Film Vorstellung: Allgemeines

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Nobody's Watching

Originaltitel: Nadie nos mira

Nico hat alles aufgegeben: sein Zuhause in Buenos Aires und die Rolle in einer erfolgreichen TV-Serie genauso wie seine langjährige Affäre mit Martín, deren Produzent. In New York wartet ein neues Filmprojekt auf ihn. Doch angekommen im Big Apple, fällt der Dreh ins Wasser und Nico muss sich bald mit Minijobs als Barkeeper und Babysitter durchschlagen, während er bei Freunden auf der Couch wohnt. Einzig seine sexuellen Abenteuer in der schwulen Szene bringen Nico die dringend benötigte Ablenkung. So treibt der Überlebenskünstler zwischen Hoffnung, Einsamkeit und Lust durch eine Großstadt voller Möglichkeiten. Nico muss zwar einsehen, dass er nicht nur seinen Mitmenschen, sondern auch sich selbst etwas vormacht, doch reift in ihm auch die Erkenntnis, dass der tatsächliche Erfolg seiner Reise in der Selbstentdeckung liegen kann…

Info zu ''Nobody's Watching'': Die Regisseurin Julia Solomonoff hat den gleichen Hintergrund wie der Protagonist ihres Dramas. Sie kommt aus Argentinien und lebt inzwischen in New York.

Clip

Eine Kritik

Nobody's Watching

Um seine Karriere musste sich Nico (Guillermo Pfening) bislang nur wenig Sorgen machen. Schließlich war er einer der Stars einer erfolgreichen argentinischen Soap Opera. Eine wirkliche Perspektive bot ihm diese Arbeit jedoch nicht. Also versucht er sein Glück in den USA. Ein Angebot für einen Film hat er bereits, der Regisseur persönlich will mit ihm zusammenarbeiten. So zumindest hieß es. Immer wieder werden jedoch die Dreharbeiten verschoben, andere Rollen sind nicht in Sicht. Um sich überhaupt über Wasser zu halten, kümmert er sich um den Sohn einer Freundin. Aber auch hier zeichnen sich bald Schwierigkeiten ab.

Lange dauert es, bis der eine Satz fällt, der Nobody’s Watching seinen Titel gegeben hat. Gelegenheiten hat es zuvor jedoch eine ganze Reihe gegeben, Kontexte, in denen die Aussage mindestens ebenso gut, wenn nicht gar besser gepasst hätte. Das ist irgendwie komisch bei einem Film, der von einem Schauspieler handelt. Einem Menschen also, der davon lebt, dass andere Leute ihn anschauen. Komisch im bitteren Sinn. Vielleicht sogar auch wirklich traurig, so wie das Schicksal von Nico wenig Anlass für Freude gibt. Nicht ihm. Nicht dem Publikum, das ihn sehr wohl sieht.

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Von Schwulen, Latinos und anderen Außenseitern

Da wäre die US-amerikanische Filmbranche, die in ihm keinen verwertbaren Schauspieler sieht. Da wären die Kameras in den Supermärkten, vor denen er recht ungeniert stiehlt, ohne dass ihn jemand wahrnehmen würde. Und auch im rein Privaten, seinem Liebesleben, auch da geht es ums Verstecken, um das Nichtgesehenwerden. Lange hält sich Regisseurin und Co-Autorin Julia Solomonoff jedoch zurück, wenn es um den letzten Punkt geht. Wir bekommen zwar vergleichsweise früh mit, dass Nico schwul ist. Aber es reicht nur für schnellen, anonymen Sex, der nicht weiter thematisiert wird.

Allgemein hält sich der LGBT-Anteil in Grenzen, wird nur später etwas wichtiger. Zu erzählen hat die argentinische Filmemacherin zuvor aber auch schon so einiges. Über Rassismus zum Beispiel. Dass Nico mit seinen blondierten Haaren und seiner hellen Haut nicht dem gängigen Bild eines Latinos entspricht, dass kann im einen Moment von Vorteil sein, wenn er unbehelligt durch die Stadt radelt, in besagten Supermarktszenen ohne Beachtung stiehlt, er auch ohne Visum in New York bleibt, ohne dass es jemandem auffallen würde. Gleichzeitig verbaut es ihm den Weg zu den Latino-Rollen im Kino, die dann doch lieber das Klischee bedienen möchten. Für einen „echten“ Amerikaner hat der Soap- Star jedoch einen viel zu dicken Akzent, sitzt also zwischen zwei Stühlen.

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Beiläufige Selbstsuche mit Stolpersteinen

Nobody’s Watching handelt dann auch sehr viel davon, nirgends wirklich hinzugehören, sich selbst zu suchen. Sich ausdrücken zu wollen, ohne dass ihm jemand Beachtung schenkt. Die findet er allenfalls auf dem Spielplatz, wenn er sich mit dem Sohn der Freundin beschäftigt, als einer der wenigen Männer. Denn auch das bedeutet, Vorurteilen ausgesetzt zu sein. Viele dieser Szenen sind eher beiläufiger Natur. Anstatt einen Handlungsstrang konsequent zu verfolgen, ist das Drama lediglich ein chronologischer Einblick ins Leben. Das geht mal in die eine Richtung, mal in die andere. Was im einen Moment noch bedeutsam für den weiteren Verlauf wirkt, taucht später nicht mehr auf.

Das mag für den einen oder anderen wie ein Manko erscheinen. In diesem speziellen Fall ist die Ziellosigkeit der Geschichte jedoch nicht zwingend verkehrt, passt sie doch ganz gut zum Herumschlingern eines Protagonisten, der mangels eines Plan B irgendwie gar nichts mehr auf die Reihe bekommt. Tatsächlich sind es eher die Momente, wenn Nobody’s Watching konkret wird, in denen Schwächen offensichtlich werden. Solomonoff gelingt es nicht so recht, die fließende Natur ihres Films mit den beabsichtigten Wendepunkten in Einklang zu bringen, da wird es mitunter etwas holprig und ein bisschen zu direkt. So als würde sie dem Publikum unterstellen, selbst nicht so ganz zuzusehen und daher wichtige Punkte zu übersehen. Das hätte es gar nicht gebraucht, beißt sich mit der ansonsten eher entspannten Beobachtung. Sehenswert bleibt das Drama dennoch, erzählt von Sehnsüchten, vom Träumen, aber auch vom Flüchten und der harschen Erkenntnis, dass du gar nicht immer flüchten kannst und sich die wenigsten Leute für deine Träume interessieren. Nicht einmal in der Traumfabrik.

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Fazit: Ein argentinischer Soap-Star träumt davon, mit einem seriösen Film in den USA richtig durchzustarten, nur um am Ende richtig zu scheitern. Von einigen etwas zu direkten Szenen abgesehen ist „Nobody’s Watching“ ein schön beiläufiges Drama, das von verpatzten Lebenszielen und Orientierungslosigkeit handelt, dabei aber noch eine Reihe weiterer Themen wie Vorurteile streift.


Besucher Wertung:

Auszeichnungen / Festivalteilnahmen (Auswahl):

  • "Bester Schauspieler Internationaler Film - Gulillermo Pfening" - TRIBECA Filmfestival New York
  • ''Offizielle Auswahl'' - 12. Rom Int. Filmfestival
  • Frameline - San Francisco Int. LGBTQ Filmfestival
  • Rio de Janeiro International Filmfestival
  • Calgary International Filmfestival
  • Melbourne Queer Filmfestival
  • ZFF - Zürich Filmfestival
  • Warschau International Filmfestival
  • Écrans Mixtes Filmfestival - Lyon
  • Febiofest - Int. Filmfestival Prag
  • Trinidad und Tobago Filmfestival
Pressestimmen

  • ''Ein feinfühliges und reduziertes Drama über das Leben im Ausland.'' kino.de
  • ''Eine sensible Reise ins Ich, ohne Larmoyanz und mit Zuversicht.'' TV Spielfilm
  • ''Julia Solomonoffs nachdenklicher Film über einen strauchelnden Schauspieler seziert mit Scharfsinn und Zurückhaltung die Mühen der Immigration.'' Süddeutsche Zeitung
  • ''Solomonoffs unaufdringliche Regie und Pfenings zutiefst bewegendes Schauspiel machen diese Geschichte so unglaublich effektiv.'' hollywoodreporter.com
  • ''Wahrhaftig und unverstellt erzählt das famos gespielte, unsentimentale Immigranten-Drama von der komplizierten Suche nach der eigenen Identität und den wahren Bedürfnissen.'' programmkino.de
  • ''Beeindruckend verkörpert Guillermo Pfening einen Menschen, der sich standhaft gegen die Selbstaufgabe entscheidet und dessen ersehnter Neubeginn anders aussehen muss als geplant.'' Missy Magazine
  • ''Ein wunderbar zeitgemäßer Film, der einen tiefen Blick in die Seele eines Mannes auf der Suche nach Zugehörigkeit und Identität gewährt.'' dcacradio.com
  • ''Solomonoff schafft das glaubwürdige Portrait eines Schauspielers, der irrealen Träumen hinterherrennt - und mit Guillermo Pfening hat sie einen hervorragenden Darsteller.'' filmjournalisten.de