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Spielplan für Juli 2018

Fassung von Jan Bosse und David Heiligers Mitarbeit und zusätzliche Texte von Armin Petras Wilhelm Voigt, Schuster mit krimineller Laufbahn, wird aus der Strafanstalt Plötzensee entlassen und steht pass- und identitätslos in Berlin. Ohne Papiere keine Arbeit und ohne Arbeit keine Papiere – eine Kaffeemühle. Voigt versucht alles, um wieder am normalen Leben teilhaben zu dürfen und in die Stadtgesellschaft integriert zu sein, doch nimmt von seinem kleinen Schicksal niemand Notiz. Um an seine Personalakten zu gelangen, bricht er ins Potsdamer Polizeirevier ein, was ihn erneut hinter Gitter bringt – nun für volle zehn Jahre. Das ausgeprägte Faible des Gefängnisdirektors für die Armee nutzt Voigt für sich als Weiterbildungsmaßnahme und wird während seiner Haft zum Experten im Militärwesen. Als Voigt rauskommt, steht er obdachlos einer völlig veränderten Stadt gegenüber. Berlin ist zu einer neuzeitlichen Metropole geworden, die auf einen vorbestraften Arbeitslosen nicht gewartet hat. Seine wiedergewonnene Freiheit erweist sich schnell als ihr Gegenteil und er erfährt keine Resozialisierung: die Kaffeemühle dreht sich von vorn. Doch Wilhelm Voigt gibt (sich) nicht auf und schlägt die herrschende Ordnung mit ihren eigenen Waffen. Er erwirbt eine originale Hauptmannsuniform… die Köpenickiade nimmt ihren Lauf. Carl Zuckmayers Hauptmann von Köpenick ist ein Urberliner Stück, das 1931 in der Regie von Heinz Hilpert am Deutschen Theater uraufgeführt wurde. 86 Jahre später, an gleicher Stelle, erzählt Jan Bosse das berühmte Märchen mit Milan Peschel in der Titelrolle ins Heute hinein – eine Geschichte vom Mensch draußen.


Kategorie: Schauspiel

Ein musikalischer Abend mit Madonna – über Verlassenheit, Vergänglichkeit und die Angst zu versagen. Madonna verlor mit fünf ihre Mutter, kämpfte unter acht Geschwistern um Aufmerksamkeit und beschloss als Siebzehnjährige mit 32 Dollar in der Tasche abzuhauen, um so berühmt zu werden wie Jesus. "Ich muss jemand sein. JEMAND. Nicht irgendeine Frau, alle Frauen, jede Frau, die einzige Frau, nach der irgendjemand verlangen kann, die irgendjemand brauchen kann und wenn ich mir einen Ehemann nehme, dann mach ich ihn zu meiner Frau." Anita Vulesica verbindet ihre eigene Gastarbeiterkindheit, fehlende Mutterliebe und den unbändigen Drang sich auszudrücken mit der Geschichte der Mutter des Pop. Die Angst übersehen zu werden, die Anstrengung, die es kostet, auf der Bühne zu stehen – Anita kompensiert all das in ihrem Soloabend, in dem sie mit 27 Madonna-Songs und vier Monologen um die Liebe des Publikums kämpft. Darüber hinaus beantwortet sie Fragen wie "Warum wollen heute alle falsche Echtheit statt echter Falschheit?" und "Warum dürfen die Stones auf der Bühne alt aussehen?". Express yourself, don’t repress yourself!


Kategorie: Schauspiel

Tragödie in fünf Akten aus dem Französischen übertragen von Friedrich Schiller "Ich suche Mich selbst, und finde mich nicht mehr." In Theseus Palast – der König ist seit längerem verschollen – toben verbotene Leidenschaften: Seine Frau Phädra liebt verzweifelt ihren Stiefsohn Hippolyt. Dieser wiederum liebt die feindliche Gefangene Aricia. Als Theseus Tod gemeldet wird, brechen die verborgenen Geheimnisse ans Tageslicht, werden Schuld und Scham zu irrationaler Hoffnung auf die Erfüllung verzweifelter Sehnsüchte. Doch der König lebt und kehrt schon bald zurück… Phädra ist bei Racine ein Mensch ohne die Gnade Gottes. Ihr Begehren und das Gefühl von Schuld, das ihr Verlangen heraufbeschwört, quälen sie bis aufs Blut. Racine schrieb dieses Meisterwerk der klassischen Sprache 1677 als einen kategorischen Text über den nach Wahrheit suchenden und in seinen Leidenschaften verlorenen Menschen – ein Geschöpf voller Irrtum. Im Heute steht dieser Text wie ein Monolith – fremd, tief, gewaltig. Die präzise Sprache beschwört Bilder und Szenen wie aus einem anderen Universum: voller Maßlosigkeit, Widersprüchlichkeit, Kampf, Tragik und Leidenschaft.


Kategorie: Schauspiel

Bearbeitung John von Düffel Fassung Karin Henkel, John von Düffel Die Shakespeare-Stücke Coriolan , Julius Cäsar sowie Antonius und Cleopatra erzählen eine kleine Geschichte der Demokratie am Beispiel des alten Rom. Im Frühstadium ( Coriolan ) kommt die Idee der demokratischen Teilhabe durch Volkstribunen auf: als Zugeständnis an das wütende Volk. Doch prompt sehen sich die Volksvertreter mit dem Kriegshelden Coriolan konfrontiert, der von Mitsprache und der wankelmütigen öffentlichen Meinung nichts hält. In der Zeit von Julius Cäsar ist die römische Demokratie wiederum durch einen starken Mann bedroht. In der Nacht vor der Krönung Cäsars beschließt eine Gruppe von Verschwörern um Brutus, zum letzten Mittel zu greifen, um die Demokratie zu retten: Tyrannenmord. Doch Antonius, engster Vertrauter Cäsars, schafft es in seiner Grabrede, die öffentliche Meinung gegen die Demokraten zu drehen. Wenige Jahre später sehen wir in Antonius und Cleopatra den paranoiden, wirklichkeitsfernen Zirkel der Macht. Antonius regiert mit Cäsars Adoptivsohn Oktavius und einem altgedienten Militär in einer Dreiherrschaft. Antonius empfindet angesichts der politischen Machenschaften nur noch Ekel und Erschöpfung. Blindlings stürzt er sich in die Liebe zu Cleopatra, Königin von Ägypten. Doch die Machtspiele Roms holen ihn wieder ein und lassen ihn nochmals das große Rad der Politik drehen, bevor das römische House of Cards endgültig zusammenbricht.


Kategorie: Schauspiel

Übersetzung von Angela Schanelec Der Lehrer liebt Mascha, Mascha liebt Kostja, der wiederum liebt Nina, die liebt den Schriftsteller Trigorin, der jedoch nur sich selbst liebt. In Tschechows bittersüßer Komödie Die Möwe geht es um die Liebe im Überstehen des Unglücks, um das Entkommen aus der Öde der Provinz und die Produktion von Kunst: „Wir beschreiben das Leben so wie es ist und weiter weder piep noch pup. Wir haben weder Nah- noch Fernziele, unser Herz ist wie leergefegt. Wir haben keine Politik, an eine Revolution glauben wir nicht, wir haben keinen Gott, haben keine Angst vor Gespenstern. Ob dies eine Krankheit ist oder nicht – es geht nicht um die Bezeichnung, sondern um das Eingeständnis unserer Lage“, so Tschechow an einen Freund und Kollegen. Tschechow gelingt es, das Gefühlselend der leidenden Menschen in ihrer Alltäglichkeit und ihren Leerlauf in einer materiell saturierten Gesellschaft widerzuspiegeln und es gleichzeitig komisch und lachhaft wirken zu lassen. Jürgen Gosch nahm sich nach seiner umjubelten Inszenierung von Onkel Wanja ein weiteres Stück von Tschechow vor. Die Möwe wurde zum Berliner Theatertreffen 2009 eingeladen und in der Kritikerumfrage von Theater heute 2009 zur Inszenierung des Jahres gewählt.


Kategorie: Schauspiel


Änderungen vorbehalten! - Angaben ohne Gewähr! - Stand:01.07.18
© Fotos der Vorstellungen: [+][-]
Der Hauptmann von Köpenick(Arno Declair/Arno Declair) Mother(Arno Declair/Arno Declair) Phädra(Arno Declair/Arno Declair) Rom(Arno Declair/Arno Declair) Die Möwe(Matthias Horn/Matthias Horn)

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