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Spielplan für Januar 2019

Frank kommt nach Hause. Er stolpert über die Schuhe seiner Frau, wundert und ärgert sich über die allgemeine Unordnung in der Wohnung und die Zigarettenasche an den ungewöhnlichsten Orten. Das normale Chaos einer normalen Beziehung. Er sucht einen Platz für seine Plastiktüte. In der trägt er jedoch keine Einkäufe nach Hause, sondern die Asche seiner toten Mutter. Frank und Katarina sind kinderlos, Ende dreißig und seit neun Jahren ein Paar. Sie bewohnen eine schicke aber unordentliche Wohnung und sie erwarten Franks Bruder zur Beerdigung. Der verschiebt seine Ankunft und nun steht ein freier Abend drohend bevor. Jenna und Tomas wohnen in der Wohnung unter ihnen, im gleichen Alter, aber mit zwei Kindern gesegnet und einer nicht abreißenden Kette von kleinen Unglücksfällen einer normalen Kleinfamilie. Der fehlende Reis, den Jenna ausborgen will, wird zum Ausgangspunkt einer Einladung. Die jungen Eltern kommen freudig und von ihren Kindern erschöpft in die Beziehungshölle von Frank und Katarina. Der Abend beginnt als freundliches »Paare besuchen Paare« und gleitet in eine Nacht der ungeplanten Entgleisungen. Die vier verstricken sich in einer Kette von Demütigungen, sexuellen Provokationen, ungewollten Beichten und exhibitionistischen Übergriffen. Die aggressive Einsamkeit der Kinderlosen lässt die vermeintliche Idylle der anderen zerbrechen. Die sexuelle Gier nach dem anderen, die in hundertfachen Begegnungen im Treppenhaus zur ständigen Phantasie geworden ist, findet keinen erlösenden Ausdruck. Sie versandet in peinlich verwackelten Versuchen eines wilden und ungehemmten Lebens. Die Angst vor der Einsamkeit, der Überdruss an der Langeweile der Gemeinsamkeit und die gescheiterte Hoffnung auf eine belebende Abwechslung bilden ein Gefängnis, in dem die Dämonen des Lebens sich in den Alltag der kleinen Gemeinheit, der linkischen Bosheit, der angedrohten Trennung und der impotenten Sexualität verkriechen.Nach »Personenkreis 3.1«, den Thomas Ostermeier 2000 zum Beginn seiner künstlerischen Leitung der Schaubühne inszeniert hat, setzt er mit »Dämonen« seine Beschäftigung mit Lars Norén fort.


Kategorie: Schauspiel

Richard ist hässlich. Eine Frühgeburt, missgestaltet, humpelnd, bucklig, ein Krüppel, der auf den Schlachtfeldern der Rosenkriege, die nach dem Tod Heinrichs V. aufflammen, seiner Familie und vor allem seinem Bruder Edward gute Dienste geleistet hat. Jetzt ist Edward König, dank einiger Morde, die sein behinderter Bruder in Eigenregie begangen hat. Aber das Ende des Krieges bringt Richard keinen Frieden, zu tief sitzt sein Hass auf den Rest der Welt, zu dem er nie gehören wird. Und so tut er das, was er am besten kann und mordet weiter. Er räumt alles aus dem Weg, was ihn daran hindert, König zu sein. Wenn er schon nicht Teil einer Gesellschaft der vom Schicksal Begünstigten sein kann, will er sie wenigstens beherrschen. Seine Kontrahenten spielt er mit politischem Geschick gegeneinander aus, skrupellos instrumentalisiert er den Ehrgeiz anderer für seinen eigenen und schreitet mit weißer Weste durch ein unermessliches Blutbad, bis er niemanden mehr über sich hat und die Krone ihm gehört. Doch auch dieser Triumph, erkauft mit dem Tod von Feinden, Verbündeten und Verwandten, wird seine Kränkung über das, was die Natur ihm angetan hat, nicht stillen. Allein an der Spitze des englischen Königreichs, sämtlicher Widersacher beraubt, richtet er sein Wüten nun gegen seinen eigentlichen Hauptfeind – sich selbst. »Richard III« ist eines der frühesten Stücke Shakespeares, uraufgeführt um 1593. Bis heute hat die Titelfigur nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Ihre Verführungskraft liegt gerade in ihrer hemmungslos zielgerichteten, lustvoll zur Schau gestellten Amoralität. Richard ist der erste in einer Reihe von Bösewichten in Shakespeares Werk, deren moralische Unabhängigkeit und virtuose Manipulationskunst an Machiavellis »Fürst« geschult scheint: Jago in »Othello«, Edmund in »König Lear«, die Lady in »Macbeth«. Aber das Stück erschöpft sich nicht in der Dämonisierung eines psychopathischen Amokläufers. Es ist auch das Porträt einer durch interne Kämpfe tief zerrütteten Machtelite, aus deren Mitte eine perverse Diktatur erwächst. >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: Das Böse feiern: Richard III. an der Schaubühne


Kategorie: Schauspiel

»Mir wurde klar, dass ich das Gleichgewicht des Tages zerstört hatte, die außergewöhnliche Stille eines Strandes, an dem ich glücklich gewesen war. Da habe ich noch viermal auf einen leblosen Körper geschossen, in den die Kugeln eindrangen, ohne dass man es ihm ansah. Und es war wie vier kurze Schläge, mit denen ich an das Tor des Unglücks hämmerte.«In Albert Camus’ 1942 erschienenem Roman »Der Fremde« wird der Franzose Meursault zum Mörder. Am Strand von Algier tötet er einen Araber. Im anschließenden Gerichtsprozess verteidigt er sich nicht, obwohl am Ende sein Todesurteil steht. Er, der passive Zuschauer seines Lebens, verfolgt was ihm passiert so leidenschaftslos, als ginge es um einen Anderen. Und es scheint, das Todesurteil würde weniger mit dem Mord an dem namenlos bleibenden Araber begründet als mit eben jener Gleichgültigkeit Meursaults, die dieser als der Welt inhärent begreift.»Das Absurde ist der Zusammenprall des menschlichen Rufes mit dem unbegreiflichen Schweigen der Welt«, schreibt Camus in seinem ebenfalls 1942 publizierten Essay »Der Mythos des Sisyphos«. Es gelte hinzunehmen, dass Welt und Dasein unerträglich sinnfrei seien, und es keine höhere Bedeutung gebe. Doch kann es wirklich darum gehen, zu akzeptieren, was man nicht ändern zu können glaubt?»Der Fremde« ist nach Thomas Bernhards »Das Kalkwerk« die zweite Arbeit des österreichischen Regisseurs Philipp Preuss an der Schaubühne. >>> Essay zum Stück in unserem Blog Pearson's Preview: Camus' »Fremden« träumen


Kategorie: Schauspiel

Richard ist hässlich. Eine Frühgeburt, missgestaltet, humpelnd, bucklig, ein Krüppel, der auf den Schlachtfeldern der Rosenkriege, die nach dem Tod Heinrichs V. aufflammen, seiner Familie und vor allem seinem Bruder Edward gute Dienste geleistet hat. Jetzt ist Edward König, dank einiger Morde, die sein behinderter Bruder in Eigenregie begangen hat. Aber das Ende des Krieges bringt Richard keinen Frieden, zu tief sitzt sein Hass auf den Rest der Welt, zu dem er nie gehören wird. Und so tut er das, was er am besten kann und mordet weiter. Er räumt alles aus dem Weg, was ihn daran hindert, König zu sein. Wenn er schon nicht Teil einer Gesellschaft der vom Schicksal Begünstigten sein kann, will er sie wenigstens beherrschen. Seine Kontrahenten spielt er mit politischem Geschick gegeneinander aus, skrupellos instrumentalisiert er den Ehrgeiz anderer für seinen eigenen und schreitet mit weißer Weste durch ein unermessliches Blutbad, bis er niemanden mehr über sich hat und die Krone ihm gehört. Doch auch dieser Triumph, erkauft mit dem Tod von Feinden, Verbündeten und Verwandten, wird seine Kränkung über das, was die Natur ihm angetan hat, nicht stillen. Allein an der Spitze des englischen Königreichs, sämtlicher Widersacher beraubt, richtet er sein Wüten nun gegen seinen eigentlichen Hauptfeind – sich selbst. »Richard III« ist eines der frühesten Stücke Shakespeares, uraufgeführt um 1593. Bis heute hat die Titelfigur nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Ihre Verführungskraft liegt gerade in ihrer hemmungslos zielgerichteten, lustvoll zur Schau gestellten Amoralität. Richard ist der erste in einer Reihe von Bösewichten in Shakespeares Werk, deren moralische Unabhängigkeit und virtuose Manipulationskunst an Machiavellis »Fürst« geschult scheint: Jago in »Othello«, Edmund in »König Lear«, die Lady in »Macbeth«. Aber das Stück erschöpft sich nicht in der Dämonisierung eines psychopathischen Amokläufers. Es ist auch das Porträt einer durch interne Kämpfe tief zerrütteten Machtelite, aus deren Mitte eine perverse Diktatur erwächst. >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: Das Böse feiern: Richard III. an der Schaubühne


Kategorie: Schauspiel

»Mir wurde klar, dass ich das Gleichgewicht des Tages zerstört hatte, die außergewöhnliche Stille eines Strandes, an dem ich glücklich gewesen war. Da habe ich noch viermal auf einen leblosen Körper geschossen, in den die Kugeln eindrangen, ohne dass man es ihm ansah. Und es war wie vier kurze Schläge, mit denen ich an das Tor des Unglücks hämmerte.«In Albert Camus’ 1942 erschienenem Roman »Der Fremde« wird der Franzose Meursault zum Mörder. Am Strand von Algier tötet er einen Araber. Im anschließenden Gerichtsprozess verteidigt er sich nicht, obwohl am Ende sein Todesurteil steht. Er, der passive Zuschauer seines Lebens, verfolgt was ihm passiert so leidenschaftslos, als ginge es um einen Anderen. Und es scheint, das Todesurteil würde weniger mit dem Mord an dem namenlos bleibenden Araber begründet als mit eben jener Gleichgültigkeit Meursaults, die dieser als der Welt inhärent begreift.»Das Absurde ist der Zusammenprall des menschlichen Rufes mit dem unbegreiflichen Schweigen der Welt«, schreibt Camus in seinem ebenfalls 1942 publizierten Essay »Der Mythos des Sisyphos«. Es gelte hinzunehmen, dass Welt und Dasein unerträglich sinnfrei seien, und es keine höhere Bedeutung gebe. Doch kann es wirklich darum gehen, zu akzeptieren, was man nicht ändern zu können glaubt?»Der Fremde« ist nach Thomas Bernhards »Das Kalkwerk« die zweite Arbeit des österreichischen Regisseurs Philipp Preuss an der Schaubühne. >>> Essay zum Stück in unserem Blog Pearson's Preview: Camus' »Fremden« träumen


Kategorie: Schauspiel

Seit Jahren will Konrad eine einzigartige Studie über das Gehör verfassen. Um endlich genügend Zeit und Muße zu haben, sich voll und ganz darauf konzentrieren zu können, ersteigert er ein abgelegenes, stillgelegtes Kalkwerk. In der Abgeschiedenheit, ohne den störenden Einfluss der lärmenden Gesellschaft, beginnt er die Arbeit an seinem großen Werk. Seine kranke, gelähmte Frau dient ihm dabei als Versuchskaninchen: Über Tage, Wochen und Monate testet er die Wirkung verschiedenster Konsonanten, Vokale und Lautkonstellationen an ihr. Doch Konrad schafft es nicht, seine Gedanken auf Papier zu bringen. Als er einen Traum hat, in dem sich seine Frau bewegen kann, erkennt er schlagartig die Wahrheit. Ihr fehlt sowohl die Disziplin als auch der Respekt, um ihm bei seinen Experimenten zu helfen. Konrad sieht nur noch einen Ausweg: Er muss sie umbringen. Was passiert, wenn man am eigenen Anspruch scheitert und das Leben dadurch sinnlos erscheint? Thomas Bernhards Roman, 1970 erschienen, erzählt die Geschichte einer verzweifelten, wütenden Obsession. Philipp Preuss wuchs in Wien auf und studierte Regie und Schauspiel am Mozarteum Salzburg. Seine Inszenierungen liefen u. a. am Schauspielhaus Bochum, Schlosstheater Moers, Schauspiel Frankfurt und am Schauspiel Leipzig. »Das Kalkwerk« ist seine erste Arbeit an der Schaubühne.


Kategorie: Schauspiel

Es ist Sonntag in der Kleinstadt. In ihrem Stammlokal bereitet sich die sozialdemokratische Ortsgruppe beim Kartenspiel auf ihre »Italienische Nacht« vor – ein »zwangloses gesellschaftliches Beisammensein« mit Musikeinlagen und Tanz, das »uns Genossen menschlich näherbringen« soll. So zumindest träumt es sich der lokale Vorsitzende, Stadtrat Ammetsberger. Dass sich zeitgleich rechtsextreme Verbände aus dem ganzen Land im Ort zusammenrotten, um einen »Deutschen Tag« mit paramilitärischen Aufmärschen und bewaffneten Geländeübungen zu inszenieren, beunruhigt den Stadtrat und seine Getreuen wenig. Auch dass der Aktivist Martin aus dem linken Parteiflügel vor einer völkischen Machtübernahme warnt und zum Widerstand aufruft, wird von den Genossen abgewiegelt. Man möchte sich von den Faschisten nicht beim Feiern stören lassen, und erst recht nicht von jungen Radikalen aus den eigenen Reihen. Auf eigene Faust versucht Martin nun, die Pläne der Gegner auszuspionieren. Dafür sendet er seine Freundin Anna los, um sich von Faschisten auf der Straße ansprechen zu lassen und ihnen so Informationen zu entlocken. Er »schickt sie auf den politischen Strich«, wie sein Mitgenosse Karl ihm vorwirft – der einstweilen die Feier lieber nutzt, um die politisch desinteressierte Leni »zu unseren Idealen zu bekehren«, wie er es nennt. Doch Martins Plan entgleitet, und bald wird klar: die Faschisten machen sich daran, die »Italienische Nacht« der Sozialdemokraten bewaffnet zu sprengen. Zum dritten Mal in Folge – nach »Professor Bernhardi« und »Rückkehr nach Reims« beschäftigt sich Thomas Ostermeier in »Italienische Nacht« mit dem Aufkommen einer rechtsextremen Massenbewegung. Ödön von Horváth vollendete sein »Volksstück in sieben Bildern« 1931 und beobachtete darin mit eindrucksvoller Schärfe nicht zuletzt auch, welchen Anteil am Zusammenbruch der Demokratie eine Linke hat, die die Realität der Gesellschaft ignoriert und sich in Parteikämpfen im eigenen Lager zerfleischt. Kaum zwei Jahre später musste Horváth Deutschland verlassen, nachdem im Anschluss an Hitlers Wahlsieg eine SA-Truppe sein Elternhaus stürmte. >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: Mit Blick auf die Zukunft: Ostermeiers »Italienische Nacht«


Kategorie: Schauspiel

Frank kommt nach Hause. Er stolpert über die Schuhe seiner Frau, wundert und ärgert sich über die allgemeine Unordnung in der Wohnung und die Zigarettenasche an den ungewöhnlichsten Orten. Das normale Chaos einer normalen Beziehung. Er sucht einen Platz für seine Plastiktüte. In der trägt er jedoch keine Einkäufe nach Hause, sondern die Asche seiner toten Mutter. Frank und Katarina sind kinderlos, Ende dreißig und seit neun Jahren ein Paar. Sie bewohnen eine schicke aber unordentliche Wohnung und sie erwarten Franks Bruder zur Beerdigung. Der verschiebt seine Ankunft und nun steht ein freier Abend drohend bevor. Jenna und Tomas wohnen in der Wohnung unter ihnen, im gleichen Alter, aber mit zwei Kindern gesegnet und einer nicht abreißenden Kette von kleinen Unglücksfällen einer normalen Kleinfamilie. Der fehlende Reis, den Jenna ausborgen will, wird zum Ausgangspunkt einer Einladung. Die jungen Eltern kommen freudig und von ihren Kindern erschöpft in die Beziehungshölle von Frank und Katarina. Der Abend beginnt als freundliches »Paare besuchen Paare« und gleitet in eine Nacht der ungeplanten Entgleisungen. Die vier verstricken sich in einer Kette von Demütigungen, sexuellen Provokationen, ungewollten Beichten und exhibitionistischen Übergriffen. Die aggressive Einsamkeit der Kinderlosen lässt die vermeintliche Idylle der anderen zerbrechen. Die sexuelle Gier nach dem anderen, die in hundertfachen Begegnungen im Treppenhaus zur ständigen Phantasie geworden ist, findet keinen erlösenden Ausdruck. Sie versandet in peinlich verwackelten Versuchen eines wilden und ungehemmten Lebens. Die Angst vor der Einsamkeit, der Überdruss an der Langeweile der Gemeinsamkeit und die gescheiterte Hoffnung auf eine belebende Abwechslung bilden ein Gefängnis, in dem die Dämonen des Lebens sich in den Alltag der kleinen Gemeinheit, der linkischen Bosheit, der angedrohten Trennung und der impotenten Sexualität verkriechen.Nach »Personenkreis 3.1«, den Thomas Ostermeier 2000 zum Beginn seiner künstlerischen Leitung der Schaubühne inszeniert hat, setzt er mit »Dämonen« seine Beschäftigung mit Lars Norén fort.


Kategorie: Schauspiel

Es ist Sonntag in der Kleinstadt. In ihrem Stammlokal bereitet sich die sozialdemokratische Ortsgruppe beim Kartenspiel auf ihre »Italienische Nacht« vor – ein »zwangloses gesellschaftliches Beisammensein« mit Musikeinlagen und Tanz, das »uns Genossen menschlich näherbringen« soll. So zumindest träumt es sich der lokale Vorsitzende, Stadtrat Ammetsberger. Dass sich zeitgleich rechtsextreme Verbände aus dem ganzen Land im Ort zusammenrotten, um einen »Deutschen Tag« mit paramilitärischen Aufmärschen und bewaffneten Geländeübungen zu inszenieren, beunruhigt den Stadtrat und seine Getreuen wenig. Auch dass der Aktivist Martin aus dem linken Parteiflügel vor einer völkischen Machtübernahme warnt und zum Widerstand aufruft, wird von den Genossen abgewiegelt. Man möchte sich von den Faschisten nicht beim Feiern stören lassen, und erst recht nicht von jungen Radikalen aus den eigenen Reihen. Auf eigene Faust versucht Martin nun, die Pläne der Gegner auszuspionieren. Dafür sendet er seine Freundin Anna los, um sich von Faschisten auf der Straße ansprechen zu lassen und ihnen so Informationen zu entlocken. Er »schickt sie auf den politischen Strich«, wie sein Mitgenosse Karl ihm vorwirft – der einstweilen die Feier lieber nutzt, um die politisch desinteressierte Leni »zu unseren Idealen zu bekehren«, wie er es nennt. Doch Martins Plan entgleitet, und bald wird klar: die Faschisten machen sich daran, die »Italienische Nacht« der Sozialdemokraten bewaffnet zu sprengen. Zum dritten Mal in Folge – nach »Professor Bernhardi« und »Rückkehr nach Reims« beschäftigt sich Thomas Ostermeier in »Italienische Nacht« mit dem Aufkommen einer rechtsextremen Massenbewegung. Ödön von Horváth vollendete sein »Volksstück in sieben Bildern« 1931 und beobachtete darin mit eindrucksvoller Schärfe nicht zuletzt auch, welchen Anteil am Zusammenbruch der Demokratie eine Linke hat, die die Realität der Gesellschaft ignoriert und sich in Parteikämpfen im eigenen Lager zerfleischt. Kaum zwei Jahre später musste Horváth Deutschland verlassen, nachdem im Anschluss an Hitlers Wahlsieg eine SA-Truppe sein Elternhaus stürmte. >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: Mit Blick auf die Zukunft: Ostermeiers »Italienische Nacht«


Kategorie: Schauspiel

Frank kommt nach Hause. Er stolpert über die Schuhe seiner Frau, wundert und ärgert sich über die allgemeine Unordnung in der Wohnung und die Zigarettenasche an den ungewöhnlichsten Orten. Das normale Chaos einer normalen Beziehung. Er sucht einen Platz für seine Plastiktüte. In der trägt er jedoch keine Einkäufe nach Hause, sondern die Asche seiner toten Mutter. Frank und Katarina sind kinderlos, Ende dreißig und seit neun Jahren ein Paar. Sie bewohnen eine schicke aber unordentliche Wohnung und sie erwarten Franks Bruder zur Beerdigung. Der verschiebt seine Ankunft und nun steht ein freier Abend drohend bevor. Jenna und Tomas wohnen in der Wohnung unter ihnen, im gleichen Alter, aber mit zwei Kindern gesegnet und einer nicht abreißenden Kette von kleinen Unglücksfällen einer normalen Kleinfamilie. Der fehlende Reis, den Jenna ausborgen will, wird zum Ausgangspunkt einer Einladung. Die jungen Eltern kommen freudig und von ihren Kindern erschöpft in die Beziehungshölle von Frank und Katarina. Der Abend beginnt als freundliches »Paare besuchen Paare« und gleitet in eine Nacht der ungeplanten Entgleisungen. Die vier verstricken sich in einer Kette von Demütigungen, sexuellen Provokationen, ungewollten Beichten und exhibitionistischen Übergriffen. Die aggressive Einsamkeit der Kinderlosen lässt die vermeintliche Idylle der anderen zerbrechen. Die sexuelle Gier nach dem anderen, die in hundertfachen Begegnungen im Treppenhaus zur ständigen Phantasie geworden ist, findet keinen erlösenden Ausdruck. Sie versandet in peinlich verwackelten Versuchen eines wilden und ungehemmten Lebens. Die Angst vor der Einsamkeit, der Überdruss an der Langeweile der Gemeinsamkeit und die gescheiterte Hoffnung auf eine belebende Abwechslung bilden ein Gefängnis, in dem die Dämonen des Lebens sich in den Alltag der kleinen Gemeinheit, der linkischen Bosheit, der angedrohten Trennung und der impotenten Sexualität verkriechen.Nach »Personenkreis 3.1«, den Thomas Ostermeier 2000 zum Beginn seiner künstlerischen Leitung der Schaubühne inszeniert hat, setzt er mit »Dämonen« seine Beschäftigung mit Lars Norén fort.


Kategorie: Schauspiel

Es ist Sonntag in der Kleinstadt. In ihrem Stammlokal bereitet sich die sozialdemokratische Ortsgruppe beim Kartenspiel auf ihre »Italienische Nacht« vor – ein »zwangloses gesellschaftliches Beisammensein« mit Musikeinlagen und Tanz, das »uns Genossen menschlich näherbringen« soll. So zumindest träumt es sich der lokale Vorsitzende, Stadtrat Ammetsberger. Dass sich zeitgleich rechtsextreme Verbände aus dem ganzen Land im Ort zusammenrotten, um einen »Deutschen Tag« mit paramilitärischen Aufmärschen und bewaffneten Geländeübungen zu inszenieren, beunruhigt den Stadtrat und seine Getreuen wenig. Auch dass der Aktivist Martin aus dem linken Parteiflügel vor einer völkischen Machtübernahme warnt und zum Widerstand aufruft, wird von den Genossen abgewiegelt. Man möchte sich von den Faschisten nicht beim Feiern stören lassen, und erst recht nicht von jungen Radikalen aus den eigenen Reihen. Auf eigene Faust versucht Martin nun, die Pläne der Gegner auszuspionieren. Dafür sendet er seine Freundin Anna los, um sich von Faschisten auf der Straße ansprechen zu lassen und ihnen so Informationen zu entlocken. Er »schickt sie auf den politischen Strich«, wie sein Mitgenosse Karl ihm vorwirft – der einstweilen die Feier lieber nutzt, um die politisch desinteressierte Leni »zu unseren Idealen zu bekehren«, wie er es nennt. Doch Martins Plan entgleitet, und bald wird klar: die Faschisten machen sich daran, die »Italienische Nacht« der Sozialdemokraten bewaffnet zu sprengen. Zum dritten Mal in Folge – nach »Professor Bernhardi« und »Rückkehr nach Reims« beschäftigt sich Thomas Ostermeier in »Italienische Nacht« mit dem Aufkommen einer rechtsextremen Massenbewegung. Ödön von Horváth vollendete sein »Volksstück in sieben Bildern« 1931 und beobachtete darin mit eindrucksvoller Schärfe nicht zuletzt auch, welchen Anteil am Zusammenbruch der Demokratie eine Linke hat, die die Realität der Gesellschaft ignoriert und sich in Parteikämpfen im eigenen Lager zerfleischt. Kaum zwei Jahre später musste Horváth Deutschland verlassen, nachdem im Anschluss an Hitlers Wahlsieg eine SA-Truppe sein Elternhaus stürmte. >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: Mit Blick auf die Zukunft: Ostermeiers »Italienische Nacht«


Kategorie: Schauspiel

Sie sagten mir: Du bist ein Mann. Sie sagten dir: Du bist eine Frau. Sie sagten mir: Boys don’t cry. Sie sagten dir: Girls just wanna have fun. Sie sagten mir: Verwirkliche dich. Sie sagten dir: Gib dich hin. Sie sagten mir: Stell dich nicht so an. Sie sagten dir: Mach keine Zicken. Sie fragten mich: Wann heiratet ihr denn endlich? Sie fragten dich: Willst du etwa keine Kinder? Sie fragten mich: Warum bist du immer noch nicht befördert worden? Sie fragten dich: Warum arbeitest du so viel? Sie sagten mir: Schneid dir mal die Haare. Sie sagten dir: Du siehst ja aus wie ein Junge. Sie sagten mir: Kochen ist schwul. Sie sagten dir: Karriere ist doch nicht alles. Ich sage: Ich will das männliche Geschlecht nicht, das mir bei der Geburt zugewiesen wurde. Du sagst: Ich will das weibliche Geschlecht nicht, das mir bei der Geburt zugewiesen wurde. Ich und du sagen: Ich will das alles nicht. Ich und du sagen: Ich will mich nach innen wenden. Raus aus dem Käfig. Ich will mich verwandeln. In mich. Nicht nur hier und jetzt und einmal. Nein – I want this every fucking day!   Nach »thisisitgirl« und »LOVE HURTS IN TINDER TIMES«, in denen er sich bereits kopfüber hineinstürzte in dieses Dickicht aus Liebe, sozialen und biologischen Bedingtheiten, Gender und Gender Trouble, taucht Patrick Wengenroth in seiner neuesten Arbeit nun mitten hinein in die komplexen Tiefen der Gender-Fluidität. Ließe sich den fixen Zuschreibungen und Kategorien vielleicht der Gedanke eines permanenten Werdens entgegensetzen?


Kategorie: Schauspiel

Es ist Sonntag in der Kleinstadt. In ihrem Stammlokal bereitet sich die sozialdemokratische Ortsgruppe beim Kartenspiel auf ihre »Italienische Nacht« vor – ein »zwangloses gesellschaftliches Beisammensein« mit Musikeinlagen und Tanz, das »uns Genossen menschlich näherbringen« soll. So zumindest träumt es sich der lokale Vorsitzende, Stadtrat Ammetsberger. Dass sich zeitgleich rechtsextreme Verbände aus dem ganzen Land im Ort zusammenrotten, um einen »Deutschen Tag« mit paramilitärischen Aufmärschen und bewaffneten Geländeübungen zu inszenieren, beunruhigt den Stadtrat und seine Getreuen wenig. Auch dass der Aktivist Martin aus dem linken Parteiflügel vor einer völkischen Machtübernahme warnt und zum Widerstand aufruft, wird von den Genossen abgewiegelt. Man möchte sich von den Faschisten nicht beim Feiern stören lassen, und erst recht nicht von jungen Radikalen aus den eigenen Reihen. Auf eigene Faust versucht Martin nun, die Pläne der Gegner auszuspionieren. Dafür sendet er seine Freundin Anna los, um sich von Faschisten auf der Straße ansprechen zu lassen und ihnen so Informationen zu entlocken. Er »schickt sie auf den politischen Strich«, wie sein Mitgenosse Karl ihm vorwirft – der einstweilen die Feier lieber nutzt, um die politisch desinteressierte Leni »zu unseren Idealen zu bekehren«, wie er es nennt. Doch Martins Plan entgleitet, und bald wird klar: die Faschisten machen sich daran, die »Italienische Nacht« der Sozialdemokraten bewaffnet zu sprengen. Zum dritten Mal in Folge – nach »Professor Bernhardi« und »Rückkehr nach Reims« beschäftigt sich Thomas Ostermeier in »Italienische Nacht« mit dem Aufkommen einer rechtsextremen Massenbewegung. Ödön von Horváth vollendete sein »Volksstück in sieben Bildern« 1931 und beobachtete darin mit eindrucksvoller Schärfe nicht zuletzt auch, welchen Anteil am Zusammenbruch der Demokratie eine Linke hat, die die Realität der Gesellschaft ignoriert und sich in Parteikämpfen im eigenen Lager zerfleischt. Kaum zwei Jahre später musste Horváth Deutschland verlassen, nachdem im Anschluss an Hitlers Wahlsieg eine SA-Truppe sein Elternhaus stürmte. >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: Mit Blick auf die Zukunft: Ostermeiers »Italienische Nacht«


Kategorie: Schauspiel

Sie sagten mir: Du bist ein Mann. Sie sagten dir: Du bist eine Frau. Sie sagten mir: Boys don’t cry. Sie sagten dir: Girls just wanna have fun. Sie sagten mir: Verwirkliche dich. Sie sagten dir: Gib dich hin. Sie sagten mir: Stell dich nicht so an. Sie sagten dir: Mach keine Zicken. Sie fragten mich: Wann heiratet ihr denn endlich? Sie fragten dich: Willst du etwa keine Kinder? Sie fragten mich: Warum bist du immer noch nicht befördert worden? Sie fragten dich: Warum arbeitest du so viel? Sie sagten mir: Schneid dir mal die Haare. Sie sagten dir: Du siehst ja aus wie ein Junge. Sie sagten mir: Kochen ist schwul. Sie sagten dir: Karriere ist doch nicht alles. Ich sage: Ich will das männliche Geschlecht nicht, das mir bei der Geburt zugewiesen wurde. Du sagst: Ich will das weibliche Geschlecht nicht, das mir bei der Geburt zugewiesen wurde. Ich und du sagen: Ich will das alles nicht. Ich und du sagen: Ich will mich nach innen wenden. Raus aus dem Käfig. Ich will mich verwandeln. In mich. Nicht nur hier und jetzt und einmal. Nein – I want this every fucking day!   Nach »thisisitgirl« und »LOVE HURTS IN TINDER TIMES«, in denen er sich bereits kopfüber hineinstürzte in dieses Dickicht aus Liebe, sozialen und biologischen Bedingtheiten, Gender und Gender Trouble, taucht Patrick Wengenroth in seiner neuesten Arbeit nun mitten hinein in die komplexen Tiefen der Gender-Fluidität. Ließe sich den fixen Zuschreibungen und Kategorien vielleicht der Gedanke eines permanenten Werdens entgegensetzen?


Kategorie: Schauspiel

Es ist Sonntag in der Kleinstadt. In ihrem Stammlokal bereitet sich die sozialdemokratische Ortsgruppe beim Kartenspiel auf ihre »Italienische Nacht« vor – ein »zwangloses gesellschaftliches Beisammensein« mit Musikeinlagen und Tanz, das »uns Genossen menschlich näherbringen« soll. So zumindest träumt es sich der lokale Vorsitzende, Stadtrat Ammetsberger. Dass sich zeitgleich rechtsextreme Verbände aus dem ganzen Land im Ort zusammenrotten, um einen »Deutschen Tag« mit paramilitärischen Aufmärschen und bewaffneten Geländeübungen zu inszenieren, beunruhigt den Stadtrat und seine Getreuen wenig. Auch dass der Aktivist Martin aus dem linken Parteiflügel vor einer völkischen Machtübernahme warnt und zum Widerstand aufruft, wird von den Genossen abgewiegelt. Man möchte sich von den Faschisten nicht beim Feiern stören lassen, und erst recht nicht von jungen Radikalen aus den eigenen Reihen. Auf eigene Faust versucht Martin nun, die Pläne der Gegner auszuspionieren. Dafür sendet er seine Freundin Anna los, um sich von Faschisten auf der Straße ansprechen zu lassen und ihnen so Informationen zu entlocken. Er »schickt sie auf den politischen Strich«, wie sein Mitgenosse Karl ihm vorwirft – der einstweilen die Feier lieber nutzt, um die politisch desinteressierte Leni »zu unseren Idealen zu bekehren«, wie er es nennt. Doch Martins Plan entgleitet, und bald wird klar: die Faschisten machen sich daran, die »Italienische Nacht« der Sozialdemokraten bewaffnet zu sprengen. Zum dritten Mal in Folge – nach »Professor Bernhardi« und »Rückkehr nach Reims« beschäftigt sich Thomas Ostermeier in »Italienische Nacht« mit dem Aufkommen einer rechtsextremen Massenbewegung. Ödön von Horváth vollendete sein »Volksstück in sieben Bildern« 1931 und beobachtete darin mit eindrucksvoller Schärfe nicht zuletzt auch, welchen Anteil am Zusammenbruch der Demokratie eine Linke hat, die die Realität der Gesellschaft ignoriert und sich in Parteikämpfen im eigenen Lager zerfleischt. Kaum zwei Jahre später musste Horváth Deutschland verlassen, nachdem im Anschluss an Hitlers Wahlsieg eine SA-Truppe sein Elternhaus stürmte. >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: Mit Blick auf die Zukunft: Ostermeiers »Italienische Nacht«


Kategorie: Schauspiel

Einmal im Monat laden wir Zuschauer_innen dazu ein, vor dem Vorstellungsbesuch die jeweilige Inszenierung genauer zu untersuchen. Für vier Stunden eröffnen wir einen Experimentierraum, in dem gedacht und gespielt wird. Gemeinsam erproben wir darin ästhetische Aspekte der Inszenierung und suchen nach eigenen Antworten auf die Fragen, die im Stück verhandelt werden. Mit geschärften Sinnen kann dann der Theaterabend noch intensiver erlebt werden. Vorkenntnisse sind nicht erforderlich.


Kategorie: Schauspiel

Auf dem Heimweg von einem Weihnachtsessen in Paris trifft der junge Édouard um 4 Uhr morgens auf der Place de la République auf Reda, einen Mann algerischer Herkunft. Sie kommen ins Gespräch, beginnen zu flirten, und wenig später nimmt Édouard Reda mit zu sich in seine Einzimmerwohnung. Die beiden verbringen die Nacht miteinander, Reda erzählt von seiner Kindheit und dem Vater, der aus Algerien nach Frankreich geflohen ist. Die Stimmung ist ausgelassen, sie lachen, tauschen Zärtlichkeiten aus und haben Sex. Doch als Édouard bei ihrer Verabschiedung wenige Stunden später entdeckt, dass sein Smartphone verschwunden ist, und Reda plötzlich einen Revolver hervorholt und ihn bedroht, schlägt die Situation jäh um in Bedrohung, Gewalt und Vergewaltigung. Am nächsten Morgen begibt sich Édouard in polizeiliche und medizinische Obhut. In seiner Ratlosigkeit, wie er mit seinem Trauma umgehen soll, flieht er in die nordfranzösische Provinz zu seiner Schwester Clara und vertraut ihr die Geschichte an. Die Stimmen und Reaktionen seines Umfeldes, der Polizei und der behandelnden Mediziner auf den dramatischen Vorfall enthüllen einen gesellschaftlich tief verwurzelten Rassismus, Homophobie und intransparente Machtstrukturen. Mit der Rekonstruktion einer traumatischen Nacht formuliert der französische Autor Édouard Louis in seinem autobiographischen Roman »Im Herzen der Gewalt« eine ebenso persönliche wie gesellschaftlich durchdringende Analyse über das Erwachsenwerden, Begehren, Migration und Rassismus und macht in der Stimmenvielfalt der Reaktionen auf das ihm angetane Verbrechen gesellschaftlich verdrängte Formen der Gewalt hörbar. Thomas Ostermeier adaptiert gemeinsam mit Édouard Louis den Roman für die Bühne als deutschsprachige Erstaufführung. >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: Für Opfer und Täter sprechen.


Kategorie: Schauspiel

Auf dem Heimweg von einem Weihnachtsessen in Paris trifft der junge Édouard um 4 Uhr morgens auf der Place de la République auf Reda, einen Mann algerischer Herkunft. Sie kommen ins Gespräch, beginnen zu flirten, und wenig später nimmt Édouard Reda mit zu sich in seine Einzimmerwohnung. Die beiden verbringen die Nacht miteinander, Reda erzählt von seiner Kindheit und dem Vater, der aus Algerien nach Frankreich geflohen ist. Die Stimmung ist ausgelassen, sie lachen, tauschen Zärtlichkeiten aus und haben Sex. Doch als Édouard bei ihrer Verabschiedung wenige Stunden später entdeckt, dass sein Smartphone verschwunden ist, und Reda plötzlich einen Revolver hervorholt und ihn bedroht, schlägt die Situation jäh um in Bedrohung, Gewalt und Vergewaltigung. Am nächsten Morgen begibt sich Édouard in polizeiliche und medizinische Obhut. In seiner Ratlosigkeit, wie er mit seinem Trauma umgehen soll, flieht er in die nordfranzösische Provinz zu seiner Schwester Clara und vertraut ihr die Geschichte an. Die Stimmen und Reaktionen seines Umfeldes, der Polizei und der behandelnden Mediziner auf den dramatischen Vorfall enthüllen einen gesellschaftlich tief verwurzelten Rassismus, Homophobie und intransparente Machtstrukturen. Mit der Rekonstruktion einer traumatischen Nacht formuliert der französische Autor Édouard Louis in seinem autobiographischen Roman »Im Herzen der Gewalt« eine ebenso persönliche wie gesellschaftlich durchdringende Analyse über das Erwachsenwerden, Begehren, Migration und Rassismus und macht in der Stimmenvielfalt der Reaktionen auf das ihm angetane Verbrechen gesellschaftlich verdrängte Formen der Gewalt hörbar. Thomas Ostermeier adaptiert gemeinsam mit Édouard Louis den Roman für die Bühne als deutschsprachige Erstaufführung. >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: Für Opfer und Täter sprechen.


Kategorie: Schauspiel

Love is a catastrophe / Look what it’s done to me / Brought me down here so low / stranded, nowhere to go(Pet Shop Boys) Der Mensch ist ein Abgrund. OK. Alles klar. Dann springen wir doch mal rein. Kopfüber in diesen Schlamassel aus Sehnsüchten, Ängsten, biologischen und sozialen Bedingtheiten. Deeply (gender)troubled and deeply in need for love. Aber – Achtung! Achtung! – LOVE IS A BATTLEFIELD und LOVE IS BLINDNESS und LOVE IS A CATASTROPHE und überhaupt: LOVE HURTS. Soweit ist sich die Popkultur einig. LIEBE ist vor allem eins: ein riesengroßer Müllberg, auf dem Frau und Mann und alles dazwischen Zeit ihres Lebens herumkrabbeln und sich an den ganzen fluffigen Kissen, die da zwischen den Scherben und Stahlträgern herumliegen, blutige Schrammen holen. Und kaum sind die Narben verschorft, verspüren sie den unheimlichen Drang sie wieder aufzukratzen, um nachzuschauen, ob das Blut immer noch so rot ist wie die berühmte Sonne, die angeblich andauernd bei Capri im Meer versinkt. Schluss damit. Machen wir den unseligen Zweierbeziehungen endlich ein Ende – POLYAMORIE ist das neue alte Ding! Ich bin ein Einhorn und liebe wen und so viele ich will. Ich schmeiße jeden Tag die unfassbarsten Partys in meinem Atelier und weißt du, was ...? DU BIST HERZLICH EINGELADEN! WE ARE A MATCH! Denn nur FREUNDE sind FRIENDS – BITTE BITTE KLICK MICH! JETZT und HIER! >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: LOVE HURTS IN TINDER TIMES. Ein Gespräch mit Patrick Wengenroth


Kategorie: Schauspiel

PArty DEs WEstens mit eklektischer Popmusik von und mit DJ Lars Eidinger (Fix & Foxi C’burg/STUD!O K7)Eintritt: 8 Euro (ermäßigt 5 €), nur Abendkasse


Kategorie: Schauspiel

Auf dem Heimweg von einem Weihnachtsessen in Paris trifft der junge Édouard um 4 Uhr morgens auf der Place de la République auf Reda, einen Mann algerischer Herkunft. Sie kommen ins Gespräch, beginnen zu flirten, und wenig später nimmt Édouard Reda mit zu sich in seine Einzimmerwohnung. Die beiden verbringen die Nacht miteinander, Reda erzählt von seiner Kindheit und dem Vater, der aus Algerien nach Frankreich geflohen ist. Die Stimmung ist ausgelassen, sie lachen, tauschen Zärtlichkeiten aus und haben Sex. Doch als Édouard bei ihrer Verabschiedung wenige Stunden später entdeckt, dass sein Smartphone verschwunden ist, und Reda plötzlich einen Revolver hervorholt und ihn bedroht, schlägt die Situation jäh um in Bedrohung, Gewalt und Vergewaltigung. Am nächsten Morgen begibt sich Édouard in polizeiliche und medizinische Obhut. In seiner Ratlosigkeit, wie er mit seinem Trauma umgehen soll, flieht er in die nordfranzösische Provinz zu seiner Schwester Clara und vertraut ihr die Geschichte an. Die Stimmen und Reaktionen seines Umfeldes, der Polizei und der behandelnden Mediziner auf den dramatischen Vorfall enthüllen einen gesellschaftlich tief verwurzelten Rassismus, Homophobie und intransparente Machtstrukturen. Mit der Rekonstruktion einer traumatischen Nacht formuliert der französische Autor Édouard Louis in seinem autobiographischen Roman »Im Herzen der Gewalt« eine ebenso persönliche wie gesellschaftlich durchdringende Analyse über das Erwachsenwerden, Begehren, Migration und Rassismus und macht in der Stimmenvielfalt der Reaktionen auf das ihm angetane Verbrechen gesellschaftlich verdrängte Formen der Gewalt hörbar. Thomas Ostermeier adaptiert gemeinsam mit Édouard Louis den Roman für die Bühne als deutschsprachige Erstaufführung. >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: Für Opfer und Täter sprechen.


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Love is a catastrophe / Look what it’s done to me / Brought me down here so low / stranded, nowhere to go(Pet Shop Boys) Der Mensch ist ein Abgrund. OK. Alles klar. Dann springen wir doch mal rein. Kopfüber in diesen Schlamassel aus Sehnsüchten, Ängsten, biologischen und sozialen Bedingtheiten. Deeply (gender)troubled and deeply in need for love. Aber – Achtung! Achtung! – LOVE IS A BATTLEFIELD und LOVE IS BLINDNESS und LOVE IS A CATASTROPHE und überhaupt: LOVE HURTS. Soweit ist sich die Popkultur einig. LIEBE ist vor allem eins: ein riesengroßer Müllberg, auf dem Frau und Mann und alles dazwischen Zeit ihres Lebens herumkrabbeln und sich an den ganzen fluffigen Kissen, die da zwischen den Scherben und Stahlträgern herumliegen, blutige Schrammen holen. Und kaum sind die Narben verschorft, verspüren sie den unheimlichen Drang sie wieder aufzukratzen, um nachzuschauen, ob das Blut immer noch so rot ist wie die berühmte Sonne, die angeblich andauernd bei Capri im Meer versinkt. Schluss damit. Machen wir den unseligen Zweierbeziehungen endlich ein Ende – POLYAMORIE ist das neue alte Ding! Ich bin ein Einhorn und liebe wen und so viele ich will. Ich schmeiße jeden Tag die unfassbarsten Partys in meinem Atelier und weißt du, was ...? DU BIST HERZLICH EINGELADEN! WE ARE A MATCH! Denn nur FREUNDE sind FRIENDS – BITTE BITTE KLICK MICH! JETZT und HIER! >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: LOVE HURTS IN TINDER TIMES. Ein Gespräch mit Patrick Wengenroth


Kategorie: Schauspiel

Auf dem Heimweg von einem Weihnachtsessen in Paris trifft der junge Édouard um 4 Uhr morgens auf der Place de la République auf Reda, einen Mann algerischer Herkunft. Sie kommen ins Gespräch, beginnen zu flirten, und wenig später nimmt Édouard Reda mit zu sich in seine Einzimmerwohnung. Die beiden verbringen die Nacht miteinander, Reda erzählt von seiner Kindheit und dem Vater, der aus Algerien nach Frankreich geflohen ist. Die Stimmung ist ausgelassen, sie lachen, tauschen Zärtlichkeiten aus und haben Sex. Doch als Édouard bei ihrer Verabschiedung wenige Stunden später entdeckt, dass sein Smartphone verschwunden ist, und Reda plötzlich einen Revolver hervorholt und ihn bedroht, schlägt die Situation jäh um in Bedrohung, Gewalt und Vergewaltigung. Am nächsten Morgen begibt sich Édouard in polizeiliche und medizinische Obhut. In seiner Ratlosigkeit, wie er mit seinem Trauma umgehen soll, flieht er in die nordfranzösische Provinz zu seiner Schwester Clara und vertraut ihr die Geschichte an. Die Stimmen und Reaktionen seines Umfeldes, der Polizei und der behandelnden Mediziner auf den dramatischen Vorfall enthüllen einen gesellschaftlich tief verwurzelten Rassismus, Homophobie und intransparente Machtstrukturen. Mit der Rekonstruktion einer traumatischen Nacht formuliert der französische Autor Édouard Louis in seinem autobiographischen Roman »Im Herzen der Gewalt« eine ebenso persönliche wie gesellschaftlich durchdringende Analyse über das Erwachsenwerden, Begehren, Migration und Rassismus und macht in der Stimmenvielfalt der Reaktionen auf das ihm angetane Verbrechen gesellschaftlich verdrängte Formen der Gewalt hörbar. Thomas Ostermeier adaptiert gemeinsam mit Édouard Louis den Roman für die Bühne als deutschsprachige Erstaufführung. >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: Für Opfer und Täter sprechen.


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Love is a catastrophe / Look what it’s done to me / Brought me down here so low / stranded, nowhere to go(Pet Shop Boys) Der Mensch ist ein Abgrund. OK. Alles klar. Dann springen wir doch mal rein. Kopfüber in diesen Schlamassel aus Sehnsüchten, Ängsten, biologischen und sozialen Bedingtheiten. Deeply (gender)troubled and deeply in need for love. Aber – Achtung! Achtung! – LOVE IS A BATTLEFIELD und LOVE IS BLINDNESS und LOVE IS A CATASTROPHE und überhaupt: LOVE HURTS. Soweit ist sich die Popkultur einig. LIEBE ist vor allem eins: ein riesengroßer Müllberg, auf dem Frau und Mann und alles dazwischen Zeit ihres Lebens herumkrabbeln und sich an den ganzen fluffigen Kissen, die da zwischen den Scherben und Stahlträgern herumliegen, blutige Schrammen holen. Und kaum sind die Narben verschorft, verspüren sie den unheimlichen Drang sie wieder aufzukratzen, um nachzuschauen, ob das Blut immer noch so rot ist wie die berühmte Sonne, die angeblich andauernd bei Capri im Meer versinkt. Schluss damit. Machen wir den unseligen Zweierbeziehungen endlich ein Ende – POLYAMORIE ist das neue alte Ding! Ich bin ein Einhorn und liebe wen und so viele ich will. Ich schmeiße jeden Tag die unfassbarsten Partys in meinem Atelier und weißt du, was ...? DU BIST HERZLICH EINGELADEN! WE ARE A MATCH! Denn nur FREUNDE sind FRIENDS – BITTE BITTE KLICK MICH! JETZT und HIER! >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: LOVE HURTS IN TINDER TIMES. Ein Gespräch mit Patrick Wengenroth


Kategorie: Schauspiel

In den letzten Jahrzehnten lässt sich ein beispielloses Moment des Strafens beobachten: Obwohl die Gefangenenzahlen dramatisch angestiegen sind, spiegelt sich dieser Anstieg nicht in der Anzahl der begangenen Straftaten. Basierend auf zehn Jahren ethnografischer Forschung über Polizei, Gerichte und das Gefängnissystem kritisiert Didier Fassin die öffentliche Repräsentation von Strafe und deren Wahrnehmung – beide stimmen häufig nicht mit der Realität überein. Soziale und ethnische Herkunft der Kriminellen scheinen ausschlaggebender als das Verbrechen und seine Folgen. Wie lautet die rechtliche Definition von Strafe – und wie ihre philosophische Begründung? Weshalb wird über die ungleiche Anwendung von Strafe geschwiegen? Und wie kann das Nachdenken über Verbrechen und Strafe unsere Identität in ihren politischen und moralischen Prinzipien infrage stellen? Didier Fassin (*1955) ist Professor für Sozialwissenschaft am Institute for Advanced Study in Princeton und Studiendirektor an der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris. Als Ethnologe, Soziologe und Arzt war Didier Fassin Gründungsdirektor des Interdisziplinären Forschungsinstituts für Sozialwissenschaften (IRIS) am französischen Centre National de la Recherche Scientifique (CNRS). Sein Hauptforschungsgebiet ist die politische und moralische Anthropologie, mit besonderem Fokus auf Formen von Ungleichheit und Ungerechtigkeit in Frankreich, im subsaharischen Afrika und in Lateinamerika. Über einen Zeitraum von sechs Jahren führte er ethnografische Studien durch, in denen er die urbane Polizeiarbeit in Paris sowie das Gefängnissystem untersuchte und die auf Englisch unter dem Titel »Enforcing Order – An Ethnography of Urban Policing« (Polity Press, 2013) und »Prison Worlds – An Ethnography of the Carceral Condition« (Polity Press, 2017) erschienen sind. In seinen aktuellen Arbeiten befasst er sich mit der Theorie der Strafe, der »Politik des Lebens« und der öffentlichen Präsenz der Sozialwissenschaft.- er schreibt regelmäßig für Zeitungen und Zeitschriften. Zuletzt erschienen von ihm »Das Leben – Eine kritische Gebrauchsanweisung « (Suhrkamp Verlag, 2017) und »Der Wille zum Strafen« (Suhrkamp Verlag, 2018). Für sein Werk wurde er mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u. a. 2016 mit der Goldmedaille der Schwedischen Gesellschaft für Anthropologie und Geografie sowie 2018 als erster Sozialwissenschaftler mit dem NOMIS Distinguished Scientist Award. Simultanübersetzung: Sungur Bentürk, Lilian-Astrid Geese Streitraum 2018/19: »Identität und Repräsentation«Wenn heute von Identitäten die Rede ist, ist nicht immer sicher, worauf man sich bezieht: auf kulturelle, religiöse, soziale Gemeinschaften? Auf Geschlecht, Herkunft, Nationalität? In welchen ambivalenten Identitäten lassen sich heute gesellschaftliche Formationen begreifen? Welche Zuschreibungen und Projektionen belasten, welche erleichtern die Zugehörigkeit zu einer sozialen oder religiösen Gruppe oder Lebensform? Welche Bilder, welche Begriffe dienen als Instrumente der Stigmatisierung? Warum bleibt die Kategorie der Klasse so tabuisiert als ob es das nicht gäbe: soziale Ausgrenzung oder soziale Distinktion, die sich vererbt von Generation zu Generation? Was braucht es, damit demokratische Gesellschaften wieder durchlässiger, hybrider, pluraler werden? Wie verhalten sich Identität und Repräsentation zueinander? Nicht nur parlamentarische und politische Repräsentationen sehen sich zunehmender Kritik ausgesetzt, auch die Formen medialer, künstlerischer Repräsentationen gehören hinterfragt. Welche Bilder, welche Erzählungen werden zitiert und wiederholt, welche werden verdrängt und vergessen, wie werden Stereotype erzeugt, in denen Vorstellungen von »echt« oder »unecht«, »wir« und dem »Anderen« sich verhärten? Wie frei, wie streitbar, wie bösartig dürfen Menschen oder Gruppen dargestellt und karikiert werden – und welche Kriterien gelten in der Kunst, in der Musik, im Film oder im Theater?


Kategorie: Schauspiel

Auf dem Heimweg von einem Weihnachtsessen in Paris trifft der junge Édouard um 4 Uhr morgens auf der Place de la République auf Reda, einen Mann algerischer Herkunft. Sie kommen ins Gespräch, beginnen zu flirten, und wenig später nimmt Édouard Reda mit zu sich in seine Einzimmerwohnung. Die beiden verbringen die Nacht miteinander, Reda erzählt von seiner Kindheit und dem Vater, der aus Algerien nach Frankreich geflohen ist. Die Stimmung ist ausgelassen, sie lachen, tauschen Zärtlichkeiten aus und haben Sex. Doch als Édouard bei ihrer Verabschiedung wenige Stunden später entdeckt, dass sein Smartphone verschwunden ist, und Reda plötzlich einen Revolver hervorholt und ihn bedroht, schlägt die Situation jäh um in Bedrohung, Gewalt und Vergewaltigung. Am nächsten Morgen begibt sich Édouard in polizeiliche und medizinische Obhut. In seiner Ratlosigkeit, wie er mit seinem Trauma umgehen soll, flieht er in die nordfranzösische Provinz zu seiner Schwester Clara und vertraut ihr die Geschichte an. Die Stimmen und Reaktionen seines Umfeldes, der Polizei und der behandelnden Mediziner auf den dramatischen Vorfall enthüllen einen gesellschaftlich tief verwurzelten Rassismus, Homophobie und intransparente Machtstrukturen. Mit der Rekonstruktion einer traumatischen Nacht formuliert der französische Autor Édouard Louis in seinem autobiographischen Roman »Im Herzen der Gewalt« eine ebenso persönliche wie gesellschaftlich durchdringende Analyse über das Erwachsenwerden, Begehren, Migration und Rassismus und macht in der Stimmenvielfalt der Reaktionen auf das ihm angetane Verbrechen gesellschaftlich verdrängte Formen der Gewalt hörbar. Thomas Ostermeier adaptiert gemeinsam mit Édouard Louis den Roman für die Bühne als deutschsprachige Erstaufführung. >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: Für Opfer und Täter sprechen.


Kategorie: Schauspiel

Love is a catastrophe / Look what it’s done to me / Brought me down here so low / stranded, nowhere to go(Pet Shop Boys) Der Mensch ist ein Abgrund. OK. Alles klar. Dann springen wir doch mal rein. Kopfüber in diesen Schlamassel aus Sehnsüchten, Ängsten, biologischen und sozialen Bedingtheiten. Deeply (gender)troubled and deeply in need for love. Aber – Achtung! Achtung! – LOVE IS A BATTLEFIELD und LOVE IS BLINDNESS und LOVE IS A CATASTROPHE und überhaupt: LOVE HURTS. Soweit ist sich die Popkultur einig. LIEBE ist vor allem eins: ein riesengroßer Müllberg, auf dem Frau und Mann und alles dazwischen Zeit ihres Lebens herumkrabbeln und sich an den ganzen fluffigen Kissen, die da zwischen den Scherben und Stahlträgern herumliegen, blutige Schrammen holen. Und kaum sind die Narben verschorft, verspüren sie den unheimlichen Drang sie wieder aufzukratzen, um nachzuschauen, ob das Blut immer noch so rot ist wie die berühmte Sonne, die angeblich andauernd bei Capri im Meer versinkt. Schluss damit. Machen wir den unseligen Zweierbeziehungen endlich ein Ende – POLYAMORIE ist das neue alte Ding! Ich bin ein Einhorn und liebe wen und so viele ich will. Ich schmeiße jeden Tag die unfassbarsten Partys in meinem Atelier und weißt du, was ...? DU BIST HERZLICH EINGELADEN! WE ARE A MATCH! Denn nur FREUNDE sind FRIENDS – BITTE BITTE KLICK MICH! JETZT und HIER! >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: LOVE HURTS IN TINDER TIMES. Ein Gespräch mit Patrick Wengenroth


Kategorie: Schauspiel

Saint-Florimond und Angèle, die Gattin des berühmten Malers Champignol, haben eine Affäre – oder vielmehr hätten beinahe eine solche gehabt. Doch Angèle ist der Spielereien mit St. Florimond überdrüssig. Sie will ihn loswerden und das gelänge auch, würde nicht überraschender Verwandtenbesuch St. Florimond zwingen, die Rolle des Ehemannes zu spielen. Auch als Gendarmen auftauchen, um den Maler zu einer Reservistenübung einzuziehen, gibt St. Florimond die Maskerade nicht auf, um den Seitensprung, der nie stattfand, nicht auffliegen zu lassen. Er tritt den Dienst an der Stelle Champignols an. Als kurz darauf der echte Champignol in derselben Kaserne auftaucht, ist die Verwirrung komplett ... Georges Feydeau, einer der erfolgreichsten Autoren des Vaudevilles und Meister der Tür-auf-Tür-zu-Verwechslungskomödie, hat mit »Champignol wider Willen«, 1892 in Paris uraufgeführt, eine federleichte, rasant schnelle Gesellschaftsfarce entworfen. In einem fein konstruierten Gebilde aus Lügen und Missverständnissen geraten die Figuren von einer fürchterlichen Verlegenheit in die andere, schraubt sich die Geschichte ins immer Absurdere empor. Eine Komödie wie gemacht für Herbert Fritsch, der nach »Zeppelin« und »NULL« nun zum dritten Mal an der Schaubühne inszeniert.  >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: Champignol in Farbe – oder: Komödie wider Willen


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Love is a catastrophe / Look what it’s done to me / Brought me down here so low / stranded, nowhere to go(Pet Shop Boys) Der Mensch ist ein Abgrund. OK. Alles klar. Dann springen wir doch mal rein. Kopfüber in diesen Schlamassel aus Sehnsüchten, Ängsten, biologischen und sozialen Bedingtheiten. Deeply (gender)troubled and deeply in need for love. Aber – Achtung! Achtung! – LOVE IS A BATTLEFIELD und LOVE IS BLINDNESS und LOVE IS A CATASTROPHE und überhaupt: LOVE HURTS. Soweit ist sich die Popkultur einig. LIEBE ist vor allem eins: ein riesengroßer Müllberg, auf dem Frau und Mann und alles dazwischen Zeit ihres Lebens herumkrabbeln und sich an den ganzen fluffigen Kissen, die da zwischen den Scherben und Stahlträgern herumliegen, blutige Schrammen holen. Und kaum sind die Narben verschorft, verspüren sie den unheimlichen Drang sie wieder aufzukratzen, um nachzuschauen, ob das Blut immer noch so rot ist wie die berühmte Sonne, die angeblich andauernd bei Capri im Meer versinkt. Schluss damit. Machen wir den unseligen Zweierbeziehungen endlich ein Ende – POLYAMORIE ist das neue alte Ding! Ich bin ein Einhorn und liebe wen und so viele ich will. Ich schmeiße jeden Tag die unfassbarsten Partys in meinem Atelier und weißt du, was ...? DU BIST HERZLICH EINGELADEN! WE ARE A MATCH! Denn nur FREUNDE sind FRIENDS – BITTE BITTE KLICK MICH! JETZT und HIER! >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: LOVE HURTS IN TINDER TIMES. Ein Gespräch mit Patrick Wengenroth


Kategorie: Schauspiel

Saint-Florimond und Angèle, die Gattin des berühmten Malers Champignol, haben eine Affäre – oder vielmehr hätten beinahe eine solche gehabt. Doch Angèle ist der Spielereien mit St. Florimond überdrüssig. Sie will ihn loswerden und das gelänge auch, würde nicht überraschender Verwandtenbesuch St. Florimond zwingen, die Rolle des Ehemannes zu spielen. Auch als Gendarmen auftauchen, um den Maler zu einer Reservistenübung einzuziehen, gibt St. Florimond die Maskerade nicht auf, um den Seitensprung, der nie stattfand, nicht auffliegen zu lassen. Er tritt den Dienst an der Stelle Champignols an. Als kurz darauf der echte Champignol in derselben Kaserne auftaucht, ist die Verwirrung komplett ... Georges Feydeau, einer der erfolgreichsten Autoren des Vaudevilles und Meister der Tür-auf-Tür-zu-Verwechslungskomödie, hat mit »Champignol wider Willen«, 1892 in Paris uraufgeführt, eine federleichte, rasant schnelle Gesellschaftsfarce entworfen. In einem fein konstruierten Gebilde aus Lügen und Missverständnissen geraten die Figuren von einer fürchterlichen Verlegenheit in die andere, schraubt sich die Geschichte ins immer Absurdere empor. Eine Komödie wie gemacht für Herbert Fritsch, der nach »Zeppelin« und »NULL« nun zum dritten Mal an der Schaubühne inszeniert.  >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: Champignol in Farbe – oder: Komödie wider Willen


Kategorie: Schauspiel

Saint-Florimond und Angèle, die Gattin des berühmten Malers Champignol, haben eine Affäre – oder vielmehr hätten beinahe eine solche gehabt. Doch Angèle ist der Spielereien mit St. Florimond überdrüssig. Sie will ihn loswerden und das gelänge auch, würde nicht überraschender Verwandtenbesuch St. Florimond zwingen, die Rolle des Ehemannes zu spielen. Auch als Gendarmen auftauchen, um den Maler zu einer Reservistenübung einzuziehen, gibt St. Florimond die Maskerade nicht auf, um den Seitensprung, der nie stattfand, nicht auffliegen zu lassen. Er tritt den Dienst an der Stelle Champignols an. Als kurz darauf der echte Champignol in derselben Kaserne auftaucht, ist die Verwirrung komplett ... Georges Feydeau, einer der erfolgreichsten Autoren des Vaudevilles und Meister der Tür-auf-Tür-zu-Verwechslungskomödie, hat mit »Champignol wider Willen«, 1892 in Paris uraufgeführt, eine federleichte, rasant schnelle Gesellschaftsfarce entworfen. In einem fein konstruierten Gebilde aus Lügen und Missverständnissen geraten die Figuren von einer fürchterlichen Verlegenheit in die andere, schraubt sich die Geschichte ins immer Absurdere empor. Eine Komödie wie gemacht für Herbert Fritsch, der nach »Zeppelin« und »NULL« nun zum dritten Mal an der Schaubühne inszeniert.  >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: Champignol in Farbe – oder: Komödie wider Willen


Kategorie: Schauspiel

Schon in der Antike reisten die wohlhabenden Griechen und Römer zur warmen Jahreszeit in ihre Sommerresidenzen, um sich dort von den Strapazen des Stadtlebens zu erholen. Damals war das Reisen eine langsame und oft komplizierte Anstrengung, die von vielen Gefahren begleitet wurde. Doch man reiste nicht nur zum Vergnügen, sondern auch um Handel zu treiben, um zu entdecken und zu erobern. Im Mittelalter zogen Handelsreisende von Stadt zu Stadt, Mönche bereisten entlegene Gebiete, um dort zu predigen, Minnesänger verdienten ihren Lebensunterhalt, indem sie in verschiedenen Ortschaften auftraten. In der Renaissance wurde es Mode, dass junge europäische Adlige eine Kavaliersreise durch kulturelle Hochburgen wie London, Paris, Venedig, Florenz und Rom absolvierten, mit Beginn des 19. Jahrhunderts und dem Ausbau des Eisenbahnwesens wurde das Reisen billiger und komfortabler: Breite Bevölkerungsschichten entdeckten das Reisen zur Entspannung, der Tourismus entstand, in der Gegenwart führt die Reise bis jenseits unserer Erde … Seit jeher gab es verschiedene Anlässe zum Reisen: Zur Erholung, als Ausbruch aus dem monotonen Alltag, um das Fremde und Exotische zu sichten, um sich selbst zu testen und zu spüren, um neue Seiten an sich selbst zu entdecken, um wieder zu sich selbst zu finden, um finanziellen Gewinn zu erlangen oder in ein besseres Leben zu flüchten, um sich vor Bedrohung, Unterdrückung und Tod zu retten. Und schon seit den Anfängen der Literatur ist die Reise ein wiederkehrendes Motiv, sowohl im räumlichen, zeitlichen als auch im metaphysischen Sinne, als eine Reise von der Wiege bis zum Grab. In »Voyage« begibt sich der Regisseur Philipp Preuss zusammen mit dem Schauspieler Felix Römer mittels eines Mash-ups zahlreicher Einzeltexte – von der Odyssee bis hin zu aktuellen wissenschaftlichen Texten – auf eine grenzüberschreitende Reise durch die Literatur und durch das Leben.


Kategorie: Schauspiel

Saint-Florimond und Angèle, die Gattin des berühmten Malers Champignol, haben eine Affäre – oder vielmehr hätten beinahe eine solche gehabt. Doch Angèle ist der Spielereien mit St. Florimond überdrüssig. Sie will ihn loswerden und das gelänge auch, würde nicht überraschender Verwandtenbesuch St. Florimond zwingen, die Rolle des Ehemannes zu spielen. Auch als Gendarmen auftauchen, um den Maler zu einer Reservistenübung einzuziehen, gibt St. Florimond die Maskerade nicht auf, um den Seitensprung, der nie stattfand, nicht auffliegen zu lassen. Er tritt den Dienst an der Stelle Champignols an. Als kurz darauf der echte Champignol in derselben Kaserne auftaucht, ist die Verwirrung komplett ... Georges Feydeau, einer der erfolgreichsten Autoren des Vaudevilles und Meister der Tür-auf-Tür-zu-Verwechslungskomödie, hat mit »Champignol wider Willen«, 1892 in Paris uraufgeführt, eine federleichte, rasant schnelle Gesellschaftsfarce entworfen. In einem fein konstruierten Gebilde aus Lügen und Missverständnissen geraten die Figuren von einer fürchterlichen Verlegenheit in die andere, schraubt sich die Geschichte ins immer Absurdere empor. Eine Komödie wie gemacht für Herbert Fritsch, der nach »Zeppelin« und »NULL« nun zum dritten Mal an der Schaubühne inszeniert.  >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: Champignol in Farbe – oder: Komödie wider Willen


Kategorie: Schauspiel

Schon in der Antike reisten die wohlhabenden Griechen und Römer zur warmen Jahreszeit in ihre Sommerresidenzen, um sich dort von den Strapazen des Stadtlebens zu erholen. Damals war das Reisen eine langsame und oft komplizierte Anstrengung, die von vielen Gefahren begleitet wurde. Doch man reiste nicht nur zum Vergnügen, sondern auch um Handel zu treiben, um zu entdecken und zu erobern. Im Mittelalter zogen Handelsreisende von Stadt zu Stadt, Mönche bereisten entlegene Gebiete, um dort zu predigen, Minnesänger verdienten ihren Lebensunterhalt, indem sie in verschiedenen Ortschaften auftraten. In der Renaissance wurde es Mode, dass junge europäische Adlige eine Kavaliersreise durch kulturelle Hochburgen wie London, Paris, Venedig, Florenz und Rom absolvierten, mit Beginn des 19. Jahrhunderts und dem Ausbau des Eisenbahnwesens wurde das Reisen billiger und komfortabler: Breite Bevölkerungsschichten entdeckten das Reisen zur Entspannung, der Tourismus entstand, in der Gegenwart führt die Reise bis jenseits unserer Erde … Seit jeher gab es verschiedene Anlässe zum Reisen: Zur Erholung, als Ausbruch aus dem monotonen Alltag, um das Fremde und Exotische zu sichten, um sich selbst zu testen und zu spüren, um neue Seiten an sich selbst zu entdecken, um wieder zu sich selbst zu finden, um finanziellen Gewinn zu erlangen oder in ein besseres Leben zu flüchten, um sich vor Bedrohung, Unterdrückung und Tod zu retten. Und schon seit den Anfängen der Literatur ist die Reise ein wiederkehrendes Motiv, sowohl im räumlichen, zeitlichen als auch im metaphysischen Sinne, als eine Reise von der Wiege bis zum Grab. In »Voyage« begibt sich der Regisseur Philipp Preuss zusammen mit dem Schauspieler Felix Römer mittels eines Mash-ups zahlreicher Einzeltexte – von der Odyssee bis hin zu aktuellen wissenschaftlichen Texten – auf eine grenzüberschreitende Reise durch die Literatur und durch das Leben.


Kategorie: Schauspiel

Die Generalstochter Hedda Gabler hat geheiratet. Ihrem Ehemann, dem aufstrebenden Historiker Jörgen Tesman, winkt eine Professur.- er hat sich daraufhin Geld geliehen und eine Villa gekauft, um seiner anspruchsvollen Frau etwas bieten zu können. Seinen Nebenbuhler, den attraktiveren und begabteren Løvborg, hat Hedda abblitzen lassen. Løvborg, der gerne in berüchtigten Clubs seinen glänzenden Intellekt mit Drogen betäubte, war finanziell und gesellschaftlich keine aussichtsreiche Perspektive für sie gewesen. Jetzt kehrt Hedda ernüchtert aus den Flitterwochen zurück und muss erfahren, dass Løvborg mittlerweile sein Lotterleben an den Nagel gehängt hat. Er hat ihre Abwesenheit genutzt, um ein aufsehenerregendes kulturgeschichtliches Buch zu schreiben. Dessen überwältigendes Echo lässt Tesmans Berufung zum Professor plötzlich mehr als fraglich erscheinen. Hedda zerrinnt ihr Lebensplan zwischen den Fingern. Gegen ihre Neigung hatte sie sich für ein Leben nach bürgerlichen Prinzipien entschieden. Als diese Prinzipien nun nicht halten, was sie versprachen, nämlich ökonomische Sorglosigkeit, beginnt sie, sich und ihre Umwelt zu hassen und läuft emotional Amok: Sie verhöhnt hemmungslos ihren Ehemann, hintergeht ihn mit dem Hausfreund Brack, hintertreibt aus Eifersucht die Verbindung zwischen Løvborg und dem Fräulein Elvsted.- sie vernichtet Løvborgs zukunftsweisendes Werk, treibt ihn zuerst zurück in die Sucht und schließlich in einen Selbstmord »in Schönheit«. Mit erbarmungslos wütender Hellsicht attackiert sie die erdrückende Gutartigkeit, hinter der ihre Mitmenschen Mittelmaß und Feigheit vor dem Leben verbergen. Manipulation und Lüge sind die Mittel, mit denen sie virtuos innerhalb nur eines Tages und einer Nacht diese von Aufstiegsdenken und Abstiegsangst dominierte Welt zum Einsturz bringt. Zuletzt wird sie selbst als Teil des Systems zur Zielscheibe ihrer Zerstörungswut: Sie kann ihr selbstgebautes Gefängnis nicht sprengen, ohne sich selbst zu zerstören. In seinem 1891 am Hoftheater in München uraufgeführten Stück zeigt Ibsen einen Angriff auf das Bürgertum von innen. Als die weitgehend homogene Klasse von einst, mit ihrem all ihre Angehörigen verbindenden Wertekanon, existiert das Bürgertum heute längst nicht mehr. Paradoxerweise aber finden sich die bürgerlichen Sehnsüchte und Ängste, die seit dem 19. Jahrhundert Biographien kontrolliert, reguliert und deformiert haben, heute in fast unveränderter Weise wieder – nun aber gleichermaßen in allen Schichten der Gesellschaft. Die Angst vor dem sozialen Abstieg ist unser kollektives Leitmotiv geworden. Wir sind wieder reif für die Herausforderung und Zumutung einer Hedda Gabler.


Kategorie: Schauspiel

Schon in der Antike reisten die wohlhabenden Griechen und Römer zur warmen Jahreszeit in ihre Sommerresidenzen, um sich dort von den Strapazen des Stadtlebens zu erholen. Damals war das Reisen eine langsame und oft komplizierte Anstrengung, die von vielen Gefahren begleitet wurde. Doch man reiste nicht nur zum Vergnügen, sondern auch um Handel zu treiben, um zu entdecken und zu erobern. Im Mittelalter zogen Handelsreisende von Stadt zu Stadt, Mönche bereisten entlegene Gebiete, um dort zu predigen, Minnesänger verdienten ihren Lebensunterhalt, indem sie in verschiedenen Ortschaften auftraten. In der Renaissance wurde es Mode, dass junge europäische Adlige eine Kavaliersreise durch kulturelle Hochburgen wie London, Paris, Venedig, Florenz und Rom absolvierten, mit Beginn des 19. Jahrhunderts und dem Ausbau des Eisenbahnwesens wurde das Reisen billiger und komfortabler: Breite Bevölkerungsschichten entdeckten das Reisen zur Entspannung, der Tourismus entstand, in der Gegenwart führt die Reise bis jenseits unserer Erde … Seit jeher gab es verschiedene Anlässe zum Reisen: Zur Erholung, als Ausbruch aus dem monotonen Alltag, um das Fremde und Exotische zu sichten, um sich selbst zu testen und zu spüren, um neue Seiten an sich selbst zu entdecken, um wieder zu sich selbst zu finden, um finanziellen Gewinn zu erlangen oder in ein besseres Leben zu flüchten, um sich vor Bedrohung, Unterdrückung und Tod zu retten. Und schon seit den Anfängen der Literatur ist die Reise ein wiederkehrendes Motiv, sowohl im räumlichen, zeitlichen als auch im metaphysischen Sinne, als eine Reise von der Wiege bis zum Grab. In »Voyage« begibt sich der Regisseur Philipp Preuss zusammen mit dem Schauspieler Felix Römer mittels eines Mash-ups zahlreicher Einzeltexte – von der Odyssee bis hin zu aktuellen wissenschaftlichen Texten – auf eine grenzüberschreitende Reise durch die Literatur und durch das Leben.


Kategorie: Schauspiel

Schlechte Zeiten für Männer – vor allem, wenn sie jung und hübsch sind, einen Job suchen und Florian heißen. Im Makler- Büro ist Florian der Distanzlosigkeit der Kolleginnen ausgesetzt, im Drogeriemarkt leidet Florian unter den sexuellen Übergriffen der Filialleiterin und im Theater begegnet Florian dem künstlerischsexuellen Interesse der Intendantin: In einer Gesellschaft, in der die Frau das Sagen hat, wird jeder Florian zum Flo. »status quo« zeigt die Welt, wie sie ist, bloß spiegelverkehrt. Die Frauen haben das Sagen. Das Objekt der Begierde und der Diskriminierung – im Beruflichen wie im Häuslichen – ist der Mann. Die Umkehrung der realen Verhältnisse lässt die Mechanismen der Ungleichheit in einer ebenso bissigen wie komischen Satire in aller Schärfe hervortreten. Die Leidenswege der drei Flos machen die Absurdität eines Machtgefälles sichtbar, an das man sich so sehr gewöhnt hat, dass man es für normal hält. Maja Zade ist Autorin, Übersetzerin und Dramaturgin an der Schaubühne, mit Marius von Mayenburg verbindet sie eine langjährige Zusammenarbeit. Erstmals wird nun ein Stück von ihr an der Schaubühne inszeniert.


Kategorie: Schauspiel

Schlechte Zeiten für Männer – vor allem, wenn sie jung und hübsch sind, einen Job suchen und Florian heißen. Im Makler- Büro ist Florian der Distanzlosigkeit der Kolleginnen ausgesetzt, im Drogeriemarkt leidet Florian unter den sexuellen Übergriffen der Filialleiterin und im Theater begegnet Florian dem künstlerischsexuellen Interesse der Intendantin: In einer Gesellschaft, in der die Frau das Sagen hat, wird jeder Florian zum Flo. »status quo« zeigt die Welt, wie sie ist, bloß spiegelverkehrt. Die Frauen haben das Sagen. Das Objekt der Begierde und der Diskriminierung – im Beruflichen wie im Häuslichen – ist der Mann. Die Umkehrung der realen Verhältnisse lässt die Mechanismen der Ungleichheit in einer ebenso bissigen wie komischen Satire in aller Schärfe hervortreten. Die Leidenswege der drei Flos machen die Absurdität eines Machtgefälles sichtbar, an das man sich so sehr gewöhnt hat, dass man es für normal hält. Maja Zade ist Autorin, Übersetzerin und Dramaturgin an der Schaubühne, mit Marius von Mayenburg verbindet sie eine langjährige Zusammenarbeit. Erstmals wird nun ein Stück von ihr an der Schaubühne inszeniert.


Kategorie: Schauspiel

Die Generalstochter Hedda Gabler hat geheiratet. Ihrem Ehemann, dem aufstrebenden Historiker Jörgen Tesman, winkt eine Professur.- er hat sich daraufhin Geld geliehen und eine Villa gekauft, um seiner anspruchsvollen Frau etwas bieten zu können. Seinen Nebenbuhler, den attraktiveren und begabteren Løvborg, hat Hedda abblitzen lassen. Løvborg, der gerne in berüchtigten Clubs seinen glänzenden Intellekt mit Drogen betäubte, war finanziell und gesellschaftlich keine aussichtsreiche Perspektive für sie gewesen. Jetzt kehrt Hedda ernüchtert aus den Flitterwochen zurück und muss erfahren, dass Løvborg mittlerweile sein Lotterleben an den Nagel gehängt hat. Er hat ihre Abwesenheit genutzt, um ein aufsehenerregendes kulturgeschichtliches Buch zu schreiben. Dessen überwältigendes Echo lässt Tesmans Berufung zum Professor plötzlich mehr als fraglich erscheinen. Hedda zerrinnt ihr Lebensplan zwischen den Fingern. Gegen ihre Neigung hatte sie sich für ein Leben nach bürgerlichen Prinzipien entschieden. Als diese Prinzipien nun nicht halten, was sie versprachen, nämlich ökonomische Sorglosigkeit, beginnt sie, sich und ihre Umwelt zu hassen und läuft emotional Amok: Sie verhöhnt hemmungslos ihren Ehemann, hintergeht ihn mit dem Hausfreund Brack, hintertreibt aus Eifersucht die Verbindung zwischen Løvborg und dem Fräulein Elvsted.- sie vernichtet Løvborgs zukunftsweisendes Werk, treibt ihn zuerst zurück in die Sucht und schließlich in einen Selbstmord »in Schönheit«. Mit erbarmungslos wütender Hellsicht attackiert sie die erdrückende Gutartigkeit, hinter der ihre Mitmenschen Mittelmaß und Feigheit vor dem Leben verbergen. Manipulation und Lüge sind die Mittel, mit denen sie virtuos innerhalb nur eines Tages und einer Nacht diese von Aufstiegsdenken und Abstiegsangst dominierte Welt zum Einsturz bringt. Zuletzt wird sie selbst als Teil des Systems zur Zielscheibe ihrer Zerstörungswut: Sie kann ihr selbstgebautes Gefängnis nicht sprengen, ohne sich selbst zu zerstören. In seinem 1891 am Hoftheater in München uraufgeführten Stück zeigt Ibsen einen Angriff auf das Bürgertum von innen. Als die weitgehend homogene Klasse von einst, mit ihrem all ihre Angehörigen verbindenden Wertekanon, existiert das Bürgertum heute längst nicht mehr. Paradoxerweise aber finden sich die bürgerlichen Sehnsüchte und Ängste, die seit dem 19. Jahrhundert Biographien kontrolliert, reguliert und deformiert haben, heute in fast unveränderter Weise wieder – nun aber gleichermaßen in allen Schichten der Gesellschaft. Die Angst vor dem sozialen Abstieg ist unser kollektives Leitmotiv geworden. Wir sind wieder reif für die Herausforderung und Zumutung einer Hedda Gabler.


Kategorie: Schauspiel

Aufgeblasene, quietschend bunte Plastikhasen und -blumen, alte Staubsauger in beleuchteten Plexiglaskästen, knallige Retro-Reklameposter: Jeff Koons, der angesagteste bildende Künstler der 80er Jahre. Sein Leben ist genauso glänzendglamourös wie seine Kunstwerke, voll schimmernder Oberfläche, Irrsinn und Größenwahn. Koons findet Erfüllung in der Ehe mit Pornodarstellerin und Politikerin Cicciolina, sie bekommen einen Sohn. Doch dann, in den 90ern, beginnt alles nicht mehr so toll zu laufen – seine Kunstwerke werden zu inflationären Preisen verkauft, er wird kritisiert, weil sie unpolitisch sind, gehört auf einmal nicht mehr zur Avantgarde, sondern wird als Massenproduzent von seelenlosem, leicht reproduzierbarem Schund abgetan. Auch seine Beziehung beginnt zu kriseln und endet in einer bitteren Scheidung und einem Rechtsstreit um das Sorgerecht des gemeinsamen Kindes. Der Text »Jeff Koons« ist ein Experiment. Es beginnt mit dem dritten Akt, springt in den ersten und endet mit dem siebten. Die Form wechselt ständig, Dialogfetzen, Monologe, Beschreibung, Lyrik, die Sprache wird zur Handlung. Die Person Jeff Koons kommt in »Jeff Koons« nicht vor, aber sein Geist schwebt über dem Stück, es geht um das Greifen nach der Lust, der wahren Liebe, der großen Kunst, um das Versuchen und Scheitern, um das Sich-Reinwerfen ins Leben, um einen langen, irren Rausch. »Jeff Koons« ist die erste Arbeit von Lilja Rupprecht an der Schaubühne.


Kategorie: Schauspiel

Die Generalstochter Hedda Gabler hat geheiratet. Ihrem Ehemann, dem aufstrebenden Historiker Jörgen Tesman, winkt eine Professur.- er hat sich daraufhin Geld geliehen und eine Villa gekauft, um seiner anspruchsvollen Frau etwas bieten zu können. Seinen Nebenbuhler, den attraktiveren und begabteren Løvborg, hat Hedda abblitzen lassen. Løvborg, der gerne in berüchtigten Clubs seinen glänzenden Intellekt mit Drogen betäubte, war finanziell und gesellschaftlich keine aussichtsreiche Perspektive für sie gewesen. Jetzt kehrt Hedda ernüchtert aus den Flitterwochen zurück und muss erfahren, dass Løvborg mittlerweile sein Lotterleben an den Nagel gehängt hat. Er hat ihre Abwesenheit genutzt, um ein aufsehenerregendes kulturgeschichtliches Buch zu schreiben. Dessen überwältigendes Echo lässt Tesmans Berufung zum Professor plötzlich mehr als fraglich erscheinen. Hedda zerrinnt ihr Lebensplan zwischen den Fingern. Gegen ihre Neigung hatte sie sich für ein Leben nach bürgerlichen Prinzipien entschieden. Als diese Prinzipien nun nicht halten, was sie versprachen, nämlich ökonomische Sorglosigkeit, beginnt sie, sich und ihre Umwelt zu hassen und läuft emotional Amok: Sie verhöhnt hemmungslos ihren Ehemann, hintergeht ihn mit dem Hausfreund Brack, hintertreibt aus Eifersucht die Verbindung zwischen Løvborg und dem Fräulein Elvsted.- sie vernichtet Løvborgs zukunftsweisendes Werk, treibt ihn zuerst zurück in die Sucht und schließlich in einen Selbstmord »in Schönheit«. Mit erbarmungslos wütender Hellsicht attackiert sie die erdrückende Gutartigkeit, hinter der ihre Mitmenschen Mittelmaß und Feigheit vor dem Leben verbergen. Manipulation und Lüge sind die Mittel, mit denen sie virtuos innerhalb nur eines Tages und einer Nacht diese von Aufstiegsdenken und Abstiegsangst dominierte Welt zum Einsturz bringt. Zuletzt wird sie selbst als Teil des Systems zur Zielscheibe ihrer Zerstörungswut: Sie kann ihr selbstgebautes Gefängnis nicht sprengen, ohne sich selbst zu zerstören. In seinem 1891 am Hoftheater in München uraufgeführten Stück zeigt Ibsen einen Angriff auf das Bürgertum von innen. Als die weitgehend homogene Klasse von einst, mit ihrem all ihre Angehörigen verbindenden Wertekanon, existiert das Bürgertum heute längst nicht mehr. Paradoxerweise aber finden sich die bürgerlichen Sehnsüchte und Ängste, die seit dem 19. Jahrhundert Biographien kontrolliert, reguliert und deformiert haben, heute in fast unveränderter Weise wieder – nun aber gleichermaßen in allen Schichten der Gesellschaft. Die Angst vor dem sozialen Abstieg ist unser kollektives Leitmotiv geworden. Wir sind wieder reif für die Herausforderung und Zumutung einer Hedda Gabler.


Kategorie: Schauspiel

Im vergangenen Sommer übermannte das Schicksal der Flüchtlinge ganz Europa, zahllose Intellektuelle und Politiker solidarisierten sich mit dem Elend der Menschen aus dem Nahen Osten und Afrika. Seien es die Bilder der Ertrunkenen am Mittelmeerstrand oder die Bürgerkriegs- und Krankheitsopfer in Zentralafrika: Die Krisen und Unglücksfälle unserer Zeit sind allgegenwärtig in unserer Facebook-Timeline, im Fernsehen und in den Zeitungen. Der Autor und Regisseur Milo Rau unternahm zuletzt mit seinen international gefeierten Produktionen »The Civil Wars« (Koproduktion der Schaubühne, zu sehen bei F.I.N.D. 15) und »The Dark Ages« eine »politische Psychoanalyse« Europas und inszenierte mit »Das Kongo Tribunal« einen Volksprozess im ostkongolesischen Bürgerkriegsgebiet gegen internationale Minenfirmen. In »Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs« begibt sich Milo Rau gemeinsam mit seinem Team in die politischen Brennpunkte der heutigen Zeit: auf die Mittelmeerroute der Flüchtlinge aus dem Nahen Osten und ins kongolesische Bürgerkriegsgebiet. Der aus Interviews mit NGO-Mitarbeitern, Geistlichen und Kriegsopfern in Afrika und Europa gespeiste Doppel-Monolog betritt dabei bewusst widersprüchliches Gelände: Wie ertragen wir das Elend der Anderen, warum schauen wir es uns an? Warum wiegt ein Toter an den Toren Europas mehr als 1000 Tote in den kongolesischen Bürgerkriegsgebieten? So ist »Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs« nicht nur ein Nachdenken über die Grenzen unseres Mitleids – sondern auch über die Grenzen des europäischen Humanismus. Milo Rau in der Schweizer Sonntagszeitung: »Ich bin auch nur ein Arschloch! - Fünf Punkte gegen den zynischen Humanismus oder wie man anfängt, die Welt zu retten.« Im Rahmen des europäischen Theaternetzwerks Prospero (Schaubühne Berlin, Théâtre National de Bretagne/Rennes, Théâtre de Liège, Emilia Romagna Teatro Fondazione, Göteborgs Stadstheater, Croatian National Theatre/World Theatre Festival Zagreb, Athens & Epidaurus Festival) Altersempfehlung: ab 16 Jahren


Kategorie: Schauspiel

Im vergangenen Sommer übermannte das Schicksal der Flüchtlinge ganz Europa, zahllose Intellektuelle und Politiker solidarisierten sich mit dem Elend der Menschen aus dem Nahen Osten und Afrika. Seien es die Bilder der Ertrunkenen am Mittelmeerstrand oder die Bürgerkriegs- und Krankheitsopfer in Zentralafrika: Die Krisen und Unglücksfälle unserer Zeit sind allgegenwärtig in unserer Facebook-Timeline, im Fernsehen und in den Zeitungen. Der Autor und Regisseur Milo Rau unternahm zuletzt mit seinen international gefeierten Produktionen »The Civil Wars« (Koproduktion der Schaubühne, zu sehen bei F.I.N.D. 15) und »The Dark Ages« eine »politische Psychoanalyse« Europas und inszenierte mit »Das Kongo Tribunal« einen Volksprozess im ostkongolesischen Bürgerkriegsgebiet gegen internationale Minenfirmen. In »Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs« begibt sich Milo Rau gemeinsam mit seinem Team in die politischen Brennpunkte der heutigen Zeit: auf die Mittelmeerroute der Flüchtlinge aus dem Nahen Osten und ins kongolesische Bürgerkriegsgebiet. Der aus Interviews mit NGO-Mitarbeitern, Geistlichen und Kriegsopfern in Afrika und Europa gespeiste Doppel-Monolog betritt dabei bewusst widersprüchliches Gelände: Wie ertragen wir das Elend der Anderen, warum schauen wir es uns an? Warum wiegt ein Toter an den Toren Europas mehr als 1000 Tote in den kongolesischen Bürgerkriegsgebieten? So ist »Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs« nicht nur ein Nachdenken über die Grenzen unseres Mitleids – sondern auch über die Grenzen des europäischen Humanismus. Milo Rau in der Schweizer Sonntagszeitung: »Ich bin auch nur ein Arschloch! - Fünf Punkte gegen den zynischen Humanismus oder wie man anfängt, die Welt zu retten.« Im Rahmen des europäischen Theaternetzwerks Prospero (Schaubühne Berlin, Théâtre National de Bretagne/Rennes, Théâtre de Liège, Emilia Romagna Teatro Fondazione, Göteborgs Stadstheater, Croatian National Theatre/World Theatre Festival Zagreb, Athens & Epidaurus Festival) Altersempfehlung: ab 16 Jahren


Kategorie: Schauspiel

»Du hast deinen Witz von beiden Seiten abgestutzt und nichts in der Mitte gelassen. … Nun bist du eine Null ohne Ziffern.« (Shakespeare, »König Lear«) In seiner zweiten Arbeit an der Schaubühne begibt sich Herbert Fritsch mitten in die Geschichte der Selbstentdeckung der Welt und schlägt das rätselhafte Kapitel der Null auf: »Die Null irritiert, weil sie dort ein Nichts markiert, wo auch ein Etwas stehen könnte. Und sie fasziniert, weil sie dieses Etwas bezeichnet, ohne zu bestimmen, worin es besteht. An der Null lässt sich studieren, dass die Welt nicht determiniert ist, sondern offen für Operationen des Einsetzens und des Ersetzens.« (Dirk Baecker). Zu lange haben wir mit der Rezeption der Null als Nichts dem Mangel gehuldigt und uns selbst um die sich immer wieder neu erfindende, erprobende Kraft und ästhetische Freiheit der Null gebracht. Herbert Fritsch und sein Ensemble entdecken sie neu, studieren am Nichts der Null die Möglichkeit von Allem und versuchen sich selbst der Abwesenheit von Sinn entgegenzusetzen, ohne selbst Sinn zu sein: »Ich will keine Sehgewohnheiten aufbrechen und nicht dem Bürger die Maske vom Gesicht reißen. Ich will mit dem Nichts spielen, das sich als Etwas ausgibt.« (Herbert Fritsch)


Kategorie: Schauspiel

Kann man dem Anspruch gerecht werden, ein »guter Mensch zu sein und doch zu leben«? Ist es möglich, sich moralisch aufrecht zu verhalten in einer Gesellschaft, in der überall Egoismus, Korruption, Ausbeutung und Gier nach mehr die Verhältnisse bestimmen? Und ist das Ziel, ein guter Mensch sein zu wollen, überhaupt legitim in einer Welt, in der nicht gleiche Rechte für alle gelten, sondern in der einige Besitz, Rechte und Privilegien genießen, Zugang zu Bildung, Wohlstand, Arbeit und Ressourcen haben, während andere ausgeschlossen, unterdrückt, diskriminiert oder versklavt leben? Bertolt Brecht schickt in seinem Parabel-Stück drei Götter auf der Suche nach guten Menschen in einer schlechten Welt in die chinesische Provinz Sezuan. Die junge Prostituierte Shen Te bietet ihnen ein Nachtquartier an, ohne dafür etwas zu verlangen und wird von ihnen mit Geld belohnt. Davon kann sie sich eine Existenz jenseits der Prostitution aufbauen, verspricht den Göttern, ein guter Mensch zu bleiben, und eröffnet einen Tabakladen. Doch schon bald müssen Rechnungen bezahlt werden, und Ärmere bitten Shen Te um Hilfe, Unterstützung und Asyl. Die Kosten explodieren und dem Laden droht der Bankrott. Shen Te ist gezwungen, sich ein Alter Ego zu erfinden. Sie verschwindet und kommt in Gestalt ihres Vetters Shui Ta zurück, der auf unternehmerische Härte statt auf Almosen setzt, die Bittsteller im Tabakladen als Arbeitskräfte anstellt, und so den Laden vor der Pleite rettet. Bald verliebt sich Shen Te in den Flieger Sun, der ebenfalls Geld braucht, und erwartet von ihm ein Kind. Noch dazu regt sich der Verdacht der anderen, und ihr doppeltes Spiel als gute, aber mittellose Frau und böser, aber wirtschaftlich erfolgreicher Mann droht aufzufliegen. Peter Kleinert inszeniert regelmäßig an der Schaubühne in Koproduktion mit der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« Berlin. Auf der Suche nach einem gegenwärtigen politischen Bewusstsein befragt er zusammen mit zehn Schauspielstudierenden Brechts Parabel für eine Welt, die gute Menschen dringender denn je nötig zu haben scheint. Koproduktion mit der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« Berlin.


Kategorie: Schauspiel

»Du hast deinen Witz von beiden Seiten abgestutzt und nichts in der Mitte gelassen. … Nun bist du eine Null ohne Ziffern.« (Shakespeare, »König Lear«) In seiner zweiten Arbeit an der Schaubühne begibt sich Herbert Fritsch mitten in die Geschichte der Selbstentdeckung der Welt und schlägt das rätselhafte Kapitel der Null auf: »Die Null irritiert, weil sie dort ein Nichts markiert, wo auch ein Etwas stehen könnte. Und sie fasziniert, weil sie dieses Etwas bezeichnet, ohne zu bestimmen, worin es besteht. An der Null lässt sich studieren, dass die Welt nicht determiniert ist, sondern offen für Operationen des Einsetzens und des Ersetzens.« (Dirk Baecker). Zu lange haben wir mit der Rezeption der Null als Nichts dem Mangel gehuldigt und uns selbst um die sich immer wieder neu erfindende, erprobende Kraft und ästhetische Freiheit der Null gebracht. Herbert Fritsch und sein Ensemble entdecken sie neu, studieren am Nichts der Null die Möglichkeit von Allem und versuchen sich selbst der Abwesenheit von Sinn entgegenzusetzen, ohne selbst Sinn zu sein: »Ich will keine Sehgewohnheiten aufbrechen und nicht dem Bürger die Maske vom Gesicht reißen. Ich will mit dem Nichts spielen, das sich als Etwas ausgibt.« (Herbert Fritsch)


Kategorie: Schauspiel

»Manchmal spürt man erst beim Schreiben, dass ein Text eine bestimmte Form sucht, dass die Worte nicht nur geschrieben, sondern gesprochen, gezeigt werden wollen, mehr noch: dass das, was man schreibt, den eigenen Körper betrifft, die eigene Haut, dass man einen Raum braucht, ein Theater, in dem man sich anders ausliefert, direkter und schutzloser.«  Mit diesem Abend möchte Carolin Emcke über einige der Fragen nachdenken, die zuletzt durch die »#MeToo-Debatte« aufgeworfen wurden. Was sind die Bilder und Begriffe, welche Musik und welche Praktiken prägen unsere Vorstellungen von Lust und Unlust, wie bilden sich die Strukturen, die Muster, die Normen, in die hinein Männer und Frauen und alle dazwischen sich einpassen? Welche Hautfarben, welche Körper werden besonders in Zonen der Ohnmacht und des Schweigens verwiesen? Wie lässt sich Gewalt entlarven und verhindern, wie lassen sich Begehren und Lust ermöglichen? Welche Sprachen braucht es dafür, welche Räume, welche Allianzen? Mit heiteren, zornigen, poetischen, melancholischen Miniaturen versucht Carolin Emcke sich den vielschichtigen Facetten der Fragen von Sexualität und Wahrheit zu nähern. »Vielleicht muss das mit dem Wollen noch einmal erklärt werden. Etwas Spezifisches von einer bestimmten Person nicht zu wollen, heißt nicht, nichts zu wollen. […] Ein ›Nein‹ grenzt nur etwas ab, um, womöglich, dadurch die Räume zu öffnen für das, was gewollt wird, was Lust bereitet.«(Carolin Emcke)


Kategorie: Schauspiel

Kann man dem Anspruch gerecht werden, ein »guter Mensch zu sein und doch zu leben«? Ist es möglich, sich moralisch aufrecht zu verhalten in einer Gesellschaft, in der überall Egoismus, Korruption, Ausbeutung und Gier nach mehr die Verhältnisse bestimmen? Und ist das Ziel, ein guter Mensch sein zu wollen, überhaupt legitim in einer Welt, in der nicht gleiche Rechte für alle gelten, sondern in der einige Besitz, Rechte und Privilegien genießen, Zugang zu Bildung, Wohlstand, Arbeit und Ressourcen haben, während andere ausgeschlossen, unterdrückt, diskriminiert oder versklavt leben? Bertolt Brecht schickt in seinem Parabel-Stück drei Götter auf der Suche nach guten Menschen in einer schlechten Welt in die chinesische Provinz Sezuan. Die junge Prostituierte Shen Te bietet ihnen ein Nachtquartier an, ohne dafür etwas zu verlangen und wird von ihnen mit Geld belohnt. Davon kann sie sich eine Existenz jenseits der Prostitution aufbauen, verspricht den Göttern, ein guter Mensch zu bleiben, und eröffnet einen Tabakladen. Doch schon bald müssen Rechnungen bezahlt werden, und Ärmere bitten Shen Te um Hilfe, Unterstützung und Asyl. Die Kosten explodieren und dem Laden droht der Bankrott. Shen Te ist gezwungen, sich ein Alter Ego zu erfinden. Sie verschwindet und kommt in Gestalt ihres Vetters Shui Ta zurück, der auf unternehmerische Härte statt auf Almosen setzt, die Bittsteller im Tabakladen als Arbeitskräfte anstellt, und so den Laden vor der Pleite rettet. Bald verliebt sich Shen Te in den Flieger Sun, der ebenfalls Geld braucht, und erwartet von ihm ein Kind. Noch dazu regt sich der Verdacht der anderen, und ihr doppeltes Spiel als gute, aber mittellose Frau und böser, aber wirtschaftlich erfolgreicher Mann droht aufzufliegen. Peter Kleinert inszeniert regelmäßig an der Schaubühne in Koproduktion mit der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« Berlin. Auf der Suche nach einem gegenwärtigen politischen Bewusstsein befragt er zusammen mit zehn Schauspielstudierenden Brechts Parabel für eine Welt, die gute Menschen dringender denn je nötig zu haben scheint. Koproduktion mit der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« Berlin.


Kategorie: Schauspiel

»Du hast deinen Witz von beiden Seiten abgestutzt und nichts in der Mitte gelassen. … Nun bist du eine Null ohne Ziffern.« (Shakespeare, »König Lear«) In seiner zweiten Arbeit an der Schaubühne begibt sich Herbert Fritsch mitten in die Geschichte der Selbstentdeckung der Welt und schlägt das rätselhafte Kapitel der Null auf: »Die Null irritiert, weil sie dort ein Nichts markiert, wo auch ein Etwas stehen könnte. Und sie fasziniert, weil sie dieses Etwas bezeichnet, ohne zu bestimmen, worin es besteht. An der Null lässt sich studieren, dass die Welt nicht determiniert ist, sondern offen für Operationen des Einsetzens und des Ersetzens.« (Dirk Baecker). Zu lange haben wir mit der Rezeption der Null als Nichts dem Mangel gehuldigt und uns selbst um die sich immer wieder neu erfindende, erprobende Kraft und ästhetische Freiheit der Null gebracht. Herbert Fritsch und sein Ensemble entdecken sie neu, studieren am Nichts der Null die Möglichkeit von Allem und versuchen sich selbst der Abwesenheit von Sinn entgegenzusetzen, ohne selbst Sinn zu sein: »Ich will keine Sehgewohnheiten aufbrechen und nicht dem Bürger die Maske vom Gesicht reißen. Ich will mit dem Nichts spielen, das sich als Etwas ausgibt.« (Herbert Fritsch)


Kategorie: Schauspiel

»Manchmal spürt man erst beim Schreiben, dass ein Text eine bestimmte Form sucht, dass die Worte nicht nur geschrieben, sondern gesprochen, gezeigt werden wollen, mehr noch: dass das, was man schreibt, den eigenen Körper betrifft, die eigene Haut, dass man einen Raum braucht, ein Theater, in dem man sich anders ausliefert, direkter und schutzloser.«  Mit diesem Abend möchte Carolin Emcke über einige der Fragen nachdenken, die zuletzt durch die »#MeToo-Debatte« aufgeworfen wurden. Was sind die Bilder und Begriffe, welche Musik und welche Praktiken prägen unsere Vorstellungen von Lust und Unlust, wie bilden sich die Strukturen, die Muster, die Normen, in die hinein Männer und Frauen und alle dazwischen sich einpassen? Welche Hautfarben, welche Körper werden besonders in Zonen der Ohnmacht und des Schweigens verwiesen? Wie lässt sich Gewalt entlarven und verhindern, wie lassen sich Begehren und Lust ermöglichen? Welche Sprachen braucht es dafür, welche Räume, welche Allianzen? Mit heiteren, zornigen, poetischen, melancholischen Miniaturen versucht Carolin Emcke sich den vielschichtigen Facetten der Fragen von Sexualität und Wahrheit zu nähern. »Vielleicht muss das mit dem Wollen noch einmal erklärt werden. Etwas Spezifisches von einer bestimmten Person nicht zu wollen, heißt nicht, nichts zu wollen. […] Ein ›Nein‹ grenzt nur etwas ab, um, womöglich, dadurch die Räume zu öffnen für das, was gewollt wird, was Lust bereitet.«(Carolin Emcke)


Kategorie: Schauspiel

Kann man dem Anspruch gerecht werden, ein »guter Mensch zu sein und doch zu leben«? Ist es möglich, sich moralisch aufrecht zu verhalten in einer Gesellschaft, in der überall Egoismus, Korruption, Ausbeutung und Gier nach mehr die Verhältnisse bestimmen? Und ist das Ziel, ein guter Mensch sein zu wollen, überhaupt legitim in einer Welt, in der nicht gleiche Rechte für alle gelten, sondern in der einige Besitz, Rechte und Privilegien genießen, Zugang zu Bildung, Wohlstand, Arbeit und Ressourcen haben, während andere ausgeschlossen, unterdrückt, diskriminiert oder versklavt leben? Bertolt Brecht schickt in seinem Parabel-Stück drei Götter auf der Suche nach guten Menschen in einer schlechten Welt in die chinesische Provinz Sezuan. Die junge Prostituierte Shen Te bietet ihnen ein Nachtquartier an, ohne dafür etwas zu verlangen und wird von ihnen mit Geld belohnt. Davon kann sie sich eine Existenz jenseits der Prostitution aufbauen, verspricht den Göttern, ein guter Mensch zu bleiben, und eröffnet einen Tabakladen. Doch schon bald müssen Rechnungen bezahlt werden, und Ärmere bitten Shen Te um Hilfe, Unterstützung und Asyl. Die Kosten explodieren und dem Laden droht der Bankrott. Shen Te ist gezwungen, sich ein Alter Ego zu erfinden. Sie verschwindet und kommt in Gestalt ihres Vetters Shui Ta zurück, der auf unternehmerische Härte statt auf Almosen setzt, die Bittsteller im Tabakladen als Arbeitskräfte anstellt, und so den Laden vor der Pleite rettet. Bald verliebt sich Shen Te in den Flieger Sun, der ebenfalls Geld braucht, und erwartet von ihm ein Kind. Noch dazu regt sich der Verdacht der anderen, und ihr doppeltes Spiel als gute, aber mittellose Frau und böser, aber wirtschaftlich erfolgreicher Mann droht aufzufliegen. Peter Kleinert inszeniert regelmäßig an der Schaubühne in Koproduktion mit der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« Berlin. Auf der Suche nach einem gegenwärtigen politischen Bewusstsein befragt er zusammen mit zehn Schauspielstudierenden Brechts Parabel für eine Welt, die gute Menschen dringender denn je nötig zu haben scheint. Koproduktion mit der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« Berlin.


Kategorie: Schauspiel

Ödön von Horváth. Zeit seines Lebens fasziniert von spukhaften Phänomenen und Heimsuchungen, skurrilen Krankheitsbildern und seltsamen Unglücksfällen. Geboren 1901 in Fiume (heute Rijeka), gestorben 1938 in Paris. Erschlagen vom herabfallenden Ast einer Kastanie, in die der Blitz einschlug. Die Ironie: Tage zuvor hatte ihm eine Wahrsagerin »das größte Abenteuer« seines Lebens prophezeit. Horváths Tod hat etwas von einer streng artistischen Konsequenz. Er fügt sich ganz organisch in sein Werk ein, »das oft mit einem übermütigen Satz über den Zaun des Jenseits springt«. Und tatsächlich haben seine Figuren, seien es die unterprivilegierten Fräuleins oder frömmelnden Witwen, die verkorksten Intellektuellen, Kasimirs und Karolines, Schupos oder Zuschneider, eine gewisse Lebenstraurigkeit und Sehnsucht und blicken, wenn immer ihnen auf Erden nicht zu helfen ist, hinauf zu den Sternen. Oder auch bloß hinauf zum Zeppelin, der schwerelos vorüberschwebt. Und der Zeppelin, die »fliegende Aluwurst«, der leise surrende Gigant, das märchenhafte Fluggerät, der ist ein Symbol, ist Fetisch, Idol, Kaleidoskop der Gegensätze und Doppelmoral, Wunder und Phantasmagorie. Und Horváths Figuren sind in allem, ihrem Reden und Handeln, eigentlich ganz anders, sie kommen nur so selten dazu. »Zeppelin« ist Herbert Fritschs erste Arbeit an der Schaubühne und Auftakt einer regelmäßigen Zusammenarbeit. Fritsch inszeniert Texte aus dem Horváthschen Nachlass, von skurril abenteuerlichen Possen und Zaubermärchen bis hin zu Vorarbeiten seiner berühmten Volksstücke. Und Horváth soll erzählt werden, nur eben ganz anders. >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: »Kein Piña Colada«. Herbert Fritsch, Volksbühnen-Vertriebene und ein riesiges Luftschiff


Kategorie: Schauspiel

Kann man dem Anspruch gerecht werden, ein »guter Mensch zu sein und doch zu leben«? Ist es möglich, sich moralisch aufrecht zu verhalten in einer Gesellschaft, in der überall Egoismus, Korruption, Ausbeutung und Gier nach mehr die Verhältnisse bestimmen? Und ist das Ziel, ein guter Mensch sein zu wollen, überhaupt legitim in einer Welt, in der nicht gleiche Rechte für alle gelten, sondern in der einige Besitz, Rechte und Privilegien genießen, Zugang zu Bildung, Wohlstand, Arbeit und Ressourcen haben, während andere ausgeschlossen, unterdrückt, diskriminiert oder versklavt leben? Bertolt Brecht schickt in seinem Parabel-Stück drei Götter auf der Suche nach guten Menschen in einer schlechten Welt in die chinesische Provinz Sezuan. Die junge Prostituierte Shen Te bietet ihnen ein Nachtquartier an, ohne dafür etwas zu verlangen und wird von ihnen mit Geld belohnt. Davon kann sie sich eine Existenz jenseits der Prostitution aufbauen, verspricht den Göttern, ein guter Mensch zu bleiben, und eröffnet einen Tabakladen. Doch schon bald müssen Rechnungen bezahlt werden, und Ärmere bitten Shen Te um Hilfe, Unterstützung und Asyl. Die Kosten explodieren und dem Laden droht der Bankrott. Shen Te ist gezwungen, sich ein Alter Ego zu erfinden. Sie verschwindet und kommt in Gestalt ihres Vetters Shui Ta zurück, der auf unternehmerische Härte statt auf Almosen setzt, die Bittsteller im Tabakladen als Arbeitskräfte anstellt, und so den Laden vor der Pleite rettet. Bald verliebt sich Shen Te in den Flieger Sun, der ebenfalls Geld braucht, und erwartet von ihm ein Kind. Noch dazu regt sich der Verdacht der anderen, und ihr doppeltes Spiel als gute, aber mittellose Frau und böser, aber wirtschaftlich erfolgreicher Mann droht aufzufliegen. Peter Kleinert inszeniert regelmäßig an der Schaubühne in Koproduktion mit der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« Berlin. Auf der Suche nach einem gegenwärtigen politischen Bewusstsein befragt er zusammen mit zehn Schauspielstudierenden Brechts Parabel für eine Welt, die gute Menschen dringender denn je nötig zu haben scheint. Koproduktion mit der Hochschule für Schauspielkunst »Ernst Busch« Berlin.


Kategorie: Schauspiel

Ödön von Horváth. Zeit seines Lebens fasziniert von spukhaften Phänomenen und Heimsuchungen, skurrilen Krankheitsbildern und seltsamen Unglücksfällen. Geboren 1901 in Fiume (heute Rijeka), gestorben 1938 in Paris. Erschlagen vom herabfallenden Ast einer Kastanie, in die der Blitz einschlug. Die Ironie: Tage zuvor hatte ihm eine Wahrsagerin »das größte Abenteuer« seines Lebens prophezeit. Horváths Tod hat etwas von einer streng artistischen Konsequenz. Er fügt sich ganz organisch in sein Werk ein, »das oft mit einem übermütigen Satz über den Zaun des Jenseits springt«. Und tatsächlich haben seine Figuren, seien es die unterprivilegierten Fräuleins oder frömmelnden Witwen, die verkorksten Intellektuellen, Kasimirs und Karolines, Schupos oder Zuschneider, eine gewisse Lebenstraurigkeit und Sehnsucht und blicken, wenn immer ihnen auf Erden nicht zu helfen ist, hinauf zu den Sternen. Oder auch bloß hinauf zum Zeppelin, der schwerelos vorüberschwebt. Und der Zeppelin, die »fliegende Aluwurst«, der leise surrende Gigant, das märchenhafte Fluggerät, der ist ein Symbol, ist Fetisch, Idol, Kaleidoskop der Gegensätze und Doppelmoral, Wunder und Phantasmagorie. Und Horváths Figuren sind in allem, ihrem Reden und Handeln, eigentlich ganz anders, sie kommen nur so selten dazu. »Zeppelin« ist Herbert Fritschs erste Arbeit an der Schaubühne und Auftakt einer regelmäßigen Zusammenarbeit. Fritsch inszeniert Texte aus dem Horváthschen Nachlass, von skurril abenteuerlichen Possen und Zaubermärchen bis hin zu Vorarbeiten seiner berühmten Volksstücke. Und Horváth soll erzählt werden, nur eben ganz anders. >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: »Kein Piña Colada«. Herbert Fritsch, Volksbühnen-Vertriebene und ein riesiges Luftschiff


Kategorie: Schauspiel

Ödön von Horváth. Zeit seines Lebens fasziniert von spukhaften Phänomenen und Heimsuchungen, skurrilen Krankheitsbildern und seltsamen Unglücksfällen. Geboren 1901 in Fiume (heute Rijeka), gestorben 1938 in Paris. Erschlagen vom herabfallenden Ast einer Kastanie, in die der Blitz einschlug. Die Ironie: Tage zuvor hatte ihm eine Wahrsagerin »das größte Abenteuer« seines Lebens prophezeit. Horváths Tod hat etwas von einer streng artistischen Konsequenz. Er fügt sich ganz organisch in sein Werk ein, »das oft mit einem übermütigen Satz über den Zaun des Jenseits springt«. Und tatsächlich haben seine Figuren, seien es die unterprivilegierten Fräuleins oder frömmelnden Witwen, die verkorksten Intellektuellen, Kasimirs und Karolines, Schupos oder Zuschneider, eine gewisse Lebenstraurigkeit und Sehnsucht und blicken, wenn immer ihnen auf Erden nicht zu helfen ist, hinauf zu den Sternen. Oder auch bloß hinauf zum Zeppelin, der schwerelos vorüberschwebt. Und der Zeppelin, die »fliegende Aluwurst«, der leise surrende Gigant, das märchenhafte Fluggerät, der ist ein Symbol, ist Fetisch, Idol, Kaleidoskop der Gegensätze und Doppelmoral, Wunder und Phantasmagorie. Und Horváths Figuren sind in allem, ihrem Reden und Handeln, eigentlich ganz anders, sie kommen nur so selten dazu. »Zeppelin« ist Herbert Fritschs erste Arbeit an der Schaubühne und Auftakt einer regelmäßigen Zusammenarbeit. Fritsch inszeniert Texte aus dem Horváthschen Nachlass, von skurril abenteuerlichen Possen und Zaubermärchen bis hin zu Vorarbeiten seiner berühmten Volksstücke. Und Horváth soll erzählt werden, nur eben ganz anders. >>> Essay zum Stück in Pearson's Preview: »Kein Piña Colada«. Herbert Fritsch, Volksbühnen-Vertriebene und ein riesiges Luftschiff


Kategorie: Schauspiel

Im vergangenen Sommer übermannte das Schicksal der Flüchtlinge ganz Europa, zahllose Intellektuelle und Politiker solidarisierten sich mit dem Elend der Menschen aus dem Nahen Osten und Afrika. Seien es die Bilder der Ertrunkenen am Mittelmeerstrand oder die Bürgerkriegs- und Krankheitsopfer in Zentralafrika: Die Krisen und Unglücksfälle unserer Zeit sind allgegenwärtig in unserer Facebook-Timeline, im Fernsehen und in den Zeitungen. Der Autor und Regisseur Milo Rau unternahm zuletzt mit seinen international gefeierten Produktionen »The Civil Wars« (Koproduktion der Schaubühne, zu sehen bei F.I.N.D. 15) und »The Dark Ages« eine »politische Psychoanalyse« Europas und inszenierte mit »Das Kongo Tribunal« einen Volksprozess im ostkongolesischen Bürgerkriegsgebiet gegen internationale Minenfirmen. In »Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs« begibt sich Milo Rau gemeinsam mit seinem Team in die politischen Brennpunkte der heutigen Zeit: auf die Mittelmeerroute der Flüchtlinge aus dem Nahen Osten und ins kongolesische Bürgerkriegsgebiet. Der aus Interviews mit NGO-Mitarbeitern, Geistlichen und Kriegsopfern in Afrika und Europa gespeiste Doppel-Monolog betritt dabei bewusst widersprüchliches Gelände: Wie ertragen wir das Elend der Anderen, warum schauen wir es uns an? Warum wiegt ein Toter an den Toren Europas mehr als 1000 Tote in den kongolesischen Bürgerkriegsgebieten? So ist »Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs« nicht nur ein Nachdenken über die Grenzen unseres Mitleids – sondern auch über die Grenzen des europäischen Humanismus. Milo Rau in der Schweizer Sonntagszeitung: »Ich bin auch nur ein Arschloch! - Fünf Punkte gegen den zynischen Humanismus oder wie man anfängt, die Welt zu retten.« Im Rahmen des europäischen Theaternetzwerks Prospero (Schaubühne Berlin, Théâtre National de Bretagne/Rennes, Théâtre de Liège, Emilia Romagna Teatro Fondazione, Göteborgs Stadstheater, Croatian National Theatre/World Theatre Festival Zagreb, Athens & Epidaurus Festival) Altersempfehlung: ab 16 Jahren


Kategorie: Schauspiel

Im vergangenen Sommer übermannte das Schicksal der Flüchtlinge ganz Europa, zahllose Intellektuelle und Politiker solidarisierten sich mit dem Elend der Menschen aus dem Nahen Osten und Afrika. Seien es die Bilder der Ertrunkenen am Mittelmeerstrand oder die Bürgerkriegs- und Krankheitsopfer in Zentralafrika: Die Krisen und Unglücksfälle unserer Zeit sind allgegenwärtig in unserer Facebook-Timeline, im Fernsehen und in den Zeitungen. Der Autor und Regisseur Milo Rau unternahm zuletzt mit seinen international gefeierten Produktionen »The Civil Wars« (Koproduktion der Schaubühne, zu sehen bei F.I.N.D. 15) und »The Dark Ages« eine »politische Psychoanalyse« Europas und inszenierte mit »Das Kongo Tribunal« einen Volksprozess im ostkongolesischen Bürgerkriegsgebiet gegen internationale Minenfirmen. In »Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs« begibt sich Milo Rau gemeinsam mit seinem Team in die politischen Brennpunkte der heutigen Zeit: auf die Mittelmeerroute der Flüchtlinge aus dem Nahen Osten und ins kongolesische Bürgerkriegsgebiet. Der aus Interviews mit NGO-Mitarbeitern, Geistlichen und Kriegsopfern in Afrika und Europa gespeiste Doppel-Monolog betritt dabei bewusst widersprüchliches Gelände: Wie ertragen wir das Elend der Anderen, warum schauen wir es uns an? Warum wiegt ein Toter an den Toren Europas mehr als 1000 Tote in den kongolesischen Bürgerkriegsgebieten? So ist »Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs« nicht nur ein Nachdenken über die Grenzen unseres Mitleids – sondern auch über die Grenzen des europäischen Humanismus. Milo Rau in der Schweizer Sonntagszeitung: »Ich bin auch nur ein Arschloch! - Fünf Punkte gegen den zynischen Humanismus oder wie man anfängt, die Welt zu retten.« Im Rahmen des europäischen Theaternetzwerks Prospero (Schaubühne Berlin, Théâtre National de Bretagne/Rennes, Théâtre de Liège, Emilia Romagna Teatro Fondazione, Göteborgs Stadstheater, Croatian National Theatre/World Theatre Festival Zagreb, Athens & Epidaurus Festival) Altersempfehlung: ab 16 Jahren


Kategorie: Schauspiel

Sie sagten mir: Du bist ein Mann. Sie sagten dir: Du bist eine Frau. Sie sagten mir: Boys don’t cry. Sie sagten dir: Girls just wanna have fun. Sie sagten mir: Verwirkliche dich. Sie sagten dir: Gib dich hin. Sie sagten mir: Stell dich nicht so an. Sie sagten dir: Mach keine Zicken. Sie fragten mich: Wann heiratet ihr denn endlich? Sie fragten dich: Willst du etwa keine Kinder? Sie fragten mich: Warum bist du immer noch nicht befördert worden? Sie fragten dich: Warum arbeitest du so viel? Sie sagten mir: Schneid dir mal die Haare. Sie sagten dir: Du siehst ja aus wie ein Junge. Sie sagten mir: Kochen ist schwul. Sie sagten dir: Karriere ist doch nicht alles. Ich sage: Ich will das männliche Geschlecht nicht, das mir bei der Geburt zugewiesen wurde. Du sagst: Ich will das weibliche Geschlecht nicht, das mir bei der Geburt zugewiesen wurde. Ich und du sagen: Ich will das alles nicht. Ich und du sagen: Ich will mich nach innen wenden. Raus aus dem Käfig. Ich will mich verwandeln. In mich. Nicht nur hier und jetzt und einmal. Nein – I want this every fucking day!   Nach »thisisitgirl« und »LOVE HURTS IN TINDER TIMES«, in denen er sich bereits kopfüber hineinstürzte in dieses Dickicht aus Liebe, sozialen und biologischen Bedingtheiten, Gender und Gender Trouble, taucht Patrick Wengenroth in seiner neuesten Arbeit nun mitten hinein in die komplexen Tiefen der Gender-Fluidität. Ließe sich den fixen Zuschreibungen und Kategorien vielleicht der Gedanke eines permanenten Werdens entgegensetzen?


Kategorie: Schauspiel

Hamlet wird wahnsinnig. Sein Vater ist an einer plötzlichen, seltsamen Krankheit gestorben, die Mutter hat nach nur einem Monat wieder geheiratet, und zwar den Bruder ihres verstorbenen Mannes. Nachts hat Hamlet Visionen von seinem Vater: Der behauptet, sein Bruder habe ihn vergiftet. Nun soll Hamlet für ihn Rache nehmen und den Stiefvater töten. Zuerst spielt Hamlet den Wahnsinnigen, um seine Mordpläne zu verbergen. Dabei verliert er den Boden unter den Füßen. Die Freunde entpuppen sich als Spitzel des Stiefvaters, selbst seine Geliebte Ophelia wird Teil des Komplotts. Der Jäger wird selbst zum Gejagten. Hinter jeder Tapete und jedem Vorhang lauschen die Denunzianten. Der Paranoide wird wirklich verfolgt. Aus gespieltem wird echter Irrsinn, in dem Hamlet schließlich den Falschen tötet: Polonius, Ophelias Vater. Mutter und Stiefvater vertuschen den Mord und ziehen Hamlet aus dem Verkehr. An alledem zerbricht Ophelia und bringt sich um. Erst die Initiative seines Stiefvaters, ihn endgültig zum Schweigen zu bringen, spielt Hamlet die Gelegenheit in die Hände, in einem letzten Amoklauf seine ganze Welt zum Untergang zu zwingen. Im Paradox des handlungsunfähigen Handlungsträgers bietet Shakespeares »Hamlet« eine zeitlos aktuelle Analyse des intellektuellen Dilemmas zwischen komplexem Denken und politischer Tat. In Ostermeiers Inszenierung werden die bis zu 20 Figuren von nur sechs Schauspielern gespielt, die ständig die Rollen wechseln. Der fortschreitende Realitätsverlust Hamlets, seine Desorientierung, die Manipulation von Wirklichkeit und Identität finden so ihre Entsprechung in einer Spielweise, die die Strategie der Verstellung zum Grundprinzip erhebt.


Kategorie: Schauspiel

Im vergangenen Sommer übermannte das Schicksal der Flüchtlinge ganz Europa, zahllose Intellektuelle und Politiker solidarisierten sich mit dem Elend der Menschen aus dem Nahen Osten und Afrika. Seien es die Bilder der Ertrunkenen am Mittelmeerstrand oder die Bürgerkriegs- und Krankheitsopfer in Zentralafrika: Die Krisen und Unglücksfälle unserer Zeit sind allgegenwärtig in unserer Facebook-Timeline, im Fernsehen und in den Zeitungen. Der Autor und Regisseur Milo Rau unternahm zuletzt mit seinen international gefeierten Produktionen »The Civil Wars« (Koproduktion der Schaubühne, zu sehen bei F.I.N.D. 15) und »The Dark Ages« eine »politische Psychoanalyse« Europas und inszenierte mit »Das Kongo Tribunal« einen Volksprozess im ostkongolesischen Bürgerkriegsgebiet gegen internationale Minenfirmen. In »Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs« begibt sich Milo Rau gemeinsam mit seinem Team in die politischen Brennpunkte der heutigen Zeit: auf die Mittelmeerroute der Flüchtlinge aus dem Nahen Osten und ins kongolesische Bürgerkriegsgebiet. Der aus Interviews mit NGO-Mitarbeitern, Geistlichen und Kriegsopfern in Afrika und Europa gespeiste Doppel-Monolog betritt dabei bewusst widersprüchliches Gelände: Wie ertragen wir das Elend der Anderen, warum schauen wir es uns an? Warum wiegt ein Toter an den Toren Europas mehr als 1000 Tote in den kongolesischen Bürgerkriegsgebieten? So ist »Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs« nicht nur ein Nachdenken über die Grenzen unseres Mitleids – sondern auch über die Grenzen des europäischen Humanismus. Milo Rau in der Schweizer Sonntagszeitung: »Ich bin auch nur ein Arschloch! - Fünf Punkte gegen den zynischen Humanismus oder wie man anfängt, die Welt zu retten.« Im Rahmen des europäischen Theaternetzwerks Prospero (Schaubühne Berlin, Théâtre National de Bretagne/Rennes, Théâtre de Liège, Emilia Romagna Teatro Fondazione, Göteborgs Stadstheater, Croatian National Theatre/World Theatre Festival Zagreb, Athens & Epidaurus Festival) Altersempfehlung: ab 16 Jahren


Kategorie: Schauspiel

Sie sagten mir: Du bist ein Mann. Sie sagten dir: Du bist eine Frau. Sie sagten mir: Boys don’t cry. Sie sagten dir: Girls just wanna have fun. Sie sagten mir: Verwirkliche dich. Sie sagten dir: Gib dich hin. Sie sagten mir: Stell dich nicht so an. Sie sagten dir: Mach keine Zicken. Sie fragten mich: Wann heiratet ihr denn endlich? Sie fragten dich: Willst du etwa keine Kinder? Sie fragten mich: Warum bist du immer noch nicht befördert worden? Sie fragten dich: Warum arbeitest du so viel? Sie sagten mir: Schneid dir mal die Haare. Sie sagten dir: Du siehst ja aus wie ein Junge. Sie sagten mir: Kochen ist schwul. Sie sagten dir: Karriere ist doch nicht alles. Ich sage: Ich will das männliche Geschlecht nicht, das mir bei der Geburt zugewiesen wurde. Du sagst: Ich will das weibliche Geschlecht nicht, das mir bei der Geburt zugewiesen wurde. Ich und du sagen: Ich will das alles nicht. Ich und du sagen: Ich will mich nach innen wenden. Raus aus dem Käfig. Ich will mich verwandeln. In mich. Nicht nur hier und jetzt und einmal. Nein – I want this every fucking day!   Nach »thisisitgirl« und »LOVE HURTS IN TINDER TIMES«, in denen er sich bereits kopfüber hineinstürzte in dieses Dickicht aus Liebe, sozialen und biologischen Bedingtheiten, Gender und Gender Trouble, taucht Patrick Wengenroth in seiner neuesten Arbeit nun mitten hinein in die komplexen Tiefen der Gender-Fluidität. Ließe sich den fixen Zuschreibungen und Kategorien vielleicht der Gedanke eines permanenten Werdens entgegensetzen?


Kategorie: Schauspiel


Änderungen vorbehalten! - Angaben ohne Gewähr! - Stand:23.12.18
© Fotos der Vorstellungen: [+][-]
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