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Spielplan für Januar 2019

Ein junger Mann am Sterbebett seines Vaters. Der Vater ist auf der Schwelle – noch da und schon weg. Man kann noch mit ihm reden, vielleicht hört er es noch, aber er wird nicht mehr antworten. Der junge Mann schaut zurück auf sein eigenes Leben, schaut zugleich in seine eigene Zukunft. Die westliche Kulturgeschichte arbeitet sich seit Anbeginn an der Figur des Vaters ab. Das verwandtschaftliche Verhältnis dient dabei als Projektionsfläche für mal stabilisierende, mal erdrückende Autorität. Doch spätestens seit der Durchsetzung vergeschlechtlichter Arbeitsteilung in der frühen Industriegesellschaft sind die viel beschäftigten Väter vor allem eins: abwesend – ob auf Arbeit, im Krieg oder auf hoher See. Was aber bedeutet die drohende, sehr konkrete Abwesenheit im Moment des Sterbens für die Biografie der Nachkommen? Welche Fragen hätte man noch stellen wollen? Welche Antworten gehen mit dem Tod des Vaters für immer verloren? Und wie viele Geheimnisse nimmt der Mann, der einen großgezogen hat und der nun als Greis da im Bett liegt, eigentlich mit ins Grab? Nach seinen filmischen Arbeiten, die mit schonungslosem Blick deutsche Zustände beschreiben und mit zahlreichen Preisen – darunter der Silberne Bär für Kreuzweg – prämiert wurden, arbeitet Dietrich Brüggemann mit Vater das erste Mal für das Theater.


Kategorie: Schauspiel

"Die Welt machte mich zu einer Hure, nun mache ich sie zu einem Bordell." Claire Zachanassian kehrt als mächtige Frau von Welt in ihr Heimatdorf Güllen zurück. Vor Jahrzehnten musste sie aus dem Dorf fliehen, weil sie ein uneheliches Kind von Alfred Ill erwartete. Dieser leugnete die Vaterschaft und gewann mit Hilfe bestochener Zeugen den von Claire gegen ihn initiierten Prozess. Nun will sich Claire, inzwischen amerikanische Milliardärin, an ihm und den Dorfbewohnern rächen. Aus der Ferne hat sie alle Firmen in Güllen aufgekauft und pleite gehen lassen. Den Bewohnern der Stadt bietet sie eine Milliarde, wenn man ihr Ill opfert. Zunächst empört und dann doch verzaubert vom nahenden Reichtum, verfallen die Güllener in einen Kaufrausch und erwarten von Ill, dass er für das Gemeinwohl freiwillig aus dem Leben scheidet. Den Regisseur Bastian Kraft interessiert an Friedrich Dürrenmatts bösartigem Gedankenspiel die Frage, wie wir mit den Wunden umgehen, die uns zugefügt wurden und welche Komplizenschaft private Selbstjustiz mit der sozialen Dominanz des Kapitals eingeht.


Kategorie: Schauspiel

"Sie werden kein Spiel sehen. Hier wird nicht gespielt werden. (…) Wir sind keine Darsteller. Wir stellen nichts dar. Wir stellen nichts vor." Peter Handkes erstes "Sprechstück" kündigt die Grundlagen der bürgerlichen Theatersituation auf. Die Schauspieler spielen nicht, sie richten sich in ihrem Sprechen direkt an den Zuschauer, der aus seiner Rolle des nichtbeteiligten Voyeurs herausgekitzelt wird. Die Uraufführung 1966 am Theater am Turm in Frankfurt in der Regie von Claus Peymann war ein Skandal. Das Stück ein "Aufstand gegen das Bestehende" (Peymann). Und heute? Was hat es noch auf sich mit diesem Stück, das in Tiraden an das Publikum gipfelt, um sich am Ende beim Zuschauer zu bedanken?  Was will, kann, darf und fordert das Theater und was das Publikum – wie treffen sie am Abend selbst aufeinander?


Kategorie: Schauspiel

Fassung von Tilmann Köhler und Juliane Koepp "Was reden sie. Ich, Medea, hätte meine Kinder umgebracht. Ich, Medea, hätte mich an dem ungetreuen Jason rächen wollen. Wer soll das glauben." Verstoßen aus dem königlichen Palast, in dem sie mit ihrem Mann Jason und ihren Kindern Exil fand, erzählt Medea ihre Version ihrer Geschichte: Wie sie ihr Land verlassen musste, wie sie ein entsetzliches Verbrechen entdeckte und unbequeme Fragen stellte, und wie ein Netz aus Verleumdungen und Lügen sie aus dem Palast vertrieb. Medea. Stimmen entstand als radikale Korrektur des gängigen Medea-Bildes. Erst seit Euripides, vorher nicht, ist sie die blutrünstige Furie, die ihre Kinder mordet. Christa Wolf fragt nach der Deutungshoheit über Historie – und danach, wessen Interesse es ist, die "wilde Frau" als Mörderin hinzustellen. Erstes Motiv aber sind für die Autorin die selbstzerstörerischen Tendenzen unserer abendländischen Zivilisation: Kolonialismus, Fremdenhass, Ausgrenzung. Wenn am Schluss das Volk aufgehetzt und blind vor Hass gegen die Fremde ist, bleibt Medea nur zu fragen: "Ist eine Welt zu denken, eine Zeit, in die ich passen könnte" – ein wütendes Fragen, ein Anrennen gegen Resignation, auf der Suche nach einem Neuanfang, nach neuen Werte-Hierarchien – nach der Zukunft.


Kategorie: Schauspiel

In einer Fassung von Alexander Riemenschneider und Meike Schmitz "Menschen gingen an ihr vorüber, aber keiner sagte etwas. Sie sah nicht aus, als wäre sie verlorengegangen. Sie sah aus, als wartete sie." Eine Stadt irgendwo in Westeuropa. Es ist Winter. Auf dem Markt steht plötzlich ein Mädchen. Woher sie kommt? Warum sie hier ist? Wie sie heißt? Sie weiß es nicht. Yiza, sagt sie, also heißt sie von nun an Yiza. Nach einiger Zeit lernt Yiza einen Jungen kennen: Arian. Gemeinsam machen sich die beiden auf den Weg. Ihr Ziel: Etwas zu essen und ein warmer Ort, an dem sie bleiben können. Das Mädchen mit dem Fingerhut erzählt die Geschichte zweier Kinder, die auf sich alleingestellt, in der Wildnis unserer Welt ums Überleben kämpfen. Der Autor Michael Köhlmeier schaut ihnen dabei mit großer Empathie über die Schulter und beschreibt, was er aus ihrer Perspektive sieht: Eine Welt, in der das Gutgemeinte oft nicht das Richtige ist und Mitleid sonderbaren Regeln folgt. "Sie mögen Kinder nicht, die Augenbrauen habe wie du", heißt es. Auf diese Weise macht Michael Köhlmeier erfahrbar, was absolute Fremdheit und "Nichtverstehen" bedeuten. Am Ende nimmt Arian Yiza mit zu seinen Freunden. "Die Freunde", schreibt Köhlmeier, "das sind eine Horde von Zerlumpten, die bereits zu alt sind für Mitleid und Rührung." In der Doppeldeutigkeit dieses Satzes bringt er eine für unser zukünftiges Zusammenleben vielleicht entscheidende Beobachtung zum Ausdruck: Die Freunde sind nicht nur zu alt, um Mitleid und Rührung in uns zu wecken, vielleicht haben sie auch schon zu viel erlebt, um selbst noch Mitleid und Rührung empfinden zu können.


Kategorie: Schauspiel

"…und alle heben sich gleichzeitig empor / von ihren Stangen / und flattern hinauf in die Kuppel / als hätten sie das Loch dort oben im Eisengitter / erst jetzt gesehen…"   Die Schauspielerin Jutta Wachowiak, geboren 1940, spielt die Wärterin in einem geheimnisvollen Park. Dinosaurier werden hier gezüchtet. Es soll ein Vergnügungspark werden. Sie nimmt heimlich einen kleinen Dino mit nach Hause. Er wächst und wächst, lernt Kunststücke und tritt im Zoo auf. Die Geschichte des Parks, den man weder verlassen, noch unkontrolliert betreten darf, vermischt sich mit der Biografie Wachowiaks. Sie hat viel zu erzählen: vom Krieg, von einem Land, das es nicht mehr gibt, von dem Land, in dem sie jetzt lebt. Einst äußerst erfolgreich in Film und Theater der DDR und mehrfach ausgezeichnet, ist für die Schauspielerin nach der Öffnung des Parks nichts mehr so wie es war. Sie haben die Fenster aufgemacht. Die neue Freiheit ließ sich nicht genießen. Die Ignoranz gegenüber Fähigkeiten, Wissen, Ideen und Erlebtem und die Enttäuschung darüber führt sie zu einem Neuanfang nach Essen, zu Arbeiten mit jungen Regisseuren, und zurück nach Berlin an das Deutsche Theater in einen ehemaligen Vergnügungspark.


Kategorie: Schauspiel

Sebastian Hartmann ist der große Menschenerkunder unter den deutschsprachigen Theaterregisseuren der Gegenwart. Und ein Romantiker dazu, dessen Inszenierungen stets aufbrechen ins Offene: in die Richtung derjenigen Kräfte, Entäußerungen und Abgründe, die unsere Existenz prägen und unserer Ratio entgehen. Wie in einem Teilchenbeschleuniger lassen Hartmann und sein Ensemble in Hunger. Peer Gynt die beiden Texte Knut Hamsuns und Henrik Ibsens aufeinanderprallen. Auf dass in den Funken, die in diesen thematischen und sprachlichen Kollisionen entstehen, in den Energien und Facetten, die dabei freiwerden, die Konturen eines anderen Bildes, einer anderen Erzählung von uns und unserem Ort in der Welt wahrnehmbar werden. "Mich interessiert die Feier des Augenblicks" Sebastian Hartmann im Gespräch zu "Hunger. Peer Gynt"


Kategorie: Schauspiel

Fassung von Thom Luz und David Heiligers Obwohl er beides hasst – Spazierengehen wie Museumsbesuche – spaziert der Musikkritiker Reger seit über dreißig Jahren ins Kunsthistorische Museum, wo er im Bordone-Saal seine Vormittage verbringt. Dort betrachtet er die sogenannten Meisterwerke, vornehmlich Tintorettos Weißbärtigen Mann , um mit großer Lust und Akribie in ihnen das Unfertige, das Fragmentarische und Fehlerhafte zu entdecken. Stets an seiner Seite: der Saaldiener Irrsigler, der ihm als Ansprechpartner und Sprachrohr dient. Eigentlich nämlich ist Reger die Museumssitzbank über die Jahrzehnte zum Denk- und Lesezimmer geworden. Umgeben von den Alten Meistern, inmitten der idealen Raumtemperatur und perfekten Lichtverhältnisse, durchblättert er die Bücher der Großen Geister, sucht die Wahrheit und findet ihre Lücke. Im Grunde genommen aber sichert ihm diese verrückte Gewohnheit das Überleben – vor allem nach dem Tod seiner Frau, der ihn die eigene Unvollkommenheit schmerzhaft deutlich spüren lässt. Thom Luz inszeniert Thomas Bernhards 1985 erschienen Roman als helle, verzweifelte Hommage an die speziellen Talente einsamer Menschen und macht sich auf die Suche nach der Liebeserklärung hinter der Hasstirade.


Kategorie: Schauspiel

In der Übersetzung von Renate Bleibtreu 1965 lag der schwedische Regisseur Ingmar Bergman mit Lungenentzündung im Krankenhaus. Im Krankenzimmer entwarf er das Drehbuch für seinen experimentellen Spielfilm Persona . Später sagte er, Teile des Films entsprächen einem "Gedicht über seine persönliche Situation". "Ausgebrannt, wie tot", habe er sich gefühlt, gedacht, er könne nie wieder etwas erschaffen. Im Drehbuch wird der Krankenschwester Alma die Pflege für die gefeierte Filmschauspielerin Elisabeth Vogler übertragen. Diese hatte nach einer Vorstellung von Elektra aufgehört zu sprechen. In einem Haus am Meer verbringen die zwei ungleichen Frauen einen vorerst unbeschwerten Sommer. Alma spricht. Elisabeth hört zu. Als Alma einen Brief findet, in dem sich Elisabeth über sie lustig macht, kippt die Situation. Tatsächlich geht es in Persona um mehr als nur Depression oder Erschöpfung. Vielmehr gründet der Kern des Stoffes auf einer tiefgehenden Skepsis an der Konstruktion der Identität des Menschen. Beide Frauen im Stück stellen diese Fragen gleichermaßen und verschmelzen darin miteinander. In Anna Bergmanns Inszenierung spiegelt sich dieser Gedanke auf besondere Art: Die zwei Darstellerinnen werden im Laufe der Koproduktion Malmö – Berlin die Rollen tauschen: spricht zuerst die eine, übernimmt die andere ihre Rolle, wenn Land und Theater gewechselt werden. Koproduktion mit dem Malmö Stadsteater


Kategorie: Schauspiel

Ein junger Mann am Sterbebett seines Vaters. Der Vater ist auf der Schwelle – noch da und schon weg. Man kann noch mit ihm reden, vielleicht hört er es noch, aber er wird nicht mehr antworten. Der junge Mann schaut zurück auf sein eigenes Leben, schaut zugleich in seine eigene Zukunft. Die westliche Kulturgeschichte arbeitet sich seit Anbeginn an der Figur des Vaters ab. Das verwandtschaftliche Verhältnis dient dabei als Projektionsfläche für mal stabilisierende, mal erdrückende Autorität. Doch spätestens seit der Durchsetzung vergeschlechtlichter Arbeitsteilung in der frühen Industriegesellschaft sind die viel beschäftigten Väter vor allem eins: abwesend – ob auf Arbeit, im Krieg oder auf hoher See. Was aber bedeutet die drohende, sehr konkrete Abwesenheit im Moment des Sterbens für die Biografie der Nachkommen? Welche Fragen hätte man noch stellen wollen? Welche Antworten gehen mit dem Tod des Vaters für immer verloren? Und wie viele Geheimnisse nimmt der Mann, der einen großgezogen hat und der nun als Greis da im Bett liegt, eigentlich mit ins Grab? Nach seinen filmischen Arbeiten, die mit schonungslosem Blick deutsche Zustände beschreiben und mit zahlreichen Preisen – darunter der Silberne Bär für Kreuzweg – prämiert wurden, arbeitet Dietrich Brüggemann mit Vater das erste Mal für das Theater.


Kategorie: Schauspiel

"Das Gewitter ist genau über uns", schreibt Moritz Rinke in seinem neuen Stück. Es erzählt von einer untergehenden Welt: von Burgen der Bürgerlichkeit, die brüchig geworden sind.- von einsamen Menschen, deren Biografien, Gesichter und Körper vernarbt sind vom Krieg und vom Zwang, schön und erfolgreich zu sein. Eduard ist Schönheitschirurg, Charlotte eine erfolgreiche Sängerin. Das Kind, das Charlotte sich gewünscht hatte, haben die beiden nicht bekommen. Nun ist das neu gekaufte Haus zu leer, der Garten zu groß, der nahe See zu still. Umso mehr sprudeln die Pläne: Pläne für ein neues Gartenhaus (Fichtenholz), für die neue Praxis (lindgrün), für Um- und Anbauten, das nächste Gesangskonzert, die nächste Nasenkorrektur… In diese Welt bricht Michael ein. Eduard und "Mick" haben beide Medizin studiert, inzwischen trennen die beiden Welten. Eduard operiert im Krisengebiet der westlichen Seele.- dort entfernt er die Angst, alt und wertlos zu sein. Michael, der jüngere der beiden, arbeitet für eine humanitäre Organisation und kommt eben aus Afghanistan zurück. Was er mitbringt, sind Geschichten von westlicher Gewalt, von Minenopfern, verzweifelten Todeskämpfen und sinnlosem Sterben. Und dann ist da noch Lilly, die junge Nachbarin, eine Medizinstudentin, die nur in den Sommerwochen bei ihrem Vater Marek und dessen amerikanisch-russischer Freundin Eleonora lebt. Als die Nachbarsfamilie zu Besuch kommt, droht die alte Ordnung endgültig zu zerfallen.


Kategorie: Schauspiel

"Es soll eine Ehre sein, wenn ein Boxer bei mir trainiert. Und wenn einer in Not ist, bin ich da." (Ulli Wegner) Ulli Wegner ist der erfolgreichste Box-Trainer Deutschlands, der über sich selber sagt: "Trainer zu sein ist mein Leben". Ursprünglich will er Fußballer werden, kommt eher aus Zufall zum Boxen, wird als Aktiver 1970 mit der Wismut Gera DDR-Mannschaftsmeister. Und in Gera, Anfang der siebziger Jahre, beginnt unter Trainer-Legende Hans Spazierer auch seine inzwischen weit über vierzigjährige Karriere als Trainer. Als Amateurtrainer erkämpft er mit seinen Boxern rund 150 Medaillen bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften sowie den Militär-Weltmeisterschaften, darunter 65 Titelgewinne. Bis heute arbeitet er als Profitrainer im Boxstall von Wilfried Sauerland und hat u. a. Sven Ottke, Arthur Abraham und Marco Huck zu Europa- und Weltmeistern geformt.   Am 6. Januar ist Ulli Wegner zu Gast im Deutschen Theater und wird mit Gregor Gysi über sein reiches Leben voller Höhen und Tiefen sprechen. "Es gibt Siege und Niederlagen – im Ring und im Leben. Doch ich habe gelernt, immer zu kämpfen. Am Ring und im Leben."


Kategorie: Spezial

Deutsch von Ulrike Zemme Fassung von Daniela Löffner und David Heiligers "Die Elite – das sind nicht wir! Wir sind etwas Anderes. Wir sind Sommergäste in unserem Land ... Zugereiste. Wir sind ausschließlich damit beschäftigt, uns einen bequemen Platz im Leben zu suchen. Wir tun nichts und reden entsetzlich viel." Das Landhaus von Rechtsanwalt Bassow und seiner Frau Warwara. Hier trifft sich eine privilegierte Runde: Ärzte, Schriftsteller, Fabrikanten, Ingenieure. Die gehobene Mittelschicht hat die Stadt verlassen um den Sommer im Grünen zu verbringen. Sie haben Zeit, sie haben Geld und führen ein überwiegend angenehmes, sorgenfreies Leben. Und doch fühlen sie sich einsam, biografielos und leer, sind von sich selbst ermattet und müde von ihren Freiheiten. Da helfen die diversen Bindungen, Verhältnisse und Freundschaften auch nicht weiter. Sie sehnen sich nach einer anderen Zukunft – mit erlösender Liebe und einer sinnhaften Erde. Sie reden, streiten, lamentieren und diskutieren. Wie mit diesem Weltschmerz umgehen? Was für eine Realität anstreben? Wozu sich weiter hetzen und warum Ideale verfolgen? Welche Vision entwerfen? Warwara: "Dieses Abwägen, dieses Berechnen! Wir haben so eine Angst vor dem Leben! Was soll das? Wir versinken im Selbstmitleid!" Maxim Gorki schrieb Sommergäste 1904, am Vorabend der Russischen Revolution. Laut eigener Aussage wollte er mit diesem Szenenreigen und Beziehungsgeflecht "die moderne bürgerlich-materialistische Intelligenz darstellen". Er zeigt eine bequem gewordene Gesellschaft, die sich ihrer selbst nicht mehr sicher ist und in der es ruhelos rumort. Eine umwälzende Zeitenwende wirft ihre Schatten voraus auf diese Sommergäste und ihre suchenden Seelen.


Kategorie: Schauspiel

In der Übersetzung von Renate Bleibtreu 1965 lag der schwedische Regisseur Ingmar Bergman mit Lungenentzündung im Krankenhaus. Im Krankenzimmer entwarf er das Drehbuch für seinen experimentellen Spielfilm Persona . Später sagte er, Teile des Films entsprächen einem "Gedicht über seine persönliche Situation". "Ausgebrannt, wie tot", habe er sich gefühlt, gedacht, er könne nie wieder etwas erschaffen. Im Drehbuch wird der Krankenschwester Alma die Pflege für die gefeierte Filmschauspielerin Elisabeth Vogler übertragen. Diese hatte nach einer Vorstellung von Elektra aufgehört zu sprechen. In einem Haus am Meer verbringen die zwei ungleichen Frauen einen vorerst unbeschwerten Sommer. Alma spricht. Elisabeth hört zu. Als Alma einen Brief findet, in dem sich Elisabeth über sie lustig macht, kippt die Situation. Tatsächlich geht es in Persona um mehr als nur Depression oder Erschöpfung. Vielmehr gründet der Kern des Stoffes auf einer tiefgehenden Skepsis an der Konstruktion der Identität des Menschen. Beide Frauen im Stück stellen diese Fragen gleichermaßen und verschmelzen darin miteinander. In Anna Bergmanns Inszenierung spiegelt sich dieser Gedanke auf besondere Art: Die zwei Darstellerinnen werden im Laufe der Koproduktion Malmö – Berlin die Rollen tauschen: spricht zuerst die eine, übernimmt die andere ihre Rolle, wenn Land und Theater gewechselt werden. Koproduktion mit dem Malmö Stadsteater


Kategorie: Schauspiel

Was geschieht, wenn ein Passagierflugzeug von Terroristen entführt wird und auf ein ausverkauftes Fußballstadion zurast? Was geschieht, wenn der Terror unseren Alltag beherrscht? Welche juristischen, moralischen und philosophischen Mittel hat unsere Gesellschaft in solch einer Ausnahmesituation? Darf die Würde des Menschen angetastet werden, wenn dadurch vermeintlich mehr Menschen gerettet werden können? Anhand eines juristischen Konstrukts werden diese Fragen in Ferdinand von Schirachs erstem Theaterstück plastisch: An Bord von Flug LH 2047 von Berlin-Tegel nach München sind 164 Menschen. Die Maschine, von einem Terroristen entführt, nimmt Kurs auf die Allianz Arena. Major Lars Koch, Pilot eines Kampfjets der Bundeswehr, muss reagieren. Wie lauten seine Befehle? Soll er, darf er die Passagiermaschine abschießen, wenn die Terroristen nicht einlenken? Die Uhr tickt, und Lars Koch trifft eine Entscheidung. Wenige Wochen später muss er sie vor einem Schöffengericht rechtfertigen. *** Die deutschlandweiten Abstimmungsergebnisse finden Sie unter folgendem Link: terror.kiepenheuer-medien.de/ Ausgezeichnet mit dem Publikumspreis "Aufführung des Jahres 2015/16" der TheaterGemeinde Berlin


Kategorie: Schauspiel

Sie war die Frau, die auf die Pop-Art schoss. Im Juni 1968 wurde Andy Warhol von drei Pistolenkugeln lebensgefährlich verletzt, Jahre später starb er an den Spätfolgen des Attentats. Die Schützin kam aus dem Umfeld von Warhols Factory: Valerie Solanas. Nach ihren Motiven gefragt, antwortete sie: "Ich habe eine Menge schwerwiegender Gründe. Lesen Sie mein Manifest, und Sie wissen wer ich bin." Vier Monate später wurde ihr SCUM-Manifesto veröffentlicht: ein feministischer Text, radikal, voller Furor und zugleich voller Witz. SCUM, das lasen die einen als Abkürzung für "Society for Cutting Up Men" (Gesellschaft zur Vernichtung der Männer). Ebenso aber ist SCUM (Abschaum) die Selbstbezeichnung einer weiblichen, zukünftigen Elite, "dominierenden, sicheren, selbstvertrauenden, widerlichen, gewalttätigen, eigensüchtigen, unabhängigen, stolzen, sensationshungrigen, frei rotierenden, arroganten Frauen, die sich imstande fühlen, das Universum zu regieren." "Lesen Sie mein Manifest, und Sie wissen, wer ich bin." Mit dieser Aussage hat Valerie Solanas, die sich stets als Schriftstellerin verstand, dazu beigetragen, dass ihr Text meist mit ihrer Biographie kurzgeschlossen wird. Dagegen setzen Tom Kühnel und Jürgen Kuttner den Zorn, die Anmaßung und die Kraft dieses Manifests selbst. Weit über die Frage hinaus, ob Frauen Vorstandsposten in Unternehmen einnehmen sollten, denkt Solanas darin die soziale Ebene und eine gesellschaftliche Utopie stets mit. Die Musik kommt von Christiane Rösinger, einstige Gründerin und Sängerin der Lassie Singers, und Ramin Bijan.


Kategorie: Schauspiel

Tragödie in fünf Akten aus dem Französischen übertragen von Friedrich Schiller "Ich suche Mich selbst, und finde mich nicht mehr." In Theseus Palast – der König ist seit längerem verschollen – toben verbotene Leidenschaften: Seine Frau Phädra liebt verzweifelt ihren Stiefsohn Hippolyt. Dieser wiederum liebt die feindliche Gefangene Aricia. Als Theseus Tod gemeldet wird, brechen die verborgenen Geheimnisse ans Tageslicht, werden Schuld und Scham zu irrationaler Hoffnung auf die Erfüllung verzweifelter Sehnsüchte. Doch der König lebt und kehrt schon bald zurück… Phädra ist bei Racine ein Mensch ohne die Gnade Gottes. Ihr Begehren und das Gefühl von Schuld, das ihr Verlangen heraufbeschwört, quälen sie bis aufs Blut. Racine schrieb dieses Meisterwerk der klassischen Sprache 1677 als einen kategorischen Text über den nach Wahrheit suchenden und in seinen Leidenschaften verlorenen Menschen – ein Geschöpf voller Irrtum. Im Heute steht dieser Text wie ein Monolith – fremd, tief, gewaltig. Die präzise Sprache beschwört Bilder und Szenen wie aus einem anderen Universum: voller Maßlosigkeit, Widersprüchlichkeit, Kampf, Tragik und Leidenschaft.


Kategorie: Schauspiel

Seit 1996 ist Michael Preetz eines der prägenden Gesichter von Hertha BSC, erst als höchst erfolgreicher Torjäger, anschließend im Management des Klubs. Seit fast einem Jahrzehnt bestimmt der Geschäftsführer Sport die Geschicke des Klubs maßgeblich. Mit Christoph Biermann von 11 FREUNDE spricht Preetz über seine Karriere in Berlin und die Zukunftsfragen der Hertha. Was ist sportlich noch möglich mit dem Klub? Muss Hertha das Olympiastadion verlassen, um in die erste Reihe des deutschen Fußballs zu kommen? Und wofür steht der Klub im Berlin des 21. Jahrhunderts eigentlich?


Kategorie: Spezial

Ich habe kein Geld für Blumen und keine Zeit / Verse zu machen nur für dich "Wenn Du Müller-Texte nicht verstehst, sprich sie erst einmal in einem leicht sächsischen Dialekt, dann wird es schon klar", erklärt Heiner Müllers Mitarbeiterin Renate Ziemer - "über diese Sprachmelodie, die eine Form hat." Auch viele andere Zeitgenossen bestätigen diesen bislang von der Aufführungspraxis völlig vernachlässigten Ansatz der Müller-Rezeption: "Eigentlich müsste man alle meine Texte auf Sächsisch lesen." Die elfte Ausgabe des Müllersalons zu Heiner Müllers 90. Geburtstag nimmt sich dieser Leerstelle nun an. Wir beginnen die lange Müller-Nacht mit einer absolut werkgetreuen Lesung des Theaterskandals von 1961 Die Umsiedlerin oder Das Leben auf dem Lande (und anderen Texten) auf Sächsisch, in die Jürgen Kuttner gemeinsam mit dem Sprachwissenschaftler Beat Siebenhaar einführt. Im Glauben, Theater sei als Korrektiv des sozialistischen Gesellschaftsexperiments zu verstehen, hatte Müller damals gemeinsam mit dem Regisseur B. K. Tragelehn ein kulturpolitisches "Drama um eine Komödie" ausgelöst. Denn der Weg, den der "Neue Mensch" durch Bodenreform und Kollektivierung in Richtung Arbeiter- und Bauernparadies im Stück einschlug, war steiniger als vom Staat erlaubt.  Da es keine bessere Form gibt, einen Autor zu feiern, als seine Texte zu lesen, machen wir im Anschluss an die Kammerspiele einfach in der Bar weiter und präsentieren die Gesammelten Irrtümer , die Heiner Müller und Alexander Kluge im Laufe ihrer Gespräche angehäuft haben: – allnight long, oder zumindest, bis niemand mehr zuhört. Irrtümersind ja bekanntermaßen zeitlos. Programm   20 Uhr Die Umsiedlerin oder Das Leben auf dem Lande und andere Texte (Kammerspiele) Mit: Christian Grashof, Corinna Harfouch, Markus Kunze, Kathleen Morgeneyer, Anja Schneider und Michael Schweighöfer Einführung: Jürgen Kuttner, Prof. Beat Siebenhaar   Ab 22 Uhr Lese-Marathon Versammelte Irrtümer (Bar) Mit: Agnes Julia Mann und Almut Zilcher Idee/Einrichtung: Futur II Konjunktiv (Matthias Naumann, Johannes Wenzel) Der Eintritt für die Lesung ist frei.


Kategorie: Spezial

Ein Stück Zukunft: Nach partizipativen Formaten, in denen Andres Veiel und Jutta Doberstein Wissenschaftler_innen und Bürger_innen zu Workshops zu den Themen Arbeit, Finanzen, Umwelt etc. zusammengebracht haben, entstand nun ein Theaterstück, das sich in der Zukunft mit Vergangenheit beschäftigt: In einem Untersuchungsausschuss wird im Jahr 2028 die Frage nach der Verantwortung für die Ereignisse der Jahre 2018 bis 2028 gestellt. Die EU befindet sich nach dem Austritt Italiens 2023 in einer der größten Krisen ihrer Geschichte. Anlass genug, gegenzusteuern und in der Rest-EU 2024 ein bedingungsloses Grundeinkommen einzuführen. Doch ein ökonomischer Crash ist nicht mehr aufzuhalten. Ist die Ursache in einer zufälligen Verkettung bester Absichten zu finden? Andres Veiel geht es um die Konfrontation mit widersprüchlichen Entwürfen von Zukunft – abseits von Legislaturperioden oder Parteiinteressen. So werden utopische Momente genauso zur Diskussion gestellt wie dystopische. Welche Spuren verfolgen wir? Und welche hinterlassen wir? Koproduktion mit der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages Informationen zur Recherche und zum Gesamtprojekt auch unter www.welchezukunft.org


Kategorie: Schauspiel

"Sie werden kein Spiel sehen. Hier wird nicht gespielt werden. (…) Wir sind keine Darsteller. Wir stellen nichts dar. Wir stellen nichts vor." Peter Handkes erstes "Sprechstück" kündigt die Grundlagen der bürgerlichen Theatersituation auf. Die Schauspieler spielen nicht, sie richten sich in ihrem Sprechen direkt an den Zuschauer, der aus seiner Rolle des nichtbeteiligten Voyeurs herausgekitzelt wird. Die Uraufführung 1966 am Theater am Turm in Frankfurt in der Regie von Claus Peymann war ein Skandal. Das Stück ein "Aufstand gegen das Bestehende" (Peymann). Und heute? Was hat es noch auf sich mit diesem Stück, das in Tiraden an das Publikum gipfelt, um sich am Ende beim Zuschauer zu bedanken?  Was will, kann, darf und fordert das Theater und was das Publikum – wie treffen sie am Abend selbst aufeinander?


Kategorie: Schauspiel

Ronald hat alles. Privat kann ihm seine Frau Kathleen wunderbare Neuigkeiten mitteilen. Und beruflich steht er kurz davor, Schütz, der in Ruhestand geht, als Direktor zu beerben. Ronald ist ein Lehrer, wie man ihn sich wünscht: authentische Respektsperson und bewunderter Kumpeltyp in einem – von den Schülern geliebt und den Kollegen gebraucht, mit Respekt bei den Eltern und Wertschätzung beim Chef. Er ist charismatisch, intelligent und redegewandt. Aber Ronald trägt ein Geheimnis in sich. Eine Krankheit, die seine Vergangenheit bestimmt hat und seine Zukunft bedroht. Und natürlich hat auch Ronald Schwächen, Neider und Gegner. Ein Beben kündigt sich an und dessen Erschütterungen versetzen Ronald urplötzlich vor das Nichts. Nach dem autobiographischen Roman Die Welt im Rücken , in dem er vom Leben mit seiner eigenen manisch-depressiven Erkrankung erzählt, injiziert Thomas Melle das gleiche Schicksal nun der Hauptfigur von Versetzung . Auf der Projektionsfläche von Ronalds bipolarer Störung stellt er in diesem Auftragswerk für das Deutsche Theater Berlin allgemeingültige Fragen nach Zurechenbarkeit und Teilhabe, Verantwortung und Vertrauen, Erfolg und Ansehen. Wie reagiert eine von Leistungsdruck und Gesundheitswahn geprägte Gesellschaft, wenn eines ihrer Mitglieder sich für sie als scheinbar ungesund erweist? Was ist Realität und was nicht? Ist alles Wahrheit oder alles Lüge? Wo liegt die Norm? Wer sind wir? Und will man im Zweifel lieber Täter oder Opfer sein? Nominiert für den Mülheimer Dramatikerpreis 2018 Eingeladen zum Heidelberger Stückemarkt 2018


Kategorie: Schauspiel

Jeder Videoschnipselabend hat zwei Elemente. Denn er besteht A aus den Videos und B aus Kuttner, dem Mann also, der sie vorab fürs Publikum aussucht, zerschnipselt und schließlich auf der Bühne präsentiert. Jeder Videoschnipselabend ist anders. Denn jeder Abend hat ein eigenes Motto, eine eigene These. Dabei kann es einerseits um so Grundsätzliches gehen wie Liebe, Sex, Krieg, Kinder, Fußball, Autos, andererseits aber auch um so diffizile Probleme wie das Demokratisierungspotenzial des deutschen Schlagers, die Politiktauglichkeit mittelamerikanischer Rauschkakteen, die ästhetischen Irrungen Mick Jaggers, das Aggressionspotenzial des Handyklingelns des deutschen Außenministers oder die Frage, mit welchen Präsenten man KPDSU Generalsekretären eine Freude machen kann.  Mit: Jürgen Kuttner und André Meier Deutsches Theater


Kategorie: Spezial

Deutsch von Kai Borowsky Poprischtschin ist ein kleiner Beamter im Staatsdienst. Jeden Tag müht er sich in seinem grauen Alltag ab, ist unglücklich in seinem Beruf und auch noch hoffnungslos in die Tochter seines höchsten Chefs verliebt. Er träumt vom sozialen Aufstieg und zieht sich mehr und mehr aus der ihn demütigenden Realität zurück, um sich schließlich komplett in eine Scheinwelt zu flüchten. Nikolai Gogol beschreibt in „Tagebuch eines Wahnsinnigen“ die Situation eines Mannes, der keine Chance mehr hat auf Karriere und Aufstieg in der Gesellschaft, sich aber weigert, dies zu akzeptieren. Stattdessen versucht er, seinen Minderwertigkeitskomplex durch ein bis zum Größenwahn gesteigertes Omnipotenzgefühl zu bewältigen. Samuel Finzi spielt den Wahnsinnigen, der mit 42 Jahren eine neue Karriere startet.


Kategorie: Schauspiel

Bearbeitung John von Düffel Fassung Karin Henkel, John von Düffel Die Shakespeare-Stücke Coriolan , Julius Cäsar sowie Antonius und Cleopatra erzählen eine kleine Geschichte der Demokratie am Beispiel des alten Rom. Im Frühstadium ( Coriolan ) kommt die Idee der demokratischen Teilhabe durch Volkstribunen auf: als Zugeständnis an das wütende Volk. Doch prompt sehen sich die Volksvertreter mit dem Kriegshelden Coriolan konfrontiert, der von Mitsprache und der wankelmütigen öffentlichen Meinung nichts hält. In der Zeit von Julius Cäsar ist die römische Demokratie wiederum durch einen starken Mann bedroht. In der Nacht vor der Krönung Cäsars beschließt eine Gruppe von Verschwörern um Brutus, zum letzten Mittel zu greifen, um die Demokratie zu retten: Tyrannenmord. Doch Antonius, engster Vertrauter Cäsars, schafft es in seiner Grabrede, die öffentliche Meinung gegen die Demokraten zu drehen. Wenige Jahre später sehen wir in Antonius und Cleopatra den paranoiden, wirklichkeitsfernen Zirkel der Macht. Antonius regiert mit Cäsars Adoptivsohn Oktavius und einem altgedienten Militär in einer Dreiherrschaft. Antonius empfindet angesichts der politischen Machenschaften nur noch Ekel und Erschöpfung. Blindlings stürzt er sich in die Liebe zu Cleopatra, Königin von Ägypten. Doch die Machtspiele Roms holen ihn wieder ein und lassen ihn nochmals das große Rad der Politik drehen, bevor das römische House of Cards endgültig zusammenbricht.


Kategorie: Schauspiel

Sie "finden" einander auf der Party des Schriftstellers Truman Capote in New York: der elegante russische Tänzer Rudolf Nurejew und der plumpe, schmutzfarbene Hund Oblomow. Die innige Zuneigung zwischen den beiden soll weit über Nurejews Tod hinaus Bestand haben und beflügelt Oblomow zu einem ganz überraschenden Liebesbeweis...   Das schöne Quartett Drei Saxophone und ein Klavier spielen schöne Arrangements zu schönen alten und neuen Stücken, schön getastet, schön gehaucht von barock bis modern, Klezmer bis Beat, Steinalt bis Immergrün.  Romy Sydow as Jörg Zeißig ts Christian Fischer bars Rolf Fischer p


Kategorie: Lesung

Früher informiert sein – bei Sonntagskaffee und Croissant: Am Sonntag, den 13. Januar, stellen Regisseur_innen, Dramaturg_innen und das Ensemble die nächsten Premieren vor: Los geht´s mit dem Stück In der Sache J. Robert Oppenheimer unter der Regie von Christopher Rüping, das am 20. Januar Premiere feiert. Danach folgt eine Einführung zu René Polleschs Inszenierung Black Maria , deren Premiere am 30. Januar stattfindet, sowie der Produktion des Jungen DT Der Plan von der Abschaffung des Dunkels , die am 12. Februar unter der Regie von Nora Schlocker zum ersten Mal aufgeführt wird. Zum Schluss gibt es einen Einblick in Alexander Riemenschneiders Inszenierung von Erich Kästners Roman Fabian. Die Geschichte eines Moralisten .


Kategorie: Spezial

"Das Gewitter ist genau über uns", schreibt Moritz Rinke in seinem neuen Stück. Es erzählt von einer untergehenden Welt: von Burgen der Bürgerlichkeit, die brüchig geworden sind.- von einsamen Menschen, deren Biografien, Gesichter und Körper vernarbt sind vom Krieg und vom Zwang, schön und erfolgreich zu sein. Eduard ist Schönheitschirurg, Charlotte eine erfolgreiche Sängerin. Das Kind, das Charlotte sich gewünscht hatte, haben die beiden nicht bekommen. Nun ist das neu gekaufte Haus zu leer, der Garten zu groß, der nahe See zu still. Umso mehr sprudeln die Pläne: Pläne für ein neues Gartenhaus (Fichtenholz), für die neue Praxis (lindgrün), für Um- und Anbauten, das nächste Gesangskonzert, die nächste Nasenkorrektur… In diese Welt bricht Michael ein. Eduard und "Mick" haben beide Medizin studiert, inzwischen trennen die beiden Welten. Eduard operiert im Krisengebiet der westlichen Seele.- dort entfernt er die Angst, alt und wertlos zu sein. Michael, der jüngere der beiden, arbeitet für eine humanitäre Organisation und kommt eben aus Afghanistan zurück. Was er mitbringt, sind Geschichten von westlicher Gewalt, von Minenopfern, verzweifelten Todeskämpfen und sinnlosem Sterben. Und dann ist da noch Lilly, die junge Nachbarin, eine Medizinstudentin, die nur in den Sommerwochen bei ihrem Vater Marek und dessen amerikanisch-russischer Freundin Eleonora lebt. Als die Nachbarsfamilie zu Besuch kommt, droht die alte Ordnung endgültig zu zerfallen.


Kategorie: Schauspiel

Fassung von Thom Luz und David Heiligers Obwohl er beides hasst – Spazierengehen wie Museumsbesuche – spaziert der Musikkritiker Reger seit über dreißig Jahren ins Kunsthistorische Museum, wo er im Bordone-Saal seine Vormittage verbringt. Dort betrachtet er die sogenannten Meisterwerke, vornehmlich Tintorettos Weißbärtigen Mann , um mit großer Lust und Akribie in ihnen das Unfertige, das Fragmentarische und Fehlerhafte zu entdecken. Stets an seiner Seite: der Saaldiener Irrsigler, der ihm als Ansprechpartner und Sprachrohr dient. Eigentlich nämlich ist Reger die Museumssitzbank über die Jahrzehnte zum Denk- und Lesezimmer geworden. Umgeben von den Alten Meistern, inmitten der idealen Raumtemperatur und perfekten Lichtverhältnisse, durchblättert er die Bücher der Großen Geister, sucht die Wahrheit und findet ihre Lücke. Im Grunde genommen aber sichert ihm diese verrückte Gewohnheit das Überleben – vor allem nach dem Tod seiner Frau, der ihn die eigene Unvollkommenheit schmerzhaft deutlich spüren lässt. Thom Luz inszeniert Thomas Bernhards 1985 erschienen Roman als helle, verzweifelte Hommage an die speziellen Talente einsamer Menschen und macht sich auf die Suche nach der Liebeserklärung hinter der Hasstirade.


Kategorie: Schauspiel

Deutsch von Walter Jens In einer Fassung von Lilja Rupprecht und Meike Schmitz  Nicht um ein Feind zu sein, nein, um ein Freund zu sein, bin ich geboren.    Der Krieg um Theben ist vorbei. Der Angreifer Argos geschlagen. Auf dem Schlachtfeld liegen die Leichen. Unter ihnen die beiden Söhne des Ödipus – Eteokles und Polyneikes. Im Kampf um den Thron erschlugen sie sich gegenseitig. Der neue Herrscher über Theben ist Kreon. Als erste Amtshandlung verfügt er, dass Eteokles bestattet, Polyneikes aber, den er als Staatsfeind betrachtet, ohne Begräbnis vor den Toren der Stadt verrotten soll. Auf Zuwiderhandlung steht die Todesstrafe. Es ist Antigone, die Schwester der beiden Toten, die sich der Verfügung widersetzt. Sie beruft sich auf das überzeitliche Recht der Götter, das über jedes menschliche erhaben ist, und bestattet ihren Bruder. Den eigenen Tod nimmt sie dafür in Kauf.  In Sophokles Tragödie, uraufgeführt vor rund 2500 Jahren, steht weltliches Recht gegen göttliches, Staatsraison gegen Geschwisterliebe, Ratio gegen Herz. Es sind Fragen nach Verantwortung, Moral und nach der Notwendigkeit eigenen Handelns, die Antigones Schicksal aufwirft. Ihnen wird Lilja Rupprecht gemeinsam mit SchauspielerInnen des RambaZamba Theater, des DT und einem BürgerInnen-Chor nachgehen.


Kategorie: Schauspiel

"Niemand hat uns jemals, niemand hat uns in der langen Zeit, niemand hat uns jemals auf der Straße, im Geschäft, beim Arzt, keiner von den Lehrern, Vätern, Müttern, Tanten, Onkels, Schwägerinnen, Schwippschwagern, niemand hat uns jemals, niemand hat uns jemals gefragt, wie UM ALLES IN DER WELT wir schwanger geworden sind. Keine von uns kann sich genau erinnern, wie DAS war, mit wem DAS war, warum DAS war." 2014 wird die "kollektive Schwangerschaft" von sieben Teenagerinnen in Bosnien und Herzegowina medial skandalisiert. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Viel wird gemutmaßt und geurteilt über diese Mädchen. Sie selbst kommen nicht zu Wort. Tanja Šljivar gibt ihnen eine eigene Stimme. Es geht ihr jedoch weder um Ursachenforschung noch um Aufklärung. Sie lässt sieben dreizehnjährige Draufgängerinnen in sieben Szenen wild über Religionslehrer und Instagram, Schwangerschaftstests und -symptome, Chauvinismus und Großmütter, Piercings und Gesellschaftsutopien, Pornographie und Kritische Theorie, Abtreibung und Klassenfahrten sprechen. Alle Erinnerungen, alle Aussagen sind höchst fragwürdig und mit Vorsicht zu genießen, denn sie sind bereit, alles zu erzählen, außer wie sie wirklich schwanger geworden sind. Es entsteht ein vielstimmiger Chor der Ungehörten, der radikal Selbstbestimmung einfordert – über den eigenen Körper, das eigene Leben. Er demonstriert, dass es egal ist, aus einer Gesellschaft ausgestoßen zu werden, der man nie angehört hat.


Kategorie: Kinder & Jugend

Übersetzung: Eva Pieper und Alexandra Schmiedebach "Es ist verrückt, wie man anfängt zu hoffen, dass jemand stirbt. Aufgibt. Loslässt. Mach ruhig. Geh ruhig. Es ist gut. Wir schaffen es schon. Wir schaffen es schon ohne dich. Das war ein Irrtum." Ein Friedhof. Zwei Menschen. Eine gemeinsame Vergangenheit, ein gemeinsamer Verlust und zehn Jahre Trennung, Schweigen. Aus Anlass einer Grabverlegung kommen "Sie" und "Er" wieder zusammen. Gift soll aus einer nahegelegenen Fabrik ausgetreten sein und die Umbettung der Toten notwendig machen. Unterdessen betrachten die Frau und der Mann ihr umgebettetes Leben, das eines Silvesterabends sang- und klanglos auseinanderging. Was ist aus ihr und ihm geworden? Was aus ihrer Trauer, ihrem Leben? Und wer hat sich was vorzuwerfen? Zwischen Abrechnung und Annäherung, Trost und Trauer, Zärtlichkeit und Härte oszillieren die Szenen dieser Wiederbegegnung: das Porträt eines Paares, dessen Schicksal schon vorbei zu sein scheint – und das dennoch noch einmal durch alles hindurchgehen muss, in der Hoffnung, in einem Leben nach ihrem Leben anzukommen. Dagmar Manzel wurde 2014 für ihre Rolle "Sie" mit dem Deutschen Theaterpreis 'Der Faust' ausgezeichnet. Gift von Lot Vekemans ist auch als eBook erschienen. Über die Website www.textbuehne.eu können Sie das Theaterstück in diversen Online-Shops bestellen.


Kategorie: Schauspiel

Übersetzung: Eva Pieper Dreitausend Jahre hat niemand mehr an sie gedacht, war ihr Leben vergessen ebenso wie ihr Tod: Unerlöst befindet sich Ismene in einem Zwischenreich, nach einem Dasein ohne eigenen Inhalt und einem Ableben ohne Erinnerung. Alles an ihr scheint fremdbestimmt – durch die antiken Helden ihrer Familie, den Vater Ödipus, die streitbaren Brüder Eteokles und Polyneikes, besonders aber durch ihre Schwester Antigone, die gegen die Tyrannei ihres Onkels Kreon beispielhaft aufbegehrt, ein heroischer Weg, den Insmene nicht mitgeht. – Jetzt, dreitausend Jahre später, hat die niederländische Autorin Lot Vekemans diese Figur in der Vergessenheit aufgesucht und sie aus dem Schatten treten lassen. Nach einer Ewigkeit des Schweigens stellt sich Ismene ihrer Geschichte. Dass Susanne Wolff nach ihrer fulminanten Darstellung des Kreon in Ödipus Stadt ebenfalls in der Regie von Stephan Kimmig nun ausgerechnet diese Rolle spielt, ist mehr als nur eine Ironie des Theaterschicksals. Kreon ist der Mann, der Ismenes halbe Familie umbringt, ihren Vater Ödipus in die tödliche Verbannung schickt und Antigone zum Tod verurteilt. Nach dem großen Antigone-Drama kommt es in Lot Vekemans Fortschreibung des Mythos jedoch nicht zu einer erbitterten Auseinandersetzung zwischen Kreon und Ismene. Im Gegenteil. Beide leben in stiller Abgeschiedenheit weiter und als Kreon Jahre später schwer erkrankt, pflegt sie ihn geduldig bis zu seinem Tod, und so bilden sie, die Überlebenden des Mythos, im Geiste eine Art postapokalyptisches Paar.


Kategorie: Schauspiel

Alles neu macht der Januar: schiefe Vergleiche und schräge Musik im Popsalon . Denn bei Jens Balzer und Tobi Müller sind zum ersten Mal zwei Jazzfreunde zu Gast. Nadin Deventer leitet seit letztem November das Jazzfest Berlin, als erste Frau seit der Gründung 1964. Und hat prompt ein paar Männer nervös gemacht. Andreas Müller gehörte nicht zu ihnen. Er macht schon länger Rundfunk, als es Radio Eins und Deutschlandfunk Kultur gibt. Ob er die Kritikerrunde Soundcheck moderiert oder als Admiral Tuff durch die Sendung Dancehall steuert, die Liebe zu Soul, Reggae und Jazz bestimmt seine Arbeit. Aber was ist Jazz? Ein Auto, ein Anzug, oder diese offene Musik, die sich zurzeit häutet wie letztmals vor 50 Jahren? Balzer & Müller wippen schon fleißig mit den Füßen auf der Zwei und der Vier, um neben den Expert_innen nicht alt auszusehen. Vermutlich werden sie ein paar Popvideos ins Programm setzen und einfach behaupten: It’s Jazz!


Kategorie: Pop

"…und alle heben sich gleichzeitig empor / von ihren Stangen / und flattern hinauf in die Kuppel / als hätten sie das Loch dort oben im Eisengitter / erst jetzt gesehen…"   Die Schauspielerin Jutta Wachowiak, geboren 1940, spielt die Wärterin in einem geheimnisvollen Park. Dinosaurier werden hier gezüchtet. Es soll ein Vergnügungspark werden. Sie nimmt heimlich einen kleinen Dino mit nach Hause. Er wächst und wächst, lernt Kunststücke und tritt im Zoo auf. Die Geschichte des Parks, den man weder verlassen, noch unkontrolliert betreten darf, vermischt sich mit der Biografie Wachowiaks. Sie hat viel zu erzählen: vom Krieg, von einem Land, das es nicht mehr gibt, von dem Land, in dem sie jetzt lebt. Einst äußerst erfolgreich in Film und Theater der DDR und mehrfach ausgezeichnet, ist für die Schauspielerin nach der Öffnung des Parks nichts mehr so wie es war. Sie haben die Fenster aufgemacht. Die neue Freiheit ließ sich nicht genießen. Die Ignoranz gegenüber Fähigkeiten, Wissen, Ideen und Erlebtem und die Enttäuschung darüber führt sie zu einem Neuanfang nach Essen, zu Arbeiten mit jungen Regisseuren, und zurück nach Berlin an das Deutsche Theater in einen ehemaligen Vergnügungspark.


Kategorie: Schauspiel

Eine verwahrloste Kindheit, der Vater ein Trinker, die Mutter abwesend, der Missbrauch durch den Freund der Familie, folgenlos, dann, irgendwann, die große Liebe mit Verbindungen ins Milieu, die nächtliche Arbeit auf der Straße, gewalttätige Freier: Es sind, beim ersten Lesen, fast klassische Stationen einer Prostituierten-Karriere, die Björn SC Deigner mit seinem Theatertext aufruft. Ein verfehltes Leben, so denkt man zunächst. Doch zugleich ist da der Ton, in dem Maria, die Protagonistin, teils erzählend, teils in szenischen Rückblenden, von ihren Erlebnissen und Erfahrungen berichtet: kühl, mitleidlos gegenüber sich selbst, sehr präzise, vollkommen unsentimental und mit einem höchst lakonischen Witz. Hier ergreift eine Frauenfigur das Wort, die ihr Leben anders beschreibt als bürgerliche Konventionen es ihr zugestehen. Und dass sich hinter dem Ausgangsmaterial von Deigners Text die tatsächlichen Erfahrungen einer realen Frau verbergen, bewahrt ihn vor dem möglichen Vorwurf, Prostitution (aus männlicher Perspektive) zu romantisieren. In Deigners Text kehrt Maria nicht ihr Innerstes nach außen, sondern es verhält sich gewissermaßen umgekehrt: Sie betrachtet sich selbst, aus großer Distanz. Mit seiner Inszenierung sucht Sebastian Hartmann nach genau diesem Verdrängten: nach dem, was hinter einer Oberfläche bebt, was unter einer Schädeldecke verborgen ist. Den Bewusstseinsstrom in Marias Hirn freizulegen, erfahr- und sichtbar zu machen und dabei auch eine Täterperspektive nicht aus den Augen zu verlieren, daran arbeiten die Bilder und Situationen der Inszenierung. Im Verlauf der Probenarbeit hat sich nun die Gestalt des Textes in einer Weise gewandelt, bei der es nicht mehr angemessen ist, von einer Uraufführung des Stücks In Stanniolpapier zu sprechen. Autor, Verlag, Regie und Theater haben sich so geeinigt, da die Inszenierung Erzählform und große Teile des Textes verlässt. Hinweis: In der Inszenierung In Stanniolpapier von Sebastian Hartmann kommt es zu szenischen Darstellungen von sexualisierter Gewalt. Für Jugendliche unter 18 Jahren ist die Vorstellung daher nicht geeignet.


Kategorie: Schauspiel

Es ist so schwer, jemandem den Unterschied zwischen einem aufstiegssüchtigen Talent und einem verbissenen Karrieristen zu erklären. Es gibt oft für zwei Sachen, die vollkommen unterschiedlich sind, nur ähnliche Begriffe. Ausgerechnet dann, wenn Welten dazwischen liegen, hört sich alles gleich an. Alles gibt sich der allgemeinen Äquivalenz anheim. Wie beim Schlaf, der ja oft auch zwischen Tag und Nacht nicht unterscheidet. Obwohl ihm das Undifferenzierte der Nacht ähnlicher ist. Man hat alles richtig gemacht. Sein innerstes Selbst hat man vor allen anderen ausgebreitet. Aber vor den Drangsalen von Erfolg und Misserfolg ist man nur geschützt, wenn man mehr hat als sich selbst.


Kategorie: Schauspiel

Deutsch von Walter Jens In einer Fassung von Lilja Rupprecht und Meike Schmitz  Nicht um ein Feind zu sein, nein, um ein Freund zu sein, bin ich geboren.    Der Krieg um Theben ist vorbei. Der Angreifer Argos geschlagen. Auf dem Schlachtfeld liegen die Leichen. Unter ihnen die beiden Söhne des Ödipus – Eteokles und Polyneikes. Im Kampf um den Thron erschlugen sie sich gegenseitig. Der neue Herrscher über Theben ist Kreon. Als erste Amtshandlung verfügt er, dass Eteokles bestattet, Polyneikes aber, den er als Staatsfeind betrachtet, ohne Begräbnis vor den Toren der Stadt verrotten soll. Auf Zuwiderhandlung steht die Todesstrafe. Es ist Antigone, die Schwester der beiden Toten, die sich der Verfügung widersetzt. Sie beruft sich auf das überzeitliche Recht der Götter, das über jedes menschliche erhaben ist, und bestattet ihren Bruder. Den eigenen Tod nimmt sie dafür in Kauf.  In Sophokles Tragödie, uraufgeführt vor rund 2500 Jahren, steht weltliches Recht gegen göttliches, Staatsraison gegen Geschwisterliebe, Ratio gegen Herz. Es sind Fragen nach Verantwortung, Moral und nach der Notwendigkeit eigenen Handelns, die Antigones Schicksal aufwirft. Ihnen wird Lilja Rupprecht gemeinsam mit SchauspielerInnen des RambaZamba Theater, des DT und einem BürgerInnen-Chor nachgehen.


Kategorie: Schauspiel

Michael Haneke hat alle Filmpreise gewonnen – unter anderem einen Oscar – und zählt zu den weltweit bekanntesten und einflussreichsten Filmemachern. Dabei gilt er als eigenwillig und unbestechlich, was die Arbeit mit seinen Schauspielern angeht, ebenso bei der Wahl seiner Themen. Das unverwechselbare Werk des österreichischen Regisseurs wird nun zum ersten Mal in den Drehbuchfassungen kenntlich. Mit der Verfilmung von Die Klavierspielerin  nach dem gleichnamigen Roman von Elfriede Jelinek gelang ihm sein großer Durchbruch, doch mit Das weiße Band , Liebe und Happy End schuf er insbesondere in den letzten zehn Jahren wegweisende Filme. Gerade in den Drehbüchern lassen sich seine präzise Arbeitsweise und sein handwerkliches Können jetzt noch einmal nachvollziehen. Sie zu lesen, ist ein besonderes Vergnügen, denn sie besitzen eine außergewöhnliche erzählerische Qualität, die eine Vertiefung in die Charakterzüge ihrer Figuren erlaubt und von furchtloser Menschenkenntnis zeugt. Michael Haneke , geboren 1942, studierte in Wien zunächst Philosophie, Psychologie und Theaterwissenschaft. Im Jahre 1970 begann er als freier Theaterregisseur (u. a. in Stuttgart, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, München, Berlin und Wien), ab 1974 an eigenen Fernsehfilmprojekten zu arbeiten – dies fast ausnahmslos in der Personalunion Drehbuchautor/Regisseur. Zu den zahlreichen Preisen, mit denen sein Werk ausgezeichnet wurde, gehören u. a. die Goldene Palme für Das weiße Band und Liebe , der Golden Globe für Das weiße Band  und Liebe und der Oscar für Liebe .  Michael Haneke Die Drehbücher erscheint am 7. Januar bei Hoffmann und Campe .


Kategorie: Spezial

"Wo, Herr Kürmann, möchten Sie nochmals anfangen, um Ihre Biografie zu ändern?" Wer wünscht sich das nicht? Einmal das Leben anhalten, von vorne beginnen und seine Biografie ändern. Der Hauptfigur Hannes Kürmann in Max Frischs Drama Biografie: Ein Spiel wird diese Möglichkeit geboten: Vor allem die erste Begegnung mit seiner Ehefrau Antoinette scheint für Kürmann ein zentraler Moment seiner Biografie zu sein, den er im Nachhinein gerne vermieden hätte. In mehreren Anläufen versucht er zu verhindern, die Frau zu treffen, mit der er die letzten sieben Jahre verbracht hat. Doch wohin führt Kürmann dieser Versuch? Wie wäre sein Leben ohne Antoinette verlaufen? Kann er sein Leben rückblickend optimieren? Oder bleibt er in gewohnten Verhaltensmustern und Verstrickungen hängen?


Kategorie: Schauspiel

"Ich stehe im Bad und betrachte mein Spiegelbild. Es wird von den Rissen im Glas verzerrt und ich muss mich drauf konzentrieren, die Teile wie ein Puzzle in meinem Kopf zusammenzusetzen. Ich sehe mich an. Nicht das Mutantenspiegelbild, sondern das zusammengesetzte, echte Puzzle-Ich. "Gut gemacht", wiederhole ich und versuche, mir so in die Augen zu sehen, als ob hinter dem Spiegel eine echte Person stünde, die man loben müsste." Der Blick in den Spiegel nach dem letzten Match offenbart ein angeschlagenes Leben, das endgültig auseinander zu fallen droht. Das Fundament war nie sonderlich stabil: Eine wirkliche Familie gab es in Heikos Leben nicht. Die Mutter lässt die Kinder beim alkoholkranken Vater zurück. Ihm hat Heiko nichts mehr zu sagen und auch bei den Frauen in seinem Leben, seiner Schwester Manuela und bei Ex-Freundin Yvonne, fehlten ihm die Worte. Sie sind in seinem Kopf, kommen aber nicht heraus. Sehr präsent sind jedoch Poborsky und Bigfoot, zwei Kampfhunde und der Geier Siegfried. Um die kümmert sich Heiko und um Heiko kümmert sich Onkel Axel, Patriarch der Hooliganszene. Vor allem aber sind da die Jugendfreunde: Kai, Ulf, Jojo. Außer dem einen, der fehlt. Mit seinen Blutsbrüdern schlägt er sich durch für das, was ihm alles ist: Hannover 96, die Hools, ihr Mythos und die dritte Halbzeit nach dem Spiel. Mit unbändigem, toxischem Zorn führt Heiko einen immer einsameren Kampf, als seine Ersatzfamilie erwachsen wird und andere Wege wählt. Adrian Figueroa verlagert das Drama in einen klaustrophobischen Kopfraum und splittet die Hauptfigur auf: Vier erwachsene Spieler und vier Kinder erzählen, wie Heiko der wurde, der er ist. Wie der Tunnelblick einsetzt und die Wut zum Motor wird, um etwas festzuhalten, was längst verloren ist. Vielen Dank an Judith Hofmann für das Einsprechen der Rolle Manuela.


Kategorie: Kinder & Jugend

Sebastian Hartmann ist der große Menschenerkunder unter den deutschsprachigen Theaterregisseuren der Gegenwart. Und ein Romantiker dazu, dessen Inszenierungen stets aufbrechen ins Offene: in die Richtung derjenigen Kräfte, Entäußerungen und Abgründe, die unsere Existenz prägen und unserer Ratio entgehen. Wie in einem Teilchenbeschleuniger lassen Hartmann und sein Ensemble in Hunger. Peer Gynt die beiden Texte Knut Hamsuns und Henrik Ibsens aufeinanderprallen. Auf dass in den Funken, die in diesen thematischen und sprachlichen Kollisionen entstehen, in den Energien und Facetten, die dabei freiwerden, die Konturen eines anderen Bildes, einer anderen Erzählung von uns und unserem Ort in der Welt wahrnehmbar werden. "Mich interessiert die Feier des Augenblicks" Sebastian Hartmann im Gespräch zu "Hunger. Peer Gynt"


Kategorie: Schauspiel

Ein Imbissbudenverkäufer raucht heimlich mit seiner Nachbarin nach der Arbeit Zigaretten im Hausflur eines Plattenbaus. Ein Wachmann verliebt sich am Schutzzaun des Ausländerwohnheims in eine der Bewohnerinnen. Nach einem Einbruch in seine Wohnung kann ein Mann nicht zu Hause bleiben und steht plötzlich im Wohnzimmer einer alten Frau. Eine andere Frau verlässt ihren Mann, der Stunden, vielleicht Tage auf die Leuchtanzeige seines Funkweckers blickt. Ein passionierter Lokführer der Nachtschicht sieht zu spät einen lachenden Mann auf den Gleisen, und eine Putzfrau schließt in der Bahnhofskneipe Freundschaft mit einer Friseurin. Leise erzählt Clemens Meyer von nächtlichen Begegnungen am Rande der Großstadt, bei denen Erinnerungen und Sehnsüchte verschmelzen, traurig und hoffnungsvoll, unsentimental und voller Liebe zu den Figuren, die man zu kennen glaubt und über die man dennoch nichts weiß. Der Leipziger Autor Clemens Meyer erhielt für sein Werk zahlreiche Preise, darunter der Preis der Leipziger Buchmesse, und wurde für den Man Booker International Prize 2017 nominiert. Die Verfilmungen seines Romans Als wir träumten  und seiner Erzählung In den Gängen liefen im Wettbewerb der Berlinale.


Kategorie: Schauspiel

In unregelmäßigen Abständen bietet das Frei-Boxen dem Ensemble des Deutschen Theaters sowie Regie-Assistent_innen einen Freiraum für Studio-Inszenierungen, Performances und Experimente. Die Inszenierung verwendet Bilder und Videosequenzen, die ab 18 Jahren freigegeben sind. Eine Produktion des Neuen Künstlertheaters Berlin


Kategorie: Schauspiel

Am Morgen ist alles wie immer: Aufwachen, Kaffeetrinken, ein Kuss für Frau und Kinder und ab mit dem Vorort-Bus ins Büro. Doch schon am Abend ist alles anders: Ein zweites Ich besetzt den Platz am Esstisch. Die Kleinfamilie, Einfamilienhaus, Garten mit Fichte, wird in ihren Grundfesten erschüttert, ein Spiel um Identität, Wahrnehmung und Möglichkeiten beginnt. Das Phänomen der Verdoppelung ist außerdem ansteckend, eine zweite Frau macht das Chaos perfekt – bis niemand mehr weiß, was wahr, wer was und wer wahr ist. Zudem sind die zwei anderen Ichs ungleich freier, lässiger, schlafen nackt und auch öfter miteinander, entführen in neue Welten. An die verhasste Fichte im Vorgarten legen sie ganz einfach die Säge an, kreischend, kichernd… Und am nächsten Morgen: Alles wie immer? Roland Schimmelpfennig spielt in seinem Auftragswerk für das Deutsche Theater mit der Tristesse des Alltags, der ganz alltäglichen, schmerzvollen Sehnsucht und der Erschütterbarkeit von Identitäten. Wie weit wagt man sich aus der Komfortzone des sicheren Alltags heraus, um sein anderes Ich kennenzulernen? Erschreckt es einen oder findet man sogar Gefallen an diesem? Der Wechsel zwischen Narrativ und direktem Erleben, zwischen Konstruktion und Magie, der die Dramaturgie Roland Schimmelpfennigs prägt, zeigt die Figuren dieses Stückes sowohl in ihrer Zerrissenheit als auch in ihrer Lust am Spiel. Im Bemühen, ihre eigene Spaltung zu fassen, bewegen sie sich wie in einer theatralen Versuchsanordnung, sind Erzähler und Erzählte, Götter und Opfer, tragisch und komisch zugleich.


Kategorie: Schauspiel

Es ist so schwer, jemandem den Unterschied zwischen einem aufstiegssüchtigen Talent und einem verbissenen Karrieristen zu erklären. Es gibt oft für zwei Sachen, die vollkommen unterschiedlich sind, nur ähnliche Begriffe. Ausgerechnet dann, wenn Welten dazwischen liegen, hört sich alles gleich an. Alles gibt sich der allgemeinen Äquivalenz anheim. Wie beim Schlaf, der ja oft auch zwischen Tag und Nacht nicht unterscheidet. Obwohl ihm das Undifferenzierte der Nacht ähnlicher ist. Man hat alles richtig gemacht. Sein innerstes Selbst hat man vor allen anderen ausgebreitet. Aber vor den Drangsalen von Erfolg und Misserfolg ist man nur geschützt, wenn man mehr hat als sich selbst.


Kategorie: Schauspiel

Neu durchgesehene Fassung nach der Übersetzung von Guido G. Meister In einem abgelegenen Wirtshaus rauben zwei Frauen die Gäste aus und bringen sie um. Ihr Ziel: mit der Beute an einem anderen Ort ein besseres Leben anzufangen. Sohn und Bruder Jan ist seit vielen Jahren in der Welt unterwegs. Als er eines Tages nach Hause zurückkehrt, gibt er sich nicht zu erkennen, sondern will erkannt werden. Zu spät erst wird das Duo entdecken, wen sie dieses Mal ums Leben gebracht haben.


Kategorie: Schauspiel

Er gilt als der „Vater der Atombombe“, war Direktor der Laboratorien in Los Alamos, in denen dieses „Patentspielzeug“ entwickelt wurde und hat den Abwurf der Bombe auf Hiroshima bis hin zur Zündhöhe wissenschaftlich begleitet: Dr. J. Robert Oppenheimer. Keine zehn Jahre später, im April 1954, wird er von der Atomenergiekommission in Washington verhört und muss sich verantworten – politisch, moralisch und wissenschaftlich – für die Waffe, die er geschaffen hat, für die Geschwindigkeit dieser Entwicklung und für seine Amerika-Treue. Die tatsächlichen Verhöre, die Heinar Kipphardt als einer der prägenden Autoren des dokumentarischen Theaters für dieses Stück verdichtet hat, sind ein Musterbeispiel für das Verantwortungsproblem des technischen Fortschritts, an dessen Spitze längst nicht mehr nur die Atomtechnologie, sondern auch die Digitalisierung, die Genforschung und die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz stehen. Die Schaffung neuer Möglichkeiten der Zerstörung, Überwachung und menschlichen Selbstüberschreitung bis hin zur Überwindung der Sterblichkeit im Sinne einer „transhumanity“ beschreibt die Doppelgesichtigkeit der Prozesse, die von Menschen gemacht, aber in ihren Konsequenzen weder zu ermessen noch zu kontrollieren sind. Und dennoch scheinen sie – einmal begonnen – unumkehrbar.


Kategorie: Schauspiel

Ein junger Mann am Sterbebett seines Vaters. Der Vater ist auf der Schwelle – noch da und schon weg. Man kann noch mit ihm reden, vielleicht hört er es noch, aber er wird nicht mehr antworten. Der junge Mann schaut zurück auf sein eigenes Leben, schaut zugleich in seine eigene Zukunft. Die westliche Kulturgeschichte arbeitet sich seit Anbeginn an der Figur des Vaters ab. Das verwandtschaftliche Verhältnis dient dabei als Projektionsfläche für mal stabilisierende, mal erdrückende Autorität. Doch spätestens seit der Durchsetzung vergeschlechtlichter Arbeitsteilung in der frühen Industriegesellschaft sind die viel beschäftigten Väter vor allem eins: abwesend – ob auf Arbeit, im Krieg oder auf hoher See. Was aber bedeutet die drohende, sehr konkrete Abwesenheit im Moment des Sterbens für die Biografie der Nachkommen? Welche Fragen hätte man noch stellen wollen? Welche Antworten gehen mit dem Tod des Vaters für immer verloren? Und wie viele Geheimnisse nimmt der Mann, der einen großgezogen hat und der nun als Greis da im Bett liegt, eigentlich mit ins Grab? Nach seinen filmischen Arbeiten, die mit schonungslosem Blick deutsche Zustände beschreiben und mit zahlreichen Preisen – darunter der Silberne Bär für Kreuzweg – prämiert wurden, arbeitet Dietrich Brüggemann mit Vater das erste Mal für das Theater.


Kategorie: Schauspiel

"Ich stehe im Bad und betrachte mein Spiegelbild. Es wird von den Rissen im Glas verzerrt und ich muss mich drauf konzentrieren, die Teile wie ein Puzzle in meinem Kopf zusammenzusetzen. Ich sehe mich an. Nicht das Mutantenspiegelbild, sondern das zusammengesetzte, echte Puzzle-Ich. "Gut gemacht", wiederhole ich und versuche, mir so in die Augen zu sehen, als ob hinter dem Spiegel eine echte Person stünde, die man loben müsste." Der Blick in den Spiegel nach dem letzten Match offenbart ein angeschlagenes Leben, das endgültig auseinander zu fallen droht. Das Fundament war nie sonderlich stabil: Eine wirkliche Familie gab es in Heikos Leben nicht. Die Mutter lässt die Kinder beim alkoholkranken Vater zurück. Ihm hat Heiko nichts mehr zu sagen und auch bei den Frauen in seinem Leben, seiner Schwester Manuela und bei Ex-Freundin Yvonne, fehlten ihm die Worte. Sie sind in seinem Kopf, kommen aber nicht heraus. Sehr präsent sind jedoch Poborsky und Bigfoot, zwei Kampfhunde und der Geier Siegfried. Um die kümmert sich Heiko und um Heiko kümmert sich Onkel Axel, Patriarch der Hooliganszene. Vor allem aber sind da die Jugendfreunde: Kai, Ulf, Jojo. Außer dem einen, der fehlt. Mit seinen Blutsbrüdern schlägt er sich durch für das, was ihm alles ist: Hannover 96, die Hools, ihr Mythos und die dritte Halbzeit nach dem Spiel. Mit unbändigem, toxischem Zorn führt Heiko einen immer einsameren Kampf, als seine Ersatzfamilie erwachsen wird und andere Wege wählt. Adrian Figueroa verlagert das Drama in einen klaustrophobischen Kopfraum und splittet die Hauptfigur auf: Vier erwachsene Spieler und vier Kinder erzählen, wie Heiko der wurde, der er ist. Wie der Tunnelblick einsetzt und die Wut zum Motor wird, um etwas festzuhalten, was längst verloren ist. Vielen Dank an Judith Hofmann für das Einsprechen der Rolle Manuela.


Kategorie: Kinder & Jugend

Es ist so schwer, jemandem den Unterschied zwischen einem aufstiegssüchtigen Talent und einem verbissenen Karrieristen zu erklären. Es gibt oft für zwei Sachen, die vollkommen unterschiedlich sind, nur ähnliche Begriffe. Ausgerechnet dann, wenn Welten dazwischen liegen, hört sich alles gleich an. Alles gibt sich der allgemeinen Äquivalenz anheim. Wie beim Schlaf, der ja oft auch zwischen Tag und Nacht nicht unterscheidet. Obwohl ihm das Undifferenzierte der Nacht ähnlicher ist. Man hat alles richtig gemacht. Sein innerstes Selbst hat man vor allen anderen ausgebreitet. Aber vor den Drangsalen von Erfolg und Misserfolg ist man nur geschützt, wenn man mehr hat als sich selbst.


Kategorie: Schauspiel

"erschütternd, dass es für das Leben, wie es ist, nicht bessre Gründe gibt" Noch versprechen der neue Tag und das Licht der aufgehenden Sonne eine hoffnungsvolle Zukunft. Doch in der ausgekühlten Welt, in der Familie Krause auf die Geburt eines Babys wartet, stehen die Menschen vereinzelt und entwurzelt, bahnt sich eine neue Liebe an und erlischt, sehen sich zwei Studienfreunde nach langer Zeit wieder und stellen fest, dass eine unüberwindbare Kluft sie und ihre Weltanschauungen nun trennt. Vor Sonnenaufgang – schon der Titel des 1889 uraufgeführten Dramendebüts von Gerhart Hauptmann deutet eine transitorische Situation, einen Schwellenzustand an. Der österreichische Dramatiker Ewald Palmetshofer seziert in seiner Neubearbeitung die Bruchstellen unserer Gegenwart und macht am Beispiel einer Familie und ihrer Konflikte größere gesellschaftliche Zusammenhänge sichtbar, zeigt die Beschädigungen und Entmenschlichungen hinter einer bürgerlichen Fassade und die Erosionserscheinungen eines demokratischen politischen Systems. In einer scheinbar einfachen Geschichte und profanen Alltagsschilderungen entwickelt der luzide Text eine tragische Wucht.


Kategorie: Schauspiel

Deutsch von Walter Jens In einer Fassung von Lilja Rupprecht und Meike Schmitz  Nicht um ein Feind zu sein, nein, um ein Freund zu sein, bin ich geboren.    Der Krieg um Theben ist vorbei. Der Angreifer Argos geschlagen. Auf dem Schlachtfeld liegen die Leichen. Unter ihnen die beiden Söhne des Ödipus – Eteokles und Polyneikes. Im Kampf um den Thron erschlugen sie sich gegenseitig. Der neue Herrscher über Theben ist Kreon. Als erste Amtshandlung verfügt er, dass Eteokles bestattet, Polyneikes aber, den er als Staatsfeind betrachtet, ohne Begräbnis vor den Toren der Stadt verrotten soll. Auf Zuwiderhandlung steht die Todesstrafe. Es ist Antigone, die Schwester der beiden Toten, die sich der Verfügung widersetzt. Sie beruft sich auf das überzeitliche Recht der Götter, das über jedes menschliche erhaben ist, und bestattet ihren Bruder. Den eigenen Tod nimmt sie dafür in Kauf.  In Sophokles Tragödie, uraufgeführt vor rund 2500 Jahren, steht weltliches Recht gegen göttliches, Staatsraison gegen Geschwisterliebe, Ratio gegen Herz. Es sind Fragen nach Verantwortung, Moral und nach der Notwendigkeit eigenen Handelns, die Antigones Schicksal aufwirft. Ihnen wird Lilja Rupprecht gemeinsam mit SchauspielerInnen des RambaZamba Theater, des DT und einem BürgerInnen-Chor nachgehen.


Kategorie: Schauspiel

Ein Stück Zukunft: Nach partizipativen Formaten, in denen Andres Veiel und Jutta Doberstein Wissenschaftler_innen und Bürger_innen zu Workshops zu den Themen Arbeit, Finanzen, Umwelt etc. zusammengebracht haben, entstand nun ein Theaterstück, das sich in der Zukunft mit Vergangenheit beschäftigt: In einem Untersuchungsausschuss wird im Jahr 2028 die Frage nach der Verantwortung für die Ereignisse der Jahre 2018 bis 2028 gestellt. Die EU befindet sich nach dem Austritt Italiens 2023 in einer der größten Krisen ihrer Geschichte. Anlass genug, gegenzusteuern und in der Rest-EU 2024 ein bedingungsloses Grundeinkommen einzuführen. Doch ein ökonomischer Crash ist nicht mehr aufzuhalten. Ist die Ursache in einer zufälligen Verkettung bester Absichten zu finden? Andres Veiel geht es um die Konfrontation mit widersprüchlichen Entwürfen von Zukunft – abseits von Legislaturperioden oder Parteiinteressen. So werden utopische Momente genauso zur Diskussion gestellt wie dystopische. Welche Spuren verfolgen wir? Und welche hinterlassen wir? Koproduktion mit der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages Informationen zur Recherche und zum Gesamtprojekt auch unter www.welchezukunft.org


Kategorie: Schauspiel

Der fast vergessene Politroman des Literaturnobelpreisträgers Sinclair Lewis, It Can’t Happen Here , erlebt derzeit eine regelrechte Wiedergeburt. Geschrieben 1935 unter dem Eindruck der Machtergreifung Adolf Hitlers, erzählt Lewis die Geschichte des nicht für möglich gehaltenen Aufstiegs eines amerikanischen Polit-Outsiders und Populisten namens Buzz Windrip zum Präsidenten der Vereinigten Staaten. Windrip gewinnt die Wahl 1936 gegen Roosevelt und verwandelt die USA mit Unterstützung einer "Liga der Vergessenen Männer" binnen kürzester Zeit in eine Diktatur. Eines der ersten Opfer seiner Herrschaft ist neben der Unterwanderung der Justiz die Pressefreiheit, geschildert anhand des Zeitungsherausgebers Doremus Jessup, der unter den zunehmenden Repressalien zu leiden hat, zunächst auf dem Papier, dann körperlich… Die verbreitete Meinung in den USA Mitte der dreißiger Jahre mit Blick auf die politischen Verhältnisse in Deutschland war: Das kann hier nicht passieren. Heute denken viele in Deutschland genau das mit Blick auf die USA.


Kategorie: Schauspiel

Gibt es Nachrichten ohne Gefühle? Hat guter Journalismus nicht schon immer auch Emotionen beschrieben oder hervorgerufen, um seine Story zu verkaufen? Was hat sich unter Bedingungen mobiler digitaler Kommunikation verändert? Und wo liegen die Grenzen zwischen der Beschreibung von öffentlichen Emotionen und ihrer Herstellung? Im Gespräch mit Cilja Harders lotet Margreth Lünenborg, Professorin für Kommunikationswissenschaft an der Freien Universität Berlin, das Terrain zwischen sachlicher Berichterstattung und emotionaler Meinungsmache aus. In Kooperation mit dem Sonderforschungsbereich "Affective Societies", gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG.


Kategorie: Spezial

Deutsch von Irmtraud Zimmermann-Göllheim Fassung von András Dömötör und Meike Schmitz Seit seiner Entdeckung vor mehr als hundert Jahren steht der Planet Solaris im Zentrum des wissenschaftlichen Interesses. Es scheint, als habe man tatsächlich außerirdisches  Leben dort gefunden. Allerdings anders, als man sich das vorgestellt hatte: Auf der Solaris gibt es nur einen einzigen Bewohner, einen schleimigen Ozean, der den Planeten fast vollständig umgibt. Ganze Forschergenerationen haben versucht mit diesem Ozean in Kontakt zu treten. Bisher ohne Erfolg. Auch der Psychologe Kris Kelvin hat sein Leben der Erforschung der Solaris gewidmet. Voll Tatendrang macht er sich auf den Weg zur Raumstation, um die Arbeit mit den dort stationierten Wissenschaftlern voranzutreiben. Aber was er vorfindet, ist nicht, was erwartet hatte. Solaris , 1961 erschienen, zählt zu den Meisterwerken der Science-Fiction-Literatur. Stanisław Lem zeichnet darin das Bild einer zukünftigen Menschheit, die sich etwas vollkommen Unbekanntem und Unerklärlichem gegenübersieht. Mit all ihren Mitteln versucht sie, dieses Etwas zu begreifen. Es ist die Unfähigkeit die eigene Perspektive zu verlassen, die letztlich das Zustandekommen eines Kontakts verhindert. „Wir wollen gar nicht den Kosmos erobern, wir wollen nur die Erde bis an seine Grenzen erweitern. Menschen suchen wir, niemanden sonst“, heißt es. Lem stellt damit nicht nur die Frage nach den Grenzen menschlicher Erkenntnis, sondern verweist auch auf die Beschränktheit des Menschen, die ihm den offenen Blick auf sein Gegenüber verstellt. Auf der vermeintlichen  Suche nach dem anderen, sucht und findet er doch immer nur sich selbst.


Kategorie: Schauspiel

"Eine Zukunft, die jetzt keine mehr ist, sondern Gegenwart." Inspiriert von der Präsidentenwahl in den USA, widmet sich die Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek in ihrem aktuellen Stück Am Königsweg den "Königen" dieser Welt. "Gewählt ist gewählt", doch wie konnte es dazu kommen? Wie kommt es, dass Kapitalismus und Macht stets gleichbedeutend sind mit immer wiederkehrenden veralteten Männlichkeitsbildern? Warum ist der Rechtspopulismus immer auch mit der Blindheit seiner Wähler verbunden? Hängt die Blindheit mit dem Ödipus-Komplex zusammen? Und wenn ja, warum hat sich dieses Phänomen auch 2000 Jahre später noch nicht erledigt? Oder sind es letztlich Miss Piggy und Kermit der Frosch, die hier ihr Unwesen treiben? Und alles ist nur ein Puppenspiel mit tödlichem Ausgang? Miss Piggy, "als blinde Seherin hergerichtet", wird mit uns in die Zukunft blicken. Elfriede Jelineks Am Königsweg wurde in der Kritikerumfrage von Theater heute 2018 als "Stück des Jahres" gewählt.


Kategorie: Schauspiel

Fassung von Kristo Šagor Gegenwart und Zukunft, Kind- und Erwachsensein, Isolation und Gemeinschaft, analoge und digitale Welt, Aufbruch und Absturz – zwischen diesen Begriffspaaren bewegen sich Erik, Stanko, Emily, Bea, Lenny, Annika, Vanessa, Li und Henk. Obwohl sie Klassenraum und Lehrerin teilen, könnten die Welten, in denen sie sich bewegen unterschiedlicher nicht sein. Ein unausweichlich düsterer Kosmos tut sich auf: Da sind Annika und ihr kleiner Bruder, die liebevoll und manisch zugleich tote Tiere von der Straße sammeln und sie bestatten, das pumelige Mobbing-Opfer Vanessa, das sich mit Hilfe ihrer Drohne im Netz verzweifelt eine schlanke neue Identität zusammenbastelt. Bea, Schulschwänzerin und wiederholt suizidal, schläft aus Protest gegen ihre Eltern gleich mit zwei Jungs und Computer-Nerd Lenny, der durch dreistes digitales Strippenziehen seine Mitschüler hackt oder per Smartphone fernsteuert. Der Regisseur Kristo Šagor greift zusammen mit seinem Team die multiperspektivische Erzählweise des Autors auf, treibt das digitale Verwirrspiel mit Mitteln wie Live-Video weiter, richtet den Blick aber dennoch auf die Zusammenhänge der scheinbar von einander isolierten, apokalyptisch und beklemmend anmutenden Puzzleteile. Was ist gültig? Meine Realität oder deine? Mit freundlicher Unterstützung der K.S. Fischer-Stiftung


Kategorie: Kinder & Jugend

Die Freundinnen Nini und Jameelah sind unzertrennlich, unbesiegbar und zum ersten Mal verliebt. Der Ernst des Lebens ist ganz weit weg oder wird ignoriert, wie Jameelahs drohende Abschiebung. Denn es ist Sommer, Ferienbeginn. Alles ist möglich. Berlin ist Spielplatz und Experimentierfeld. Mit rücksichtsloser Leichtigkeit streifen die zwei 14-jährigen durch die Stadt, klauen bei Pimkie, knutschen im Freibad. Auf dem Schulklo wird der Lieblingscocktail "Tigermilch" aus Milch, Mariacron und Maracujasaft im Müllermilchbecher gemixt. Dann geht’s mit Ringelstrümpfen ausgerüstet "auf die Kurfürsten", um an Männern zu üben wie an Fröschen. Das Projekt heißt "Entjungferung", geübt wird, damit es nicht weh tut, wenn es mal ernst wird. Die pubertäre Dauerparty gleicht einem Tanz am Abgrund und endet abrupt im echten Leben, als beide nachts auf ihrem Kinderspielplatz Zeuginnen eines Mordes werden. Und als der Falsche die Schuld auf sich nimmt, steht plötzlich alles auf dem Spiel – Aufenthaltsgenehmigung, Unschuld, Freundschaft. Mit freundlicher Unterstützung der K.S. Fischer-Stiftung Eingeladen zum Festival Mittelfest 2018 , Italien


Kategorie: Kinder & Jugend

Von einem gewissen Punkt gibt es keine Rückkehr mehr. Dieser Punkt ist zu erreichen. Franz Kafkas "ins endlose angelegte Geschichte" erzählt die abenteuerliche, dann albtraumhafte Lebensreise eines 16-jährigen Exilanten wider Willen. Fortgeschickt von seinen Eltern wird Karl Roßmann nach der Überfahrt von einem reichen Onkel aufgenommen und eingeführt in eine neue Welt unbegrenzter Möglich­keiten. Ebenso überraschend und unwiderruflich verstößt ihn dieser wieder. Auf sich allein gestellt wird Karl von Gaunern ausgenutzt, ist autoritären Vorgesetzten in undurchschaubaren Systemen ausgeliefert. Und er begegnet den Zumutungen übergriffiger Frauen: unberechenbaren oder bedürftigen Töchtern, mütterlichen Köchinnen, despotischen Sängerinnen. Sein Leben erscheint ihm wie ein einziger Widerspruch, als würde er in einem nicht enden wollenden Prozess Prüfungen unterzogen, die er nicht begreifen oder gar bestehen kann. Sein Handlungsraum wird immer enger. In einer Verkehrung des Amerikanischen Traums, seiner Glücks- und Freiheitsversprechen, stellt Kafka in diesem Romanfragment existentielle Fragen nach dem Ausgesetztsein in einer Welt, in der sich das Individuum zunehmend fremd erscheint. Dušan David Pařízeks Inszenierung erzählt von Willkür, vom Verlust verbindlicher Werte – und von dem Wunsch nach Ankunft und Erlösung in ­einer anderen Welt.  Zum Kämpfen gezwungen Ein Gespräch mit dem Kafka-Biografen Reiner Stach


Kategorie: Schauspiel

Mit Ukulele, Harmonika und Gitarre empfängt Bernd Stempel zu seinem Abend Das Hexenlied , um darin einer Erzähl- und Liedtradition nachzuspüren, die viele eher an rote Rosen oder öden Deutschunterricht denken lässt: der Ballade. Dass diese aber nichts an Aktualität eingebüßt hat und nicht nur für das Theater, sondern auch für die Bar geschaffen ist, zeigt Bernd Stempel, der seit 1989 im Ensemble des DT ist und 2018 sein 40. Bühnenjubiläum feiert. Zwischen Bühne und Tresen plaudert, musiziert, singt und spielt er sich quer durch bewegende Anekdoten, packende Oden, überraschende Liebesgedichte und unglaubliche Legenden. Das Hexenlied – eine Hommage auf die Kunst des Geschichtenerzählens und eine Einladung, sich darauf einen eigenen Reim zu machen.


Kategorie: Spezial

Deutsch von Volker Schlöndorff und Florian Hopf „Ich werd's dir und allen anderen zeigen, dass Willy Loman nicht umsonst gestorben ist..." Der Traum, Nummer Eins zu werden. Der Traum vom ganz großen Glück, Erfolg und Ruhm. Der Traum von Anerkennung. Am Ende eines arbeitsreichen Lebens ist dieser Traum von Willy Loman nicht in Erfüllung gegangen. 36 Jahre reiste er als Handelsvertreter durch die Lande und nun ist er am Ende. Die Stammkunden sind verzogen oder verstorben, die jüngeren Kollegen arbeiten effizienter, die unzähligen Autofahrten sind eine Qual. Als ihn der neue, junge Chef feuert, gerät er in eine existenzielle Sinnkrise. Loman sieht nur einen Ausweg: Selbstmord, als Autounfall getarnt, damit seine Familie mit der Lebensversicherung weiterleben kann. Tod eines Handlungsreisenden ist eine Gesellschaftstragödie und die Geschichte eines Identitätsverlustes: Loman wird zum Opfer des bedingungslosen amerikanischen Traums von Erfolg und finanziellem Wohlstand. Kooperation mit der Universität der Künste Berlin Ausgezeichnet mit dem Friedrich-Luft-Preis 2017 der Berliner Morgenpost


Kategorie: Schauspiel

Ein Imbissbudenverkäufer raucht heimlich mit seiner Nachbarin nach der Arbeit Zigaretten im Hausflur eines Plattenbaus. Ein Wachmann verliebt sich am Schutzzaun des Ausländerwohnheims in eine der Bewohnerinnen. Nach einem Einbruch in seine Wohnung kann ein Mann nicht zu Hause bleiben und steht plötzlich im Wohnzimmer einer alten Frau. Eine andere Frau verlässt ihren Mann, der Stunden, vielleicht Tage auf die Leuchtanzeige seines Funkweckers blickt. Ein passionierter Lokführer der Nachtschicht sieht zu spät einen lachenden Mann auf den Gleisen, und eine Putzfrau schließt in der Bahnhofskneipe Freundschaft mit einer Friseurin. Leise erzählt Clemens Meyer von nächtlichen Begegnungen am Rande der Großstadt, bei denen Erinnerungen und Sehnsüchte verschmelzen, traurig und hoffnungsvoll, unsentimental und voller Liebe zu den Figuren, die man zu kennen glaubt und über die man dennoch nichts weiß. Der Leipziger Autor Clemens Meyer erhielt für sein Werk zahlreiche Preise, darunter der Preis der Leipziger Buchmesse, und wurde für den Man Booker International Prize 2017 nominiert. Die Verfilmungen seines Romans Als wir träumten  und seiner Erzählung In den Gängen liefen im Wettbewerb der Berlinale.


Kategorie: Schauspiel

Finn, ein Versicherungsmakler, schlägt die Augen auf und weiß, dass er nie mehr aufstehen will. Seine Schwester Linda hat einen Wolf gesehen und hofft, dass ihre vom Konkurs bedrohte Therme demnächst in einem Naturschutzgebiet stehen wird. Erwin, der Vater der beiden, würde gern einmal ein normales Gespräch führen, über das Wetter oder die Sterne. Monika, Verkäuferin im Supermarkt, wurde vom Chef eine Beförderung versprochen. Vielleicht die Leitung eines Marktes in Holland. Ihr Mann Thomas, Polizist, würde mitgehen. Herr und Frau Schmidt fühlen sich beobachtet. Von einem Tier? Mira, schwanger, möchte ihr Kind nicht bekommen. Josef, der Vater, möchte es unbedingt haben. Gabi und Rainer suchen eine Wohnung oder tun nur so. Ira, eine ältere Dame, vermisst ihren Ehemann. Er wollte nur einen Spaziergang machen? Dea Loher verwebt die einzelnen Episoden. Die Figuren treffen in unterschiedlichen Konstellationen aufeinander, sehen sich in überraschenden Begegnungen wieder. Es entsteht ein düsteres und dennoch der Komik nicht entbehrendes Panorama von Menschen unserer Zeit. Immer am Abgrund und doch hoffnungsvoll. Ein Auftragswerk des Deutschen Theater Berlin


Kategorie: Schauspiel

"Er ging gleichgültig weiter, es lag ihm nicht's am Weg, bald auf - bald abwärts. Müdigkeit spürte er keine, nur war es ihm manchmal unangenehm, daß er nicht auf dem Kopf gehn konnte." 1778. Der junge Dichter Jakob Lenz wandert durchs Gebirge, auf dem Weg zum Pfarrer Oberlin, der ihn in sein Haus aufnehmen wird. Dort will Lenz zur Ruhe kommen, will nicht mehr dran denken, woher er kommt und wohin er zu gehen beabsichtigt. Doch Briefe von seinem despotischen Vater, Wiederbegegnungen mit Menschen, die ihn von früher kennen und die Abwesenheit des Pfarrers, der auf eine Reise muss, führen zu einem sich zusehends verschlechternden Geisteszustand. Beklemmend intensiv beschreibt Georg Büchner die Verlorenheit und Einsamkeit eines entwurzelten Menschen und stützt sich dabei auf Quellen von Zeitgenossen des Schriftstellers Jakob Michael Reinhold Lenz, der 1792 nach Jahren der Verelendung tot auf einer Straße in Moskau aufgefunden wurde, und der als einer der bedeutendsten Vertreter des 'Sturm und Drang' gilt.


Kategorie: Schauspiel

In der Übersetzung von Renate Bleibtreu 1965 lag der schwedische Regisseur Ingmar Bergman mit Lungenentzündung im Krankenhaus. Im Krankenzimmer entwarf er das Drehbuch für seinen experimentellen Spielfilm Persona . Später sagte er, Teile des Films entsprächen einem "Gedicht über seine persönliche Situation". "Ausgebrannt, wie tot", habe er sich gefühlt, gedacht, er könne nie wieder etwas erschaffen. Im Drehbuch wird der Krankenschwester Alma die Pflege für die gefeierte Filmschauspielerin Elisabeth Vogler übertragen. Diese hatte nach einer Vorstellung von Elektra aufgehört zu sprechen. In einem Haus am Meer verbringen die zwei ungleichen Frauen einen vorerst unbeschwerten Sommer. Alma spricht. Elisabeth hört zu. Als Alma einen Brief findet, in dem sich Elisabeth über sie lustig macht, kippt die Situation. Tatsächlich geht es in Persona um mehr als nur Depression oder Erschöpfung. Vielmehr gründet der Kern des Stoffes auf einer tiefgehenden Skepsis an der Konstruktion der Identität des Menschen. Beide Frauen im Stück stellen diese Fragen gleichermaßen und verschmelzen darin miteinander. In Anna Bergmanns Inszenierung spiegelt sich dieser Gedanke auf besondere Art: Die zwei Darstellerinnen werden im Laufe der Koproduktion Malmö – Berlin die Rollen tauschen: spricht zuerst die eine, übernimmt die andere ihre Rolle, wenn Land und Theater gewechselt werden. Koproduktion mit dem Malmö Stadsteater


Kategorie: Schauspiel

Er gilt als der „Vater der Atombombe“, war Direktor der Laboratorien in Los Alamos, in denen dieses „Patentspielzeug“ entwickelt wurde und hat den Abwurf der Bombe auf Hiroshima bis hin zur Zündhöhe wissenschaftlich begleitet: Dr. J. Robert Oppenheimer. Keine zehn Jahre später, im April 1954, wird er von der Atomenergiekommission in Washington verhört und muss sich verantworten – politisch, moralisch und wissenschaftlich – für die Waffe, die er geschaffen hat, für die Geschwindigkeit dieser Entwicklung und für seine Amerika-Treue. Die tatsächlichen Verhöre, die Heinar Kipphardt als einer der prägenden Autoren des dokumentarischen Theaters für dieses Stück verdichtet hat, sind ein Musterbeispiel für das Verantwortungsproblem des technischen Fortschritts, an dessen Spitze längst nicht mehr nur die Atomtechnologie, sondern auch die Digitalisierung, die Genforschung und die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz stehen. Die Schaffung neuer Möglichkeiten der Zerstörung, Überwachung und menschlichen Selbstüberschreitung bis hin zur Überwindung der Sterblichkeit im Sinne einer „transhumanity“ beschreibt die Doppelgesichtigkeit der Prozesse, die von Menschen gemacht, aber in ihren Konsequenzen weder zu ermessen noch zu kontrollieren sind. Und dennoch scheinen sie – einmal begonnen – unumkehrbar.


Kategorie: Schauspiel

In der Übersetzung von Renate Bleibtreu 1965 lag der schwedische Regisseur Ingmar Bergman mit Lungenentzündung im Krankenhaus. Im Krankenzimmer entwarf er das Drehbuch für seinen experimentellen Spielfilm Persona . Später sagte er, Teile des Films entsprächen einem "Gedicht über seine persönliche Situation". "Ausgebrannt, wie tot", habe er sich gefühlt, gedacht, er könne nie wieder etwas erschaffen. Im Drehbuch wird der Krankenschwester Alma die Pflege für die gefeierte Filmschauspielerin Elisabeth Vogler übertragen. Diese hatte nach einer Vorstellung von Elektra aufgehört zu sprechen. In einem Haus am Meer verbringen die zwei ungleichen Frauen einen vorerst unbeschwerten Sommer. Alma spricht. Elisabeth hört zu. Als Alma einen Brief findet, in dem sich Elisabeth über sie lustig macht, kippt die Situation. Tatsächlich geht es in Persona um mehr als nur Depression oder Erschöpfung. Vielmehr gründet der Kern des Stoffes auf einer tiefgehenden Skepsis an der Konstruktion der Identität des Menschen. Beide Frauen im Stück stellen diese Fragen gleichermaßen und verschmelzen darin miteinander. In Anna Bergmanns Inszenierung spiegelt sich dieser Gedanke auf besondere Art: Die zwei Darstellerinnen werden im Laufe der Koproduktion Malmö – Berlin die Rollen tauschen: spricht zuerst die eine, übernimmt die andere ihre Rolle, wenn Land und Theater gewechselt werden. Koproduktion mit dem Malmö Stadsteater


Kategorie: Schauspiel

Aus dem Russischen von Thomas Reschke "Wenn einer spricht, heißt das noch lange nicht, dass er ein Mensch ist." Der Professor Filipp Filippowitsch Preobrashenski sammelt auf einer Moskauer Straße den völlig verwahrlosten und misshandelten Hund Bello auf und lockt ihn zu sich nach Hause. Der auf Verjüngung spezialisierte Mediziner will ein Experiment wagen. Er pflanzt dem Hund die Hirnanhangdrüse und die Hoden eines kürzlich verstorbenen Säufers ein. Aus dem dankbaren und unterwürfigen Tier entwickelt sich innerhalb weniger Wochen ein äußerlich und geistig vermenschlichter Hund. Allerdings erbte er die Eigenschaften des proletarischen Trunkenboldes und bringt den bürgerlichen Haushalt des Professors durch seine Aufsässigkeit und Trinkerei gehörig durcheinander. Er klaut Geld und lässt sich vom Hauskomitee gegen den Professor aufhetzen. Bulgakow, einer der größten Satiriker der russischen Literatur richtet sich mit seiner Novelle aus dem Jahre 1925, die an Motive aus Mary Shellys Frankenstein und Goethes Faust erinnert, gegen die Wissenschaftsgläubigkeit und die naive Utopie, die menschliche Natur durch den neuen Sowjetmenschen verbessern zu können. Bulgakows Verleger ließ seinerzeit über ein Parteimitglied ausrichten: "Sie ist eine ätzende Attacke auf unsere gegenwärtigen Verhältnisse und kommt auf keinen Fall für eine Veröffentlichung in Betracht..."


Kategorie: Schauspiel

"Es brennt Licht." Leopold nimmt Franz mit in seine Wohnung, sie haben Sex. Aus dieser zunächst unbedeutenden Begegnung entwickelt sich eine feste Beziehung. Franz verlässt seine Freundin Anna und zieht zu Leopold. Nach und nach wird ihre Liebe von der sie umgebenden Kleinbürgerlichkeit zerfressen. Die Lust aufeinander wird immer weniger, falsche Machtspiele zerstören das Vertrauen, sie benutzen einander, um den eigenen Schmerz erträglicher zu machen. Leopold und Franz geraten in eine Spirale aus Schande, Selbstbehauptung und Scham. Schließlich will Anna Franz zurückgewinnen, Leopold bringt seine Ex-Freundin Vera ins Spiel – am Ende schlafen alle miteinander. Die Orgie endet tragisch. Alle begehren sich, aber keiner wird glücklich.   Rainer Werner Fassbinder, geboren 1945 in Bayern, zählt zu den wichtigsten Vertretern des Neuen Deutschen Films. Seine Filme laufen auch heute noch weltweit auf Festivals, seine Stücke werden regelmäßig auf deutschen Bühnen gezeigt, Museen widmen sich in Retrospektiven seiner Arbeit. Mit 19 Jahren schreibt er 1964 sein zweites Theaterstück Tropfen auf heiße Steine , das bis zu seinem Tod im Jahre 1982 unaufgeführt bleibt. 2000 verfilmt es der französische Regisseur François Ozon unter dem Titel Gouttes d’eau sur pierres brulantes .


Kategorie: Schauspiel

"Das Gewitter ist genau über uns", schreibt Moritz Rinke in seinem neuen Stück. Es erzählt von einer untergehenden Welt: von Burgen der Bürgerlichkeit, die brüchig geworden sind.- von einsamen Menschen, deren Biografien, Gesichter und Körper vernarbt sind vom Krieg und vom Zwang, schön und erfolgreich zu sein. Eduard ist Schönheitschirurg, Charlotte eine erfolgreiche Sängerin. Das Kind, das Charlotte sich gewünscht hatte, haben die beiden nicht bekommen. Nun ist das neu gekaufte Haus zu leer, der Garten zu groß, der nahe See zu still. Umso mehr sprudeln die Pläne: Pläne für ein neues Gartenhaus (Fichtenholz), für die neue Praxis (lindgrün), für Um- und Anbauten, das nächste Gesangskonzert, die nächste Nasenkorrektur… In diese Welt bricht Michael ein. Eduard und "Mick" haben beide Medizin studiert, inzwischen trennen die beiden Welten. Eduard operiert im Krisengebiet der westlichen Seele.- dort entfernt er die Angst, alt und wertlos zu sein. Michael, der jüngere der beiden, arbeitet für eine humanitäre Organisation und kommt eben aus Afghanistan zurück. Was er mitbringt, sind Geschichten von westlicher Gewalt, von Minenopfern, verzweifelten Todeskämpfen und sinnlosem Sterben. Und dann ist da noch Lilly, die junge Nachbarin, eine Medizinstudentin, die nur in den Sommerwochen bei ihrem Vater Marek und dessen amerikanisch-russischer Freundin Eleonora lebt. Als die Nachbarsfamilie zu Besuch kommt, droht die alte Ordnung endgültig zu zerfallen.


Kategorie: Schauspiel

"Niemand hat uns jemals, niemand hat uns in der langen Zeit, niemand hat uns jemals auf der Straße, im Geschäft, beim Arzt, keiner von den Lehrern, Vätern, Müttern, Tanten, Onkels, Schwägerinnen, Schwippschwagern, niemand hat uns jemals, niemand hat uns jemals gefragt, wie UM ALLES IN DER WELT wir schwanger geworden sind. Keine von uns kann sich genau erinnern, wie DAS war, mit wem DAS war, warum DAS war." 2014 wird die "kollektive Schwangerschaft" von sieben Teenagerinnen in Bosnien und Herzegowina medial skandalisiert. Es kann nicht sein, was nicht sein darf. Viel wird gemutmaßt und geurteilt über diese Mädchen. Sie selbst kommen nicht zu Wort. Tanja Šljivar gibt ihnen eine eigene Stimme. Es geht ihr jedoch weder um Ursachenforschung noch um Aufklärung. Sie lässt sieben dreizehnjährige Draufgängerinnen in sieben Szenen wild über Religionslehrer und Instagram, Schwangerschaftstests und -symptome, Chauvinismus und Großmütter, Piercings und Gesellschaftsutopien, Pornographie und Kritische Theorie, Abtreibung und Klassenfahrten sprechen. Alle Erinnerungen, alle Aussagen sind höchst fragwürdig und mit Vorsicht zu genießen, denn sie sind bereit, alles zu erzählen, außer wie sie wirklich schwanger geworden sind. Es entsteht ein vielstimmiger Chor der Ungehörten, der radikal Selbstbestimmung einfordert – über den eigenen Körper, das eigene Leben. Er demonstriert, dass es egal ist, aus einer Gesellschaft ausgestoßen zu werden, der man nie angehört hat.


Kategorie: Kinder & Jugend

In einer Fassung von Nora Schlocker und Birgit Lengers Es beginnt mit einem Pakt: Um aufzupassen auf Frieder, der versucht hat sich das Leben zu nehmen, zieht Höppner mit ihm in ein leerstehendes Haus mitten im Dorf. Diese Verantwortung für den gemeinsamen Freund wird geteilt zwischen Vera, die weder in der Liebe noch beim Thema Eigentum an Exklusivität glaubt und Cäcilia, die sich weigert das Leben ihrer reichen Eltern zu erben. Mit der bildschönen Brandstifterin Pauline und dem schwulen Kiffer Harry ist die WG der eigenwilligen Einzelgänger komplett. Das Leben im Auerhaus – getauft nach dem Madness-Song Our House – ist Notwehr gegen das vorgefertigte Leben "Birth, school, bummbumm, work, death". Es ist aber auch die Praxis des richtigen Lebens mit Aufstehen, Essenklauen, gemeinsamem Kochen, Federballspielen, Feiern und vor allem mit viel reden, reden um Frieders Leben. Verbunden durch das gemeinsame Versprechen steuern die Sechs aufs Abitur und eine ungewisse Zukunft zu, leben den Alltag und setzen ihn immer wieder außer Kraft. Es ist die Zeit ihres Lebens. Doch sie ist endlich… Auerhaus erzählt von der Utopie von Gemeinschaft und vom heftigen Augenblick des Erwachsenwerdens, in dem das Leben an die Tür klopft und man sich entscheiden muss. Es geht um alles: Freundschaft und Liebe, Gegenwart und Zukunft, Leben und Tod.


Kategorie: Schauspiel

"…und alle heben sich gleichzeitig empor / von ihren Stangen / und flattern hinauf in die Kuppel / als hätten sie das Loch dort oben im Eisengitter / erst jetzt gesehen…"   Die Schauspielerin Jutta Wachowiak, geboren 1940, spielt die Wärterin in einem geheimnisvollen Park. Dinosaurier werden hier gezüchtet. Es soll ein Vergnügungspark werden. Sie nimmt heimlich einen kleinen Dino mit nach Hause. Er wächst und wächst, lernt Kunststücke und tritt im Zoo auf. Die Geschichte des Parks, den man weder verlassen, noch unkontrolliert betreten darf, vermischt sich mit der Biografie Wachowiaks. Sie hat viel zu erzählen: vom Krieg, von einem Land, das es nicht mehr gibt, von dem Land, in dem sie jetzt lebt. Einst äußerst erfolgreich in Film und Theater der DDR und mehrfach ausgezeichnet, ist für die Schauspielerin nach der Öffnung des Parks nichts mehr so wie es war. Sie haben die Fenster aufgemacht. Die neue Freiheit ließ sich nicht genießen. Die Ignoranz gegenüber Fähigkeiten, Wissen, Ideen und Erlebtem und die Enttäuschung darüber führt sie zu einem Neuanfang nach Essen, zu Arbeiten mit jungen Regisseuren, und zurück nach Berlin an das Deutsche Theater in einen ehemaligen Vergnügungspark.


Kategorie: Schauspiel

Er gilt als der „Vater der Atombombe“, war Direktor der Laboratorien in Los Alamos, in denen dieses „Patentspielzeug“ entwickelt wurde und hat den Abwurf der Bombe auf Hiroshima bis hin zur Zündhöhe wissenschaftlich begleitet: Dr. J. Robert Oppenheimer. Keine zehn Jahre später, im April 1954, wird er von der Atomenergiekommission in Washington verhört und muss sich verantworten – politisch, moralisch und wissenschaftlich – für die Waffe, die er geschaffen hat, für die Geschwindigkeit dieser Entwicklung und für seine Amerika-Treue. Die tatsächlichen Verhöre, die Heinar Kipphardt als einer der prägenden Autoren des dokumentarischen Theaters für dieses Stück verdichtet hat, sind ein Musterbeispiel für das Verantwortungsproblem des technischen Fortschritts, an dessen Spitze längst nicht mehr nur die Atomtechnologie, sondern auch die Digitalisierung, die Genforschung und die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz stehen. Die Schaffung neuer Möglichkeiten der Zerstörung, Überwachung und menschlichen Selbstüberschreitung bis hin zur Überwindung der Sterblichkeit im Sinne einer „transhumanity“ beschreibt die Doppelgesichtigkeit der Prozesse, die von Menschen gemacht, aber in ihren Konsequenzen weder zu ermessen noch zu kontrollieren sind. Und dennoch scheinen sie – einmal begonnen – unumkehrbar.


Kategorie: Schauspiel

1973 und 1975 haben zwei Terrorfilme (in Abwandlung des Genres Horrorfilm) die Zeit des Blockbusterkinos begründet.  Jaws ist dabei unmittelbar von The Exorcist beeinflusst, gerade in seiner Eröffnungsszene, die die Exorzismus-Szene aus letzterem nachspielt. Der einzige weitere Terrorfilm in den All Time Top 100 ist erst wieder Mel Gibsons The Passion of Christ . Die Geburtsstätte des kommerziellen Kinos ist wohl die Black Maria, das 1893 gebaute erste Filmstudio der Welt. Die Dachpappe, aus der es gefertigt war, und seine Enge erinnerten an die damaligen schwarz lackierten Gefangenentransporter, lahme Pferdekutschen, die man "Black Maria" nannte nach dem damals berühmtesten Rennpferd.


Kategorie: Schauspiel

"Ich stehe im Bad und betrachte mein Spiegelbild. Es wird von den Rissen im Glas verzerrt und ich muss mich drauf konzentrieren, die Teile wie ein Puzzle in meinem Kopf zusammenzusetzen. Ich sehe mich an. Nicht das Mutantenspiegelbild, sondern das zusammengesetzte, echte Puzzle-Ich. "Gut gemacht", wiederhole ich und versuche, mir so in die Augen zu sehen, als ob hinter dem Spiegel eine echte Person stünde, die man loben müsste." Der Blick in den Spiegel nach dem letzten Match offenbart ein angeschlagenes Leben, das endgültig auseinander zu fallen droht. Das Fundament war nie sonderlich stabil: Eine wirkliche Familie gab es in Heikos Leben nicht. Die Mutter lässt die Kinder beim alkoholkranken Vater zurück. Ihm hat Heiko nichts mehr zu sagen und auch bei den Frauen in seinem Leben, seiner Schwester Manuela und bei Ex-Freundin Yvonne, fehlten ihm die Worte. Sie sind in seinem Kopf, kommen aber nicht heraus. Sehr präsent sind jedoch Poborsky und Bigfoot, zwei Kampfhunde und der Geier Siegfried. Um die kümmert sich Heiko und um Heiko kümmert sich Onkel Axel, Patriarch der Hooliganszene. Vor allem aber sind da die Jugendfreunde: Kai, Ulf, Jojo. Außer dem einen, der fehlt. Mit seinen Blutsbrüdern schlägt er sich durch für das, was ihm alles ist: Hannover 96, die Hools, ihr Mythos und die dritte Halbzeit nach dem Spiel. Mit unbändigem, toxischem Zorn führt Heiko einen immer einsameren Kampf, als seine Ersatzfamilie erwachsen wird und andere Wege wählt. Adrian Figueroa verlagert das Drama in einen klaustrophobischen Kopfraum und splittet die Hauptfigur auf: Vier erwachsene Spieler und vier Kinder erzählen, wie Heiko der wurde, der er ist. Wie der Tunnelblick einsetzt und die Wut zum Motor wird, um etwas festzuhalten, was längst verloren ist. Vielen Dank an Judith Hofmann für das Einsprechen der Rolle Manuela.


Kategorie: Kinder & Jugend

Sophie Rois nimmt uns mit in eine vergangene Epoche: das 20. Jahrhundert. Geschichten vom britischen Subkontinent. Die Erzählungen des englischen Bestseller-Autors Ian McEwan und Songs von Ray Davies, Kopf der legendären britischen Band The Kinks , berichten von Grotesken des Alltags, vom Zauber des ersten Erlebens und vom Erwachsenwerden. "Mit ihrer Stimme bringt sie die Dinge in jeder Lebens- und Bühnenlage auf den Punkt", schreibt Die Zeit über Sophie Rois und schwärmt von "der spezifsch Roisschen Mischung aus Auftrittskraft und permanenter Selbstverwunderung". Bei ihrer musikalischen Lesung Have a Cup of Tea wird Sophie Rois von Mark McRae und Clemens Maria Schönborn auf der Gitarre begleitet. Mark McRae arbeitet als Komponist und Songwriter u. a. für die Produzenten von David Bowie und Robbie Williams. Clemens Maria Schönborn verbindet mit Sophie Rois eine lange künstlerische Zusammenarbeit, in der verschiedene Arbeiten für Film, Theater und Hörfunk entstanden.


Kategorie: Spezial


Änderungen vorbehalten! - Angaben ohne Gewähr! - Stand:01.01.19
© Fotos der Vorstellungen: [+][-]
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