Botanischer Garten und Botanisches Museum

 

Der Botanische Garten Berlin in Berlin-Lichterfelde ist mit einer Fläche von über 43 Hektar und etwa 22.000 verschiedenen Pflanzenarten der größte Botanische Garten Deutschlands. Er gehört zur Freien Universität Berlin und hat den Status einer fakultätsunabhängigen Zentraleinrichtung. Der Garten und das angeschlossene Botanische Museum Berlin-Dahlem haben jährlich eine halbe Million Besucher.

Allgemein wird er, auch in der eigenen Terminologie, als Botanischer Garten Dahlem bezeichnet, der Name leitet sich von der Königlichen Domäne Dahlem ab, auf deren Gelände er 1899 angelegt wurde. Tatsächlich gehört das Areal heute vollständig zum Ortsteil Lichterfelde.

 

Park und Pflanzen

Einteilung des Gartens

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Den Nordalpen nachempfundenes Gelände mit einem Wasserfall, Zustand um 1905 Das Freigelände des Botanischen Gartens wurde von Engler als Landschaftsgarten gestaltet. Die größten Bereiche nehmen die 12,9 Hektar großen geografischen Anlagen und das 13,9 Hektar umfassende Arboretum ein. Die geografischen Anlagen befinden sich direkt westlich des Hauptweges und umschließen den „Italienischen Garten“, der sich gegenüber den Schaugewächshäusern befindet. Ziel war es die Pflanzen der verschiedenen Erdteile und Habitate möglichst in ihrer natürlichen Umgebung zu zeigen. Hierzu wurden Struktur und Art des Untergrundes angepasst und 136.000 m³ Erde bewegt. Auch der bereits vor dem Ausbau zum Botanischen Garten auf dem Gelände vorhandene Karpfenpfuhl, ein Moränen­tümpel, wurde um ein zweites Becken ergänzt zum Eichenteich erweitert, um auch Uferpflanzen zeigen zu können. Ein kurzer Graben, von einer Steinbrücke überspannt, verbindet beide Teile des Eichenteichs.

Den südlichen und westlichen Teil des Gartens nimmt das Arboretum, eine reichhaltige und systematische Sammlung einheimischer Pflanzen, ein. Das Arboretum grenzt ebenfalls an beiden Teile des Eichenteichs, sodass sich auch einheimische Uferpflanzen in der Sammlung befinden.

In der nordwestlichen Ecke des Gartens wurde eine „Systematische Abteilung“ angelegt, in der die Pflanzen nach ihren Verwandtschaftsverhältnissen geordnet waren. Dieser Teil des Gartens wurde im April und Mai 1945 durch Luftangriffe, Artilleriebeschuss und Bodenkämpfe zerstört und in abgeänderter Form wieder aufgebaut. Er beherbergt nun eine Anlage für das System der Krautigen Pflanzen und die Anlage für Heilpflanzen. Diese Anlage ist in Form eines menschlichen Körpers angelegt worden, wobei die Pflanzen an der Stelle ihres Wirkungsbereichs angepflanzt wurden, sie ist die Nachfolgerin des Apothekergartens. Dieser befand sich etwas weiter östlich, zusammen mit der „Ökonomische Abteilung“, in der Nutzpflanzen gezeigt wurden. Der Apothekergarten war besonders bedeutsam, da er alle Medizinalpflanzen, die im Freien gedeihen, zeigte.

Zwei „Morphologische Abteilungen“ lagen östlich des Hauptweges in den wenigen freien Bereichen zwischen den Gebäuden. Besonders erwähnenswert ist hierbei die Wasser- und Sumpfbeetanlage in der Abteilung II. 262 Becken mit Wasserberieselung und Ableitung des überlaufenden Wassers wurden hierfür aus Zementbeton hergestellt. Für die Sumpfflora der Tropen wurde ein großes Wasserbecken beheizt. Die gesamte Anlage ist noch vorhanden, wurde jedoch nach der Eröffnung des direkt angrenzenden neuen Sumpf- und Wasserpflanzengartens aufgelassen. In der alten Anlage entwickelt sich nun zum Schutz heimischer Wildpflanzen und -tiere ein Biotop.

An Stelle der „Morphologischen Abteilung I“ befindet sich seit 1984 der „Duft- und Tastgarten“, in dem alle Pflanzenschilder auch in Brailleschrift ausgeführt sind. Reliefpläne an den Zugängen zu diesem Bereich erleichtern Blinden die Orientierung. Zudem können an den Kassen Hefte in Brailleschrift ausgeliehen werden. Ebenfalls östlich des Hauptweges befand sich der Kolonialgarten, der für das Studium der in den deutschen Kolonien zu kultivierenden Nutzpflanzen angelegt worden war. In einer weiteren Abteilung östlich des Hauptweges, nahe dem südlichen Eingang, werden seit Eröffnung des Gartens einjährige Staudengewächse und Gartenblumen gezeigt.

Relativ neu und doch bezugnehmend auf die ältesten Wurzeln des Botanischen Gartens ist der „Kurfürstengarten“ im nördlichen Innenhof des Gewächshauskomplexes. Hier ist ein Hof- und Küchengarten entstanden, wie er im 17. Jahrhundert auch am Berliner Stadtschloss zu finden war. In dem 1663 von Johann Sigismund Elsholtz veröffentlichen Buch „Flora Marchica“ ist die Bepflanzung der damaligen Anlagen überliefert.

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Großes Tropenhaus

Einteilung in den Schauhäusern

Folgende Schaugewächshäuser stehen den Besuchern zur Verfügung:

  • Großes Tropenhaus (nach mehrjähriger Sanierung seit September 2009 wieder geöffnet)
  • Begonien
  • Tropische Nutzpflanzen
  • Orchideen und Kannenpflanzen
  • Pflanzen der feuchten Tropen
  • Tropische und subtropische Farne
  • Bromeliengewächse
  • Sukkulente Pflanzen Afrikas
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Kakteenhaus
  • Kakteen und andere sukkulente Pflanzen Amerikas
  • Südafrika
  • Tierfangende Pflanzen und Pflanzen der Südhemisphäre
  • Australien und Neuseeland
  • Kamelien und Azaleen
  • Victoriahaus und Sumpfpflanzenhaus (geschlossen)[5]
  • Mittelmeer- und Kanarenhaus

Besondere Pflanzen

In der Artenvielfalt steht der Botanische Garten in Berlin mit 22.000 Arten weltweit an der dritten Stelle. Die älteste Pflanze im Botanischen Garten ist ein 160 Jahre alter Palmfarn, der bereits im alten Botanischen Garten in Schöneberg grünte.[1] Beeindruckend ist auch der Riesen-Bambus im Großen Tropenhaus, der eine Wuchshöhe von 25 m, einen Halmdurchmesser von 15 cm und einen Größenzuwachs von bis zu 30 cm[7] täglich erreichen kann. Eine botanische Rarität ist eine über 20 Jahre alte Welwitschie. Sie ist das weltweit einzige Exemplar, das in einem Botanischen Garten Samen produziert.

Bauten

Gewächshäuser

Die 16 Schaugewächshäuser, von denen heute noch 15 vorhanden sind, wurden am Südwesthang des Fichtenberges angelegt. Die Struktur des Geländes ermöglichte eine optimale Anordnung. 14 Gewächshäuser bilden einen rechteckigen Komplex, der vom Großen Tropenhaus dominiert wird. Dieses und weitere große Gewächshäuser liegen „in der zweiten Reihe“, die flacheren Gewächshäuser durch die Hanglage drei Meter tiefer, direkt am Hauptweg. Dies hat zur Folge, dass der Sonneneinfall optimal ausgenutzt wird und eine gegenseitige Verschattung ausgeschlossen ist. Allen Gewächshäusern gemeinsam ist die damals neuartige Bauweise, bei der das stählerne Traggerüst komplett innerhalb (Beispiel: Subtropenhaus) oder komplett außerhalb (Beispiel Großes Tropenhaus) des jeweiligen Gewächshauses liegt. Hierdurch konnte ein Wärmeverlust über die Tragwerke und die ungünstige Bildung von Tropfwasser an den Stahlträgern vermieden werden.

Ursprünglicher Grundriss der Schaugewächshäuser nach dem Entwurf von Koerner Die Grundfläche aller ursprünglich angelegten beheizten Schaugewächshäuser betrug 8192 m². Hierzu kamen nichtgeheizte Erdhäuser für Frühbeete mit einer Fläche von etwa 1500 m².

Pavillons

In den Freianlagen bieten zahlreiche Pavillons die Möglichkeit sich auszuruhen, Literatur zu studieren oder Schutz vor Regen zu suchen. Koerner zeigte hier seine umfangreichen architektonischen Fähigkeiten, indem er die Bauten in unterschiedlichsten Stilen, angepasst an das botanische Umfeld, entwarf. Teilweise sind diese Pavillons mit kleinen Schmuckanlagen verbunden.

Im Bereich der geografischen Anlagen, die die Flora Ostasiens zeigen, befindet sich im Mittelpunkt eines japanischen Ziergartens die Japanische Laube.

An zentraler Stelle im Arboretum befindet sich die Rosenlaube. Aus Basaltlava errichtete Koerner hier ein halbrundes massives Bauwerk in romanischen Formen. Es ist umgeben von wilden Rosen, die es überwuchern und vor dem dunklen Gebäude besonders eindrucksvoll ihre Blütenpracht zeigen können.

In der systematischen Abteilung, heute inmitten ausgedehnter Wiesen, befindet sich eine offene Vortragshalle. Engler suchte diese mit seinen Studenten gerne auf, um hier Vorlesungen abzuhalten. Sie trägt heute deswegen auch den Namen Engler-Pavillon.

In der ehemaligen Morphologischen Abteilung I, dem heutigen Duft- und Tastgarten, befindet sich ein pilzförmiger bedeckter Sitzplatz. Dieser etwas klobig erscheinende Pavillon verbirgt unter sich einen 180 m³ fassenden Sammelbrunnen, in dem das Regenwasser aller Glasdächer, in Summe immerhin etwa 8000 m², gesammelt wird. Dieses Wasser wird zur Versorgung entsprechend empfindlicher Pflanzen genutzt.

Eine Kombination aus Pavillon und Wirtschaftsgebäude stellt das Alpenhäuschen dar. Am Rande des Alpengartens wurde es in den Formen des schweizerischen Holzbaus errichtet. Neben seinem Bestimmungszweck als Gärtnerarbeitshaus bietet es auch eine Sitz- und Schutzhalle für Besucher. Weitere Schutzhallen wurden in Zusammenhang mit den Pförtnerlogen an beiden Eingängen errichtet.

Im Jahr 1997 ist der Dorotheen-Pavillon am Ufer des nordwestlichen oberen Sees des Eichenteichs hinzugekommen.

Botanisches Museum, Herbarium und Bibliothek

Museum, Herbarium und Bibliothek sind in einem gemeinsamen Gebäude an der Königin-Luise-Straße untergebracht, das zwischen 1903 und 1906 errichtet wurde. Der von Koerner entworfene viergeschossige Bau mit ausgebautem Dachgeschoss besteht aus einem Hauptbau an der Straße und zwei Gartenflügeln. Der westliche 48,68 Meter lange Gartenflügel beherbergte das Museum und die Botanische Zentralstelle für die deutschen Kolonien, der östliche Gartenflügel (28,17 Meter lang) war für Herbarium und Bücherei errichtet worden. Der Flügel war so gestaltet, dass später bei Bedarf eine Verlängerung hätte erfolgen können. Im 78,9 Meter langen Hauptbau befanden sich Verwaltungsräume, Arbeitszimmer, Unterrichtsräume und an der Nordwestecke ein großer Hörsaal.

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Ausstellung im Museum

Die Eingangshalle des Gebäudes erstreckt sich über zwei Stockwerke und vermittelt die Zugänge zu den verschiedenen Bereichen des Gebäudes.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude sehr stark beschädigt. Am 1. März 1943 durchschlug eine Sprengbombe das Dach des Herbar- und Bibliothekflügels und setzte diesen in Brand. Auch Phosphorbomben trafen das Gebäude. Der Herbar- und Bibliotheksflügel und Teile des Hauptbaues brannten bis zum nächsten Tag nieder. Der Museumsflügel stand zwar noch, hatte jedoch erhebliche Schäden durch die Druckwellen der Sprengbomben hinnehmen müssen. Bei einem Luftangriff am 29. Januar 1944 wurde dann auch der Museumsflügel getroffen und brannte weitgehend aus.

Zwischen 1953 und 1959 wurden der Westflügel und der Hauptbau wieder aufgebaut. Herbarium, Bibliothek und Museum mussten sich nun den Westflügel vorerst teilen, sodass allen deutlich weniger Fläche zur Verfügung stand. Von 1983 bis 1987 wurde ein neuer Ostflügel, größer als der ursprüngliche, nach Entwürfen von Rainer G. Rümmler errichtet.

Botanisches Museum

Ausstellungsraum im Museum, um 1905 Im Jahr 1879 erhielt das Herbarium im alten Botanischen Garten ein eigenes Gebäude und somit erstmals die Möglichkeit, Sammlungsstücke der Öffentlichkeit zu präsentieren. Bereits ein Jahr später wurde eine Ausstellung zur „Belehrung nicht fachlich ausgebildeter Besucher“ eröffnet. Dies war der erste Vorläufer des Botanischen Museums.

Mit dem Umzug nach Dahlem erhielt das Museum 1907 auf drei Etagen eine deutlich vergrößerte Ausstellungsfläche. Dies wurde zur Erweiterung der pflanzengeografischen und paläobotanischen Ausstellung um Abteilungen zu Fortpflanzungsverhältnisse im Pflanzenreich und zu Grundtypen der Pflanzengestalten genutzt.

Nach der Zerstörung von Gebäude und zahlreichen Exponaten wurde 1957 mit dem Wiederaufbau eines Museums auf deutlich reduzierter Fläche in einer Etage begonnen. Nach dem Umzug von Herbarium und Bibliothek in den neu aufgebauten Ostflügel konnte das Museum erweitert werden. Am 11. März 1991 wurde die zweite Etage eröffnet. 2004/05 erfolgte eine Überarbeitung und Umgestaltung der ersten Etage.

Das Museum versteht sich heute als Ergänzung zum Garten und will die Themen der Botanik präsentieren, die im Garten nicht ohne Weiteres beobachtet werden können. Hierzu gehören geschichtliche Entwicklung, Entwicklung über das Jahr, innere Pflanzenaufbauten, vergrößerte Mikrostrukturen, Artenverbreitung sowie Pflanzenprodukte und -nutzung.

Herbarium, Bibliothek und Saatgutbank

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Botanisches Museum

Erste Pflanzensammlungen wurden bereits von Elsholtz um 1657 noch vor der Gründung des Botanischen Gartens durchgeführt. Der Grundstock von Herbarium und Bibliothek geht jedoch auf das Jahr 1818 zurück, als der damalige Direktor Heinrich Friedrich Link unter der Fürsprache des preußischen Ministers Karl vom Stein zum Altenstein erreichte, dass aus dem Nachlass von Willdenow dessen Privatherbarium und -bibliothek für den Botanischen Garten erworben wurden. Neben zahlreichen Sammlungen, die von Mitarbeitern des Botanischen Gartens durchgeführt wurden, gingen dem Herbarium in der Folgezeit zahlreiche Sammlungen führender Botaniker zu. Kustos und Leiter von 1838 bis 1860 war Johann Friedrich Klotzsch.

Beim Umzug der Bibliothek in das neue Gebäude nach Dahlem betrug die Anzahl der Bände und Separata etwa 37.000. Das Herbarium bestand zu diesem Zeitpunkt aus 17.500 Mappen, davon 3.200 mit Kryptogamen. Einige wichtige Sammlungen, wie die von Willdenow oder die Himalaya-Sammlung von Prinz Waldemar, wurden getrennt aufbewahrt und nicht in das Generalherbar integriert.

Durch den Bombentreffer am 1. März 1943 und den nachfolgenden Brand wurde annähernd die gesamte Sammlung, mit teilweise 300 Jahre alten unwiederbringlichen Stücken, sowie die Bibliothek vernichtet. In der Bibliothek verbrannten 80.000 Bände und 200.000 Drucke. Sofort nach dem Verlust der Bibliothek wurde durch Schenkungen und antiquarische Käufe mit deren Wiederaufbau begonnen. Anfang 1945 war der Bestand wieder auf 20.000 Bände und 50.000 Drucke angewachsen. Durch die Wirren, die mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs verbunden waren, ging jedoch auch dieser Bestand zu großen Teilen wieder verloren.

Nach dem erweiterten Wiederaufbau des Ostflügels zogen Herbarium und Bibliothek 1987 dort ein. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Bibliothek mit etwa 85.600 Monografien und Zeitschriftenbänden den Vorkriegsumfang erreicht.

Im Jahr 1994 wurde mit der Dahlemer Saatgutbank eine Langzeitlagerung für keimfähige Samen gefährdeter oder geschützter Pflanzen eingerichtet. Die Samen werden weltweit gesammelt, der Schwerpunkt liegt aber auf Europa und speziell der Region Berlin-Brandenburg. Seit 2015 verfügt die Saatgutbank über ein eigenes kleines Gebäude zwischen Botanischem Museum und dem Sumpf- und Wasserpflanzengarten. Der Bestand war zu diesem Zeitpunkt bereits auf etwa 7000 Einlagerungen angewachsen, die für Erhaltungskulturen gefährdeter Arten und die wissenschaftliche Forschung zur Verfügung stehen.