eingespieltes Frauenteam, die es dem männlichen Neuankömmling nicht einfach machen, ganz zu schweigen von dem einzig anderen männlichen Angestellten, dem feschen Bürosekretär Manni, der Flo als Konkurrenz zu sehen scheint … Der junge, hübsche Flo bekommt eine Stelle als Drogeriefachkraft in der Ausbildung, aber seine anfängliche Freude darüber, dass er den Job ergattert hat, sowie sein Interesse am vielfältigen Produktsortiment werden bald getrübt vom Verhalten der übergewichtigen, selbstgefälligen Filialleiterin Daniela, die ihn zur »Chefinnensache« erklärt und keine Grenzen anerkennt … Der junge, hübsche Flo spricht halbnackt klassische Monologe an einem Theater vor und wird als Anfänger engagiert. Er ist fasziniert von der charismatisch-autoritären Intendantin Bettina, und zwischen den beiden entwickelt sich schnell eine überaus intensive Arbeitsbeziehung, in der künstlerisches Interesse nahtlos in sexuelles übergeht … Die drei jungen, hübschen Flos sind alle Berufsanfänger und alle heißen eigentlich Florian, doch in einer Gesellschaft, in der die Frauen das Sagen haben, wird jeder Florian zum Flo. »status quo« zeigt die Welt, wie sie ist, bloß spiegelverkehrt: Das Objekt der Begierde und der Diskriminierung – im Beruflichen wie im Häuslichen – ist der Mann. Die Umkehrung der realen Machtverhältnisse lässt die Mechanismen der Ungleichheit in einer ebenso bissigen wie komischen Satire in aller Schärfe hervortreten. Die Leidenswege der drei Flos machen die Absurdität eines Machtgefälles sichtbar, an das man sich so sehr gewöhnt hat, dass man es für normal hält. Maja Zade ist Autorin und Dramaturgin an der Schaubühne. Sie arbeitet auch als Übersetzerin, unter anderem von Marius von Mayenburgs Stücken ins Englische. »status quo« ist das erste Stück, das von ihr an der Schaubühne inszeniert wird, im April folgt »abgrund«. >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: »status quo« als Spiegel der Ungerechtigkeit (und des Patriarchats im Theater)


Kategorie: Schauspiel

Internist Bernhardi, Direktor einer renommierten Privatklinik, verweigert einem Pfarrer den Zugang zum Zimmer einer Patientin, der dieser die Sterbesakramente spenden möchte. Im Endstadium einer tödlichen Blutvergiftung, Folge einer unsachgemäßen Abtreibung, deliriert die junge Frau, sie sei völlig geheilt. Bernhardi hält es für seine ärztlich-humanistische Pflicht, ihr ein »glückliches Sterben« zu ermöglichen und sie nicht aus dieser Illusion zu reißen. Der Pfarrer wiederum besteht auf seinem religiösen Auftrag als Seelsorger. Beide scheitern: Während sie diskutieren, verstirbt die Kranke – zuvor noch alarmiert durch das Pflegepersonal, das gegen den Willen des Arztes den Besuch des Pfarrers ankündigte. Für den jüdischstämmigen Bernhardi weitet sich der unglückliche Zwischenfall rasch zu einem politischen Skandal aus, der seine Existenz und die der Klinik zu ruinieren droht. Ihm wird ein gezielter Übergriff auf religiöse Gefühle von Christen unterstellt. Bald bricht ein latent grassierender Antisemitismus überall offen zutage. Der Stiftungsrat des Instituts tritt aus Protest gegen Bernhardi zurück. Konkurrenten in der Ärzteschaft nutzen gezielt antijüdische Ressentiments, um Bernhardi zu suspendieren und so sich und ihre Freunde in die Leitungspositionen zu bringen. Im Parlament erreichen rechte Populisten gar die Eröffnung eines Strafverfahrens gegen Bernhardi. Schließlich versagt selbst der zuständige Minister, Bernhardis Studienfreund Flint, ihm die Unterstützung, um für diesen Einzelfall nicht sein politisches Programm in Gefahr zu bringen. Dafür erfährt Bernhardi plötzlich die Solidarität linker Kreise, die ihn zum Märtyrer machen wollen. Doch er möchte sich nicht für ihre politischen Ziele instrumentalisieren lassen – und verzichtet bewusst auf einen öffentlichen Kampf gegen die Lügen und für seine Rehabilitierung. »Professor Bernhardi« ist einer der wenigen dramatischen Texte, die minutiös einen beruflichen Kontext jenseits der emotionalen und familiären Hintergründe seiner Figuren entfalten. Die Arbeitswelt des Krankenhauses wird zugleich zum modellhaften Ausschnitt einer von Karrierismus, Konkurrenz und Ressentiment dominierten Gesellschaft, deren unterschwellige Triebkraft der Antisemitismus ist. In seiner Inszenierung von Schnitzlers Komödie – als die der Autor sein Stück doppelbödig bezeichnete – geht Thomas Ostermeier dabei besonders der Frage nach, wie ein isolierter Vorfall von einer Gruppe systematisch für die eigenen Machtbestrebungen und Partikularinteressen instrumentalisiert werden kann.- wie scheinbar unbestreitbare Fakten diskursiv so weit verbogen und relativiert werden, bis das »objektiv Richtige« zusehends seine bestimmbaren Konturen verliert. Was bleibt von der Wahrheit übrig, wenn sie zwischen divergierenden Deutungen immer weiter zerrieben wird? >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: Professor Bernhardi: Von Mobbing, Machenschaften und Überleben


Kategorie: Schauspiel

Internist Bernhardi, Direktor einer renommierten Privatklinik, verweigert einem Pfarrer den Zugang zum Zimmer einer Patientin, der dieser die Sterbesakramente spenden möchte. Im Endstadium einer tödlichen Blutvergiftung, Folge einer unsachgemäßen Abtreibung, deliriert die junge Frau, sie sei völlig geheilt. Bernhardi hält es für seine ärztlich-humanistische Pflicht, ihr ein »glückliches Sterben« zu ermöglichen und sie nicht aus dieser Illusion zu reißen. Der Pfarrer wiederum besteht auf seinem religiösen Auftrag als Seelsorger. Beide scheitern: Während sie diskutieren, verstirbt die Kranke – zuvor noch alarmiert durch das Pflegepersonal, das gegen den Willen des Arztes den Besuch des Pfarrers ankündigte. Für den jüdischstämmigen Bernhardi weitet sich der unglückliche Zwischenfall rasch zu einem politischen Skandal aus, der seine Existenz und die der Klinik zu ruinieren droht. Ihm wird ein gezielter Übergriff auf religiöse Gefühle von Christen unterstellt. Bald bricht ein latent grassierender Antisemitismus überall offen zutage. Der Stiftungsrat des Instituts tritt aus Protest gegen Bernhardi zurück. Konkurrenten in der Ärzteschaft nutzen gezielt antijüdische Ressentiments, um Bernhardi zu suspendieren und so sich und ihre Freunde in die Leitungspositionen zu bringen. Im Parlament erreichen rechte Populisten gar die Eröffnung eines Strafverfahrens gegen Bernhardi. Schließlich versagt selbst der zuständige Minister, Bernhardis Studienfreund Flint, ihm die Unterstützung, um für diesen Einzelfall nicht sein politisches Programm in Gefahr zu bringen. Dafür erfährt Bernhardi plötzlich die Solidarität linker Kreise, die ihn zum Märtyrer machen wollen. Doch er möchte sich nicht für ihre politischen Ziele instrumentalisieren lassen – und verzichtet bewusst auf einen öffentlichen Kampf gegen die Lügen und für seine Rehabilitierung. »Professor Bernhardi« ist einer der wenigen dramatischen Texte, die minutiös einen beruflichen Kontext jenseits der emotionalen und familiären Hintergründe seiner Figuren entfalten. Die Arbeitswelt des Krankenhauses wird zugleich zum modellhaften Ausschnitt einer von Karrierismus, Konkurrenz und Ressentiment dominierten Gesellschaft, deren unterschwellige Triebkraft der Antisemitismus ist. In seiner Inszenierung von Schnitzlers Komödie – als die der Autor sein Stück doppelbödig bezeichnete – geht Thomas Ostermeier dabei besonders der Frage nach, wie ein isolierter Vorfall von einer Gruppe systematisch für die eigenen Machtbestrebungen und Partikularinteressen instrumentalisiert werden kann.- wie scheinbar unbestreitbare Fakten diskursiv so weit verbogen und relativiert werden, bis das »objektiv Richtige« zusehends seine bestimmbaren Konturen verliert. Was bleibt von der Wahrheit übrig, wenn sie zwischen divergierenden Deutungen immer weiter zerrieben wird? >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: Professor Bernhardi: Von Mobbing, Machenschaften und Überleben


Kategorie: Schauspiel

Als luxuriöse Unterkunft des internationalen Jetsets hat das Grand Hotel längst ausgedient: Zwischen Trampern, die in letzter Minute noch ein günstiges Zimmer erstanden haben und vergnügungssüchtigen Cityhoppern tummeln sich dort heute u.a. Touristenführerinnen, die ihre Gruppe verloren haben, Rentnerinnen auf Kulturreise und beste Freundinnen auf einem All-Inclusive-Wochenendtrip. Natürlich kommt alles ganz anders als geplant, gebucht und im Katalog beschrieben: Als eine Orkanwarnung ausgerufen und die Ausgangssperre verhängt wird, dann zu allem Übel mit dem Strom auch noch das Internet ausfällt, ist jeder Kontakt zur Außenwelt unmöglich und die Auseinandersetzung mit den anderen Gästen unumgänglich geworden – ein touristischer Albtraum in Form eines existentialistischen Worst-Case-Szenarios. Und so entwickelt sich die Hotellobby zur Bühne für diese unfreiwillige Gruppe von Menschen, die auf den ersten Blick nur wenig miteinander teilen … Ist ein kleiner Mord eine durchaus nachvollziehbare Reaktion auf steigende Mietpreise? Sind Gewalterfahrungen ohnehin alltäglich? Gibt es ein Interesse für die Konflikte unserer Zeit oder beschäftigt man sich lieber mit sich selbst? Sind wir alle krank? Kann ich mir die Achseln rasieren und trotzdem Feministin sein? Und warum interessiert sich niemand für den Klimawandel? Die Polyrealisten sind die altersübergreifende Theatergruppe der Schaubühne: Dieses Jahr ist die jüngste Performerin 20 und der älteste Spieler 65 Jahre alt. Die Teilnehmenden werden jede Spielzeit neu ausgelost.


Kategorie: Schauspiel

Internist Bernhardi, Direktor einer renommierten Privatklinik, verweigert einem Pfarrer den Zugang zum Zimmer einer Patientin, der dieser die Sterbesakramente spenden möchte. Im Endstadium einer tödlichen Blutvergiftung, Folge einer unsachgemäßen Abtreibung, deliriert die junge Frau, sie sei völlig geheilt. Bernhardi hält es für seine ärztlich-humanistische Pflicht, ihr ein »glückliches Sterben« zu ermöglichen und sie nicht aus dieser Illusion zu reißen. Der Pfarrer wiederum besteht auf seinem religiösen Auftrag als Seelsorger. Beide scheitern: Während sie diskutieren, verstirbt die Kranke – zuvor noch alarmiert durch das Pflegepersonal, das gegen den Willen des Arztes den Besuch des Pfarrers ankündigte. Für den jüdischstämmigen Bernhardi weitet sich der unglückliche Zwischenfall rasch zu einem politischen Skandal aus, der seine Existenz und die der Klinik zu ruinieren droht. Ihm wird ein gezielter Übergriff auf religiöse Gefühle von Christen unterstellt. Bald bricht ein latent grassierender Antisemitismus überall offen zutage. Der Stiftungsrat des Instituts tritt aus Protest gegen Bernhardi zurück. Konkurrenten in der Ärzteschaft nutzen gezielt antijüdische Ressentiments, um Bernhardi zu suspendieren und so sich und ihre Freunde in die Leitungspositionen zu bringen. Im Parlament erreichen rechte Populisten gar die Eröffnung eines Strafverfahrens gegen Bernhardi. Schließlich versagt selbst der zuständige Minister, Bernhardis Studienfreund Flint, ihm die Unterstützung, um für diesen Einzelfall nicht sein politisches Programm in Gefahr zu bringen. Dafür erfährt Bernhardi plötzlich die Solidarität linker Kreise, die ihn zum Märtyrer machen wollen. Doch er möchte sich nicht für ihre politischen Ziele instrumentalisieren lassen – und verzichtet bewusst auf einen öffentlichen Kampf gegen die Lügen und für seine Rehabilitierung. »Professor Bernhardi« ist einer der wenigen dramatischen Texte, die minutiös einen beruflichen Kontext jenseits der emotionalen und familiären Hintergründe seiner Figuren entfalten. Die Arbeitswelt des Krankenhauses wird zugleich zum modellhaften Ausschnitt einer von Karrierismus, Konkurrenz und Ressentiment dominierten Gesellschaft, deren unterschwellige Triebkraft der Antisemitismus ist. In seiner Inszenierung von Schnitzlers Komödie – als die der Autor sein Stück doppelbödig bezeichnete – geht Thomas Ostermeier dabei besonders der Frage nach, wie ein isolierter Vorfall von einer Gruppe systematisch für die eigenen Machtbestrebungen und Partikularinteressen instrumentalisiert werden kann.- wie scheinbar unbestreitbare Fakten diskursiv so weit verbogen und relativiert werden, bis das »objektiv Richtige« zusehends seine bestimmbaren Konturen verliert. Was bleibt von der Wahrheit übrig, wenn sie zwischen divergierenden Deutungen immer weiter zerrieben wird? >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: Professor Bernhardi: Von Mobbing, Machenschaften und Überleben


Kategorie: Schauspiel

Als luxuriöse Unterkunft des internationalen Jetsets hat das Grand Hotel längst ausgedient: Zwischen Trampern, die in letzter Minute noch ein günstiges Zimmer erstanden haben und vergnügungssüchtigen Cityhoppern tummeln sich dort heute u.a. Touristenführerinnen, die ihre Gruppe verloren haben, Rentnerinnen auf Kulturreise und beste Freundinnen auf einem All-Inclusive-Wochenendtrip. Natürlich kommt alles ganz anders als geplant, gebucht und im Katalog beschrieben: Als eine Orkanwarnung ausgerufen und die Ausgangssperre verhängt wird, dann zu allem Übel mit dem Strom auch noch das Internet ausfällt, ist jeder Kontakt zur Außenwelt unmöglich und die Auseinandersetzung mit den anderen Gästen unumgänglich geworden – ein touristischer Albtraum in Form eines existentialistischen Worst-Case-Szenarios. Und so entwickelt sich die Hotellobby zur Bühne für diese unfreiwillige Gruppe von Menschen, die auf den ersten Blick nur wenig miteinander teilen … Ist ein kleiner Mord eine durchaus nachvollziehbare Reaktion auf steigende Mietpreise? Sind Gewalterfahrungen ohnehin alltäglich? Gibt es ein Interesse für die Konflikte unserer Zeit oder beschäftigt man sich lieber mit sich selbst? Sind wir alle krank? Kann ich mir die Achseln rasieren und trotzdem Feministin sein? Und warum interessiert sich niemand für den Klimawandel? Die Polyrealisten sind die altersübergreifende Theatergruppe der Schaubühne: Dieses Jahr ist die jüngste Performerin 20 und der älteste Spieler 65 Jahre alt. Die Teilnehmenden werden jede Spielzeit neu ausgelost.


Kategorie: Schauspiel

Internist Bernhardi, Direktor einer renommierten Privatklinik, verweigert einem Pfarrer den Zugang zum Zimmer einer Patientin, der dieser die Sterbesakramente spenden möchte. Im Endstadium einer tödlichen Blutvergiftung, Folge einer unsachgemäßen Abtreibung, deliriert die junge Frau, sie sei völlig geheilt. Bernhardi hält es für seine ärztlich-humanistische Pflicht, ihr ein »glückliches Sterben« zu ermöglichen und sie nicht aus dieser Illusion zu reißen. Der Pfarrer wiederum besteht auf seinem religiösen Auftrag als Seelsorger. Beide scheitern: Während sie diskutieren, verstirbt die Kranke – zuvor noch alarmiert durch das Pflegepersonal, das gegen den Willen des Arztes den Besuch des Pfarrers ankündigte. Für den jüdischstämmigen Bernhardi weitet sich der unglückliche Zwischenfall rasch zu einem politischen Skandal aus, der seine Existenz und die der Klinik zu ruinieren droht. Ihm wird ein gezielter Übergriff auf religiöse Gefühle von Christen unterstellt. Bald bricht ein latent grassierender Antisemitismus überall offen zutage. Der Stiftungsrat des Instituts tritt aus Protest gegen Bernhardi zurück. Konkurrenten in der Ärzteschaft nutzen gezielt antijüdische Ressentiments, um Bernhardi zu suspendieren und so sich und ihre Freunde in die Leitungspositionen zu bringen. Im Parlament erreichen rechte Populisten gar die Eröffnung eines Strafverfahrens gegen Bernhardi. Schließlich versagt selbst der zuständige Minister, Bernhardis Studienfreund Flint, ihm die Unterstützung, um für diesen Einzelfall nicht sein politisches Programm in Gefahr zu bringen. Dafür erfährt Bernhardi plötzlich die Solidarität linker Kreise, die ihn zum Märtyrer machen wollen. Doch er möchte sich nicht für ihre politischen Ziele instrumentalisieren lassen – und verzichtet bewusst auf einen öffentlichen Kampf gegen die Lügen und für seine Rehabilitierung. »Professor Bernhardi« ist einer der wenigen dramatischen Texte, die minutiös einen beruflichen Kontext jenseits der emotionalen und familiären Hintergründe seiner Figuren entfalten. Die Arbeitswelt des Krankenhauses wird zugleich zum modellhaften Ausschnitt einer von Karrierismus, Konkurrenz und Ressentiment dominierten Gesellschaft, deren unterschwellige Triebkraft der Antisemitismus ist. In seiner Inszenierung von Schnitzlers Komödie – als die der Autor sein Stück doppelbödig bezeichnete – geht Thomas Ostermeier dabei besonders der Frage nach, wie ein isolierter Vorfall von einer Gruppe systematisch für die eigenen Machtbestrebungen und Partikularinteressen instrumentalisiert werden kann.- wie scheinbar unbestreitbare Fakten diskursiv so weit verbogen und relativiert werden, bis das »objektiv Richtige« zusehends seine bestimmbaren Konturen verliert. Was bleibt von der Wahrheit übrig, wenn sie zwischen divergierenden Deutungen immer weiter zerrieben wird? >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: Professor Bernhardi: Von Mobbing, Machenschaften und Überleben


Kategorie: Schauspiel

Als luxuriöse Unterkunft des internationalen Jetsets hat das Grand Hotel längst ausgedient: Zwischen Trampern, die in letzter Minute noch ein günstiges Zimmer erstanden haben und vergnügungssüchtigen Cityhoppern tummeln sich dort heute u.a. Touristenführerinnen, die ihre Gruppe verloren haben, Rentnerinnen auf Kulturreise und beste Freundinnen auf einem All-Inclusive-Wochenendtrip. Natürlich kommt alles ganz anders als geplant, gebucht und im Katalog beschrieben: Als eine Orkanwarnung ausgerufen und die Ausgangssperre verhängt wird, dann zu allem Übel mit dem Strom auch noch das Internet ausfällt, ist jeder Kontakt zur Außenwelt unmöglich und die Auseinandersetzung mit den anderen Gästen unumgänglich geworden – ein touristischer Albtraum in Form eines existentialistischen Worst-Case-Szenarios. Und so entwickelt sich die Hotellobby zur Bühne für diese unfreiwillige Gruppe von Menschen, die auf den ersten Blick nur wenig miteinander teilen … Ist ein kleiner Mord eine durchaus nachvollziehbare Reaktion auf steigende Mietpreise? Sind Gewalterfahrungen ohnehin alltäglich? Gibt es ein Interesse für die Konflikte unserer Zeit oder beschäftigt man sich lieber mit sich selbst? Sind wir alle krank? Kann ich mir die Achseln rasieren und trotzdem Feministin sein? Und warum interessiert sich niemand für den Klimawandel? Die Polyrealisten sind die altersübergreifende Theatergruppe der Schaubühne: Dieses Jahr ist die jüngste Performerin 20 und der älteste Spieler 65 Jahre alt. Die Teilnehmenden werden jede Spielzeit neu ausgelost.


Kategorie: Schauspiel

Internist Bernhardi, Direktor einer renommierten Privatklinik, verweigert einem Pfarrer den Zugang zum Zimmer einer Patientin, der dieser die Sterbesakramente spenden möchte. Im Endstadium einer tödlichen Blutvergiftung, Folge einer unsachgemäßen Abtreibung, deliriert die junge Frau, sie sei völlig geheilt. Bernhardi hält es für seine ärztlich-humanistische Pflicht, ihr ein »glückliches Sterben« zu ermöglichen und sie nicht aus dieser Illusion zu reißen. Der Pfarrer wiederum besteht auf seinem religiösen Auftrag als Seelsorger. Beide scheitern: Während sie diskutieren, verstirbt die Kranke – zuvor noch alarmiert durch das Pflegepersonal, das gegen den Willen des Arztes den Besuch des Pfarrers ankündigte. Für den jüdischstämmigen Bernhardi weitet sich der unglückliche Zwischenfall rasch zu einem politischen Skandal aus, der seine Existenz und die der Klinik zu ruinieren droht. Ihm wird ein gezielter Übergriff auf religiöse Gefühle von Christen unterstellt. Bald bricht ein latent grassierender Antisemitismus überall offen zutage. Der Stiftungsrat des Instituts tritt aus Protest gegen Bernhardi zurück. Konkurrenten in der Ärzteschaft nutzen gezielt antijüdische Ressentiments, um Bernhardi zu suspendieren und so sich und ihre Freunde in die Leitungspositionen zu bringen. Im Parlament erreichen rechte Populisten gar die Eröffnung eines Strafverfahrens gegen Bernhardi. Schließlich versagt selbst der zuständige Minister, Bernhardis Studienfreund Flint, ihm die Unterstützung, um für diesen Einzelfall nicht sein politisches Programm in Gefahr zu bringen. Dafür erfährt Bernhardi plötzlich die Solidarität linker Kreise, die ihn zum Märtyrer machen wollen. Doch er möchte sich nicht für ihre politischen Ziele instrumentalisieren lassen – und verzichtet bewusst auf einen öffentlichen Kampf gegen die Lügen und für seine Rehabilitierung. »Professor Bernhardi« ist einer der wenigen dramatischen Texte, die minutiös einen beruflichen Kontext jenseits der emotionalen und familiären Hintergründe seiner Figuren entfalten. Die Arbeitswelt des Krankenhauses wird zugleich zum modellhaften Ausschnitt einer von Karrierismus, Konkurrenz und Ressentiment dominierten Gesellschaft, deren unterschwellige Triebkraft der Antisemitismus ist. In seiner Inszenierung von Schnitzlers Komödie – als die der Autor sein Stück doppelbödig bezeichnete – geht Thomas Ostermeier dabei besonders der Frage nach, wie ein isolierter Vorfall von einer Gruppe systematisch für die eigenen Machtbestrebungen und Partikularinteressen instrumentalisiert werden kann.- wie scheinbar unbestreitbare Fakten diskursiv so weit verbogen und relativiert werden, bis das »objektiv Richtige« zusehends seine bestimmbaren Konturen verliert. Was bleibt von der Wahrheit übrig, wenn sie zwischen divergierenden Deutungen immer weiter zerrieben wird? >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: Professor Bernhardi: Von Mobbing, Machenschaften und Überleben


Kategorie: Schauspiel

Richard ist hässlich. Eine Frühgeburt, missgestaltet, humpelnd, bucklig, ein Krüppel, der auf den Schlachtfeldern der Rosenkriege, die nach dem Tod Heinrichs V. aufflammen, seiner Familie und vor allem seinem Bruder Edward gute Dienste geleistet hat. Jetzt ist Edward König, dank einiger Morde, die sein behinderter Bruder in Eigenregie begangen hat. Aber das Ende des Krieges bringt Richard keinen Frieden, zu tief sitzt sein Hass auf den Rest der Welt, zu dem er nie gehören wird. Und so tut er das, was er am besten kann und mordet weiter. Er räumt alles aus dem Weg, was ihn daran hindert, König zu sein. Wenn er schon nicht Teil einer Gesellschaft der vom Schicksal Begünstigten sein kann, will er sie wenigstens beherrschen. Seine Kontrahenten spielt er mit politischem Geschick gegeneinander aus, skrupellos instrumentalisiert er den Ehrgeiz anderer für seinen eigenen und schreitet mit weißer Weste durch ein unermessliches Blutbad, bis er niemanden mehr über sich hat und die Krone ihm gehört. Doch auch dieser Triumph, erkauft mit dem Tod von Feinden, Verbündeten und Verwandten, wird seine Kränkung über das, was die Natur ihm angetan hat, nicht stillen. Allein an der Spitze des englischen Königreichs, sämtlicher Widersacher beraubt, richtet er sein Wüten nun gegen seinen eigentlichen Hauptfeind – sich selbst. »Richard III« ist eines der frühesten Stücke Shakespeares, uraufgeführt um 1593. Bis heute hat die Titelfigur nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Ihre Verführungskraft liegt gerade in ihrer hemmungslos zielgerichteten, lustvoll zur Schau gestellten Amoralität. Richard ist der erste in einer Reihe von Bösewichten in Shakespeares Werk, deren moralische Unabhängigkeit und virtuose Manipulationskunst an Machiavellis »Fürst« geschult scheint: Jago in »Othello«, Edmund in »König Lear«, die Lady in »Macbeth«. Aber das Stück erschöpft sich nicht in der Dämonisierung eines psychopathischen Amokläufers. Es ist auch das Porträt einer durch interne Kämpfe tief zerrütteten Machtelite, aus deren Mitte eine perverse Diktatur erwächst. >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: Das Böse feiern: Richard III. an der Schaubühne


Kategorie: Schauspiel

Einmal im Monat laden wir Zuschauer_innen dazu ein, vor dem Vorstellungsbesuch die jeweilige Inszenierung genauer zu untersuchen. Für vier Stunden eröffnen wir einen Experimentierraum, in dem gedacht und gespielt wird. Gemeinsam erproben wir darin ästhetische Aspekte der Inszenierung und suchen nach eigenen Antworten auf die Fragen, die im Stück verhandelt werden. Mit geschärften Sinnen kann dann der Theaterabend noch intensiver erlebt werden. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.


Kategorie: Schauspiel

Richard ist hässlich. Eine Frühgeburt, missgestaltet, humpelnd, bucklig, ein Krüppel, der auf den Schlachtfeldern der Rosenkriege, die nach dem Tod Heinrichs V. aufflammen, seiner Familie und vor allem seinem Bruder Edward gute Dienste geleistet hat. Jetzt ist Edward König, dank einiger Morde, die sein behinderter Bruder in Eigenregie begangen hat. Aber das Ende des Krieges bringt Richard keinen Frieden, zu tief sitzt sein Hass auf den Rest der Welt, zu dem er nie gehören wird. Und so tut er das, was er am besten kann und mordet weiter. Er räumt alles aus dem Weg, was ihn daran hindert, König zu sein. Wenn er schon nicht Teil einer Gesellschaft der vom Schicksal Begünstigten sein kann, will er sie wenigstens beherrschen. Seine Kontrahenten spielt er mit politischem Geschick gegeneinander aus, skrupellos instrumentalisiert er den Ehrgeiz anderer für seinen eigenen und schreitet mit weißer Weste durch ein unermessliches Blutbad, bis er niemanden mehr über sich hat und die Krone ihm gehört. Doch auch dieser Triumph, erkauft mit dem Tod von Feinden, Verbündeten und Verwandten, wird seine Kränkung über das, was die Natur ihm angetan hat, nicht stillen. Allein an der Spitze des englischen Königreichs, sämtlicher Widersacher beraubt, richtet er sein Wüten nun gegen seinen eigentlichen Hauptfeind – sich selbst. »Richard III« ist eines der frühesten Stücke Shakespeares, uraufgeführt um 1593. Bis heute hat die Titelfigur nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Ihre Verführungskraft liegt gerade in ihrer hemmungslos zielgerichteten, lustvoll zur Schau gestellten Amoralität. Richard ist der erste in einer Reihe von Bösewichten in Shakespeares Werk, deren moralische Unabhängigkeit und virtuose Manipulationskunst an Machiavellis »Fürst« geschult scheint: Jago in »Othello«, Edmund in »König Lear«, die Lady in »Macbeth«. Aber das Stück erschöpft sich nicht in der Dämonisierung eines psychopathischen Amokläufers. Es ist auch das Porträt einer durch interne Kämpfe tief zerrütteten Machtelite, aus deren Mitte eine perverse Diktatur erwächst. >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: Das Böse feiern: Richard III. an der Schaubühne


Kategorie: Schauspiel

Richard ist hässlich. Eine Frühgeburt, missgestaltet, humpelnd, bucklig, ein Krüppel, der auf den Schlachtfeldern der Rosenkriege, die nach dem Tod Heinrichs V. aufflammen, seiner Familie und vor allem seinem Bruder Edward gute Dienste geleistet hat. Jetzt ist Edward König, dank einiger Morde, die sein behinderter Bruder in Eigenregie begangen hat. Aber das Ende des Krieges bringt Richard keinen Frieden, zu tief sitzt sein Hass auf den Rest der Welt, zu dem er nie gehören wird. Und so tut er das, was er am besten kann und mordet weiter. Er räumt alles aus dem Weg, was ihn daran hindert, König zu sein. Wenn er schon nicht Teil einer Gesellschaft der vom Schicksal Begünstigten sein kann, will er sie wenigstens beherrschen. Seine Kontrahenten spielt er mit politischem Geschick gegeneinander aus, skrupellos instrumentalisiert er den Ehrgeiz anderer für seinen eigenen und schreitet mit weißer Weste durch ein unermessliches Blutbad, bis er niemanden mehr über sich hat und die Krone ihm gehört. Doch auch dieser Triumph, erkauft mit dem Tod von Feinden, Verbündeten und Verwandten, wird seine Kränkung über das, was die Natur ihm angetan hat, nicht stillen. Allein an der Spitze des englischen Königreichs, sämtlicher Widersacher beraubt, richtet er sein Wüten nun gegen seinen eigentlichen Hauptfeind – sich selbst. »Richard III« ist eines der frühesten Stücke Shakespeares, uraufgeführt um 1593. Bis heute hat die Titelfigur nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Ihre Verführungskraft liegt gerade in ihrer hemmungslos zielgerichteten, lustvoll zur Schau gestellten Amoralität. Richard ist der erste in einer Reihe von Bösewichten in Shakespeares Werk, deren moralische Unabhängigkeit und virtuose Manipulationskunst an Machiavellis »Fürst« geschult scheint: Jago in »Othello«, Edmund in »König Lear«, die Lady in »Macbeth«. Aber das Stück erschöpft sich nicht in der Dämonisierung eines psychopathischen Amokläufers. Es ist auch das Porträt einer durch interne Kämpfe tief zerrütteten Machtelite, aus deren Mitte eine perverse Diktatur erwächst. >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: Das Böse feiern: Richard III. an der Schaubühne


Kategorie: Schauspiel

Badearzt Dr. Stockmann entdeckt, dass das Heilwasser seines Heimatorts von krankheitserregenden Mikroorganismen durchsetzt ist. Der Grund: die Zuleitungsrohre führen durch ein abwasserverseuchtes Sumpfgebiet. Im Interesse der Allgemeinheit will Stockmann den Befund in der Zeitung veröffentlichen und fordert die Stadtverwaltung auf, die Wasserleitungen umzulegen. Sein Vorschlag stößt auf Zustimmung. Einflussreiche Bürger und Pressevertreter des Ortes sichern ihm Unterstützung zu. Sein Bruder Peter, der Stadtrat des Ortes, hält ihm jedoch schwere Bedenken entgegen: Das Verbreiten der Neuigkeit bedrohe die wirtschaftliche Prosperität des Kurortes, die Reparaturen hätten hohe Kosten für die Allgemeinheit zur Folge. Plötzlich beginnt Stockmanns Rückhalt unter den Entscheidungsträgern der Stadt zu schwinden. Man sät Zweifel an seinem Vorhaben und versucht, die Nachricht vom kontaminierten Wasser zu vertuschen. Stockmann besteht auf Aufklärung und will öffentlich sprechen. In einer alles entscheidenden Rede will er die Stadt auf seinen Kurs zwingen. Den endgültigen Bruch mit seinem Bruder und das Risiko der vollständigen persönlichen Ausgrenzung nimmt er in Kauf. Es geht ihm längst nicht mehr nur um das verschmutzte Heilbad: Seine Zielscheibe ist die Gesellschaft als Ganzes. Ibsens Drama bewegt sich auf dem schmalen Grat zwischen Aufklärung und Fanatismus. Welche Chance hat die Wahrheit in einer durchökonomisierten Gesellschaft?


Kategorie: Schauspiel

Badearzt Dr. Stockmann entdeckt, dass das Heilwasser seines Heimatorts von krankheitserregenden Mikroorganismen durchsetzt ist. Der Grund: die Zuleitungsrohre führen durch ein abwasserverseuchtes Sumpfgebiet. Im Interesse der Allgemeinheit will Stockmann den Befund in der Zeitung veröffentlichen und fordert die Stadtverwaltung auf, die Wasserleitungen umzulegen. Sein Vorschlag stößt auf Zustimmung. Einflussreiche Bürger und Pressevertreter des Ortes sichern ihm Unterstützung zu. Sein Bruder Peter, der Stadtrat des Ortes, hält ihm jedoch schwere Bedenken entgegen: Das Verbreiten der Neuigkeit bedrohe die wirtschaftliche Prosperität des Kurortes, die Reparaturen hätten hohe Kosten für die Allgemeinheit zur Folge. Plötzlich beginnt Stockmanns Rückhalt unter den Entscheidungsträgern der Stadt zu schwinden. Man sät Zweifel an seinem Vorhaben und versucht, die Nachricht vom kontaminierten Wasser zu vertuschen. Stockmann besteht auf Aufklärung und will öffentlich sprechen. In einer alles entscheidenden Rede will er die Stadt auf seinen Kurs zwingen. Den endgültigen Bruch mit seinem Bruder und das Risiko der vollständigen persönlichen Ausgrenzung nimmt er in Kauf. Es geht ihm längst nicht mehr nur um das verschmutzte Heilbad: Seine Zielscheibe ist die Gesellschaft als Ganzes. Ibsens Drama bewegt sich auf dem schmalen Grat zwischen Aufklärung und Fanatismus. Welche Chance hat die Wahrheit in einer durchökonomisierten Gesellschaft?


Kategorie: Schauspiel

Was macht eine deutsche Staatsbürgerin aus? Wie verändert sich das Verhältnis von Staatsbürger_innen und Eingewanderten in der deutschen Gesellschaft unter wechselnden politischen Verhältnissen? Einwanderung aus Vietnam gab es – unter sehr unterschiedlichen Vorzeichen – in der BRD und der DDR. In der BRD der späten 1970er Jahre machten sich die konservativen und sozialdemokratischen Parteien stark für die Aufnahme von Bürgerkriegsflüchtlingen aus Südvietnam, die von den siegreichen Kommunisten verfolgt wurden und als sogenannte »boat people« mit Schiffen über das südvietnamesische Meer geflohen waren. »Boat people« erhielten Integrationspaten, Sprachkurse, Freizügigkeit und hatten es vergleichsweise leicht auf dem Arbeitsmarkt. Die Community wollte ihre Dankbarkeit Deutschland gegenüber dadurch ausdrücken, möglichst nicht auf- oder zur Last zu fallen, »unsichtbar« zu bleiben – und Kritik, etwa am erlebten Alltagsrassismus, keinesfalls zu äußern. In die DDR wurden ab 1980 Vertragsarbeiter_innen aus dem nordvietnamesischen, sozialistischen Brudervolk entsandt. Sie waren voller Hoffnung und empfanden sich als privilegiert, lebten aber isoliert in Wohnheimen und sprachen kaum Deutsch, Verbindungen mit der DDR-Bevölkerung waren von beiden Systemen nicht weiter erwünscht. Nach dem Fall der Mauer war ihre Situation über Jahre ungeklärt, der Rassismus flammte neu auf – auch gegen die in der BRD lebende vietnamesische Bevölkerung. Viele machten sich schließlich als Kleinunternehmer_innen selbständig und wurden später als »mustergültige Migranten« gegen andere migrantische Communitys ausgespielt. Sanja Mitrović wurde in Zrenjanin (ehem. Jugoslawien) geboren und lebt heute in Brüssel. Nach zwei Gastspielen beim FIND 2016 blickt sie nun in ihrer ersten Inszenierung an der Schaubühne auf zwei wiedervereinigte Länder, Deutschland und Vietnam, in denen Kapitalismus und Kommunismus sich einst unversöhnlich gegenüberstanden. Zusammen mit Schauspieler_innen aus dem Ensemble, die in der DDR oder der BRD groß geworden oder nach Deutschland eingewandert sind, einer ehemaligen Vertragsarbeiterin, »boat people« und Deutsch-Vietnames_innen der zweiten Generation betrachtet sie die Bruchlinien, unverheilten Wunden und unbewältigten Konflikte eines wiedervereinigten Landes und die sich wandelnden deutschen Vorstellungen von gutem Staatsbürgertum, erwünschten Geflüchteten, Gastarbeiter_innen und dämonisierten Illegalen. Sie trifft auf Kämpferinnen und Humanisten, rassistische Straftäterbanden, Biedermänner und idealistische Politiker, auf Menschen, die in keine Ideologie und kein Schema passen, und beobachtet, wie unterschiedliche politische Systeme für ihre eigenen Zwecke stets neue Bilder von Fremdem und Eigenem hervorbringen. >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: Sei Dankbar! »Danke Deutschland – Cảm ơn nước Đức« an der Schaubühne


Kategorie: Schauspiel

Auf dem Heimweg von einem Weihnachtsessen in Paris trifft der junge Édouard um 4 Uhr morgens auf der Place de la République auf Reda, einen Mann algerischer Herkunft. Sie kommen ins Gespräch, beginnen zu flirten, und wenig später nimmt Édouard Reda mit zu sich in seine Einzimmerwohnung. Die beiden verbringen die Nacht miteinander, Reda erzählt von seiner Kindheit und dem Vater, der aus Algerien nach Frankreich geflohen ist. Die Stimmung ist ausgelassen, sie lachen, tauschen Zärtlichkeiten aus und haben Sex. Doch als Édouard bei ihrer Verabschiedung wenige Stunden später entdeckt, dass sein Smartphone verschwunden ist, und Reda plötzlich einen Revolver hervorholt und ihn bedroht, schlägt die Situation jäh in Bedrohung und Gewalt um und mündet in die Vergewaltigung Édouards. Am nächsten Morgen begibt sich Édouard in polizeiliche und medizinische Obhut. In seiner Ratlosigkeit, wie er mit seinem Trauma umgehen soll, flieht er in die nordfranzösische Provinz zu seiner Schwester Clara und vertraut ihr die Geschichte an. Die Stimmen und Reaktionen seines Umfeldes, der Polizei und der behandelnden Mediziner auf den dramatischen Vorfall enthüllen einen gesellschaftlich tief verwurzelten Rassismus, Homophobie und intransparente Machtstrukturen. Mit der Rekonstruktion einer traumatischen Nacht formuliert der französische Autor Édouard Louis in seinem autobiographischen Roman »Im Herzen der Gewalt« eine ebenso persönliche wie gesellschaftlich durchdringende Analyse über das Erwachsenwerden, Begehren, Migration und Rassismus und macht in der Stimmenvielfalt der Reaktionen auf das ihm angetane Verbrechen gesellschaftlich verdrängte Formen der Gewalt hörbar. Thomas Ostermeier adaptiert gemeinsam mit Édouard Louis den Roman für die Bühne als deutschsprachige Erstaufführung. >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: Für Opfer und Täter sprechen.


Kategorie: Schauspiel

»Wer überhaupt hat diesen neuen Göttern /denn Ehren festgesetzt und Würden, wenn nicht ich?« Menschenbildner, Feuerbringer und Gefesselter: Prometheus. Symbolfigur des zivilisatorischen Fortschritts, Liebling der Menschen und eben darum kein Liebling der Götter. Sohn des Iapetos und der Klymene, der Zeus das Feuer stahl und es den Menschen brachte. Der dafür vom Göttervater bestraft und in der Einöde des Kaukasus an einen Felsen geschmiedet wurde, wo ihm jeden Tag ein Adler die nachwachsende Leber aus dem Leib pickte – bis Herkules ihn irgendwann befreite. In seiner ersten Regiearbeit an der Schaubühne widmet sich der Schauspieler Bastian Reiber, der auch selbst auf der Bühne stehen wird, einer der wichtigsten Figuren der griechischen Mythologie. »Die Geschichte klingt irre spannend. Ich muss sie unbedingt mal lesen. Das muss man sich mal vorstellen. Da fesselt einer irgendwie den anderen an einen Felsen. Und der muss dann da erst mal bleiben … Das ist doch schlimm. Deswegen mach ich Theater.« Prometheus versteht er als Revolutionär und Anarchist, der das Menschengeschlecht erfindet als Auflehnung gegen die Götter. Auflehnung ist auch das Wesen der Komik. Ein Widerspruch gegen die, die Sinn stiften wollen, wo es keinen Sinn gibt. Komik ist keine Flucht in die Unzurechnungsfähigkeit, sondern sie ist eine Kampfansage gegen die, die behaupten zu wissen, wie die Welt funktioniert. Prometheus, der geltende Gesetze hinterfragt und Regeln bricht, tut genau das. Und er bezahlt einen furchtbaren Preis. Und so kann sich auch die Komödie, wenn sie sich ernst nimmt, nicht leisten, harmlos zu sein.


Kategorie: Schauspiel

Auf dem Heimweg von einem Weihnachtsessen in Paris trifft der junge Édouard um 4 Uhr morgens auf der Place de la République auf Reda, einen Mann algerischer Herkunft. Sie kommen ins Gespräch, beginnen zu flirten, und wenig später nimmt Édouard Reda mit zu sich in seine Einzimmerwohnung. Die beiden verbringen die Nacht miteinander, Reda erzählt von seiner Kindheit und dem Vater, der aus Algerien nach Frankreich geflohen ist. Die Stimmung ist ausgelassen, sie lachen, tauschen Zärtlichkeiten aus und haben Sex. Doch als Édouard bei ihrer Verabschiedung wenige Stunden später entdeckt, dass sein Smartphone verschwunden ist, und Reda plötzlich einen Revolver hervorholt und ihn bedroht, schlägt die Situation jäh in Bedrohung und Gewalt um und mündet in die Vergewaltigung Édouards. Am nächsten Morgen begibt sich Édouard in polizeiliche und medizinische Obhut. In seiner Ratlosigkeit, wie er mit seinem Trauma umgehen soll, flieht er in die nordfranzösische Provinz zu seiner Schwester Clara und vertraut ihr die Geschichte an. Die Stimmen und Reaktionen seines Umfeldes, der Polizei und der behandelnden Mediziner auf den dramatischen Vorfall enthüllen einen gesellschaftlich tief verwurzelten Rassismus, Homophobie und intransparente Machtstrukturen. Mit der Rekonstruktion einer traumatischen Nacht formuliert der französische Autor Édouard Louis in seinem autobiographischen Roman »Im Herzen der Gewalt« eine ebenso persönliche wie gesellschaftlich durchdringende Analyse über das Erwachsenwerden, Begehren, Migration und Rassismus und macht in der Stimmenvielfalt der Reaktionen auf das ihm angetane Verbrechen gesellschaftlich verdrängte Formen der Gewalt hörbar. Thomas Ostermeier adaptiert gemeinsam mit Édouard Louis den Roman für die Bühne als deutschsprachige Erstaufführung. >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: Für Opfer und Täter sprechen.


Kategorie: Schauspiel

Wo ist denn nun die Grenze zwischen mir und der Welt? Wenn ich die Welt in mir spüre, und mich in der Welt sehe, spüre ich dann auch die Grenze, die Trennung, oder sind diese kleinen Schlupflöcher auch Teil des Ganzen, als dessen Teil ich mich zu fühlen meine? Wenn ich spiele und mich spielen spüre, mich sehe beim Spielen, die Verwandlung reflektiere, findet sie dann überhaupt statt? Ist die Transformation, wenn sie in der Reflexion stattfindet, nicht eher Teil der Reflexion als der Transformation? Braucht es nur Theater mit Geschichten? Oder sollten wir die Geschichten zerstören, indem wir sie anders erzählen, oder gar nicht mehr erzählen? Aber Theater muss doch sein! Oder eben nicht. Das muss doch wirklich alles nicht sein. Kannst du mir das glauben? Kannst du dir das selber glauben? Glaubst du dir das wirklich? Was ist das, wirklich? Ist das noch wirklich? Und wie stelle ich diese Wirklichkeit dar? Wie stelle ich mich denn dar? Es geht um die Beziehung zur Welt, zu den anderen, es geht doch um Beziehungen. Wer sind denn die anderen? Bin ich nicht der andere? Verläuft die Grenze nun zwischen oben und unten oder zwischen ich und den anderen, bin ich eine Pfeife? Das ist kein Zeichen. Wie soll ich die denn lesen? Verstehst du was ich meine? Verstehe ich, was ich meine? Verstehe ich mich noch? Kannst du das noch mal so machen, dass ich es dir glaube? Spiel’s doch einfach mal so, dass du es dir selber glaubst. Das ist doch keine Glaubensfrage. Lauter Fragen. Kann das Theater nicht auch mal Antworten geben? Ist das denn überhaupt noch Theater? Müssen wir das denn immer genau benennen, was wir da tun? Wollen wir denn immer ganz genau wirklich wissen, was wir da tun? Wenn wir bedenken, was wir tun, während wir es tun, können wir es dann wirklich einfach noch bedenkenlos so tun? Vielleicht sollten wir einfach nur so tun, als ob wir es tun. Ich du er sie es. Wir ihr sie. Mark Waschke spricht wahrscheinlich Texte, singt vielleicht ein Lied und übt sich bestimmt in psychophysischer Präsenz.


Kategorie: Schauspiel

Als luxuriöse Unterkunft des internationalen Jetsets hat das Grand Hotel längst ausgedient: Zwischen Trampern, die in letzter Minute noch ein günstiges Zimmer erstanden haben und vergnügungssüchtigen Cityhoppern tummeln sich dort heute u.a. Touristenführerinnen, die ihre Gruppe verloren haben, Rentnerinnen auf Kulturreise und beste Freundinnen auf einem All-Inclusive-Wochenendtrip. Natürlich kommt alles ganz anders als geplant, gebucht und im Katalog beschrieben: Als eine Orkanwarnung ausgerufen und die Ausgangssperre verhängt wird, dann zu allem Übel mit dem Strom auch noch das Internet ausfällt, ist jeder Kontakt zur Außenwelt unmöglich und die Auseinandersetzung mit den anderen Gästen unumgänglich geworden – ein touristischer Albtraum in Form eines existentialistischen Worst-Case-Szenarios. Und so entwickelt sich die Hotellobby zur Bühne für diese unfreiwillige Gruppe von Menschen, die auf den ersten Blick nur wenig miteinander teilen … Ist ein kleiner Mord eine durchaus nachvollziehbare Reaktion auf steigende Mietpreise? Sind Gewalterfahrungen ohnehin alltäglich? Gibt es ein Interesse für die Konflikte unserer Zeit oder beschäftigt man sich lieber mit sich selbst? Sind wir alle krank? Kann ich mir die Achseln rasieren und trotzdem Feministin sein? Und warum interessiert sich niemand für den Klimawandel? Die Polyrealisten sind die altersübergreifende Theatergruppe der Schaubühne: Dieses Jahr ist die jüngste Performerin 20 und der älteste Spieler 65 Jahre alt. Die Teilnehmenden werden jede Spielzeit neu ausgelost.


Kategorie: Schauspiel

Wo ist denn nun die Grenze zwischen mir und der Welt? Wenn ich die Welt in mir spüre, und mich in der Welt sehe, spüre ich dann auch die Grenze, die Trennung, oder sind diese kleinen Schlupflöcher auch Teil des Ganzen, als dessen Teil ich mich zu fühlen meine? Wenn ich spiele und mich spielen spüre, mich sehe beim Spielen, die Verwandlung reflektiere, findet sie dann überhaupt statt? Ist die Transformation, wenn sie in der Reflexion stattfindet, nicht eher Teil der Reflexion als der Transformation? Braucht es nur Theater mit Geschichten? Oder sollten wir die Geschichten zerstören, indem wir sie anders erzählen, oder gar nicht mehr erzählen? Aber Theater muss doch sein! Oder eben nicht. Das muss doch wirklich alles nicht sein. Kannst du mir das glauben? Kannst du dir das selber glauben? Glaubst du dir das wirklich? Was ist das, wirklich? Ist das noch wirklich? Und wie stelle ich diese Wirklichkeit dar? Wie stelle ich mich denn dar? Es geht um die Beziehung zur Welt, zu den anderen, es geht doch um Beziehungen. Wer sind denn die anderen? Bin ich nicht der andere? Verläuft die Grenze nun zwischen oben und unten oder zwischen ich und den anderen, bin ich eine Pfeife? Das ist kein Zeichen. Wie soll ich die denn lesen? Verstehst du was ich meine? Verstehe ich, was ich meine? Verstehe ich mich noch? Kannst du das noch mal so machen, dass ich es dir glaube? Spiel’s doch einfach mal so, dass du es dir selber glaubst. Das ist doch keine Glaubensfrage. Lauter Fragen. Kann das Theater nicht auch mal Antworten geben? Ist das denn überhaupt noch Theater? Müssen wir das denn immer genau benennen, was wir da tun? Wollen wir denn immer ganz genau wirklich wissen, was wir da tun? Wenn wir bedenken, was wir tun, während wir es tun, können wir es dann wirklich einfach noch bedenkenlos so tun? Vielleicht sollten wir einfach nur so tun, als ob wir es tun. Ich du er sie es. Wir ihr sie. Mark Waschke spricht wahrscheinlich Texte, singt vielleicht ein Lied und übt sich bestimmt in psychophysischer Präsenz.


Kategorie: Schauspiel

Als luxuriöse Unterkunft des internationalen Jetsets hat das Grand Hotel längst ausgedient: Zwischen Trampern, die in letzter Minute noch ein günstiges Zimmer erstanden haben und vergnügungssüchtigen Cityhoppern tummeln sich dort heute u.a. Touristenführerinnen, die ihre Gruppe verloren haben, Rentnerinnen auf Kulturreise und beste Freundinnen auf einem All-Inclusive-Wochenendtrip. Natürlich kommt alles ganz anders als geplant, gebucht und im Katalog beschrieben: Als eine Orkanwarnung ausgerufen und die Ausgangssperre verhängt wird, dann zu allem Übel mit dem Strom auch noch das Internet ausfällt, ist jeder Kontakt zur Außenwelt unmöglich und die Auseinandersetzung mit den anderen Gästen unumgänglich geworden – ein touristischer Albtraum in Form eines existentialistischen Worst-Case-Szenarios. Und so entwickelt sich die Hotellobby zur Bühne für diese unfreiwillige Gruppe von Menschen, die auf den ersten Blick nur wenig miteinander teilen … Ist ein kleiner Mord eine durchaus nachvollziehbare Reaktion auf steigende Mietpreise? Sind Gewalterfahrungen ohnehin alltäglich? Gibt es ein Interesse für die Konflikte unserer Zeit oder beschäftigt man sich lieber mit sich selbst? Sind wir alle krank? Kann ich mir die Achseln rasieren und trotzdem Feministin sein? Und warum interessiert sich niemand für den Klimawandel? Die Polyrealisten sind die altersübergreifende Theatergruppe der Schaubühne: Dieses Jahr ist die jüngste Performerin 20 und der älteste Spieler 65 Jahre alt. Die Teilnehmenden werden jede Spielzeit neu ausgelost.


Kategorie: Schauspiel

Wo ist denn nun die Grenze zwischen mir und der Welt? Wenn ich die Welt in mir spüre, und mich in der Welt sehe, spüre ich dann auch die Grenze, die Trennung, oder sind diese kleinen Schlupflöcher auch Teil des Ganzen, als dessen Teil ich mich zu fühlen meine? Wenn ich spiele und mich spielen spüre, mich sehe beim Spielen, die Verwandlung reflektiere, findet sie dann überhaupt statt? Ist die Transformation, wenn sie in der Reflexion stattfindet, nicht eher Teil der Reflexion als der Transformation? Braucht es nur Theater mit Geschichten? Oder sollten wir die Geschichten zerstören, indem wir sie anders erzählen, oder gar nicht mehr erzählen? Aber Theater muss doch sein! Oder eben nicht. Das muss doch wirklich alles nicht sein. Kannst du mir das glauben? Kannst du dir das selber glauben? Glaubst du dir das wirklich? Was ist das, wirklich? Ist das noch wirklich? Und wie stelle ich diese Wirklichkeit dar? Wie stelle ich mich denn dar? Es geht um die Beziehung zur Welt, zu den anderen, es geht doch um Beziehungen. Wer sind denn die anderen? Bin ich nicht der andere? Verläuft die Grenze nun zwischen oben und unten oder zwischen ich und den anderen, bin ich eine Pfeife? Das ist kein Zeichen. Wie soll ich die denn lesen? Verstehst du was ich meine? Verstehe ich, was ich meine? Verstehe ich mich noch? Kannst du das noch mal so machen, dass ich es dir glaube? Spiel’s doch einfach mal so, dass du es dir selber glaubst. Das ist doch keine Glaubensfrage. Lauter Fragen. Kann das Theater nicht auch mal Antworten geben? Ist das denn überhaupt noch Theater? Müssen wir das denn immer genau benennen, was wir da tun? Wollen wir denn immer ganz genau wirklich wissen, was wir da tun? Wenn wir bedenken, was wir tun, während wir es tun, können wir es dann wirklich einfach noch bedenkenlos so tun? Vielleicht sollten wir einfach nur so tun, als ob wir es tun. Ich du er sie es. Wir ihr sie. Mark Waschke spricht wahrscheinlich Texte, singt vielleicht ein Lied und übt sich bestimmt in psychophysischer Präsenz.


Kategorie: Schauspiel

Seit Jahren will Konrad eine einzigartige Studie über das Gehör verfassen. Um endlich genügend Zeit und Muße zu haben, sich voll und ganz darauf konzentrieren zu können, ersteigert er ein abgelegenes, stillgelegtes Kalkwerk. In der Abgeschiedenheit, ohne den störenden Einfluss der lärmenden Gesellschaft, beginnt er die Arbeit an seinem großen Werk. Seine kranke, gelähmte Frau dient ihm dabei als Versuchskaninchen: Über Tage, Wochen und Monate testet er die Wirkung verschiedenster Konsonanten, Vokale und Lautkonstellationen an ihr. Doch Konrad schafft es nicht, seine Gedanken auf Papier zu bringen. Als er einen Traum hat, in dem sich seine Frau bewegen kann, erkennt er schlagartig die Wahrheit. Ihr fehlt sowohl die Disziplin als auch der Respekt, um ihm bei seinen Experimenten zu helfen. Konrad sieht nur noch einen Ausweg: Er muss sie umbringen. Was passiert, wenn man am eigenen Anspruch scheitert und das Leben dadurch sinnlos erscheint? Thomas Bernhards Roman, 1970 erschienen, erzählt die Geschichte einer verzweifelten, wütenden Obsession. Philipp Preuss wuchs in Wien auf und studierte Regie und Schauspiel am Mozarteum Salzburg. Seine Inszenierungen liefen u. a. am Schauspielhaus Bochum, Schlosstheater Moers, Schauspiel Frankfurt und am Schauspiel Leipzig. »Das Kalkwerk« ist seine erste Arbeit an der Schaubühne.


Kategorie: Schauspiel

»Manchmal spürt man erst beim Schreiben, dass ein Text eine bestimmte Form sucht, dass die Worte nicht nur geschrieben, sondern gesprochen, gezeigt werden wollen, mehr noch: dass das, was man schreibt, den eigenen Körper betrifft, die eigene Haut, dass man einen Raum braucht, ein Theater, in dem man sich anders ausliefert, direkter und schutzloser.«  Mit diesem Abend möchte Carolin Emcke über einige der Fragen nachdenken, die zuletzt durch die »#MeToo-Debatte« aufgeworfen wurden. Was sind die Bilder und Begriffe, welche Musik und welche Praktiken prägen unsere Vorstellungen von Lust und Unlust, wie bilden sich die Strukturen, die Muster, die Normen, in die hinein Männer und Frauen und alle dazwischen sich einpassen? Welche Hautfarben, welche Körper werden besonders in Zonen der Ohnmacht und des Schweigens verwiesen? Wie lässt sich Gewalt entlarven und verhindern, wie lassen sich Begehren und Lust ermöglichen? Welche Sprachen braucht es dafür, welche Räume, welche Allianzen? Mit heiteren, zornigen, poetischen, melancholischen Miniaturen versucht Carolin Emcke sich den vielschichtigen Facetten der Fragen von Sexualität und Wahrheit zu nähern. »Vielleicht muss das mit dem Wollen noch einmal erklärt werden. Etwas Spezifisches von einer bestimmten Person nicht zu wollen, heißt nicht, nichts zu wollen. […] Ein ›Nein‹ grenzt nur etwas ab, um, womöglich, dadurch die Räume zu öffnen für das, was gewollt wird, was Lust bereitet.«(Carolin Emcke)


Kategorie: Schauspiel

»Wer überhaupt hat diesen neuen Göttern /denn Ehren festgesetzt und Würden, wenn nicht ich?« Menschenbildner, Feuerbringer und Gefesselter: Prometheus. Symbolfigur des zivilisatorischen Fortschritts, Liebling der Menschen und eben darum kein Liebling der Götter. Sohn des Iapetos und der Klymene, der Zeus das Feuer stahl und es den Menschen brachte. Der dafür vom Göttervater bestraft und in der Einöde des Kaukasus an einen Felsen geschmiedet wurde, wo ihm jeden Tag ein Adler die nachwachsende Leber aus dem Leib pickte – bis Herkules ihn irgendwann befreite. In seiner ersten Regiearbeit an der Schaubühne widmet sich der Schauspieler Bastian Reiber, der auch selbst auf der Bühne stehen wird, einer der wichtigsten Figuren der griechischen Mythologie. »Die Geschichte klingt irre spannend. Ich muss sie unbedingt mal lesen. Das muss man sich mal vorstellen. Da fesselt einer irgendwie den anderen an einen Felsen. Und der muss dann da erst mal bleiben … Das ist doch schlimm. Deswegen mach ich Theater.« Prometheus versteht er als Revolutionär und Anarchist, der das Menschengeschlecht erfindet als Auflehnung gegen die Götter. Auflehnung ist auch das Wesen der Komik. Ein Widerspruch gegen die, die Sinn stiften wollen, wo es keinen Sinn gibt. Komik ist keine Flucht in die Unzurechnungsfähigkeit, sondern sie ist eine Kampfansage gegen die, die behaupten zu wissen, wie die Welt funktioniert. Prometheus, der geltende Gesetze hinterfragt und Regeln bricht, tut genau das. Und er bezahlt einen furchtbaren Preis. Und so kann sich auch die Komödie, wenn sie sich ernst nimmt, nicht leisten, harmlos zu sein.


Kategorie: Schauspiel

»Manchmal spürt man erst beim Schreiben, dass ein Text eine bestimmte Form sucht, dass die Worte nicht nur geschrieben, sondern gesprochen, gezeigt werden wollen, mehr noch: dass das, was man schreibt, den eigenen Körper betrifft, die eigene Haut, dass man einen Raum braucht, ein Theater, in dem man sich anders ausliefert, direkter und schutzloser.«  Mit diesem Abend möchte Carolin Emcke über einige der Fragen nachdenken, die zuletzt durch die »#MeToo-Debatte« aufgeworfen wurden. Was sind die Bilder und Begriffe, welche Musik und welche Praktiken prägen unsere Vorstellungen von Lust und Unlust, wie bilden sich die Strukturen, die Muster, die Normen, in die hinein Männer und Frauen und alle dazwischen sich einpassen? Welche Hautfarben, welche Körper werden besonders in Zonen der Ohnmacht und des Schweigens verwiesen? Wie lässt sich Gewalt entlarven und verhindern, wie lassen sich Begehren und Lust ermöglichen? Welche Sprachen braucht es dafür, welche Räume, welche Allianzen? Mit heiteren, zornigen, poetischen, melancholischen Miniaturen versucht Carolin Emcke sich den vielschichtigen Facetten der Fragen von Sexualität und Wahrheit zu nähern. »Vielleicht muss das mit dem Wollen noch einmal erklärt werden. Etwas Spezifisches von einer bestimmten Person nicht zu wollen, heißt nicht, nichts zu wollen. […] Ein ›Nein‹ grenzt nur etwas ab, um, womöglich, dadurch die Räume zu öffnen für das, was gewollt wird, was Lust bereitet.«(Carolin Emcke)


Kategorie: Schauspiel

»Wer überhaupt hat diesen neuen Göttern /denn Ehren festgesetzt und Würden, wenn nicht ich?« Menschenbildner, Feuerbringer und Gefesselter: Prometheus. Symbolfigur des zivilisatorischen Fortschritts, Liebling der Menschen und eben darum kein Liebling der Götter. Sohn des Iapetos und der Klymene, der Zeus das Feuer stahl und es den Menschen brachte. Der dafür vom Göttervater bestraft und in der Einöde des Kaukasus an einen Felsen geschmiedet wurde, wo ihm jeden Tag ein Adler die nachwachsende Leber aus dem Leib pickte – bis Herkules ihn irgendwann befreite. In seiner ersten Regiearbeit an der Schaubühne widmet sich der Schauspieler Bastian Reiber, der auch selbst auf der Bühne stehen wird, einer der wichtigsten Figuren der griechischen Mythologie. »Die Geschichte klingt irre spannend. Ich muss sie unbedingt mal lesen. Das muss man sich mal vorstellen. Da fesselt einer irgendwie den anderen an einen Felsen. Und der muss dann da erst mal bleiben … Das ist doch schlimm. Deswegen mach ich Theater.« Prometheus versteht er als Revolutionär und Anarchist, der das Menschengeschlecht erfindet als Auflehnung gegen die Götter. Auflehnung ist auch das Wesen der Komik. Ein Widerspruch gegen die, die Sinn stiften wollen, wo es keinen Sinn gibt. Komik ist keine Flucht in die Unzurechnungsfähigkeit, sondern sie ist eine Kampfansage gegen die, die behaupten zu wissen, wie die Welt funktioniert. Prometheus, der geltende Gesetze hinterfragt und Regeln bricht, tut genau das. Und er bezahlt einen furchtbaren Preis. Und so kann sich auch die Komödie, wenn sie sich ernst nimmt, nicht leisten, harmlos zu sein.


Kategorie: Schauspiel

»Manchmal spürt man erst beim Schreiben, dass ein Text eine bestimmte Form sucht, dass die Worte nicht nur geschrieben, sondern gesprochen, gezeigt werden wollen, mehr noch: dass das, was man schreibt, den eigenen Körper betrifft, die eigene Haut, dass man einen Raum braucht, ein Theater, in dem man sich anders ausliefert, direkter und schutzloser.«  Mit diesem Abend möchte Carolin Emcke über einige der Fragen nachdenken, die zuletzt durch die »#MeToo-Debatte« aufgeworfen wurden. Was sind die Bilder und Begriffe, welche Musik und welche Praktiken prägen unsere Vorstellungen von Lust und Unlust, wie bilden sich die Strukturen, die Muster, die Normen, in die hinein Männer und Frauen und alle dazwischen sich einpassen? Welche Hautfarben, welche Körper werden besonders in Zonen der Ohnmacht und des Schweigens verwiesen? Wie lässt sich Gewalt entlarven und verhindern, wie lassen sich Begehren und Lust ermöglichen? Welche Sprachen braucht es dafür, welche Räume, welche Allianzen? Mit heiteren, zornigen, poetischen, melancholischen Miniaturen versucht Carolin Emcke sich den vielschichtigen Facetten der Fragen von Sexualität und Wahrheit zu nähern. »Vielleicht muss das mit dem Wollen noch einmal erklärt werden. Etwas Spezifisches von einer bestimmten Person nicht zu wollen, heißt nicht, nichts zu wollen. […] Ein ›Nein‹ grenzt nur etwas ab, um, womöglich, dadurch die Räume zu öffnen für das, was gewollt wird, was Lust bereitet.«(Carolin Emcke)


Kategorie: Schauspiel

»Wer überhaupt hat diesen neuen Göttern /denn Ehren festgesetzt und Würden, wenn nicht ich?« Menschenbildner, Feuerbringer und Gefesselter: Prometheus. Symbolfigur des zivilisatorischen Fortschritts, Liebling der Menschen und eben darum kein Liebling der Götter. Sohn des Iapetos und der Klymene, der Zeus das Feuer stahl und es den Menschen brachte. Der dafür vom Göttervater bestraft und in der Einöde des Kaukasus an einen Felsen geschmiedet wurde, wo ihm jeden Tag ein Adler die nachwachsende Leber aus dem Leib pickte – bis Herkules ihn irgendwann befreite. In seiner ersten Regiearbeit an der Schaubühne widmet sich der Schauspieler Bastian Reiber, der auch selbst auf der Bühne stehen wird, einer der wichtigsten Figuren der griechischen Mythologie. »Die Geschichte klingt irre spannend. Ich muss sie unbedingt mal lesen. Das muss man sich mal vorstellen. Da fesselt einer irgendwie den anderen an einen Felsen. Und der muss dann da erst mal bleiben … Das ist doch schlimm. Deswegen mach ich Theater.« Prometheus versteht er als Revolutionär und Anarchist, der das Menschengeschlecht erfindet als Auflehnung gegen die Götter. Auflehnung ist auch das Wesen der Komik. Ein Widerspruch gegen die, die Sinn stiften wollen, wo es keinen Sinn gibt. Komik ist keine Flucht in die Unzurechnungsfähigkeit, sondern sie ist eine Kampfansage gegen die, die behaupten zu wissen, wie die Welt funktioniert. Prometheus, der geltende Gesetze hinterfragt und Regeln bricht, tut genau das. Und er bezahlt einen furchtbaren Preis. Und so kann sich auch die Komödie, wenn sie sich ernst nimmt, nicht leisten, harmlos zu sein.


Kategorie: Schauspiel

Eurydike kehrt aus dem Reich des Todes zurück ins Leben. Orpheus, der gefeierte Sänger, führt sie zurück durch Tunnel, über düstere Korridore, dunkle Aufzugschächte hinauf und fährt sie durch endlose, leere unterirdische Straßen. Während ihrer Reise erinnert sie sich, wie sie zu Lebzeiten als Autorin stets im Schatten ihres Geliebten Orpheus stand, in einer Gesellschaft, die für sie keinen eigenständigen Platz vorgesehen hatte. Je näher sie dem Ende ihrer Reise kommt, desto klarer wird sie sich über die Tatsache, dass ihr die schattenhafte Nicht-Existenz im Jenseits viel lieber ist, als ein fremdbestimmtes Leben im Körper einer Frau. Elfriede Jelinek setzt in »Schatten (Eurydike sagt)« ihre Beschäftigung mit weiblichen Mythen aus feministischer Perspektive fort. Zum ersten Mal inszeniert die britische Regisseurin Katie Mitchell, die regelmäßig an der Schaubühne arbeitet, einen Text der mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichneten österreichischen Autorin. Zusammen mit einem Ensemble aus Schauspielerinnen und Schauspielern, Kamerafrauen und Sounddesignern erfindet sie in ihrer Inszenierung mit Live-Video auf der Bühne Bilder und akustische Räume für Eurydikes unfreiwillige Reise aus dem Reich der Schatten zurück in die patriarchale Zivilisation. >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: Weder Theater, noch Kino: Katie Mitchells dritte Kunstform in »Schatten«


Kategorie: Schauspiel

»Wer überhaupt hat diesen neuen Göttern /denn Ehren festgesetzt und Würden, wenn nicht ich?« Menschenbildner, Feuerbringer und Gefesselter: Prometheus. Symbolfigur des zivilisatorischen Fortschritts, Liebling der Menschen und eben darum kein Liebling der Götter. Sohn des Iapetos und der Klymene, der Zeus das Feuer stahl und es den Menschen brachte. Der dafür vom Göttervater bestraft und in der Einöde des Kaukasus an einen Felsen geschmiedet wurde, wo ihm jeden Tag ein Adler die nachwachsende Leber aus dem Leib pickte – bis Herkules ihn irgendwann befreite. In seiner ersten Regiearbeit an der Schaubühne widmet sich der Schauspieler Bastian Reiber, der auch selbst auf der Bühne stehen wird, einer der wichtigsten Figuren der griechischen Mythologie. »Die Geschichte klingt irre spannend. Ich muss sie unbedingt mal lesen. Das muss man sich mal vorstellen. Da fesselt einer irgendwie den anderen an einen Felsen. Und der muss dann da erst mal bleiben … Das ist doch schlimm. Deswegen mach ich Theater.« Prometheus versteht er als Revolutionär und Anarchist, der das Menschengeschlecht erfindet als Auflehnung gegen die Götter. Auflehnung ist auch das Wesen der Komik. Ein Widerspruch gegen die, die Sinn stiften wollen, wo es keinen Sinn gibt. Komik ist keine Flucht in die Unzurechnungsfähigkeit, sondern sie ist eine Kampfansage gegen die, die behaupten zu wissen, wie die Welt funktioniert. Prometheus, der geltende Gesetze hinterfragt und Regeln bricht, tut genau das. Und er bezahlt einen furchtbaren Preis. Und so kann sich auch die Komödie, wenn sie sich ernst nimmt, nicht leisten, harmlos zu sein.


Kategorie: Schauspiel

Eurydike kehrt aus dem Reich des Todes zurück ins Leben. Orpheus, der gefeierte Sänger, führt sie zurück durch Tunnel, über düstere Korridore, dunkle Aufzugschächte hinauf und fährt sie durch endlose, leere unterirdische Straßen. Während ihrer Reise erinnert sie sich, wie sie zu Lebzeiten als Autorin stets im Schatten ihres Geliebten Orpheus stand, in einer Gesellschaft, die für sie keinen eigenständigen Platz vorgesehen hatte. Je näher sie dem Ende ihrer Reise kommt, desto klarer wird sie sich über die Tatsache, dass ihr die schattenhafte Nicht-Existenz im Jenseits viel lieber ist, als ein fremdbestimmtes Leben im Körper einer Frau. Elfriede Jelinek setzt in »Schatten (Eurydike sagt)« ihre Beschäftigung mit weiblichen Mythen aus feministischer Perspektive fort. Zum ersten Mal inszeniert die britische Regisseurin Katie Mitchell, die regelmäßig an der Schaubühne arbeitet, einen Text der mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichneten österreichischen Autorin. Zusammen mit einem Ensemble aus Schauspielerinnen und Schauspielern, Kamerafrauen und Sounddesignern erfindet sie in ihrer Inszenierung mit Live-Video auf der Bühne Bilder und akustische Räume für Eurydikes unfreiwillige Reise aus dem Reich der Schatten zurück in die patriarchale Zivilisation. >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: Weder Theater, noch Kino: Katie Mitchells dritte Kunstform in »Schatten«


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Änderungen vorbehalten! - Angaben ohne Gewähr! - Stand:01.06.19
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